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Familie & Beruf

Als Topmanager in Elternzeit: ein Ja(hr) mit Risiko

Immer noch nutzen nur 20 Prozent der Väter hierzulande das „Elternzeit“-Angebot. Und wenn, dann meist nur für zwei Monate. Doch was passiert, wenn eine Führungskraft sich entschließt, Elternzeit zu nehmen? Und das gleich für zwölf Monate? Mitten in wichtigen Projekten. Ist das verantwortungslos? Wie reagiert der Chef? In unser neuen Serie berichtet Oliver Knoblauch von seinen Erfahrungen und den überraschenden Reaktionen.

„Ich liebe es, zu arbeiten. Vor 5 Jahren habe ich die Chance bekommen, als Head of Digital bei CinemaxX, die Digitalabteilung neu zu strukturieren, das Unternehmen fit zu machen für die neuen Herausforderungen. Das bedeutete: mehr als 60 Stunden die Woche, natürlich abends und am Wochenende. In den letzten zwei Jahren war ich zudem verantwortlich für ein internationales Projekt, welches CinemaxX zu einen der führenden Kinobetreiber im digitalen Zeitalter machen wird.

Nichts konnte mich die letzten Monate aufhalten. Dachte ich jedenfalls bis zu einem Abend im Herbst auf Geschäftsreise in London. Ein harmloser Skype-Anruf mit meiner zweijährigen Tochter: „Papaaaa. Guck mal.“ Sie zeigt mir ihr Strichbild. „Da ist Mama und da ich… Wann kommst du nach Hause?“ Im Business-Modus antworte ich cool: „Übermorgen bin wieder da. Doch jetzt muss ich schnell noch die Präsentation für morgen fertigmachen.“ Gute Nacht aus dem Hotelzimmer – per Videochat. Noch schnell für morgen alles vorbereitet und den Gedanken verdrängen, dass ich nicht auf den Bildern meiner Tochter bin. Zwei Tage später zurück in Hamburg werde ich so gestresst sein, dass ich nur meine Ruhe haben will.

Als TEDtalk-Fan bin ich kurze Zeit später auf ein Video mit Shonda Rhimes mit dem Titel „My year of saying yes“  gestoßen. Es geht darum, dass die bekannte Autorin, unter anderem von Grey’s Anatomy, so viel arbeitet, aber keine Zeit für ihre Töchter nimmt und sich kurzerhand entschließt, ein Jahr für ihre Familie alles stehen zu lassen.

Ein Jahr nur Zeit für die Familie verbringen? Ohne Kollegen und Projekte? Die Idee war so skurril wie interessant. Doch schnell habe ich es wieder verworfen, denn das wäre ein Knick in meiner Karriere. Das geht nicht.

Die befreiende Entscheidung

Doch das Video war von da an konstanter Begleiter und beschäftige mich immer mehr. Kurz bevor meine Frau und ich Nachwuchs bekamen, hatten wir einer der wenigen Abende füreinander und ich zeigte ihr das Video. Mit feuchten Augen haben wir uns dann die Frage gestellt, was denn richtig und wichtig ist. Soll ich weiter so arbeiten, gutes Geld verdienen und die wichtigste Zeit in der Familie verpassen? Was wäre denn, wenn ich mir zwölf Monate Elternzeit nehme für das wichtigste im Leben? Eine Auszeit für das, wofür im Alltag sonst keine Zeit bleibt?

Die Gedanken und die Fragen schrieben wir auf unsere Wohnzimmerwand: „Warum? Was wird passieren? Wie machen wir das?“ Die halbe Nacht haben wir geträumt, geschrieben, gezweifelt und gerechnet. Ich habe dazu noch eine Flasche Wein geköpft. Herausgekommen ist das beste „Boardbook“, das einfachste „Decisionpaper“ und der bedeutendeste „Onepager“ – auf drei Quadratmeter strukturierter weißer Tapete: 12 Monate mit der Familie, davon einen großen Teil Reisen um die Welt.

Wir sind vor den Kindern viel gereist. Meist einfach. Mal im durch Südfrankreich mit einem alten Kleinwagen, mal für zwei Euro pro Nacht neben einer Kanalisation auf Ko Samui oder aber auch einen Monat zusammen in Neuseeland mit einem kleinen Camper in der Natur. Zusammensein und die Erlebnisse waren das Wichtigste. Unser Gekritzel hängt an der Wand direkt neben einer Weltkarte mit all unseren Erlebnissen.

Doch neben allen schönen Dingen auf der vollgeschriebenen Wand waren aber auch drei relevante Dinge darauf: „Wie reagiert die Firma? Was passiert danach? Wie finanzieren wir das?“

 

Loser oder Gewinner? Pionier oder Karriere-Sackgasse?

