Change 2017

Loben, zuhören, fördern: Diese 10 Dinge muss ein guter Chef können

Moderne Führung braucht mehr als Fachwissen und Durchsetzungsfähigkeit. Drei Karriereberater verraten zum Auftakt unseres Schwerpunktthemas „Change 2017“, welche zehn Eigenschaften einen guten Vorgesetzten ausmachen. 

1. Eine Vision haben

„Es sollte jemand sein, der Menschen begeistern kann, der sich selber für etwas begeistert und andere mitzieht“, sagt Doris Brenner, Karriereberaterin aus Rödermark bei Frankfurt am Main. Nur wer seinen Mitarbeitern ein Ziel gibt, für das sie brennen, erreicht, dass sie mitmachen – freiwillig und engagiert.

2. Druck standhalten

Erwartungen von oben, Beschwerden von unten – jeder Vorgesetzte hängt in einer Sandwich-Position und muss das aushalten können. «Eine gute Führungskraft braucht eine gereifte Persönlichkeit und Stärke», erläutert Brenner. Nur dann kann man Druck von oben abfedern, statt ihn an die Mitarbeiter weiterzugeben.

3. Mitarbeiter fördern

Viele Vorgesetzte halten ihre Mitarbeiter klein, verbuchen Erfolge nur für sich. «Das ist genau der falsche Weg», sagt Brenner. Die Mitarbeiter fühlten sich nicht wertgeschätzt, würden demotiviert. «Man muss die Leute auch etwas werden lassen.» Ein guter Chef unterstützt, lässt Freiheiten, überträgt Verantwortung, fördert und fordert – ohne zu überfordern. Und stellt sich, wenn etwas schief geht, vor seine Leute.

4. Auf Stärken besinnen

„Wer versucht, Schwächen auszugleichen, erzeugt Mittelmaß», sagt Alexander Groth, Führungskräfte-Coach aus der Nähe von Frankfurt am Main. «Gute Chefs konzentrieren sich auf die Stärken der einzelnen Mitarbeiter und bauen sie gezielt aus.»

5. Loben

„Viele kritisieren zu viel und geben zu wenig positives Feedback“, sagt Groth. Dabei sei Anerkennung nach einem Erfolg einer der stärksten Motivatoren.

6. Zuhören

Wer etwas loswerden darf, fühlt sich erleichtert. «Der Gedanke: «Mein Chef gibt mir Raum» ist sehr wichtig», sagt der Diplom-Psychologe und Karriereberater Jürgen Hesse aus Berlin. Es komme aber auf wahres Zuhören an, ergänzt Groth: «Man muss ehrlich verstehen wollen, was der Mitarbeiter sagt – statt in Gedanken schon das nächste Meeting zu planen.»

7. Fehler eingestehen

„Ein Chef darf Fehler machen“, sagt Hesse. Wichtig sei ein gutes Maß an Selbstreflexion. „Chefs, die sich auch mal zurücknehmen und Fehler eingestehen, steigen in der Achtung ihrer Mitarbeiter.“ Wer dauernd Fehler mache, sollte darauf nicht bauen.

8. Grenzen setzen

„Ein guter Vorgesetzter braucht Durchsetzungsvermögen, Geradlinigkeit, eine gewisse Härte“, sagt Doris Brenner. Wichtig sei das Wie, etwa bei Kündigungen. „Man muss sich auch mal von einem Mitarbeiter trennen, wenn es nicht funktioniert“, ergänzt Hesse. „Das sind die Spielregeln. Aber es sollte menschlich korrekt zugehen.“

9. Gerecht sein

Dazu ist Gespür und Bewusstsein für die Mitarbeiter gefragt. „Man kann nicht alle gleich behandeln», sagt Brenner. Jeder sei individuell, habe andere Stärken und Schwächen. „Ein guter Chef führt menschenbezogen.“ Das habe nichts mit Ungerechtigkeit zu tun: „Ich muss gucken, was der einzelne braucht“, erklärt sie.

