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Arbeit & Gesundheit

Diagnose Burnout: So finden Sie den Weg raus

Als Iris Riffelt an einem Burnout erkrankte, wollte sie das lange nicht wahrhaben. Nur mühsam gelang ihr der Weg aus der Krankheit. Nun bietet die Anwältin Betroffenen mit einem Buch* praktische Hilfe für den „geordneten Aus- und Wiedereinstieg in den Beruf“. Hier ist ihr persönlicher Bericht.

Burnout-Expertin Iris Riffelt

Burnout-Expertin Inis Riffelt: „Wenn man die Krankheit rechtzeitig erkennt, akzeptiert und sich bei der Bewältigung Hilfe holt, kann sie jeder erfolgreich bewältigen.“ (©Foto: Wiley-Verlag)

Können Sie das folgende Zitat nachempfinden: „Ich kann selbst im Urlaub keine Ruhe finden, weil ich ständig das Gefühl habe, dass ich gehetzt bin und irgendetwas tun muss“. (N., 38 Jahre) Das Zitat stammt von einer Mandantin meiner arbeitsrechtlichen Kanzlei, die an Burnout litt. Burnout ist von vielen Menschen erstmals bewusst wahrgenommen worden, als der Skispringer Sven Hannawald unter einem Burnout-Syndrom erkrankte und sich deswegen eine Auszeit nehmen musste. Als dies durch die Presse ging, hat sicherlich der eine oder andere aufmerksam zugehört. Unlängst ist Burnout dann schon fast „salonfähig“ geworden und hat zu einem Aufhorchen, vor allem in der Männerwelt geführt, als der Fußballer Robert Enke sich in einem akuten Zustand der Depression das Leben nahm. Auch im Zusammenhang mit seinem Tod ging das Thema durch die Presse. Auch der SPD-Politiker Matthias Platzeck trat wegen eines Hörsturzes und Burnouts 2006 von seinem Amt zurück. Der Spiegel berichtete Anfang 2011 sogar: „Sind wir ein Volk der Erschöpften?“

In unserer schnelllebigen Zeit und in der leistungsorientierten Gesellschaft gehört es mitunter scheinbar sogar dazu, auch unter Burnout zu leiden. Denn nur wer Stress hat, ist auch wichtig, wer wichtig ist, hat Anerkennung verdient. In früheren Jahren hatte man bislang von negativem Stress gesprochen. Wer früher gestresst war, hat heute „Burnout“? Dies mag vom Grunde her stimmen. Ich denke, dass der Zustand von negativem Stress fließend in ein Burnout-Syndrom übergehen kann, ebenso wie jeder Burnout in der Endphase in einer Depression münden kann. Nicht jede Depression ist immer auch ein Burnout und nicht jeder Negativstress muss in einem Burnout enden. Es muss daher jederzeit kritisch geprüft werden, ob tatsächlich bereits ein Burnout vorliegt oder möglicherweise eine andere Erkrankung. Es muss ferner kritisch von ärztlicher Seite überprüft werden, ob eine Depression vorliegt, die nicht im Zusammenhang mit einem Burnout steht. Burnout wird auch als „Schnittmenge von Stress, Depression und Erschöpfung“ angesehen. Aber eigentlich geht es mir nicht um eine medizinisch-wissenschaftliche Definition von Burnout sondern darum, wie man nach der Diagnose damit umgeht. Neben dem Umgang mit der Krankheit, kommen viele rechtliche und finanzielle Fragen auf den Patienten zu, die er oder seine Angehörigen mit dem Arbeitgeber und der Krankenkasse lösen müssen.

Äußerlich schien alles okay zu sein – innerlich war ich erstarrt

Ich selbst bin an einer typischen Burnout-Depression vorbeigeschlittert, vielleicht befand ich mich zeitweise auch mittendrin, wollte es jedoch nicht wahrhaben. Jedenfalls hatte ich immer genügend Argumente, mich abzulenken und nicht genau hinzuschauen. Es begann schleichend in den vergangenen Jahren. Ich hatte alles, was der allgemeinen gesellschaftlichen Moralvorstellung entspricht, soweit auf den Weg gebracht. Ich hatte studiert, meinen Beruf als Rechtsanwältin begonnen, geheiratet und habe zwei wundervolle Kinder. Ich hatte also die besten Voraussetzungen, ein glücklicher Mensch zu sein.