Nachdem ich meiner Firma und bei den Geschäftspartnern die Botschaft verkündet habe, erlebte ich einige überraschende Reaktionen. Meine Entscheidung wurde bei einigen als unverständlich, unverantwortlich und als innere Kündigung gesehen. Auf Geschäftsterminen wurde dieser Schritt ungerne kommuniziert oder kommentiert.

Unter vier Augen wurde meine Entscheidung von den gleichen Personen mit Neid betrachtet. Natürlich hätte man gerne das Gleiche als junger Vater gemacht. Je tiefer ich an diesem emotionalen Part des Dialoges dann weiter bohrte, desto nachdenklicher wurden die Gesprächspartner. Man habe das Großwerden der eigenen Kinder damals verpasst und das bereue man. Gerne hätte man mehr am Familienleben teilgenommen. Dies sei sicherlich ein Fehler damals gewesen.

Aber ein Jahr Abwesenheit sei zu lang und es fällt schwer dieses akzeptieren, schließlich habe ich Team-Verantwortung sowie eines der größten Projekte des Hauses zu leiten. Das stimmt. Aber das würde die nächsten Jahre so weitergehen. Familie passt selten in die Karriere. Es gibt nur einen kurzen Zeitabschnitt wo die Kinder keine Schulpflicht haben und eine lange unabhängige Zeit mit der Familie möglich ist.

Den Auswirkungen in der Firma bewusst, habe ich meine Elternzeit knapp vier Monate vorab beim Vorgesetzten eingereicht, ausführlich erläutert und ab diesem Zeitpunkt meine Übergabe vorbereitet. Auch jetzt, in den ersten Wochen der Elternzeit, verbringe ich noch Zeit mit den Projekten und bin in wichtigen Telefonaten dabei. Loslassen ist auch für mich ein Lernprozess, es klappt aber schon sehr gut.

Deutschland ist in den letzten Jahren familienfreundlicher geworden und wir haben fantastische Möglichkeiten, aber manche Menschen sind im Kopf noch nicht soweit. Und damit tun sich somit auch die Unternehmen schwer ein „Change-Prozess“ in der Unternehmenskultur umzusetzen. Ich bin jedoch überzeugt, dass dieses auf Dauer gute Leute halten wird.

Ein Jahr Elternzeit trifft auf die zwei Seiten des arbeitenden Menschen: „Rationalität“ und „Emotionalität“. Egal wie rational wir handeln, wie professionell wir unsere Meetings wahrnehmen – wenn dein Kind dich fragt, wann du endlich nach Hause zum Spielen kommst, dann darfst du gerne mal zwei feuchte Augen auf der langen Geschäftsreise haben und dir Gedanken machen, was das Wichtigste im Leben ist.

Der größte Luxus ist Zeit. Zeit für Leidenschaft, für Kinder und für sich selbst. Hier habe ich mit meiner Entscheidung bereits gewonnen. Noch tue ich mich schwer, fühle mich steif und abwesend, denn ich habe den Laptop gegen Kinderbücher getauscht, das Firmenhandy gegen Sandspielzeug. Und das hatte ich schon Jahre nicht mehr in der Hand. Aber schließlich will ich, dass meine Kinder das nächste Mal mit mir ein Bild malen.

Wie wir die Finanzierung meistern, wie das Umfeld noch reagiert und was wir erleben werden, berichte ich während meiner Elternzeit hier auf Xing Spielraum. Und freue mich auf Ihre Kommentare und eigenen Erlebnisse.

Update 17.09.2017  Im zweiten Teil seiner Serie beschreibt Oliver Knoblauch, auf welche Weise er und seine Familie die einjährige Pause finanzieren:

Ein Jahr Elternzeit: Wer soll das bezahlen?

 

 

32 Kommentare

Ewa

02.08.2017

Erstmal herzlichen Glückwunsch zu dieser bahnbrechenden Entscheidung! Für mich sind Sie jetzt schon einer der Männer des Jahres 2017. Allein, weil Sie den Mut haben, gegen die üblichen Erwartungen und Vorstellungen zu entscheiden und das auch noch mit uns zu teilen! Danke dafür😊

Eine Freundin und junge Mutter kommentierte meinen Facebook-Post mit Ihrem Artikel:

„Einfach mal Mut haben, das Leben zu leben, was man sich selbst wünscht und nicht, was den Erwartungen anderer entspricht. Ich bin mir sicher, dieses eine Jahr wird das beste in seinem Leben sein und er wird nie wieder ein so spannendes und herausforderndes Projekt haben, dass sein Herz und seine Seele erfüllt! Bravo!“

Letzteres wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie von ganzem Herzen.

