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Arbeit & Geld

Dauerstreitfall Überstunden: Rechte, Pflichten, Extrageld

Sicher, es kann immer mal länger dauern bei der Arbeit. Wann aber müssen Chefs die Überstunden ihrer Angestellten extra zahlen? Öfter, als viele Arbeitgeber denken.

Wer viel arbeitet, möchte auch viel verdienen. Und wer viele Überstunden machen muss, möchte dementsprechend am Monatsende einen deutlichen Gehaltszuwachs auf seiner Lohnabrechnung sehen. Doch müssen Arbeitgeber Überstunden bezahlen? Antwort gibt unsere Ratgeberserie „Darf mein Chef..?“, entnommen aus dem aktuellen *Buch „Was Chefs nicht dürfen (und was doch)“ von Sabine Hockling und Ulf Weigelt. In Kooperation mit dem Ullstein Verlag präsentieren wir daraus regelmäßig interessante und relevante Fragen aus dem Arbeitsrecht.

Heute: „Darf mein Chef… Überstunden einfach nicht bezahlen?“

Antwort: Arbeitgeber sind zur Vergütung von Überstunden verpflichtet, wenn sie die Mehrarbeit auch angeordnet haben. Wer länger bleibt, als er müsste, hat natürlich kein Recht auf Überstundenvergütung.

Wichtig: Ordnet ein Arbeitgeber keine Überstunden an, kommt aber kurz vor Arbeitsende mit einer Aufgabe auf einen Mitarbeiter zu, die er sofort erledigen soll, ist das als Überstunden zu werten.

Für die Vergütung von Überstunden gibt es verschiedene Möglichkeiten: Der Arbeitgeber verhandelt einen konkreten Stundensatz für die Mehrarbeit. Einige Unternehmen vereinbaren allerdings auch einen bestimmten Überstundenrahmen, der durch das normale Gehalt abgedeckt ist. Das betrifft insbesondere außertariflich bezahlte Mitarbeiter. Und auch der Freizeitausgleich ist ein Modell, das von vielen Arbeitgebern angewandt wird. Das heißt, der Mitarbeiter kann seine Überstunden abbummeln.

Leitende Angestellte hingegen haben meist keinen weitergehenden Anspruch. Ihre Überstunden sind meist im Rahmen ihres regulären Gehalts über eine wirksame Überstundenvereinbarung im Arbeitsvertrag selbst mitabgedeckt.

Tipp: Existiert keine Überstundenregelung, haben Beschäftigte für die Mehrarbeit mindestens Anspruch auf den normalen Stundenlohn. Einige Arbeitsverträge enthalten den Hinweis, dass Überstunden mit dem Gehalt abgegolten sind. Solch
eine Klausel ist so pauschal nicht rechtens. Verdienen Beschäftigte nämlich ein normales oder geringes Gehalt, können Arbeitgeber nicht ohne Weiteres im Arbeitsvertrag mitregeln, dass alle anfallenden Überstunden mit dem Gehalt abgegolten sind.

So zumindest sehen es die Richter des Bundesarbeitsgericht (Az.: 5 AZR 765/10): Ein Mitarbeiter verdiente rund 1800 Euro brutto monatlich. In seinem Arbeitsvertrag stand, dass seine Überstunden mit seinem Gehalt abgegolten waren. Die Richter des Bundesgerichtshofs kritisierten in ihrem Urteil, dass der Arbeitgeber so beliebig viele Überstunden anordnen könnte. Was den ohnehin geringen Bruttomonatslohn deutlich relativieren würde.

Fallen bei Mitarbeitern mit einem normalen oder geringen Gehalt Überstunden an, müssen Arbeitgeber diese also auch immer bezahlen.

*Buch-Tipp: Kann mein Arbeitgeber mich zwingen, meinen Jahresurlaub komplett zu planen? Dürfen Chefs Reisen in unsichere Urlaubsgebiete verbieten? Darf der Arbeitgeber bereits genehmigten Urlaub wieder streichen? Kriege ich Schadenersatz, wenn mir der Vorgesetzte einen Klaps auf den Po gibt? Kurz: Was müssen sich Arbeitnehmer bieten lassen, und wogegen können sie sich wehren? Ulf Weigelt, Fachanwalt für Arbeitsrecht, und die Journalistin Sabine Hockling beantworten in ihrem Ratgeber „Was Chefs nicht dürfen (und was doch)“, der im Ullstein Taschenbuch erscheint, diese und viele andere wichtige Fragen und räumen mit Irrtümern und Mythen rund ums Arbeitsrecht auf.


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