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Neustart

Das Home-Office-Mobil: Mit dem roten Horst in die Sonne

Nima Ashoff hat für sich das wahr gemacht, wovon viele nur träumen: Ihr Arbeitsplatz ist ein ganz besonderes Wohnmobil, mit dem sie durch Südeuropa reist.

Nima Ashoff: „Das Leben ist zu kurz, um Träume auf ein Später zu verschieben“

Nima Ashoff hat ein bewegtes Leben, auch im wahrsten Sinn des Wortes. Seit Herbst 2015 fährt sie mit einem alten roten Wohnmobil namens „Horst“ durch den Mittelmeerraum. Von unterwegs arbeitet sie als PR-Journalistin, Reisebloggerin und Coach und betreibt zudem einen Onlineshop für Kletterausrüstung. Mit an Bord sind ihr Freund Steve, mittlerweile drei Hunde, vier Solarpanels für die Stromversorgung und eine Satellitenanlage für die Internetverbindung.

Wie es dazu kam? Alles begann vor einigen Jahren, als Ashoff ihre Festanstellung als Trainerin in einem großen Kommunikationskonzern aufgab, weil es, so sagt sie, „ein echt gut bezahlter, aber für mich sinnentleerter Job“ war. In der folgenden Zeit probierte sie eine Reihe selbstständiger Jobs aus, bis sie eine Ausbildung als Coach und Entspannungstrainerin begann.

Doch ausgerechnet in diese Zeit fiel eine private Krise, inklusive Scheidung. Ashoff entschloss sich „für einen radikalen Neuanfang“:  Ohne Pläne, ohne Job und ohne Sprachkenntnisse zog sie nach Spanien. Dort fand sie „ein komplett neues Umfeld, in dem ich mich neu kennenlernen und entdecken konnte“. Zu diesem Wechsel gehörte auch, ihren jetzigen Vornamen Nima anzunehmen und ihn später offiziell ändern lassen.

Zurück in Deutschland jobbte sie im Kundenservice, als Texterin und Webseiten-Betreuerin. Mit ihrem neuen Freund Steve sparte sie, kaufte sich den roten Oldtimerbus „Horst“ und ist nun seit über eineinhalb Jahren im Süden Europas unterwegs. In ihrem Blog „Abenteuer unterwegs“ berichtet sie regelmäßig und spannend über ihr mobiles Leben. Für unser Interview erreichten wir Nima Ashoff  in Griechenland.

XING Spielraum: Frau Ashoff, was machen Sie mehr? Arbeiten im Abenteuerurlaub oder Abenteuer während der Arbeitszeit?

Nima Ashoff: Ich würde sagen, dass sich beides die Waage hält. Ziel meines ortsunabhängigen Lebens im Bus war es nicht, weiterhin 40 Stunden pro Woche zu arbeiten, sondern mehr Lebensqualität zu gewinnen. Dazu gehört auch, dass ich ausreichend Zeit für meine Hobbys wie das Klettern oder meine Hunde habe. Oft stehen wir mit unserem Bus, der übrigens Horst heißt, mitten in den Bergen, so dass ich morgens klettern gehen und nachmittags arbeiten kann.

Manch einer scheitert schon an den Versuchungen im Home Office, wie halten Sie Ihre Disziplin, inmitten der spannenden Möglichkeiten?

Ashoff: Das ist in der Tat nicht immer einfach, vor allem, wenn wir an einem verlockend schönen Strand stehen. Um mich zu disziplinieren mache mir immer wieder bewusst, dass ich auch für diese Lebensweise ein Einkommen benötige. Da mir das, womit ich Geld verdiene, aber Spaß macht, fällt es mir nicht so schwer, mich zu motivieren. Außerdem bin ich vollkommen frei in meiner Tagesgestaltung. Wenn meine Motivation wirklich mal im Keller ist, dann gönne ich mir halt zuerst eine Auszeit und mache später oder am nächsten Tag weiter.

Was sind denn die größten Probleme bei Ihrem „Mobile Working Extreme“?

Ashoff: Im Großen und Ganzen funktioniert das mobile Arbeiten aus dem Bus recht problemlos. Eine Herausforderung ist das Internet, das besonders dann gerne streikt, wenn ich es am dringendsten brauche. Da mein Freund aber Informatiker ist, bekommt er dieses Problem meistens gelöst. Ein anderer Punkt, den ich aber nicht als Problem bezeichnen würde, ist Besuch. Es kann ständig passieren, dass wir neue Menschen kennenlernen, mit denen wir möglichst viel Zeit verbringen möchten. In solchen Momenten muss ich schon zusehen, dass ich mich ab und zu ausklinke, um meine Sachen zuverlässig zu erledigen.

Und was die größten Freuden, abseits der tollen Naturerlebnisse?

Ashoff: Ich genieße es, dass ich dauernd mit neuen Eindrücken konfrontiert werde und viele positive Erfahrungen sammele. Griechenland beeindruckt mich zum Beispiel durch seine extrem gastfreundlichen Menschen. Die Kontakte zu Einheimischen, die uns mit viel Hilfsbereitschaft begegnen, sind für mich etwas Besonderes. Teilweise stoppen sie unseren Bus, nur um uns eine Tüte Orangen zu schenken, sowas macht mich glücklich.