Alex

03.08.2017

Geld macht nicht immer glücklich, aber die erlebte Zeit mit deinen Kindern wird dich glücklich machen. Den Sie werden nicht immer Kinder bleiben.

Du hast die richtige Wahl für dich getroffen.
Glückwunsch an das Familienglück…. geniest eure gemeinsame Zeit.

Mäder Torsten

03.08.2017

Tolle und mutige Entscheidung. Ich mache erstmal „nur“ die 2 Monate (oder habe schon 2 in Teilzeit und werde noch einen komplett nehmen, um mit meiner kleinen Familie etwas zu reisen), aber es ist toll. Und ich mache pünktlich(er) Feierabend. Ich möchte von Anfang an dabei – und auf jedem Bild – sein.

Ich arbeite einige Ebenen tiefer, aber auch ich mache mir Gedanken, wie ich mein Arbeitsleben ändern kann. Ich möchte meinen Sohn aufwachsen sehen und ihn nicht am Telefon ins Bett bringen …

Dr Haßlöcher

03.08.2017

Mein Arbeit besteht aus der Einrichtung von Modellen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bezahlte Auszeiten ermöglichen und das mit der Zustimmung der Firma. Fazit: es werden immer mehr, die Zeit als wichtigstes Gut im Leben, wird zum Verhütungsbestandteil in Unternehmen jeder Größe. Weiter so!

Ilona

03.08.2017

Mehr als Bravo kann ich nur dazu sagen. Kinder ist das wichtigste und wunderbarste auf dieser Erde.
Wir nehmen uns nur zu wenig Zeit sie mit ihnen zu teilen. Ich finde es so wunderschön das die Kinder ihren Vater jetzt jeden Tag von morgens bis abends haben und auch der Papa seine Kinder erleben und genießen kann den ganzen lieben langen Tag. Diese wird für ihn die schönste Zeit werden, sie wird in seinem Herzen für immer bleiben. Eine ganz tolle Zeit für Ihn und seine Familie alles Gute für die Zukunft! Sehr Mutig

Petra Oerke

03.08.2017

Hallo Herr Knoblauch,
auch von mir herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Entscheidung. Als Karriereberaterin kenne ich die Vor- und Nachteile einer Auszeit von meinen Kunden. Dabei hängt meiner Erfahrung nach die erfolgreiche Rückkehr stark von der verständlichen Kommunikation der Pläne im Unternehmen und dem verständnisvollen Umgang mit den unterschiedlichen Reaktionen darauf ab. Denn, wie Sie es ja schreiben, spielen bei den Kollegen nicht nur betriebliche Erwägungen, sondern auch Emotionen eine Rolle. Aus meinem privaten Umfeld – von meinem Bruder, der mit seiner Partnerin ein Jahr auf der Seidenstraße unterwegs war, – weiß ich, dass sein Standing im Betrieb nach der Rückkehr eigentlich noch besser wurde. Vor allem aber hat sich seine Gelassenheit und die Fokussierung auf seine Ziele verstärkt.
Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Umsetzung Ihrer Pläne!

Thomas Schaldach

03.08.2017

Auch von mir einen herzlichen Glückwunsch! Ich freue mich für jeden, der das für sich in seinem Unternehmen umsetzen kann, schon gar wenn es sich um eine Führungskraft handelt, die sich das ganze Leben für das Wohl der Firma einsetzt und trotzdem alleine schon bei dem Gedanken an Elternzeit wie ein Aussätziger angesehen wird. Ich bin gespannt wie das Jahr weiter verlaufen wird und welche Eindrücke aufkommen werden.

Leider liest man über solche Möglichkeiten meistens nur in Konzernen oder innovativen Unternehmen/Jobs. Der Mittelstand ist da ganz anders gestrickt, vor allem wenn er familiengeführt ist. Hier herrscht immer noch das Prinzip, dass man als Angestellter stets verfügbarer Leistungserbringer ist und froh über seinen Job sein soll. Dabei wird komplett übersehen, dass ein zufriedener Mitarbeiter motivierter ist und sich das immer für die Firma ausbezahlt. Aus meiner Erfahrung kann ich bestätigen, dass schon normale Mitarbeiter in Elternzeit schräg von der Seite angesehen werden, bei einer Führungskraft aber damit zu rechnen ist, dass nachher nicht mehr vorher sein wird. Gleiches gilt für so abwegige Gedanken wie die Reduzierung der Arbeitszeit, um wieder eine gesunde Work-Life Balance herzustellen. Wo stetig mit Personalmangel agiert wird, da ist kein Spielraum für so etwas.