Äußerlich schien alles intakt zu sein, innerlich fühlte es sich aber erstarrt und kraftlos an. Als ich diesen Zustand dann nicht mehr länger ignorieren konnte, dachte ich: „Kein Wunder, mit zwei Kindern und diesem anstrengenden Beruf“ (das war wohl eher das kleine Männchen, das mit ewigem Negativen und „Schwarzmalen“ beschäftigt ist). Auf der anderen Seite sagte das Positive in mir: „Das ist doch wunderbar, du hast zwei gesunde wundervolle Kinder, die an sich relativ stressfrei sind, wenn man sich alle anderen in der Umgebung so anschaut. Darüber hinaus hast du einen super interessanten Beruf, indem du mit den verschiedensten Menschen zusammenkommst und die Möglichkeit hast, diesen zu helfen und diesen den Ärger und Streit mit anderen abzunehmen. Was will man mehr!?“ Ich wollte natürlich mehr, ich wollte auch noch die eigene Kanzlei, denn bei mir stand das gruselige Alter von 40 Jahren vor der Tür. Mein Traum war es immer gewesen, eine eigene Kanzlei zu haben. Auch dieser Traum wollte und musste noch erfüllt werden. Mir gelang es also, mich mit noch mehr Stress weiterhin prächtig abzulenken und wie gewohnt vor meinen Gefühlen und Gedanken zu fliehen. Ich befand mich somit auf direktem Wege in das „Ausgebrannt sein“.

Zu Hause und in der Beziehung zu meinem Mann hat dann natürlich nichts mehr so recht funktioniert. Ich hatte an allem etwas auszusetzen, mein Mann hatte ein nörgelndes, unzufriedenes Monsterweib an seiner Seite. Wie habe ich es also geschafft, gerade noch mal davon zukommen? Ich hatte das große Glück, Freundinnen an meiner Seite zu haben, die immer wieder in der Lage waren, mir schrittweise weiterzuhelfen. Eine davon mit den spirituellen und psychologischen Fähigkeiten, die sie im Laufe ihres Lebens erworben hatte, die andere Freundin durch ihre unendliche Geduld und Beharrlichkeit, sich alles anzuhören und mich mit ihren Fragen geduldig weiterzubringen, ohne jemals irgendeinen meiner Schritte zu beurteilen.

Riffelt-Buch „Zwischenstopp Burnout“: „Wichtige Stellschrauben sollten schon zu Beginn beachtet werden, damit aus einer Krankheit kein finanzielles und berufliches Drama wird.“

Ich war nur noch mit meinen Problemen beschäftigt

Ich begann, mich mit den Dingen hinter den Dingen zu beschäftigen, kaufte mir psychologische Bücher, Glücksbücher und auch spirituelle Bücher. Diese Bücher haben mir alle, jedes auf seine Weise, Stückchen für Stückchen weitergeholfen, weil ich eine andere Sichtweise auf die Dinge erhalten habe und diese verinnerlichen konnte. Ich habe auch die verschiedensten Behandlungsmethoden ausprobiert, begonnen bei der Schulmedizin und der Chinesischen Medizin über Heilpraktiker und Homöopathie, Osteopathie bis hin zur Heilbehandlung. Ich war nur noch mit meinen Problemen beschäftigt und ging mehr und mehr meinen eigenen Weg, wobei das Beziehungsleben auf der Strecke blieb. Dies war auch durch die unzähligen Glücks- und Beziehungsbücher, die ich während dieser Zeit gelesen habe, nicht zu leugnen oder gar zu ändern.

Sie mögen sich jetzt fragen, ob mein Buch ein klassisches Beziehungsbuch geworden ist. Hier kann ich Sie beruhigen, ich möchte Ihnen an dieser Stelle lediglich klarmachen, dass Sie auf dem Weg in das Burnout-Syndrom, mittendrin, oder auf dem Weg aus dem Burnout heraus, immer auch Ihre funktionierende Beziehung im Auge behalten müssen. Burnout kann auch in gewisser Weise „ansteckend“ sein. Es sind hier beide Partner gefragt, um die Krise zu bewältigen und sie nicht in eine noch größere münden zu lassen.

