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New Work Award: "Wir suchen die echten Rebellen"

Der New Work Award von XING geht in die nächste Runde. Zum Start des Wettbewerbs um den renommierten Preis erklärt Juryvorsitzender Thomas Sattelberger, was sich beim NWA 2018 geändert hat – und welche Rolle der „Club der toten Dichter“  dabei spielt.

Die Arbeitswelt verändert sich unter dem Einfluss von Digitalisierung und Globalisierung in einem zuweilen atemberaubenden Tempo. Angesichts der fundamentalen Veränderungen beginnt auch ein Umdenken in immer mehr Firmen und Organisationen, vieles wird ausprobiert, einiges schon festgezurrt: Flexibles Arbeiten statt Präsenzpflicht. Nachhaltigkeit statt Renditehatz. Mitbestimmung statt starrer Hierarchien. Selbstbestimmtes Gehalt statt fester Gehaltsstruktur. Doch welche Konzepte setzen wirklich die Standards von morgen? Der New Work Award ist der Preis für so ein zukunftsweisendes Arbeiten von Unternehmen und Menschen, die mit ihrem Schaffen sinnbildlich für die neue Arbeitswelt stehen, wie Juryvorsitzender Thomas Sattelberger im Interview mit XING Spielraum erläutert.  (Alle wichtigen Informationen zum Wettbewerb und den Teilnahmebedingungen finden Sie unter diesem Link)

Thomas Sattelberger XING New Work Award

New-Work-Award Juryvorsitzender Sattelberger: „New Work Ideen haben die Kraft eine ganze Bewegung auszulösen, verkrustete Hindernisse zu sprengen“

XING Spielraum: Herr Sattelberger, wo liegen die Schwerpunkte des NWA 2018?

Thomas Sattelberger: Wir waren in diesem Jahr damit sehr erfolgreich, dass wir nicht nur Unternehmen, Institutionen und Organisationen ausgezeichnet haben, sondern auch Einzelpersönlichkeiten, die „New Worker“. Diesen Weg wollen wir weitergehen und nochmals schärfen. Wir wollen in dieser Kategorie diejenigen auszeichnen, die als New Worker tatsächlich Veränderungen in ihren Unternehmen einleiten. Jemand, der gerne auch schon eine kritische Minderheit hinter sich hat oder bewegen kann – kurz: die Rebellen in ihren Organisationen und Unternehmen.

Welche Grundlagen braucht eine Bewerbung eines Unternehmens oder einer Organisation?

Sattelberger: Wir suchen weiterhin Unternehmen, die sich auf die Reise begeben haben. Da sieht es bezogen auf die Umsetzung ähnlich aus wie beim Einzelbewerber, gleichzeitig sind wir bei den etablierten Unternehmen ein Stück offener geworden: Da muss sich jetzt nicht der gesamte Konzern oder die ganze Firma bereits Richtung New Work aufgemacht haben, wenn aber ein Teilbereich einer solchen Organisation sich schon deutlich verändert hat, ist das bewerbungsfähig.

Gerade bei Großkonzernen finden Veränderungsprozesse ja tatsächlich meistens in kleineren Units statt, sind aber für das große Ganze enorm wichtig…

Sattelberger: Ja, genau. Bei den großen Unternehmen beginnt Veränderung oft an der Peripherie oder bei dezentralen Bereichen. Und genau das möchten wir gerne honorieren.

Es gibt in diesem Wettbewerbsjahr noch eine überraschende Neuerung, und zwar den „John-Keating-Preis“. Können Sie uns darüber ein wenig verraten?

Sattelberger: John Keating – alle Filmfans wissen das ja – ist der inspirierende Lehrer aus dem „Club der toten Dichter“, herausragend gespielt von Robin Williams. Und dieser Keating zeigt, wie Innovation durch eine Art ‚Doppelhändigkeit‘ ermöglicht werden kann. Auf der einen Seite durch das Akzeptieren des Effizienzansatzes – in der Schulrealität damit auch dem Pauken – , auf der anderen Seite durch die Schaffung von Freiräumen, die John Keating als Lehrer für seine Schüler ermöglicht. Wir werden diesen Preis sehr bewusst vergeben, lassen Sie sich überraschen.