10. Seine Rolle verstehen

Der Arbeitsplatz sei eine Reinszenierung der Familiensituation, sagt Hesse. „Führung ist etwas, das wir aus unserer Kindheit kennen. Wer über andere Leute bestimmt, sollte sich das psychologisch verdeutlichen.“ In der Gefühlswelt eines Erwachsenen sei noch viel vom Kind übrig. „Ein guter Chef ist sich seiner Rolle als Ersatzvater und -mutter bewusst. Er überlegt sich, was er an seinen Eltern gut fand – und geht pfleglich mit seinen «Kindern» um.“

17 Kommentare

Michael Fries

03.01.2017

Das alles ist noch traditionell hierarchisch bis Postmoderne pluralistisch formuliert. Moderne Mitarbeiter brauchen oft keine Führungskraft mehr. Führung behindert oft mehr, sie unterbindet Kreativität und verlangsamt notwendige Anpassungen durch die Entscheidung von oben. Moderne Ansätze sind selbst für Ende autonome Teams mit Budgethoheit. Wer will da wen wofür führen?

Stephanos Berger

05.01.2017

Es gibt dazu ein schönes Motto, nach welchem ich versuche, unser Unternehmen zu führen:
„Handle stets vertretbar, selbst wenn es gerade nichts nützt“

Ulli Kastner

05.01.2017

Da widerspreche ich. Ich denke alle 10 Punkte sind absolut zeitlos. Auch in modernen Arbeitsstrukturen (oder gerade da) ist das unheinlich wichtig. Habe mich bei allen 10 punkten persönlich wiederfinden können (positiv wie negativ).

Dieter Brandes

05.01.2017

Dieses Thema wurde im letzten halben Jahrhundert Tausende Male in Büchern und Fachartikeln abgehandelt. Dieser Beitrag bringt absolut nichts Neues, zudem eher manch Fragwürdiges. Entscheidende Bereiche der Organisations- und Systemtheorie werden gar völlig ignoriert. Zudem wird wieder einmal die mystische Zahl 10 strapaziert. Könnten es nicht auch nur 8 oder 9 oder gar 12 Punkte sein? Nein, immer wieder schafft man es mit exakt 10. Für mich hat XING ein anderes Geschäftsmodell, als olle Kamellen wiederzukäuen. Wenn Xing alles das wiederholt, was so viele andere schon breitgetreten haben, verliert es für mich an Wert. Ich möchte mich auf das Wesentliche konzentrieren. Es gibt genug zu lesen.

Andrea Brosiusw

05.01.2017

Meiner Meinung haben wir Führungskräfte, wo viele durch eine cholerische, in einer Richtung psychisch negative Rhetorik verfallen. Diese wundern sich, dass Ihre Mitarbeiter lieber Samstag haben, als Montag. Mich wundert dies nicht!!!!!

Michael Amon

05.01.2017

Ich finde mich in den Punkten wieder, diese umzusetzen , ist schwer genug.
Vielleicht noch als Ergänzung: tue deinen Mitarbeitern nicht an, was du möchtest das man dir nicht antut und behandel deine Mitarbeiter mit Respekt, weniger wie Kinder.

Zu dem Kommentar:
Es können nicht alle Mitarbeiter die Zielvorgaben machen, viele Spezialisten sehen das selbständige treffen von Entscheidungen als Belastung an. Wohl dem , der nur unternehmerisch denkende Mitarbeiter hat mit entsprechendem Weitblick, welche gleichzeitig die Spezialisten für das Detail sind und dann noch eine hohe Sozialkompetenz haben. So haben eben alle ihren Job zu machen, die Führungskräfte und die Mitarbeiter, aber Hierarchie wird es immer geben , solange es Kunden und Lieferanten gibt und so lange es um das -Geld verdienen geht . Auch wenn das unmodern klingt in Zeiten 4.0

