New Work Experience

"New Work Families": Mehr Chancen für Job UND Familie

Wer Kinder und Karriere wirklich unter einen Hut bringen will, tut sich gegen alte Strukturen und Denkweisen immer noch schwer. Ein neues Netzwerk will dabei helfen, die familienfreundlichen Werte der New-Work-Philosophie in die Unternehmenswelt zu tragen.

Die New-Work-Bewegung verknüpft Arbeit mit Privatleben in ganz neuer Weise – und treibt damit auch die alte Diskussion von „Kinder oder Karriere?“ weiter voran. Denn die Vereinbarkeit von Familie und Beruf scheitert hierzulande noch viel zu häufig an einer unbeweglichen Firmenkultur, die geprägt ist durch starre Präsenzpflichten und unflexible Vollzeitarbeitsmodelle.

Wie können Beruf und Familie über einige vorbildliche Praxisbeispiele hinaus noch besser unter einen Hut gebracht werden? Geht das überhaupt? Kann die Utopie von einem erfüllteren Familien- und Arbeitsleben von der Utopie zur Realität werden? Die Idee der „NewWorkFamilies“ versucht sich daran. In dem neu gegründeten Netzwerk unterstützen sich Eltern-, Arbeits- und Gründerteams gegenseitig bei der Begleitung ihrer Kinder. Es gibt Co-Workinghäuser mit Betreuungsangeboten, Familienbüros mit Selbstbetreuung oder von Eltern getragene Initiativ-Kitas oder -Schulen.

New Work Families verspricht, die Familienwelt weiter mit der Unternehmenswelt zusammenzubringen. Ziel der Bewegung, so sagen die Macher, sei es, „die Wirtschaft bei diesem Wandel zu unterstützen und die Werte der jungen Eltern aufzuzeigen, zu vermitteln und zu vertreten“. Über diese Fragen diskutieren auch auf der „New Work Experience“-Konferenz von XING namhafte Experten – auf einem Panel zum Thema „New Work Families – Ist Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine Utopie?“

„New-Work-Families“-Mitglied Volker Baisch: „Wir brauchen eine selbstorganisierte und lebendige Elternschaft, die selbstbewusst mitgestaltet.“

Einer der Panel-Teilnehmer, Volker Baisch, Gründer und Geschäftsführer der Väter gGmbHsowie Mitglied der New Work Families, sagt: „Die “Neue Vereinbarkeit” braucht keine neue Maßnahmen oder noch mehr Regelungen, sondern eine selbstorganisierte und lebendige Elternschaft, die selbstbewusst mit gestaltet und entscheidet, wenn es um neue Familienmodelle der Zukunft geht.“ Baisch rät Unternehmen daher, „gemeinsam mit den Müttern und Vätern vielfältige Familienmodelle zu entwickeln, um alle Ressourcen und Potentiale für eine lebendige New-Work-Community zu nutzen“.

Oda Heister, Geschäftsführerin von Ashoka, einem Netzwerk sozialer Organisationen und Unternehmen, fragt sich: „Was passiert eigentlich, wenn die äußeren Umstände ideal sind und einem die volle Freiheit in Bezug auf Familie und Beruf geben? Wenn man – wie ich bei Ashoka – umgeben ist von innovativen, klugen, die Welt verändernden Unternehmern voller Verständnis für all diese Fragestellungen und die Freiheit hat, dieses Verhältnis selbst zu gestalten?“

Heister, die ebenfalls auf dem NWX-Panel diskutieren wird, „spürt an meinem eigenen Beispiel als Mutter von 4 Kindern und als Führungskraft in einem Beruf, der mich täglich aufs Neue begeistert, diese Herausforderung jeden Tag. Was gibt es da für eine Menge von Glaubenssätzen und eingeprägten Verhaltensmustern bei mir, die zu einem täglichen Abwägungskampf führen. Wie schaffen wir es als Individuen und als Gesellschaft, den unglaublichen Druck aus diesen etwa 20 Jahren zu nehmen, in denen wir gleichzeitig Karriere machen wollen und Kinder haben?“

Wichtige und spannende Fragen, die Lust auf eine ebenso spannende NWX-Diskussion machen. Wer keine Chance hat, in Berlin dabei zu sein, kann die Konferenz auch hier auf XING Spielraum verfolgen: Am Donnerstag ab 9.30 Uhr startet unter diesem Link der Livestream des Events.

Mehr zum Thema:

Die „New Work Experience“: Ein ganz besonderer Tag der Arbeit

2 Kommentare

M.Tilsner

30.03.2017

Genau das lebe ich bereits seit ein paar Jahren in und mit meinem eigenen Geschäft. Es ist nur von der persönlichen Entscheidung und deren Umsetzung abhängig das Leben selbst zu gestalten. Ich begrüße es sehr, dass Firmen bald damit anfangen und diese Chance der „NewWorkFamilies“ den Menschen an die Hand geben.

Nina Elmas-Sieben

01.04.2017

Natürlich bedarf es Mut, Kreativität, einen offenen Dialog und Aufräumen mit vielen Vorurteilen, die es immer noch in der Gesellschaft gibt. Als zwei vollzeitbeschäftigte Eltern in der IT-Branche sind mein Mann und ich seit Jahren zumindest in unserem Heimatort Exoten. Es ist zugegebenermaßen eine sehr große Herausforderung, über die in der Arbeitswelt auch noch zu wenig gesprochen und dem auch noch nicht die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt wird. Es ist halt alles selbstverständlich, und manche zynische Stimme von damals noch kinderlosen Zeitgenossen bekundete einem bereistvor 15 Jahren, man habe sich das ja schließlich selbst ausgesucht. Ja, und so what?! Damals war ich noch in der Ingenieursbranche genau wie heute eher eine Exotin als berufstätige Mutter, hatte aber noch keine wirklich flexiblen Arbeitszeiten, sondern eher eine moderne Stechuhr. Ich begrüße daher die neue, dynamischere, vernetzte Arbeitswelt, insbesondere in der IT, in der Familie 4.0 auch möglich wird, sofern alle Beteiligten an einem Strang ziehen und man auch die Grenze zwischen Arbeit und Familie ziehen kann. Dass Familie nicht interessiere, da höre ich geflissentlich weg, wenn so ein Satz schon mal fällt. Denn wer soll denn den Fortschritt und den Weg in die Zukunft weiterführen, wenn nicht unsere Kinder, denen wir vorbildlich zeigen sollten, wir es geht, statt nur in Schwarz/Weiß zu denken.