„Wir müssen aufpassen, dass aus New Work kein Management-Buzztalk wird“

Gerne. Sie sind ein sehr aktiver Beobachter und Akteur innerhalb der New-Work-Bewegung. Was sind für Sie die wichtigsten Trends derzeit?

Sattelberger: Ich glaube, wir müssen höllisch aufpassen, dass aus der New-Work-Bewegung kein neuer Management-Buzztalk wird, der die alte Realität mit neuen schönen Begriffen zukleistert, ohne wirklich irgendwas zu verändern. Das ist eigentlich der normale Lauf der Dinge, dass eine erfolgreiche Idee rhetorisch gekidnappt wird – und insofern eine Bestätigung, dass wir mit dem Konzept etwas Richtungsweisendes zum Laufen gebracht haben. Aber jetzt müssen wir wirklich sehr aufpassen, dass dem auch nachhaltig echte Veränderung folgt – und auch so kann man die Fokussierung des New Work Awards verstehen.

Gleichzeitig beobachte ich aber auch, dass mehr Tiefgang in die Diskussionen unserer Themen hineinkommt, zum Beispiel darüber, wie sich politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen weiterentwickeln müssen, damit wir nicht länger nur im alten Rahmen mit neuen Arbeits- und Organisationskultur experimentieren, sondern andere Arbeitszeitregimes und andere Beschäftigungsformen umsetzen können.

Elbphilharmonie in Hamburg

„New-Work-Experience“-Location Elbphilharmonie in Hamburg: „Schön wäre es, wenn uns ein interaktives Zusammenspiel gelingt“ ©Foto: Thies Rätzke / Elbphilharmonie

Das sind ganz konkrete Anforderungen an die Politik. Nun haben wir gerade eine Bundestagswahl gehabt, was muss aus Ihrer Sicht die neue Bundesregierung, egal in welcher Konstellation, in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik ändern?

Sattelberger: Es geht nicht darum, der Kassiererin im Supermarkt oder dem Arbeiter am Fließband Schutzrechte wegzunehmen, aber wir brauchen im Arbeitsrecht beispielsweise Öffnungsklauseln für Wissens- und Kreativarbeit, die auf betrieblicher Ebene dann gestaltet werden kann. Das nächste Problem ist etwa die Zeitregelung in unserer modernen Arbeitswelt: Wenn ich um 23 Uhr noch eine geschäftliche Mail zuhause bearbeite, habe ich dann wieder Anspruch auf elf Stunden Ruhezeit? Das ist derzeit völlig unklar.

Und drittens brauchen wir vor dem Hintergrund der Digitalisierung auch Positivkriterien für Selbstständigkeit – und nicht nur negative Kriterien wie die der Scheinselbstständigkeit. Sodass der immer größere Anteil der Freelancer, aber auch der Unternehmen, die sie beauftragen, sorgloser Beschäftigungsverhältnisse miteinander eingehen können.

Der New Work Award wird auch im nächsten Jahr wieder im Rahmen der New Work Experience verliehen, dieses Mal findet das Event in der Hamburger Elbphilharmonie statt. Worauf freuen Sie sich dabei am meisten?

Sattelberger: Ich freue mich am meisten auf die Lösung, wie es gelingt, diese wunderschöne Elbphilharmonie so mit unserem inhaltlichen Design balancieren, dass dieses Zusammentreffen nicht monologisch, sondern wahrlich interaktiv wird. Im Sinne des Ortes eine echte Harmonie aus vielen Stimmen.

Interview: Ralf Klassen

Veranstaltungshinweis: Der New Work Award 2018 wird im Rahmen der von XING ausgerichteten „New Work Experience 2018“ am 6. März kommenden Jahres in der Elbphilharmonie verliehen. Mehr Informationen zu Programm  und Ticketbestellungen für die #NWX18 erfahren Sie unter newworkexperience.xing.com

 

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