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Kritikfähigkeit und Transparenz: Was Arbeitgeber heute können müssen

Die Arbeitswelt ändert sich radikal – und damit auch die Beziehungen zwischen Unternehmen und ihren Mitarbeitern. Im Interview mit XING Spielraum erklärt Steffen Zoller, Chef des Arbeitgeberbewertungsportals kununu, die Regeln modernen Miteinanders.

kununu-Chef Steffen Zoller

kununu-Chef Steffen Zoller: „Es geht um sehr viel mehr als nur um wohlklingende Titel und das höchste Gehalt“

XING Spielraum: Herr Zoller, viele Experten sprechen derzeit von einem „perfekten Arbeitnehmermarkt“. Was – neben den positiven Zahlen der Arbeitsagentur – ist damit genau gemeint?

Steffen Zoller: Arbeitnehmer haben heute tatsächlich eine sehr günstige Position am Arbeitsmarkt. Bedingt durch Fachkräftemangel und Demografie sind sie immer häufiger in der Lage, sich den Arbeitgeber aussuchen zu können. In manchen Branchen haben die hohe Nachfrage und das geringe Angebot bereits zu einer Verschiebung der Machtverhältnisse geführt – hin zum „Arbeitnehmermarkt“ eben. Anderen Branchen steht das noch bevor. Aber die Veränderung kommt. Das ist die Logik des Marktes.

Welche Bedeutung haben Bewertungsportale wie kununu in diesem Veränderungsprozess?

Zoller: Der Bedarf gerade der jüngeren Generation nach umfassender Information über den nächsten potenziellen Arbeitgeber ist enorm. Gleichzeitig sorgt die Digitalisierung für eine noch nie dagewesene Transparenz auf dem Arbeitsmarkt. Um sich heute über einen potenziellen Arbeitgeber umfassend zu informieren, reichen ein paar Klicks im Internet – auch oder vor allem abseits der Corporate Websites. Authentische Erfahrungsberichte von Mitarbeitern und Bewerbern auf Arbeitgeber-Bewertungsportalen spielen dabei eine wesentliche Rolle.

Wonach wird am meisten bei kununu recherchiert: Gehalt, Karrierechancen…?

Zoller: Gehalt ist natürlich ein Dauerbrenner. Aber liest man sich die Bewertungen der jüngeren Vergangenheit durch, wird vor allem auch der Wertewandel der nachrückenden Generation schnell deutlich. Junge Menschen suchen nach einem Job, der zu ihrem Leben passt – nicht umgekehrt. Dazu fordern sie Rahmenbedingungen, die ihren Plänen entsprechen. Und diese Pläne sind so individuell wie der Mensch selbst.

Also findet die Bewertung eines Unternehmens gar nicht mehr nach dem alten Schema F statt?

Zoller: Auf keinen Fall. Es geht um sehr viel mehr als nur um wohlklingende Titel und das höchste Gehalt. Umfragen und auch unsere Erfahrungen zeigen, dass Themen wie „Sinnstiftung“, „flexible Arbeitszeiten“ und „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ mittlerweile viel wichtiger in der Beurteilung von Arbeitgebern geworden.

Wie kann man denn als Unternehmen selbst eine Transparenz in diesen Fragen herstellen?

Zoller: Um Aufmerksamkeit zu erlangen und die passenden Bewerber anzusprechen, müssen Unternehmen ihre Stärken und Vorteile heute aktiv kommunizieren. Dabei geht es nicht nur darum, die Sichtbarkeit bei Jobsuchenden zu erhöhen, sondern ein stimmiges Gesamtbild des Unternehmens zu präsentieren – und damit als relevanten Arbeitgeber in den Köpfen der Jobsuchenden zu positionieren.

Also durch geschickte Werbung und PR, könnte man jetzt einwenden.

Zoller: Nein, durch Transparenz und Authentizität. Jeder Arbeitgeber hat seine individuellen Stärken. Erfolgreich sind vor allem jene, die abseits von Mainstream-Formulierungen klar kommunizieren können, was sie als Arbeitgeber auszeichnet und was das Besondere ist für sie zu arbeiten. Ich bin davon überzeugt: wenn Arbeitgeber sich öffnen, bekommen sie die Mitarbeiter, die am besten zu ihnen passen.

Aber viele Unternehmen haben noch Angst vor so einer Offenheit. Was raten Sie denen?

Zoller: Nehmen Sie Feedback an, egal ob auf kununu oder intern, und seien Sie selbstkritisch. Ignorieren Sie die Bewertungen nicht. Sie können wichtige Inputs für Verbesserungen liefern und konkrete Themen aufzeigen, die Ihre Mitarbeiter beschäftigen. Wenn Sie auf Basis der Bewertungen gezielt Verbesserungen im Unternehmen angehen, profitieren beide Seiten.
Das sollte aber nicht nur intern geschehen – Social Media heißt auch Interaktion: Jede unbeantwortete Bewertung ist verschenktes Potenzial.

Ein in Deutschland besonders heikler Punkt ist die Lohntransparenz. Gerade eben ist ein Gesetz in Kraft getreten, das diese Transparenz zumindest in großen Unternehmen herstellen soll. Aber so richtig glücklich scheinen viele Arbeitgeber damit nicht zu sein.

Zoller: Wir stehen in Deutschland ja erst am Anfang der Debatte stehe, aber ich bin davon überzeugt: Gehaltstransparenz wird zu einem wesentlichen Treiber für Arbeitgeber-Attraktivität. Denn transparente Lohnstrukturen ziehen Bewerber an – ein wichtiges Kriterium in Zeiten des Fachkräftemangels.

Zur Person:  Steffen Zoller ist Geschäftsführer von kununu.com, der größten Arbeitgeber-Bewertungs- und Employer-Branding-Plattformin Europa. Zoller verantwortet die Bereiche Produkt, Technologie sowie Business und Market Development. Er beschäftigt sich intensiv mit den Themen Arbeitgeber-Attraktivität und Fachkräftemangel und hat dazu bereits einige Veröffentlichungen publiziert. Zoller hat Betriebswirtschaft an der Handelshochschule Leipzig und in Bratislava studiert. Der Serial Entrepreneur gründete 2007 betreut.de, einen Marktplatz zur Vermittlung vielfältiger Betreuungs- und Pflegeangebote, der 2012 vom US-amerikanischen Unternehmen Care.com übernommen wurde. Andere Gründungen inkludieren InsightImage.com (2012) und Devugees.org (2016), eine Refugee Coding School.


Veranstaltungshinweis:

„Wie verändert Transparenz altgewohnte Machtstrukturen? Wie groß ist der Einfluss auf die Führungs- und Unternehmenskultur?

XING und kununu laden Sie am 15. November 2017 zu den „New Work Sessions“ ein. In den Räumlichkeiten des neu eröffneten Berliner Design Offices „Unter den Linden“ erwarten Sie Impulsgeber aus Politik, Wirtschaft sowie Kultur.
Mit dabei: Der New Work Award Gewinner Markus Stelzmann von TeleHaase, Architekt und Dozent Van Bo Le-Mentzel, der kostengünstige Hartz-IV-Designermöbel zum Selbstbau entwickelte und in Berlin das Wohnen der Zukunft inszeniert. Zudem freuen wir uns auf Waldemar Zeiler und Philipp Siefer, CEOs des Kondom-Start-Ups Einhorn, Georg Rätker und Christian Falkenberg, Change und Transformation in die digitalen Arbeitswelten @T-Systems sowie kununu-Geschäftsführer Steffen Zoller und viele weitere.

Mehr Infos zum Programm und Ticketreservierung finden Sie unter diesem Link.

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