Besser leben. Anders arbeiten.
Das New Work Themen-Portal.

Besser leben. Anders arbeiten.
Das New Work Themen-Portal.

Familie & Beruf

Ein Jahr Elternzeit: Wer soll das bezahlen?

Als Topmanager in Elternzeit – und dann gleich ein ganzes Jahr? Nach dem ersten Beitrag unser neuen Serie von Oliver Knoblauch kamen viele Reaktionen von Lesern, Kollegen und Blogs. In dieser Folge geht es um einen der meist diskutierten Aspekte: Wie finanziert man eine einjährige Pause von beiden Partner? Es kommt auf die Einstellung an, sagt unser Autor.

Oliver Knoblauch Elternzeit

©Foto:privat

Von Oliver Knoblauch*

Vor einem Monat habe ich meinen ersten Beitrag im Xing Spielraum veröffentlicht. Die Resonanz war überwältigend und die Kommentare der Leser oft ausführlich  verfasst mit einer tollen gemeinsamen Aussage: Die Zeit mit der Familie ist das Wertvollste, was wir haben.

Die Reaktionen mir gegenüber waren aber auch kontrovers, wenn es um die Finanzierung dieser Auszeit geht. Die Sätze „Als Führungskraft haben Sie ja genug verdient“ oder „Sowas kann ich mir nicht leisten“ sind häufige Aussagen. Auch bei mir halten sich solche alten Denkstrukturen hartnäckig. Doch wieviel Geld brauche ich wirklich in dieser Zeit?

Die Möglichkeit, gemeinsam mit der Familie Zeit zu verbringen, empfinde ich als unbezahlbar. Noch vor kurzem dachte ich, dass ich meine Familie kaum zu sehen bekomme. Erst spät zum Abendbrot zuhause und morgens ohne Frühstück wieder raus zur Arbeit. Viel zu schnell ist meine Tochter ohne mich drei Jahre alt geworden. Viel zu schnell ist sie ein großes Mädchen. Diese Gedanken gehören derzeit der Vergangenheit an.

Du bist beste der Welt“ sagte sie heute Morgen mit leuchtenden Augen, nahm mich in den Arm und gab mir einen dicken Kuss. Das erste Mal und völlig unerwartet erwischte mich dieses Gefühl der völligen Schönheit vom Glück. Ihre Aufforderung mal „kurz“ auf den Spielplatz zu gehen, kam ich dann auch gleich nach – für drei Stunden. „Es gibt gerade nichts Schöneres als jetzt mit dir Spaß zu haben und Abenteuer zu erleben. Der Rest kann warten“ sagte ich leise.

Ich war bisher geprägt vom Gedanken, dass die finanzielle Absicherung fast das Wichtigste ist und deshalb viel gearbeitet werden muss. Es ging mir nicht um das neueste Auto, das größte Haus oder teuren Schmuck, sondern nur um das Sparen für später.

Ein Haushaltsbuch gegen die Angst

Während sich aber finanzielle Sicherheit immer auf die Zukunft bezieht, steht Abenteuer und Spaß für die Gegenwart. Die Zeit, in der wir wirklich leben. Die Zeit, aus der wir was machen können – unabhängig von viel oder wenig Geld. Wie ich leben viele Menschen nicht im Hier und Jetzt, sondern hoffen auf später, um dann ihre Träume zu erfüllen. Doch wie fit werden wir im Alter sein, wenn wir uns keine Zeit für uns gönnen?

Die finanziellen Mittel haben sich erwartungsgemäß ab dem ersten Tag Elternzeit verändert. Häufig werden wir gefragt, wie wir damit umgehen. Bei mir war das auch aufgrund des Sicherheitsgedankens auch immer wieder ein Thema. Um der Angst entgegenzuwirken, haben wir seit der Entscheidung ein Haushaltsbuch für die nächsten 2 Jahre mit möglichen Ausgaben und Einnahmen in Excel erstellt. Jeder Cent, den wir noch vor der Elternzeit sparen, kommt unserer gemeinsamen Familienzeit zugute. Wir haben angefangen, Dinge zu verkaufen und gespendet, die wir nicht mehr brauchen und nur noch Ballast waren. Es hilft dabei, wenn der Partner entscheidet, ob man seine Dinge wirklich noch benötigt. Neben den Einnahmen durch gebrauchte Artikel reduzierten wir auch die laufenden Kosten.