Klaus Müller

05.01.2017

Schön, dass die Welt lt. der 10-Punkte-Liste so einfach ist. Punkt 2 regelt schon das meiste: In jeder Firmenhierarchie ist jeder Vorgesetzte auch Mitarbeiter. Der einzige, der keinen Vorgesetzten hat, ist der Inhaber und der darf also ungestraft Druck ausüben. Danach kommt die erste, gute Führungskraft, die den Druck abfedert und nicht nach unten weitergibt. Punkt 10 regelt den Rest: Der Vater und/oder die Mutter verdienen das Geld, sodass die Kinder frei von Sorgen aufwachsen und leben können. Schön, dass man als Berater mit solchen Heile-Welt-Thesen auch noch Geld verdienen kann

Olivier Ndjimbi-Tshiende

05.01.2017

Solange es Lebewesen in Gruppen gibt, gibt es „Führungskräfte“ , sonst wird die Gruppe oder Gemeinschaft orientierungslos bis zu irrwegelaufende Haufen, der am Ende nicht mehr lebensfähig ist. Wiederholung tut auch gut. „Magische Zahlen“ sind keine Dogmen, jeder betrachte sie wie er will. Hauptsache, egal welche Position man inne hat, dass man die Mitarbeiter als Auch Menschen wie sich selbst betrachtet mit den gleichen Grundbedürfnissen, auf die sie Recht haben. Alles müsste dem untergeordnet sein, will man friedlich und wohl leben in Firmen, Familien, Gemeinschaften, Staaten und in unserer Welt. Das ist keine Moralisierung, sondern ein Faktum, das anzuerkennen gilt. Das Grundrecht auf Gleichheit in der Würde und im Leben.

Joachim Wick

05.01.2017

Über manche Beiträge/Kommentare bin ich schon überrascht.
In der Arbeitswelt wird es immer Strukturen und Hierarchien egal welcher Ausprägung und Bezeichnungen geben, da wir es auch da mit dem ganz normalen Bevölkerungsdurchnitt zu tun haben. Und die Menschen haben nun mal unteschiedliche Talente, Stärken und Schwächen.
Und es werden sich natürlich auch informelle „Leader“ herauskristallisieren, welche dann früher oder später auch Führungspositionen einnehmen werden.
Bei den Kommentaren sollten man sich eher auf die Inhalte anstatt auf das Äussere (8 oder 12 Punkte???) konzentrieren, deshalb finde ich den Beitrag zu Change 2017 sehr gut.
Wenn in den Chefetagen nur 70% der o.g. 10 Punkte zum Tragen kämen, wäre das paradiesisch. Ich finde mich jedenfalls in allen Punkten wieder und versuche das seit vielen Jahren so zu leben. Und je schnellebiger und profitorientierter die Arbeitswelt wird, desto wichter werden diese Punkte! Guter Beitrag!!!

Doberer Karin

05.01.2017

Dieser Betrag bringt nicht NEUES. Doch benennt er exakt die Punkte (egal ob 7, 8, 10 oder mehr), die wir gar nicht oft genug hören und lesen sollten.
Was ist denn wirklich NEU oder gar innovativ im Bereich der Unternehmensführung? Eigentlich wissen wir alle „Wie es geht“. Ich stimme Joachim Wick in seinem Kommentar vollkommen zu. Wissen allein reicht nicht. Wir müssen auch handeln. Wer von sich behaupten kann, alle bekannten Grundsätze guter Führung (egal ob traditionell oder im Zeichen von 4.0) im Alltag zu praktizieren: Respekt.
Ich bin froh über Beiträge wie diesen zu „Change 2017“. So werde ich erinnert, was das Wesentliche im Bereich Unternehmensführung bedeutet. Lernen gelingt durch Wiederholung.
DANKE für die Wiederholung. Mit NEUEM werden wir tagtäglich überflutet. Doch was bleibt?
Wieder nehme ich mir für 2017 vor, ein paar Grundsätze der im Artikel genannten 10 Punkte umzusetzen und freue mich auf einen XING-Artikel 2018 als Erinnerung es tatsächlich nachhaltig zu tun.

