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Arbeit & Recht

Absolventin klagt erfolgreich gegen "Scheinpraktikum"

Manche Arbeitgeber sparen, wo sie nur können. Deswegen stellen Unternehmen gerne Praktikanten ein und lassen sie alltägliche Tätigkeiten erledigen. Doch das ist nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.

Scheinpraktikum

Viele Unternehmen suchen nach billigen Arbeitskräften und vergeben Praktikumsplätze. Das ist jedoch nur erlaubt, wenn der Ausbildungszweck im Vordergrund steht. (©Foto: Susann Prautsch/dpa)

Bei Praktika muss der Ausbildungszweck im Mittelpunkt stehen. Andernfalls liegt unter Umständen ein Scheinpraktikum vor, das als reguläres Arbeitsverhältnis anzusehen ist. Darauf weist der Deutsche Anwaltverein hin.

Er verweist auf eine Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Berlin-Brandenburg (Az.: 6 Sa 1787/15). In dem verhandelten Fall hatte die Praktikantin geklagt. Sie hatte ein einschlägiges Studium absolviert, und das Praktikum war nach der Studienordnung nicht vorgeschrieben. Die Frau erhielt 400 Euro pro Monat. Sie war aber der Meinung, dass ihr mehr zustehe und ein reguläres Arbeitsverhältnis vorliege. Daher zog sie vor Gericht.

Das gab ihr Recht. Bei Absolventen eines einschlägigen Studiums seien Praktika als Arbeitsverhältnisse anzusehen, wenn sie überwiegend mit üblichen Arbeitsaufgaben von Arbeitnehmern verbunden seien. Das sei hier der Fall gewesen. So erledigte sie ihre Tätigkeit auf Anweisung eines Mitarbeiters und musste in einem Großraumbüro arbeiten. Und es habe eine tägliche Anwesenheitspflicht von acht Stunden gegeben. Der Arbeitgeber habe nicht belegen können, dass die Tätigkeit vorrangig einen Ausbildungszweck hatte. Daher handele es sich um ein Scheinpraktikum. Der Frau stehe daher eine ähnliche Vergütung wie die der übrigen Mitarbeiter zu.

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1 Kommentare

Model Dieter

24.04.2017

Ja - Praktikanten als günstige Lohnersatzarbeiter stehen ganz hoch im Kurs. Woher kommt das wohl? Zumeist tauchen sie bedingt durch irgendwelche Maßnahmen der jeweiligen Leistungsträger nicht in irgendwelchen Statistiken auf und ersetzen bei Leistungsspitzen wunderbar teurere Mitarbeiter. Gelegentlich habe ich es erlebt, dass Firmen für besondere Aufträge gezielt "Spezialisten" als Praktikanten zu suchen, nur um den Auftrag abzuarbeiten. Eingestellt wurde - wiedermal - niemand. Interessant wäre, eine "echte" Zahl der momentan "grasierenden" Praktikanten zu erfahren! Ziemlich sicher ist: Da würden manchen Menschen die Haare grau und das Gesicht rot werden... Gruß: Ein 57jähriger Arbeitssuchender, der mehrere "Praktika" kennenlernen durfte. PS. Wenn ein Betrieb mehr als 40% seiner Arbeitsleistung mit Praktikanten erledigt, dies der AfA bekannt ist, dann kann vielleicht irgendetwas aus dem Ruder gelaufen sein, oder?

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