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New Work Experience

People over Pixels – Wie wichtig Menschlichkeit in der Digitalisierung ist

Alles wird digital – alles? Im Gegenteil: Der Faktor Mensch gewinnt im digitalen Wandel an Bedeutung. Dadurch verändern sich die Anforderung an Leadership in Zukunft grundlegend.

Ein Gastbeitrag von Fabian Kielbaum

In die technologische Erlebniswelt hat sich in diesem Jahr verstärkt eine ethische Debatte gemischt. Da geht es um Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung, aber auch um die Arbeitswelt der Zukunft: Wie weit darf, kann, soll sich unsere Arbeitswelt durch digitale Möglichkeiten prägen lassen?

Fabian Kienbaum, COO, Kienbaum Consultants International

Klar ist: Menschlichkeit gewinnt im digitalen Wandel verstärkt an Bedeutung. Das heißt in letzter Konsequenz das bewusste Zulassen von Nahbarkeit, Verletzlichkeit und Unsicherheit im organisationalen Kontext, um so eine Vertrauenskultur zu etablieren. Und es geht um eine andere Haltung: die Zufriedenheit der Mitarbeit in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen anstatt kurzfristiger Renditemaximierung und oberflächlich toller Geschäftszahlen. Ein Paradigmenwechsel für viele Organisationen, der jedoch unumgänglich ist. Denn nur so können Unternehmen Raum für Innovation und Kreativität schaffen. Anfassbare Orientierung ist essenziell in unserer VUCA-Welt von heute – dazu bedarf es einer neuen Führungskultur.

Führung braucht Development

Wertschätzend und authentisch zu führen und seine Mitarbeiter so zu motivieren und sie kreativer und innovativer zu machen, ist gar nicht so einfach. Was vermeintlich leicht klingt, stellt viele Führungskräfte gerade in großen und traditionellen Organisationen vor erhebliche Herausforderungen. Deshalb müssen Firmen mehr für ihre Führungskräfte tun und in ihr Management Development investieren.

Genauso wenig wie die Arbeitswelt nur noch digital wird, wird auch Manager-Weiterbildung in Zukunft beides sein: blended. Die Unternehmen setzen auf einen Mix aus Präsenz- und Online-Angeboten, so das Ergebnis unseren aktuellen Studie Future Management Development von Kienbaum.

Konkret heißt das: Bei der Weiterbildung des Topmanagements sind weiterhin Einzelcoachings und Workshops die beiden beliebtesten Trainingsformate. Digitale Angebote wie Online-Plattformen für das Selbststudium, Web-based-Trainings oder Webinare haben bei der Weiterbildung von Topmanagern auch künftig nur ergänzenden Charakter.

Im Gegensatz zur Weiterbildung des Topmanagements setzen die Unternehmen bei der Personalentwicklung ihres operativen Managements in Zukunft primär auf online-basierte Weiterbildungsangebote: Die am häufigsten genutzten Formate sind Online-Plattformen für das Selbststudium und Webinare. Präsenz-Workshops sind zwar auch noch Teil des Weiterbildungsangebots für diese Gruppe, aber ihre Bedeutung wird in den kommenden Jahren abnehmen.

Anders Führen – warum eigentlich? Und wie genau?

Aber warum geht Führen heute anders? Es sind die Menschen, die geführt werden, die sich verändert haben: Die heftig umworbenen digitalen Eliten – mehrheitlich in der Generation Y verortet – haben ganz andere Ansprüche. Ihr Beruf soll sinnstiftend sein mit viel Gestaltungsfreiheit und sie wollen im Team mit interessanten Kollegen aus allen Teilen der Welt arbeiten. Sie wollen Teil einer guten Sache sein und suchen sich deshalb einen Arbeitgeber, mit dem sie sich identifizieren können. Und sie wollen genau wissen, wie die Geschäfte in ihrem Unternehmen laufen, und mitreden auch bei strategischen Entscheidungen.

Die Mitarbeiter sind es, die von ihren Führungskräften einfordern müssen Coach und Mentor für sie zu sein und mit ihnen immer auf Augenhöhe im Gespräch zu sein. Sie müssen wissen, was ihre Mitarbeiter umtreibt und wo es Probleme gibt. Und sie müssen wissen, was ihre Mitarbeiter wirklich am besten können, wofür sie brennen.

Führen heißt also, die Mitarbeiter zu befähigen und sie mit den richtigen Projekten, Themen und Teams zusammenzubringen. Dann sind sie voll motiviert und können ihre beste Leistung abrufen. Gerade in Branchen, in denen die Mitarbeiter ganz direkt für die Zufriedenheit der Kunden ausschlaggebend sind – zum Beispiel in Professional Service Firms wie Beratungen –, kann man als Unternehmen mit Druck und Befehlston nur kurzfristig Erfolg haben. Die Zeiten sind vorbei, in denen ein Chef einfach rein hierarchisch von oben anordnen kann und alle Mitarbeiter springen, wenn er die Augenbrauen hebt. Aber einen Chef, der verbindlich entscheidet und der sagt, wo es langgeht, den wird man auch in Zukunft brauchen!

Umfrage: Die Deutschen nehmen die Digitalisierung gelassen

3 Kommentare

Susanne Jung

01.04.2017

Tja, das ist ja mal nix Neues. Und wie sollen die Führungskräfte „Menschlichkeit“ lernen? Im Seminar?

Fabian Kienbaum

03.04.2017

Ist sicherlich immer ratsam, bei sich selbst anzufangen – korrekt. Bei Interesse empfehle ich den Film „Die stille Revolution“, der sehr anschaulich den Weg des Kulturwandels der Firma Upstalsboom porträtiert.

Alexander

07.07.2017

Den Film habe ich auch gesehen, sehr zu empfehlen! Des Weiteren ist es aus meiner Sicht ratsam vielleicht auch mal etwas anderes zu machen und sich gesellschaftlichen Themen zu widmen oder im Ausland zu reisen. Das hat schon so manch einen Menschen zum Umdenken veranlasst…

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