Palmer, Brigitte

05.01.2017

Ich gehe davon aus, dass die Führungskräfte, die sich in diesem Forum bewegen die o.g. 10 Punkte verinnerlicht haben und diese auch umsetzen. Aber was ist situativer Führung? Man kann doch nicht für jeden Mitarbeiter die gleiche Führungsstrategie anwenden? Klar ist dafür stets zu wenig Zeit aber wenn hier schon das Idealbild dargestellt wird, dann gehört die situative Führung auch dazu.

Martin Komgovic

06.01.2017

Ein gute Führungskraft hat Kompetenzen die nachhaltig für die Mitarbeiter nachweisbar sind, »für die MA’s«! Warum? Das die MA’s vom ersten Tag zu ihrer FK bestätigt (hingezogen) fühlen. Mitarbeiter müssen nicht der Führungskraft folgen, das ist ein autoritärer Schwachsinn von früher, wo jeder nur die Theorie »ich Chef du nichts« geprägt hat! Es ist sehr wichtig als Führungskraft seine Mitarbeiter zu zeigen, schau ich bin dein opti-maler Begleiter in deiner; Lehrphasen an deinem Arbeitsplatz, und stehe dir stets zur Seite »während der Arbeit und sogar nach der Arbeit«! Führungskräfte müssen eine Familienbeziehung mit ihren Mitarbeiter, pflegen! Eine FK ist nicht nur Vorbild, sondern ein Pate in jeder Situation. Wichtig ist dabei, das die FK weiß 2nicht vermutet oder schätzt«,- wann tu ich etwas, wann sage ich etwas zum richtigen Zeitpunkt, wann entscheide ich etwas. Nur dann wird eine FK in einem Team akzeptiert, und nur dann kann eine Beziehung zu der FK von der Gegenseite der MA’s aufgebaut werden. Sobald diese Phase (Beziehungsaufbau) geschafft ist, kann eine FK autoritär Führen! Davor vergraulst du jeden Mitarbeiter der die ART deiner Führung nicht kennt, in einem Satz – ein Gegenseitiges ankommen im TEAM oder GRUPPE, ist eine erste Voraussetzung für jede gute nachhaltige Führungskraft.

Gruß, Martin Komugovic

Daniela

07.01.2017

Von einem guten Chef trennt man sich nicht, doch von 10 sind 9 schlecht

Ursula Beiersdorf

07.01.2017

Wem das zu altmodisch ist, der kann ja mal bei IT Agile sich die „Leadersheep“ Postkarten bestellen. 10 Karten, auf denen unter Berücksichtigung des agilen Menschenbildes Führungsprinzipien dargestellt werden. Schon wieder 10, abr nicht alle gleich griffig. Mir gefällt: „Adress the Elephant in the room“ (schweige nicht über scheinbar offensichtliche Probleme, die jeder ignoriert) oder „help people deal with fear“. Dieses Unternehmen ist sicher nicht im Ruf, altmodisch zu sein, aber auf den Postkarten finde man Parallelen zu Obigem. Beispiel: „create a strong vision“. Ich liebe die Karten und nehme mir jede Woche eine vor, umzusetzen.

Melanie

12.03.2017

Sollte nicht in einem guten Team die Aufgabe führen? 😉. Kennt ihr die Geschichte der 3 Maurer (von Fredmund Malik)?

Carmen

30.05.2017

Gute Mitarbeiter die länger als ein halbes Jahr in einem Unternehmen tätig sind, kündigen nicht wegen der Arbeit, sondern wegen den Führungskräften. Deshalb finde ich diese 10 Punkte Regel für sehr wichtig.

Reinhold Götz

09.06.2017

Sehr interessante Beitäge.

Kann ich mitgehen.

Reinhold