Mich interessiert hier hauptsächlich die Möglichkeit der Finanzierung, denn die Fixkosten, egal ob Miete oder Finanzierung der eigenen vier Wände, Versicherungen, Altersabsicherung u.v.m. laufen ja schließlich weiter.

Alles Gute, viel Spaß mit der Familie und tolle Eindrücke in den kommenden Monaten.

johanna.aichmüller

03.08.2017

Gratuliere, Herr Knoblauch,
auch wenn so manche Ihre Entscheidung nicht nachvollziehen können (emotional sicherlich, aber wer hört schon gerne auf Emotionen:)) Sie machen das richtig.
Sie werden sicherlich in dem Jahr so viel dazu lernen, dass sich diese Erfahrungen auch für die Arbeitgeber dann lohnen….

Viel Erfolg und viele gute Erfahrungen!

Rike

03.08.2017

Auch ich kann Ihre Entscheidung für ein Jahr Elternzeit nur begrüßen. Zusammen mit Kindern kann man das Leben nochmal von einer anderen Seite sehen und man kann viel von ihnen Lernen. Ich selbst würde mich deshalb auch immer wieder für ein Jahr Elternzeit entscheiden.

Dennoch bin ich immer noch etwas fassungslos, wenn Männer gleich hochgelobt und als „Vater des Jahres“ tituliert werden, wenn sie ein Jahr Elternzeit nehmen. Auch für Frauen bedeutet die Entscheidung für ein Jahr Elternzeit einen massiven Einschnitt in die Karriere (und auch Gehaltsentwicklung). Gleichzeitig ist es „selbstverständlich“ und allgemeine Erwartungshaltung von der Gesellschaft, dass die Frau ein Jahr oder mehr zu Hause zu bleiben hat, wenn sie ein Kind bekommt. Den Titel „Mutter des Jahres“ bekommt sie dafür nicht.

Nicole

03.08.2017

Hallo Herr Knoblauch, ich bin sehr gespannt von Ihren Erfahrungen zu lesen. Ich beglückwünsche Sie für diese von Herzen kommende Entscheidung. Die Leistungsgesellschaft guckt natürlich irritiert. Ich selbst habe mich auch für eine Auszeit (mit 38 Jahren) entschieden, da mein Mann an Krebs erkrankt war. Auch hier haben viele nicht verstanden, warum wir aus den „sicheren“ Jobs gegangen sind. Aber Zeit vergeht…. Mein Mann ist anderthalb Jahre später verstorben und ich war mit 39 Jahren Witwe. Ich bin sooooo froh über meine Entscheidung. Und ich schaue – fast 5 Jahre nach seinem Tod- ganz anders auf meine damalige Karriere. Ich kann Ihnen sagen. Es ist finanziell nichts Schlimmes passiert. Ganz im Gegenteil. Ich bin nur viel zufriedener mit meinem Leben. Und wenn Sie im ein paar Jahren drauf schauen… Ich freue mich für Sie und für Ihre Familie. Es ist ein Privileg, dass Sie sich das herausnehmen können. Dankbarkeit stellt sich aber bestimmt noch ein. Liebe Grüße! Nicole

Siggi Weide

03.08.2017

Irgendwie süß! Jetzt gratulieren wir mal allen Frauen, die das auch vorhaben!

Stephanie Heinzinger

03.08.2017

Hallo Herr Knoblauch, ich halte es für eine richtige Entscheidung. Von und mit den Kindern kann man viel lernen, denn Zeit ist für sie relativ. Man kann sich stundenlang an einer Pfütze freuen und verpasst darüber den wichtigen Termin beim Kinderarzt. Man lernt auf jeden Fall schneller und flexibler zu reagieren und neue Lösungswege zu finden. Das ist eine Eigenschaft, von der auch der Arbeitgeber profitieren kann. Ich bin gespannt auf die weiteren Berichte und freue mich für Sie und Ihre Familie.

Viola

03.08.2017

Hallo Herr Knoblauch, ich beglückwünsche Sie zu dieser Entscheidung. Das Jahr wird eine große Bereicherung für Sie und Ihre Familie sein.

Ich möchte aber auch hinzufügen, wie wenig aufsichtserregend dieser Bericht wäre, wenn er von einer Frau geschrieben worden wäre. Es ist leider weiterhin die Realität, dass Männer dafür bestaunt werden, während es bei Frauen als Selbstverständlichkeit abgetan wird. Das Thema hat mich schon vor 25 Jahren beschäftigt. Wenn ich mir die aktuelle Situation diesbezüglich in Deutschland anschaue, dann frage ich mich, warum wir in Zeiten rasanten Wandels bei dieser Thematik seiten Jahrzehnten auf der Stelle treten. Ich würde mir für die kommenden Generationen wünschen, dass hier ein schnelleres Umdenken stattfindet.

