Digitalisierung

Beschleunigung des Arbeitslebens wird zum Stressfaktor Nummer 1

Durch die zunehmende Arbeitsverdichtung müssen Arbeitnehmer immer mehr Aufgaben in immer weniger Zeit erledigen. Dadurch sinken Engagement und Zufriedenheit, auch private und berufliche Konflikte nehmen zu. Wissenschaftler fordern mehr Hilfe durch die Unternehmen. 

Die Folgen des „Immer-schneller-immer-mehr“ zeigen sich im noch recht jungen Phänomen der Arbeitsverdichtung besonders deutlich. Wissenschaftler der Universität Wien konnten belegen, dass nicht nur der Zeitdruck zunimmt, sondern auch die Arbeitsdichte, so das zentrale Ergebnis der Analysen. Die Wissenschaftler hatten mit Unterstützung des Wissenschaftsfonds FWF mehr als 2000 Beschäftigte im Dienstleistungsbereich mehrfach befragt.

Diese Intensivierung als Folge der Beschleunigung, und als zweite neue Anforderung im Arbeitsleben, wird von den Beschäftigten mehrheitlich als belastend bewertet. Die Folgen sind ein Rückgang des Engagements, geringes Wohlbefinden, sinkende Zufriedenheit und Konflikte zwischen Arbeit und Privatleben, was schließlich immer öfter in Erschöpfungszustände mündet. Diese Entwicklung zeichnet sich seit den 1990er-Jahren ab.

„Arbeitnehmer leben in einem permanenten Software-Update“

„Wir leben in einem permanenten Software-Update“, umschreibt es Studienleiter Christian Korunka und spricht damit eine von drei Anforderungen an, die das Forscherteam in den Untersuchungen zum Wandel der Arbeitswelt identifiziert hat – ständig seien Arbeitnehmer aufgefordert, ihre Kompetenzen weiterzuentwickeln. Die permanenten Lernanforderungen werden von den Beschäftigten jedoch durchwegs positiv wahrgenommen, indem sie zu Motivation und Zufriedenheit beitragen. „Menschen macht lernen Spaß, das kann man in vielen Bereichen zeigen“, bestätigt Korunka. Nichtsdestotrotz, relativiert der Wissenschafter, gebe es jene, die in diesem Update-Arbeitsleben nicht mitkommen und aussteigen. „Dass die neue Arbeitswelt auch Verlierer schafft, dessen sollte man sich bewusst sein.“

Über den höheren Zeitdruck und die stärkere Verdichtung der Arbeit klagen vor allem ältere Menschen. Einerseits versuchen Betroffene, die gestiegenen Anforderungen aktiv zu bewältigen, indem sie Pausen reduzieren, sowie schneller und länger arbeiten. Andererseits nehmen manche Qualitätsabstriche in Kauf und täuschen sogar Erfolge vor.

Unternehmen müssen mehr gegen die Belastungen tun

„Unternehmen sind gefordert, Grenzen zu setzen, Richtlinien zu formulieren, sinnvolle Kennwerte zu entwickeln und vor allem die Mitarbeiter in Entscheidungen einzubinden“, nennt Korunka Schlüsselfaktoren. Struktur und Sicherheit seien die Voraussetzungen für produktives Arbeiten. Berücksichtigen Unternehmen diese Grundbedürfnisse, hat das deutlich mehr entlastende Wirkung, wie die Untersuchungen zeigen, als individuelle Fähigkeiten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wie zum Beispiel Zeit- oder Selbstmanagement.

Thorben Hansen / CONE / dpa

Das könnte Sie auch interessieren:

Digitalisierung: Techniksegen oder Stressfalle?

 

0 Kommentare