„Der Gewinn liegt im Einkauf“ sagt eine alte Kaufmannsregel. Nötige Neuanschaffungen für die Familie wie ein Kinderwagen werden bei Kleinanzeigen gesucht. Meine Frau liebt es im Internet zu stöbern, ich liebe es zu handeln. So sind wir ein perfektes Team, wenn wir uns „neue“ Dinge anschaffen möchten. Die letzte Sandkiste gab es „zu verschenken bei Selbstabbau“, das Kinderfahrrad für 30 Euro anstatt für 170 .

Produkte mit einem hohen Wertverfall oder wenig Mehrwert für uns – wie ein neuer Fernseher oder ein anderes Auto – verringern für uns die Freiheit in der Elternzeit und wurden nicht gekauft. Unser 17 Jahre alte Audi fährt uns genauso schnell und gemütlich zur Ostsee wie ein neuer. Die 10 Jahre alte Anlage gibt uns weiterhin herrlichen Klang.

Mit einem Hauskauf Geld gespart

Natürlich benötigt man Zeit für die Recherche und den Kauf, was während der normalen Arbeitszeit nicht geht. Und deshalb habe ich eine zweite Motivations-Rechnung mit der einfachen Annahme dahinter, dass ich diese Produkte vorher wahrscheinlich bestellt und nach Hause schicken lassen hätte. Dieser eingesparte Betrag im Vergleich zum Neuwert kommt ebenso in die Liste.

Unsere Wohnung haben wir gekündigt und stattdessen mit dem Vater meiner Frau ein Drei-Generationen-Haus gekauft. Die Wohnkosten konnten wir mehr als halbieren. Die Sanierung des Hauses ist allerdings mit so vielen Kosten verbunden, dass wir jetzt erstmal nur das Wichtigste gemacht haben. Gerade weil ich versuche, alles selber zu machen, wäre die gemeinsame Zeit und das Budget eher im Haus gelandet. Eine Falle, in die ich zu gerne reingetreten wäre. Hier muss ich mich förmlich zwingen, die Prioritäten richtig zu setzen.

Das in den letzten Monaten gesparte Geld ist der Gewinn für unsere gemeinsame Reisezeit in den kommenden Monaten, bei der wir uns ein Ausgabelimit für die Reise von 1.800 Euro im Durchschnitt pro Monat gesetzt haben. Die gemeinsame Reiseplanung sieht die Route von Hamburg nach Neuseeland vor – mit Zwischenstopps in Asien und in Australien. Wir wollen den größtmöglichen Abstand zum Alltag gewinnen, im Umfeld von freiheitsliebenden Reisenden sein und ein Maximum an Natur ohne Ablenkungen. Sicherlich gibt es nähere Ziele, aber es geht uns auch darum, dass wir unsere Träume jetzt erfüllen wollen – Australien ist mein größter und Neuseeland der meiner Frau.

Die erste und wichtigste Sparmaßnahme wird der Kauf eines Campervans vor Ort sein, da diese meist einen hohen Wiederverkaufswert hat und die Übernachtungskosten deutlich senken lässt.

Inwieweit das alles reicht um die Elternzeit zu finanzieren, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Der kostbare Moment heute Morgen mit meiner Tochter gibt Mut, dass ich viel gewinnen werde.

*Zur Person: Oliver Knoblauch ist Ehemann, Vater – und Digitalchef des Kinounternehmens Cinemaxx. Auf XING Spielraum beschreibt er „das Abenteuer“, als stark eingespannte Führungskraft für ein ganzes Jahr in Elternzeit zu gehen. Welche Reaktionen kommen von Chefs und Kollegen? Wie lässt sich so etwas organisieren und finanzieren? Wie schwer fällt es, wirklich loszulassen und wie schwierig ist der Wiedereinstieg? Darüber berichtet Knoblauch hier in regelmäßigen Abständen bis zum Sommer 2018. 

Hier geht es zum ersten Teil unserer Serie:

Als Topmanager in Elternzeit: ein Ja(hr) mit Risiko

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.