Parallel zu meinem Privatleben war in meinem Berufsalltag der eklatante Anstieg von Mandaten auffällig, die eindeutig in diesen Bereich einzuordnen waren. Da ich mich als Fachanwältin für Arbeitsrecht natürlich überwiegend mit arbeitsrechtlichen Mandaten beschäftige, ist mir die zunehmende Zahl der Arbeitnehmer aufgefallen, die über einen längeren Zeitraum krankgeschrieben waren oder aber der Ansicht waren, dass sie an ihren Arbeitsplatz nach einer längeren Krankheit unmöglich zurückkehren könnten. Noch vor circa 10 Jahren hatte ich immer wieder mit so genannten „Mobbingfällen“ zu tun, die in zunehmendem Maße in den vergangenen zwei bis drei Jahren in „Mandaten“ mündeten. Ich stellte mir daher die Frage, ob die früheren „Mobbingfälle“ nicht auch im Zusammenhang mit Burnout standen, man dafür aber vor wenigen Jahren noch keinen Begriff gefunden hatte.

Burnout wird immer noch als „peinliche Erkrankung“ verleugnet

Aufgrund der leidvollen persönlichen Erfahrungen war ich dann relativ schnell in der Lage, meinen Mandanten auf den Kopf zuzusagen, dass sie wahrscheinlich an einem klassischen Burnout-Syndrom und dessen Auswirkungen litten. Erstaunlich war für mich, die Erleichterung meiner Mandanten zu sehen, als sie erkannten, dass sie offen sprechen konnten und auf Verständnis für ihre Erkrankung trafen. Teilweise war mein Hinweis auf eine mögliche Burnout-Erkrankung auch die Erklärung für viele zurückliegende Krankheitsmonate, für die sie bisher immer nach Entschuldigungen gesucht hatten. Immer wieder musste ich auch erleben, dass diese psychische Erkrankung in den Köpfen der Menschen als „peinliche“ Erkrankung möglichst unter dem Deckmantel des Schweigens gehalten werden sollte. Immer wieder kamen Mandanten zu mir, die in den zurückliegenden Jahren bei dem gleichen Arbeitgeber gut und gerne gearbeitet hatten und nun davon überzeugt waren, ihren Arbeitsplatz selbst fristlos kündigen zu müssen. Dies darf und muss nicht sein.

Eine fristlose Eigenkündigung ist immer nur der allerletzte Ausweg. Es gibt Möglichkeiten die Arbeitszeit zu reduzieren, z.B. sich krankschreiben zu lassen oder ein Sabbatical mit dem Arbeitgeber zu vereinbaren. Alles dies hat auch wieder Auswirkungen auf die Ansprüche gegenüber der Bundesagentur für Arbeit und das Krankengeld. Es gibt einige wichtige Stellschrauben, die zu Beginn der Krankheit beachtet werden müssen, damit aus einer Krankheit kein finanzielles und berufliches Drama wird. Wenn man die Krankheit rechtzeitig erkennt, akzeptiert und sich bei der Bewältigung Hilfe holt, kann sie jeder erfolgreich bewältigen.

*Buch-Info:  Viele Menschen arbeiten sich regelrecht krank. Das Problem einfach nicht Nein sagen zu können, dem täglichen Stress nicht mehr gewachsen zu sein, ständige Überforderung und Druck führen bei mehr und mehr Personen zum Burnout. Erste Anzeichen der Krankheit werden nicht erkannt und aus Angst, nicht zu wissen, wie man sich denn wirklich zurücknehmen soll und wie man seine eigene Situation lösen soll, ignoriert und übergangen – bis gar nichts mehr geht.

Genau bei dieser Angst setzt Iris Riffelt in ihrem Buch „Zwischenstopp Burnout“ an. Sie beleuchtet, was jemanden erwartet, der sich auf dem Weg in das Burnout-Syndrom befindet, erste Anzeichen hat und nun die Notbremse ziehen muss. Besonders wichtig und deshalb einer der Schwerpunkte des Buches sind dabei die arbeitsrechtlichen Gesichtspunkte und die Abklärung finanzieller Fragen (Versicherung, Krankenkasse, Lohnfortzahlung usw.). Damit zeigt sie konkret Wege, dass und wie man aus dem Berufsleben aussteigen kann und welche Auswirkungen das auf das Einkommen hat.

Das Buch ist unter diesem Link beim Verlag Wiley zu bestellen.