Worüber ich mich auch freue, ist, dass ich alle Zeit der Welt habe, um ein Land zu erkunden. Wenn es uns an einem Ort gefällt, können wir so lange dort bleiben, wie wir Lust haben. Das ist für mich Luxus.

Sie sind auch aus Frust über den Job zu Ihrer Reise aufgebrochen – haben Sie sich wieder mit der Arbeit versöhnt?

Ashoff: Mit dem Arbeiten hatte ich im Grunde nie Probleme, sondern damit, angestellt zu sein. Ich treffe gerne eigenständige Entscheidungen und mag es, lösungsorientiert und kreativ zu arbeiten. Leider habe ich als Angestellte nie das Gefühl gehabt, dass diese Eigenschaften erwünscht sind und darunter hat am Ende meine Motivation ziemlich gelitten.

Als Selbstständige kann ich meine verschiedenen Fähigkeiten und Talente nun viel gezielter einsetzen. Ich arbeite als Texterin, als Coach und betreibe einen Onlineshop für Klettergeschenke (www.klettergeschenke.de), das ist eine spannende Mischung. So zu arbeiten, gefällt mir sehr gut.

Während Ihrer Reise sind Sie auch als Coach tätig – haben die Erfahrungen Ihre Ratschläge an Ihre Klienten verändert?

Ashoff: Meinen Klienten gebe ich als Coach keine Ratschläge, sondern unterstütze sie dabei, eigene Wege zu finden. Sie sind schließlich die Experten für ihr Leben, nicht ich. Ich sehe mich bloß als ihre Wegbegleiterin, die sie hinterfragt und den Blick auf Lösungen richtet. Das Reisen trainiert mich allerdings darin, mich noch besser in andere Sichtweisen hineinzuversetzen und die Welt aus den Augen anderer zu sehen.

Wenn Sie potenziellen Nachahmern drei Ratschläge geben sollten, welche wären das?

Ashoff: Wenn es das ist, wozu Sie Lust haben, dann machen Sie es! Das Leben ist zu kurz, um Träume auf ein Später zu verschieben, das vielleicht gar nicht eintrifft. Zweifel zu haben, ist dabei vollkommen in Ordnung. Die lösen sich unterwegs von ganz alleine auf.

Und in fünf Jahren? Immer noch Happy mit Horst – oder doch sesshaft mit Immobilie?

Ashoff: Ohje, das weiß ich wirklich nicht . Eine eigene Immobilie hatte ich schon mal und habe aktuell danach kein Bedürfnis. Vor fünf Jahren hätte ich mir aber auch nicht vorstellen können, dass ich mal in einem Bus lebe. Insofern lasse ich mich einfach überraschen, wohin der Weg führt.

Interview: Silja Schriever / CONE

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6 Kommentare

Stephan

19.04.2017

Wie kann jemand der seinem Auto einen Namen gibt andere Menschen beraten ? Zeigt es nicht, wie krank diese Welt ist, dass Planlosigkeit als erstrebenswert dargestellt wird ? Hunde und Klettern - das ist also wichtig ? HAllo ?

Horst H.

19.04.2017

Sehr interessante und motivierende Geschichte. Zeigt doch, dass es mit Mut und willen müglich ist, neue Wege zu gehen. Ausserdem bestätigt es die Aussage, dass Krisen immer wieder auch zu Chancen führen können. Mich würde nur noch interessieren, wie so der Bus HORST heisst? Danke für diesen Artikel.

Bert

19.04.2017

Endlich mal eine wirklich autonom agierende Kreative, die sich gegen Bevormundung und Gängelung in den Wirtschaftsstrukturen unserer Gesellschaft auflehnt und nicht weisungsgebunden handelt. Und dabei ihre Träume lebt. Unsere Gesellschaft würde anders aussehen, wenn alle so aktiv würden. Also nachmachen...!

Manana

20.04.2017

Hallo Stephan. Was ist denn an diesem Lebensstil krank? Und was hat die Wohnung in der man sich wohlfühlt mit Planlosigkeit zu tun?

giorgiogrigio

23.04.2017

Die Idee hat mich angesprochen. Mich zieht es in den Süden und bisher dachte ich ich sitze auf der Terrasse und schaue aufs Meer während ich an meinem ersten Buch schreibe. Aber dann ist ja noch dies und jenes zu erledigen und will ich nun lieber nach Italien, nach Spanien, Griechenland oder Portugal? Also hier ist die Lösung: das mobile Schreibbüro. Mal sehen, jedenfalls ist ja der Weg das Ziel.

Brit

23.04.2017

also ich finde es gut und das hat doch mit kompetenz nichts zu tun, wen man sein hobby mit zum beruf macht, deshalb kann sie doch genauso kompetent sein wie jemand der den ganzen Tag im Büro sitzt und nur die Wände anstarrt.

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