Sabine

03.08.2017

Ich kann Rike nur zustimmen – wo bleibt der Applaus für die Frauen, die auch einen Einschnitt in ihre Karriere hinnehmen (müssen). Natürlich freue ich mich für Sie und v.a. für Ihre Familie. Als Mann ist das sicherlich ein mutigerer Schritt, da es gesellschaftlich noch zu wenig akzeptiert ist, sich als Mann für die Familie zu entscheiden (von 2 Monaten Elternzeit mal abgesehen).

Jedoch möchte ich betonen, dass jede karrierewillige Frau vor diesen tiefgreifenden Entscheidungen steht: soll ich überhaupt ein Kind bekommen? Wann wäre der beste Zeitpunkt für mich und mein Unternehmen? Wie lange kann ich bei meinem Kind sein? Was bedeutet eine längere Auszeit für meine Karriere? Wie werden meine Vorgesetzten auf die Schwangerschaft reagieren? Wie werden sie reagieren, wenn ich 1 volles Jahr in Elternzeit gehen möchte? Finanziert mein Mann meine Altersvorsorge/ Versicherungen und trägt alle Kosten während meiner Elternzeit? Kann ich damit leben, von meinem Mann finanziell abhängig zu sein und plötzlich nach jedem Cent gucken zu müssen? etc… Deshalb: vergessen wir bitte die Frauen nicht!

Lieber Autor, ich wünsche Ihnen alles Gute, eine tolle Zeit und ich bin mir sicher, dass es das schönste Jahr Ihres Lebens wird! Denn Karriere, Geld und Macht sind nicht alles – Familie hingegen schon.

Heike

03.08.2017

Auch wenn dieser Schritt für Sie sicher ein sehr großer und sehr bedeutender war, richtig bahnbrechend finde ich ihn nicht. Denn was wird nach diesem einen besonderen Jahr passieren? Sie gehen wieder in Ihren 60-Stunden-Job und der Familienalltag bleibt wieder an Ihrer Frau hängen. Klar, Sie haben viel mit Ihrer Familie erlebt, insbesondere, wenn Sie die Zeit wie ja wohl geplant, mit Reisen verbringen. Aber Ihre Kinder werden von diesen Erinnerungen nur kurz profitieren. Kinder leben im Jetzt und Hier, nicht in dem einen Jahr mit Papa.
Mein Mann hat sich für eine, in meinen Augen, wirklich konsequente Beteiligung an der Familie entschieden. In den ersten Jahren hat er seine Stelle auf 60% reduziert, damit ich tageweise wieder in den Job konnte. Nicht weil es finanziell notwendig gewesen wäre, sondern weil ich gerne wieder arbeiten wollte. Mittlerweile geht unsere Tochter schon in die Schule und wir haben beide unsere Stelle auf 80% reduziert. Somit gestalten wir zu gleichen Teilen den Familienalltag.
Es geht mir aber nicht darum Ihren Weg zu kritisieren. Jeder muss für sich den richtigen Weg finden und es steht einem Außenstehendem nicht zu, diesen zu kritisieren. Allerdings kann ich mich der Euphorie und den Glückwünschen der anderen Kommentare nicht anschliessen.