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4 Kommentare

Clemenza Schwarz

25.07.2017

Burnout ist industriell bedingt und wird zusätzlich oftmals durch eigene Bequemlichkeit im Umgang mit mobilen Kommunikationsmitteln verstärkt. Es begründet sich daher in den meisten Fällen auf die beiden Begriffe Reizüberflutung und elektromagnetisch induzierter Zellstress im Berufs- und Privatleben, der selbstverständlich auch vor der Psyche und körperlichen Belastbarkeit eines Menschen, keinen Halt macht. Wer dieses Zusammenspiel am eigenem Körper und Geist überprüfen und nachhaltig umkehren möchte, sollte sich für mehrere Wochen am Stück zu einer Art „mobilem Fasten“ zurückziehen, was bedeutet, in dieser Zeit völlig bewusst auf funkbasierende Geräte wie Smartphones o. Laptops etc. zu verzichten, und sich in möglichst abgeschieden von großen Sendeanlagen, WLAN Zugängen oder Hot Spots aufzuhalten. Der Erfolgt wird sich sehr bald einstellen. Das Thema „Burn out“ wird das der anderen sein.

Heinz-Peter Hippler, Heilpraktiker (Psychotherapie)

25.07.2017

Vor allem am Arbeitsplatz nehmen die Probleme zu, warne ich auch aus eigener Erfahrung ebenso wie die Experten der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM).

Wir sehen wachsenden Bedarf vor allem in der ambulanten Versorgung. Fachärzte, Betriebe und Kassen müssten dazu enger zusammenarbeiten. Allerdings, die langen Wartezeiten für einen Termin und anschließende Behandlung sind ins unerträgliche gestiegen.

Abhilfe schaffen hier die gut ausgebildeten Heilpraktiker für Psychotherapie. In Deutschland sind sie, nach amtsärztlicher Überprüfung, staatlich zugelassen, zu diagnostizieren und zu therapieren. Häufigster Knackpunkt, warum deren Leistung nicht in Anspruch genommen wird, sind die Kosten, die der Betroffenen in aller Regel aus eigener Tasche zu zahlen hat.

Unser insbesondere deutsches „Versicherungsdenken“ ist hier kontroproduktiv. Welche erweiterten Therapieangebote von Heilpraktikern (Psychotherapie) in Anspruch genommen werden können lesen Sie hier http://therapie.hphippler.de/integrative-psychotherapie/

Frühzeitig, am besten bereits am Arbeitsplatz, sollten Betroffene Beratung und Hilfe bekommen, fordere ich gemeinsam mit den Experten der DGPM. Auch Vertreter von Krankenkassen und Unternehmen unterstützten dies.
Ein Apell insbesondere an alle Arbeitgeber, die einerseits die Pflicht zur Fürsorge auch bei psychischer Belastung haben und andereseits durch präventive Maßnahmen kostspieligen Ausfall oder Ersatzbeschaffung vermeiden könnten: WIN- WIN für alle Beteiligten!

Carola Rößler

25.07.2017

Ein wirklich interessanter Bericht, in dem ich mich in einigen Passagen selbst wiederfinden konnte.
Aber so einfach ist es dann doch nicht: Ich selbst arbeite in einem großen Unternehmen im Personalbereich, kenne mich also aus mit den Dingen wie Krankschreibung, Lohnfortzahlung, Wiedereingliederung, Betriebliches Eingliederungsmanagement und dergleichen. Als ich dann aus „gesundheitlichen Gründen“ meine Arbeitszeit vorübergehend reduzierte, musste ich die Arbeit meiner Vollzeitstelle in Teilzeit erledigen. Ich war zu dem Zeitpunkt auch schon schwerbehindert mit einem GdB von 50. Und was ist passiert? Ich wurde wieder krank. Jetzt, nachdem ich wieder in Vollzeit tätig bin und ständig in mich hineinhorche, muss ich mich auch noch mit den Vorwürfen meiner Kollegen auseinandersetzen, dass die Fehler, die sie während meiner Abwesenheit gemacht haben nur passiert sind, weil ich so lange krank war. Toll, jetzt muss ich auch noch mit den Vorwürfen klarkommen. Manchmal will ich einfach nicht mehr. Die Arbeit hat mir immer viel Spaß bereitet, auch die Zusammenarbeit mit dem zu betreuenden Personal, aber ich kann bald nicht mehr.

Ursula Hoffmann

26.07.2017

In dieser Situation hilft nur eines: sich die Zeit zu nehmen, die man braucht, um wieder gesund zu werden. Und dabei sind keine Kompromisse einzugehen.
Die in dieser Phase gelernte Achtsamkeit und das gelernte Bewußtsein für sich selbst sind in das neue Leben mitzunehmen – auch ohne Kompromisse.
Passt das „alte“ Leben nicht mehr, sind Änderungen zu überlegen.
Denn wir haben nur ein Leben.
Wir entscheiden was wir wollen:
ewiger Frust oder ein erfülltes Leben.
Jedem viel Kraft und Mut dazu.

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