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Arbeit & Recht

Darf mein Chef... mir den Teilzeitwunsch verweigern?

Lange wurden Teilzeitangebote hauptsächlich nur von Müttern wahrgenommen. Doch mittlerweile möchten immer mehr Menschen – aus ganz unterschiedlichen Gründen – ihre Arbeitszeit reduzieren. Das Teilzeitgesetz ermöglicht das auch vielen unter bestimmten Bedingungen. Doch in vielen Firmen spielen die Chefs da noch nicht mit.

Der verweigerte Teilzeitwunsch ist ein sehr guter Premierenfall für unsere neue Ratgeberserie „Darf mein Chef..?“, entnommen aus dem neu erschienenen *Buch „Was Chefs nicht dürfen (und was doch)“ von Sabine Hockling und Ulf Weigelt. In Kooperation mit dem Ullstein Verlag präsentieren wir daraus interessante und relevante Fragen aus dem Arbeitsrecht – und die passenden Antworten darauf.

Heute: Darf der Arbeitgeber den Teilzeitwunsch eines Mitarbeiters verbieten?

Antwort: Wer sich um seine Familie kümmern möchte, die Arbeitsbelastung und den Stress nicht mehr aushalten kann oder sich einfach mehr Freizeit wünscht, kann sich für die Teilzeitarbeit entscheiden. Teilzeit ist die Reduzierung der Arbeitszeit um tägliche Arbeitsstunden, einen Wochentag oder ein vereinbartes Monats- oder Jahreskontingent – bei anteiliger Reduzierung des Gehalts. Doch müssen Arbeitgeber dem Teilzeitwunsch ihrer Mitarbeiter nachkommen?

Der Gesetzgeber fördert diesen Trend seit 2001 mit einem Gesetz über Teilzeit und befristete Arbeitsverträge – kurz Teilzeit- und Befristungsgesetz. Es verlangt von Arbeitgebern, allen Mitarbeitern, auch solchen in leitenden Funktionen, Teilzeitbeschäftigung zu ermöglichen. Voraussetzung: Das Arbeitsverhältnis besteht seit sechs Monaten und der Arbeitgeber beschäftigt mehr als 15 fest angestellte Arbeitnehmer.

Ferner gilt für ein Teilzeitarbeitsverhältnis die Gleichbehandlungspflicht. Das heißt, alle Schutzvorschriften des Arbeitsrechts wie Mutterschutz, Betriebszugehörigkeit, Entgeltfortzahlung oder Urlaub zählen für Teilzeitmitarbeiter genauso wie für Vollzeitbeschäftigte.

Wichtig: Die Aufnahme oder der Wechsel eines Teil­zeitarbeitsverhältnisses darf nicht zu Benachteiligun­gen durch den Arbeitgeber führen.

Wer seine Arbeitszeit reduzieren möchte, muss seinen Wunsch drei Monate vorab mündlich anmelden. Eine Entscheidung des Arbeitgebers muss spätestens einen Monat vor dem Termin schriftlich erfolgen. Ablehnen können Arbeitgeber den Teilzeitwunsch, wenn betriebliche Gründe entgegenstehen. Allerdings macht das Teilzeit- und Befristungsgesetz keine Angaben bezüglich deren Schwere. „Normale“, also zu erwartende Belastungen des Arbeitgebers durch die reduzierten Arbeitszeiten reichen nicht als Begründung aus.

Wichtig: Mitarbeiter sollten sich die Teilzeit­-Ent­scheidung wohl überlegen.

Denn hat sich ein Mitarbeiter für die Teilzeit entschieden, kann er eine erneute Verringerung frühestens wieder nach zwei Jahren verlangen. Und möchte er seine Arbeitszeit wieder erhöhen, muss er zwar bei der Besetzung einer Vollzeitstelle bei gleicher Eignung bevorzugt werden, dem können jedoch betriebliche Gründe entgegenstehen.

*Buch-Tipp: Gibt es auch hitzefrei für Mitarbeiter? Kann mein Arbeitgeber mich zwingen, meinen Jahresurlaub komplett zu planen? Dürfen Chefs Reisen in unsichere Urlaubsgebiete verbieten? Darf der Arbeitgeber bereits genehmigten Urlaub wieder streichen? Kriege ich Schadenersatz, wenn mir der Vorgesetzte einen Klaps auf den Po gibt? Kurz: Was müssen sich Arbeitnehmer bieten lassen, und wogegen können sie sich wehren? Ulf Weigelt, Fachanwalt für Arbeitsrecht, und die Journalistin Sabine Hockling beantworten in ihrem Ratgeber „Was Chefs nicht dürfen (und was doch)“, der im Ullstein Taschenbuch erscheint, diese und viele andere wichtige Fragen und räumen mit Irrtümern und Mythen rund ums Arbeitsrecht auf.


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