Sigrid

03.08.2017

Lieber Herr Knoblauch,
auch ich gratuliere Ihnen (und Ihrer Frau!) zu Ihrer mutigen Entscheidung und bin gespannt, weiter von Ihren Erfahrungen zu lesen. Mein Mann und ich haben uns vor der Geburt unseres 4. Kindes (ein Kleiner Nachzügler, 12 Jahre nach der Geburt unseres 3. Kindes) ähnliche Gedanken gemacht. Mein Mann, leitender Angestellter mit Personalverantwortung in einem Großunternehmen, wollte unbedingt Elternzeit nehmen. Als unsere großen Kinder geboren wurden (heute 20 und 18 Jahre alt), war das nämlich überhaupt noch nicht üblich (wenngleich auch schon möglich) und es war selbstverständlich für uns, dass ich für die Kinder komplett Zuhause geblieben bin. Glücklicherweise hat sich die Gesellschaft verändert. Mein Mann hatte allerdings sehr großen Respekt vor den finanziellen Folgen und dem potentiellen Karriereknick. Deswegen haben wir uns für 2 Monate Elternzeit entschieden. Ich habe, da ich nun seit 11 Jahren selbstständig bin, ein Jahr lang 50 Prozent meiner Aufträge an eine Kollegin abgegeben, die anderen selbst weiter betreut. In den zwei Monaten Elternzeit hat mein Mann in Teilzeit weitergearbeitet – faktisch hatte er insgesamt 6 Tage von den zwei Monaten frei. Besser 6 Tage als nichts, dass schon. Aber dafür haben wir viel viel Geld bezahlt. Man hätte sich das Ganze also auch gut sparen können, einfach sechs Tage unbezahlten Urlaub nehmen können. Dann hätten wir auch deutlich weniger Verwaltungsaufwand gehabt, denn die Nachfragen und bürokratischen Hürden im Zusammenhang mit der Elternzeit waren echt beeindruckend. Einen Karriereknick hat mein Mann nicht erlebt, finanziell haben wir es überlebt und auch ich konnte meine Aufträge nach einem Jahr wieder komplett übernehmen.
Ein Jahr Elternzeit, das ist schon was ganz anderes und ich wünsche Ihnen und Ihrer Frau von Herzen, dass Sie viele gute Erfahrungen machen, finanziell gut über die Runden kommen und beide anschließend beruflich wieder da anknüpfen können, wo Sie vorher waren. Herzliche Grüße, Sigrid

Katrin

03.08.2017

Auch von mir herzlichen Glückwunsch, Herr Knoblauch! Ich kenne mittlerweile eine ganze Reihe von Vätern, die längere Elternzeiten als die 2 Monate (oder auch mehrere Phasen) nehmen. Keinem hat es bisher geschadet, auch nicht beruflich.

3 Knackpunkte:
1. Mann muss sich trauen.
2. Die Familie muss es finanziell regeln.
3. Mit der Firma muss vereinbart werden (am besten schriftlich), wie der Kontakt während und der Einstieg nach der Elternzeit erfolgen sollen.

Für die Zeit danach: Kollegen und Kunden lernen sehr schnell die Vorteile von Videokonferenzen schätzen, die auch aus dem Homeoffice heraus geführt werden können. Auch für die anderen entfallen Reisezeiten, spontane und flexible Termine sind möglich.

Und, ich kann es mir nicht verkneifen: das Problem von Vereinbarkeit und Karriereknick haben wir Mütter in Schlüsselpositionen genauso. Nur klatscht uns keiner Beifall, wenn wir Familie/Elternzeit und Job unter einen Hut bekommen.

Alles Gute!

Melanie

03.08.2017

Im ersten Moment bin ich auch positiv gesinnt und freue mich über diese mutige Entscheidung.
Je länger ich jedoch darüber nachdenke, desto wütender werde ich, dass von ihnen, einem finanziell hoch Priveligierten die Elternzeit so ausgenutzt wird und auch tatsächlich über eingeschränkte finanzielle Spielräume nachgedacht wird, weil dieses Jahr überwiegend gereist werden soll! Diese Chance bekommen wohl wirklich nur die Besserverdiener. Warum verbinden Männer die Elternzeit immer mit Urlaub? Für Frauen ist dieses Jahr nicht nur schön: Dieses bewegt sich neben den auch schönen Momenten, hauptsächlich zwischen Still- und Abstillproblemen, Putzen, Kochen, ein Geschwisterkind versorgen, Schlafmangel, einkaufen, kranken Kindern, Erziehung, Einsamkeit, Frust und Überforderung, da dies alles alleine gestemmt werden muss. Zudem der Karriereknick, der nicht nur dieses eine Jahr betrifft, sondern oftmals dauerhaft Teilzeit bedeutet oder erst der Einstieg, wenn die Kinder über 3Jahre alt sind. Unter anderem auch weil es sich finanziell nicht lohnt, Kinder unter 3 betreuen zu lassen und für das selbe Geld arbeiten zu gehen. Trotz all dieser Einschränkungen erfreue ich mich täglich an meinen beiden Kindern- sie sind mein ganzes Glück. Jedoch wünsche ich mir noch mehr Umdenken und bessere Honorierung der Erziehungszeiten für alle Mamis und die wenigen Papis, die selbiges leisten. Immerhin sind Kinder unser größtes Gut und die Zukunft unserer Gesellschaft.

Claudia

03.08.2017

Alles gut – aber wie macht das die Firma?

Susanne

03.08.2017

Herzlichen Glückwunsch Herr Knoblauch,
eine sehr mutige Entscheidung! Wichtig ist, dass die Auszeit auch finanziell zu stemmen ist. Es steht ihnen sicherlich eine tolle und unvergessliche Zeit bevor, zusammen mit den Kindern und der Familie.
Ich bin gespannt, was Sie weiter berichten und wie Sie ihren Wiedereinstieg nach einem Jahr meistern.
Alles Gute und viele Grüße

Swen Heinze

03.08.2017

Chapeau!

