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Arbeit & Recht

Darf mein Chef... mich kündigen, weil andere besser sind?

Kann ein Arbeitgeber einen Mitarbeiter entlassen, weil er langsamer oder unkreativer arbeitet als andere? Die Antwort ist nicht so einfach wie viele Chefs – und manche Kollegen – denken.

Arbeitsleistungen in einem Team miteinander zu vergleichen, ist auch arbeitsrechtlich gesehen ein heikler Vorgang – und doch Alltag in deutschen Unternehmen. Und ein guter Fall für unsere Ratgeberserie „Darf mein Chef..?“, entnommen aus dem aktuellen *Buch „Was Chefs nicht dürfen (und was doch)“ von Sabine Hockling und Ulf Weigelt. In Kooperation mit dem Ullstein Verlag präsentieren wir daraus regelmäßig interessante und relevante Fragen aus dem Arbeitsrecht – und die passenden Antworten darauf.

Heute: Dürfen Arbeitgeber die Arbeitsleistung von Mitarbeitern vergleichen?

Antwort: Mitarbeiter erhalten ihr Geld als Lohn für die geleistete Arbeit. Ist diese aus Sicht des Arbeitgebers nicht zufriedenstellend, wird er beim Mitarbeiter auf Veränderungen dringen – oder im schlimmsten Fall verhaltens- bzw. personenbedingt kündigen. Doch dürfen Arbeitgeber überhaupt die Arbeitsleistung von Mitarbeitern vergleichen? Und wie objektiv lässt sich die Qualität der Arbeitsleistung von Arbeitnehmer zu Arbeitnehmer vergleichen?

Welche Arbeitsleistung darf der Arbeitgeber überhaupt verlangen?

Unter Qualität der Arbeitsleistung versteht das Arbeitsrecht das „Wie“ der Arbeitsleistung. Dazu zählen Umfang, Geschwindigkeit und die Qualität der Arbeit eines Mitarbeiters. Unter Arbeitsumfang versteht das Arbeitsrecht die Pflicht des Arbeitnehmers, während der vereinbarten Arbeitszeit ständig zu arbeiten. Er darf seine Arbeit also nicht zugunsten privater Zwecke unterbrechen. Das Arbeitstempo muss „zügig“ sein, es muss aber das individuelle Leistungspotenzial des Arbeitnehmers berücksichtigen.

Tipp: Bei der Teamarbeit muss sich das Arbeitstempo der Gruppe am langsamsten Arbeitnehmer orientie­ren.

Eine angemessene Arbeitsqualität erreicht ein Mitarbeiter, wenn er die übertragene Arbeit konzentriert und sorgfältig erledigt. Das Arbeitsrecht erkennt also an, dass sich die Qualität der Arbeit nicht objektiv bestimmen lässt, sondern sich am Leistungsvermögen des einzelnen Mitarbeiters orientiert. Das heißt, der Mitarbeiter schuldet dem Arbeitgeber keine bestimmten Arbeitserfolge oder gar Dauer-Spitzenleistungen. Und er soll auch nicht seine Gesundheit aufs Spiel setzen. Er ist lediglich verpflichtet, seine Arbeitskraft während der vereinbarten Arbeitszeit seinen Fähigkeiten entsprechend – bei angemessener Belastung seiner individuellen Kräfte und Fertigkeiten – zur Verfügung zu stellen.

Ist ein Arbeitgeber mit der Arbeitsqualität eines Mitarbeiters unzufrieden, hilft es unter Umständen, wenn beide konkrete Ziele über Menge oder Qualität der Arbeit vereinbaren. Diese müssen für den Arbeitnehmer jedoch als Ziel erreichbar sein. Verlangt der Arbeitgeber zu viel oder schafft der Mitarbeiter die vereinbarten Ziele nicht, sollte der Mitarbeiter erneut das Gespräch suchen, um eine Korrektur herbeizuführen.

Will der Arbeitgeber dem Mitarbeiter bei Nichterreichen der geforderten Arbeitsqualität personenbedingt kündigen, so steht er gegenüber dem Arbeitsgericht in der Nachweispflicht. Es reicht dabei nicht aus, dass er die Arbeitsergebnisse des Mitarbeiters be-anstandet, insbesondere wenn dieser einer sehr hohen Arbeitsbelastung unterliegt.

Wichtig: Eine personenbedingte Kündigung verlangt den Nachweis, „dass eine erhebliche Beeinträchtigung der betrieblichen Interessen“ vorliegt. Die Rechtsprechung fordert dabei eine nachweisbare 30­-prozentige Leistungsminderung gegenüber dem Durchschnitt der im Unternehmen Beschäftigten, die ähnlichen Tätig­keiten nachgehen.

*Buch-Tipp:Kann mein Arbeitgeber mich zwingen, meinen Jahresurlaub komplett zu planen? Dürfen Chefs Reisen in unsichere Urlaubsgebiete verbieten? Darf der Arbeitgeber bereits genehmigten Urlaub wieder streichen? Kriege ich Schadenersatz, wenn mir der Vorgesetzte einen Klaps auf den Po gibt? Kurz: Was müssen sich Arbeitnehmer bieten lassen, und wogegen können sie sich wehren? Ulf Weigelt, Fachanwalt für Arbeitsrecht, und die Journalistin Sabine Hockling beantworten in ihrem Ratgeber „Was Chefs nicht dürfen (und was doch)“, der im Ullstein Taschenbuch erscheint, diese und viele andere wichtige Fragen und räumen mit Irrtümern und Mythen rund ums Arbeitsrecht auf.


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2 Kommentare

Marc

05.07.2017

Darum ist die Teamarbeit so beliebt. Da können sich also alle hinter dem Langsamsten/Unfähigsten sogar zu Recht verstecken: „Wir haben auf den Kollegen gewartet“ LOL

Roman Herzog-Weber

11.07.2017

Langsame oder leistungsschwache Mitarbeiter sind in vielen Fällen das Ergebnis von Führungsschwäche.Stellen für Menschen schaffen,ist eine Herausforderung der sich die meisten Leader nicht stellen können oder wollen.Mitarbeiter werden von ungeeigneten, Teamverantwortlichen aus persönlichen Vorbehalten aufs Nebengleis geschoben, indem man arbeitsintensive Low-Budget Kunden zusammenpfercht um so die Ergebnisse ganz bewusst zu ungunsten des Vertriebler´s zusammenstreichen lässt…Am Ende sprechen trotz Hingabe und Fleiß die Zahlen ein (un)gleiches Bild.Feuer frei.

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