Nach dem ich Ihren Bericht gelesen habe, habe ich mir ebenfalls direkt „My year of saying yes“ angeschaut und kann nur Danke sagen. Danke für ein sehr schönes und ehrliches Gefühl das sie beide bei mir hinterlassen haben. Ich bin selber Vater eines super tollen, einmaligen wunderbaren Sohnes. Und jede Zeit mit ihm und mit meiner Verlobten ist für mich sehr wertvoll und kostbar. Dennoch habe ich den Eindruck viel zu wenig Zeit mit beiden zu verbringen. Ihr Bericht hat mich daher sehr berührt. Danke.

Ich freue mich jetzt schon weitere Bereichte von Ihnen zu lesen.

Bodo Ulrich

03.08.2017

Herr Knoblauch,
ich gratuliere zu diesem mutigen Schritt, Sie werden es nicht bereuen.
Vielleicht werden Sie es sogar wiederholen.
Ich bin selbständig und das Elterngeld- bzw. Elternzeitgesetz ist leider nicht für alle gleich.
Ich habe auch nur 2x 4 Wochen Elternzeit sehr bereut, da ausser viel Ärger nichts rüber kam.
Statt dessen habe ich meine Arbeitszeiten der Familie angepasst.
Ich darf nicht ohne Stolz behaupten, zentral in den Bildern meiner Tochter abgebildet zu sein.
Die Interpretation überlasse ich nun den Lesern.
Viel Spass beim Reisen, meine Bewunderung wird Sie begleiten!

Boris Langerbein

04.08.2017

Heike, ich bin absolut bei Ihnen!!! Das muss die Zukunft und vielleicht die Regel sein.
Das in diesem Beitrag beschriebene Vorgehen ist ein Anfang, ich habe auch bei unseren beiden Kindern Elternzeit in Abschnitten genommen. Das war toll und ich habe es nie bereut. Zudem bin ich sehr offen damit umgegangen und habe mich um eine Vertretung und Übergabe für die Zeit intensiv gekümmert. Alles in allem habe so keine großen Probleme erlebt.

Gebauer Günter

04.08.2017

der Firma würde ich ein solches Jahr zusätzlich als Sabaticaljahr (wird in höheren Positionen eher akzeptiert) verkaufen und auch Headhunterfirmen über den Wunsch nach einem Wechsel informieren um rechtzeitig einen (sehr) guten Neueinstieg aushandeln zu können. Das Timing erfordert Fingerspitzengefühl. Ich wünsche viel Erfolg und eine schöne Zeit sowie viele Nachahmer.

Maxime

05.08.2017

Wir wohnen in der Schweiz und da wären schon 2 Monate Elternzeit für den Mann ein Traum! Mein Mann hat von der Firma 1 Tag bekommen – zur Geburt. Scheint so als ob wir noch mehr hinterher sind als ich je gedacht habe.

Oliver Mittelsdorf

05.08.2017

Ein gewagter Schritt. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie viel Spaß, Ihnen vorallem aber Glück bei der Wiedereingliederung. Sie gehen ein großes Risiko ein, insbesondere da sie scheinbar 12 Monate auf Einkommen verzichten können. Das ist beneidenswert, allerdings sicher nicht repräsentativ für die Masse der deutschen Führungskräfte, schon gar nicht, das Gros der arbeitenden Bevölkerung.

Ihre Reisepläne sind, verzeihen Sie denn Ausdruck, gewöhnlich. Sie planen da ein Sabbatical mit Familienanschluss. Kann man machen, aber Familie ist Alltag, sind Termin, Stress und Sorgen. Das wurde ja schon in einigen früheren Kommentaren beschrieben.

Ihnen und Ihrer Familie nochmals Spaß, Glück und Erfolg.

Yvonne

05.08.2017

Herzlichen Glückwunsch! Ich habe diese Thematik schon oft im Freundeskreis diskutiert. Erstaunlicherweise gibt es nach wie vor viele Männer, die meinen sie wären unabdingbar und eine Elternzeit ‚in ihrer Position‘ nicht möglich. Als Personalerin kann ich nur sagen ‚großer Quatsch‘. Jeder ist im Berufsleben ersetzbar – nur zu Hause eben nicht!

Miriam

05.08.2017

Ich hoffe, die Serie geht soweit, dass auch über den Wiedereinstieg der Mutter berichtet wird. So romantisch und wild das alles klingt, die Patnermonate sind dafür gedacht, dass eine gegenseitige Untersützung im Alltag erfolgt insbesondere mit Blick auf die berufliche Karriere der Frau. Und ich schließe mich einigen vorherigen Kommentaren an: ein Mann wird gleich als „Mann des Jahres“ gefeiert und bei uns Frauen wird es als total normal angesehen, dass man in Babypause geht und die Karriere einen Knick erleidet… p.s: ich befinde mich aktuell in Elternzeit und nehme gerne Auszeichnungen entgegen

Uwe

07.08.2017

Ist es wirklich MUTIG, so einen Schritt zu gehen?
Ist es nicht eher „Überwindung von Feigheit“, ein Leben zu leben, das unserer Zeit und dem Soll-Zustand einer gleichberechtigten Gesellschaft entspricht?
Wird hier gerade die bewusste Zäsur (und nicht mehr) einer Karriere zugunsten einer Familie als Revulution gefeiert?

Christine

09.08.2017

Ein interessanter Artikel und sicherlich auch keine leichte Entscheidung.
Ich habe keine Kinder und bekomme das Thema Elternezeit lediglich als Kollegin mit. Bei Ihrem Artikel gingen mir vor allem zwei Dinge durch den Kopf.
Ich werde das Gefühl nicht los, dass Väter häufig Elternzeit nehmen und diese dann nutzen um gemeinsam zu verreisen und Zeit mit der Familie zu verbringen, wenn die Mutter auch (noch) nicht arbeitet. Was sicherlich schön und wichtig ist. Wenn Frauen in Elternzeit sind, kümmern sie sich oft alleine um die Kinder und ermöglichen dem Mann weiterhin voll seinem Beruf nachzugehen. Wie gesagt, es ist ein Gefühl, eine Beobachtung aus meinem Umfeld. Vielleicht nur eine zufällige Erscheinung, vielleicht aber auch nicht.
Als zweites habe ich mir die Frage gestellt, wie fängt das Unternehmen die Elternzeit auf? Das ist organisatorisch sicherlich eine Herausforderung.
Ich würde mir wünschen, dass die gleichberechtigte Aufteilung von Familie und Beruf auf beide Partner zunehmend zur Selbstverständlichkeit wird. Beide Elternzeit und beide mit reduzierter Stundenzahl danach wieder im Beruf.

Carmen

29.08.2017

Ich begrüße dieses „langsame“ Umdenken in unserer Gesellschaft. Idealer fände ich es, wie schon einige vorher angemerkt, wenn es mehr Männer gäbe, die sich „anstelle“ der Frau um die Kinder kümmern. Mein Mann und ich hatten 1 Jahr, in dem ich Vollzeit gearbeitet habe und er erst 4 Monate garnicht und dann 10 Monate in Teilzeit (da war unser Sohn 10 – 24 Monate alt). Die ersten 10 Monate hatte ich übernommen. Mit diesem Modell repräsentierten wir 2 % der Bevölkerung. Daher meine Frage an Sie: Wäre es vielleicht für Sie und ihre Firma einfacher gewesen, 1 Jahr in Teilzeit zu arbeiten (dann hat auch die weitere Mitarbeit in den Projekten eine bessere Basis) und wäre es nicht sinnvoller gewesen, Ihrer Frau in diesem Zeitraum den Rücken für einen Wiedereinstieg freizuhalten? Ich beneide Sie allerdings auch um Ihre Erfahrungen, die Sie mit den vielen Reisen in dieser Zeit machen können, aber auf der anderen Seite denke ich mir, es muss ja nicht nur Reisen sein (ich finde Urlaub mit Kindern ist sehr anstrengend, wenn auch schön. Daher ist meine Empfehlung an Sie: Nutzen Sie diese Zeit auch, um Ihrer Frau die gleiche Unterstützung zu bieten, die Sie Ihnen bisher entgegengebracht hat. Denn ob nun Management oder nicht (und ich bin selbst auch im Management), am wichtigsten ist und bleibt die Familie. In diesem Sinne weiterhin viel Spaß in Ihrem Jahr Auszeit.

Patrick Herrmann

16.09.2017

Ich werde als Mutstifter oft gefragt wofür man letztlich den Mut braucht. Genau für diese Entscheidungen. Die Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes zu überwinden, dass Risiko bewusst einzugehen. Letztlich, da bin ich mir sowas von sicher, wird dieses Jahr sich als Gewinn zeigen, nicht nur für sie selber! Ich habe zwei Jahre genommen und habe danach noch mal ganz von vorne angefangen. Es war die beste Entscheidung meines Lebens!

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