Arbeit & Recht

Weihnachtsgeschenke im Job: Was ist erlaubt, was ist passend?

Pralinen, Wein, Bücher: Viele bekommen in der Weihnachtszeit Geschenke von Lieferanten und Dienstleistern. Wer allzu bereitwillig Präsente annimmt, kann Probleme bekommen. Und nebenbei gibt es ja auch die Frage: Welches Geschenk ist wirklich kreativ?

Weihnachtsgeschenke Job Kunden

Viele Unternehmen verbieten ihren Mitarbeitern, Geschenke von Kunden anzunehmen. Im Zweifel sollten Arbeitnehmer daher erst Rücksprache mit dem Chef halten, bevor sie etwas annehmen. (©Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa)

Sich für das gute Geschäftsjahr bedanken, einen lieben Gruß verschicken oder eine Bindung fürs neue Jahr schaffen: Weihnachten und den Jahreswechsel nutzt so mancher Lieferant und Dienstleister, um ein Geschenk zu machen. Doch Vorsicht!

Die Magnum-Champagnerflasche oder die Logenkarten für das Theater können zu Problemen führen, sowohl steuerlich als auch rechtlich. „Die Zeit der großen Geschenke ist deshalb eigentlich vorbei“, sagt Arbeitsrechtsexpertin Nathalie Oberthür aus Köln. „Heute gibt es in der Regel nur kleine Aufmerksamkeiten, um keine Risiken einzugehen.“

Das Hauptproblem: Compliance. Der betriebswirtschaftliche Begriff umfasst die Regeltreue in einem Unternehmen. „Oft gibt es zum Beispiel klare Weisungslagen an die Mitarbeiter, ob Geschenke überhaupt angenommen werden dürfen», sagt Oberthür. Viele Unternehmen untersagten ihren Mitarbeitern, Geschenke von Kunden zu akzeptieren. Und wenn es doch erlaubt ist, dann häufig nur, wenn es Kleinigkeiten sind, die maximal 10 bis 20 Euro kosten.

Compliance-Regeln sollen Beeinflussung durch üppige Geschenke verhindern

Damit soll vermieden werden, dass Arbeitnehmer von Kunden beeinflusst werden, erklärt die Expertin: „Bei einem Einkäufer in einem Unternehmen könnten Geschenke von bestimmten Kunden zu Interessenkonflikten führen.“ Wer als Arbeitnehmer von einem Kunden ein Geschenk erhält, sollte die Annahme im Zweifel mit seinem Arbeitgeber besprechen, empfiehlt Oberthür. Besagte die hausinterne Regel, dass Geschenke tabu sind, müsse sogar ein Kugelschreiber oder Notizblock zurückgeschickt werden.

Für selbstständige Unternehmer ist es einfacher: Sie dürfen Geschenke von Auftraggebern akzeptieren. „Steuerlich besteht hier eine Freigrenze bis zu 10 Euro – danach muss das Geschenk als Betriebseinnahme aufgeführt werden“, erklärt Wolfgang Wawro, Steuerexperte des Deutschen Steuerberaterverbandes in Berlin. Auch Arbeitgeber können Geschenke von ihren Mitarbeitern annehmen, wenn das Geschenk passend ist und nicht der Eindruck entsteht, dass sie demjenigen deshalb einen Vorteil gewähren. Zu bedenken gibt es dabei einige steuerrechtliche Vorgaben, sagt der Experte: „Das Thema Geschenke ist sehr komplex und immer abhängig von der jeweiligen Arbeitsbeziehung.“

Bei Unternehmen gelte grundsätzlich eine 35-Euro-Grenze inklusive Umsatzsteuer, um die Geschenke als steuerlich abzugsfähige Betriebsausgaben aufführen zu können. „Diese Grenze gilt pro Kunde und Jahr.“ Wer zum Beispiel einem Kunden schon zum Geburtstag eine Flasche Wein für 25 Euro geschenkt hat, könne jetzt an Weihnachten nicht noch einmal einen ähnlichen Wert drauflegen. „Wenn die Zuwendung über 35 Euro hinausgeht, verfällt der steuerliche Vorteil der Betriebsausgabe.“ Für Arbeitnehmer eines Betriebs hingegen gelte eine Freigrenze von 60 Euro für Sachzuwendungen.

Das sind die passendsten Weihnachtsgeschenke für Kunden oder Dienstleister

So viel komplizierte Rechts- und Steuerfragen können einem die Lust verderben, ein Geschenk zu machen. Dabei seien die Aufmerksamkeiten durchaus eine nette Geste, sagt die Verlegerin Antje Hinz, die zum Thema publiziert hat. „Mit Geschenken kann Wertschätzung ausgedrückt sowie Bindung und Vertrauen verstärkt werden.“ Statt materieller Dinge rücke dabei immer mehr die Kreativität in den Vordergrund. Hinz rät, sich deshalb Gedanken zu machen, wie man sich als Selbstständiger aus der Masse abheben kann. Möglichkeiten dafür gibt es viele:

Individualisierte Massenprodukte: Wer unbedingt eine Kaffeetasse oder einen Kugelschreiber verschenken will, sollte das nicht einfach mit seinem Logo machen. Besser ist, nach etwas Besonderem zu suchen, etwa nach einem außergewöhnlichen Motiv aus der Firma. Individuell wirke auch ein Fotokalender mit den eigenen Produkten oder mit persönlichen Zitaten und Fotos der Teammitglieder, sagt Hinz.

Quer denken: Soll unbedingt ein Produkt mit Firmenlogo verschenkt werden, druckt man es am besten auf außergewöhnliche Gegenstände wie auf Schokolade, Seife oder auf Weihnachtskekse. Das bleibt länger in Erinnerung als ein Kugelschreiber.

Etwas Handgemachtes: In Erinnerung bleiben Selbstständige auch, wenn sie auf Grußkarten eine persönliche Widmung schreiben, am besten mit einer persönlichen Anekdote aus dem Arbeitsumfeld oder aus einem Kundengespräch.

Einen Mehrwert schaffen: Schließlich sei es wichtig, mit dem Geschenk einen Mehrwert zu schaffen. Ein regionaler Ausflugstipp für die Work-Life-Balance, ein weihnachtliches Rezept, ein schönes Gedicht oder ein persönlicher Wunsch zeigen, dass der Beschenkte einem am Herzen liegt.

P.S. In einer ersten Version des Textes waren im Vorspann irrtümlich „Kunden“ als Schenkende aufgeführt – das ist natürlich falsch. Wir haben die Passage korrigiert, danke für die Hinweise.

5 Kommentare

Stefan A. Balke

17.12.2016

Das ist mal wieder Schachsinn hoch 5. Weil 1) der Fiskus den Hals nicht vollkriegt, 2) wir in einem Regulierungswahn insbesondere in der Steuergesetzgebung aber auch mit Codes of Conduct und ähnlichem Unsinn und 3) es wenige schwarze Schafe gibt und gab, die Geschenke manipulativ nutzten, nehmen wir uns hiermit einen potentielles Konsum.

B. Zeljak

17.12.2016

Eine ordentliche Bezahlung von Dienstleistungen sollte Geschenke überflüssig machen. Geschenke sollten privat sein. Wer als Dienstleister oder Auftraggeber auf Geschenke angewiesen ist, sollte sein Geschäft überdenken.

Eine Kleine Karte zu Geburtstag oder einen wichtigen Anlass sollte das maximum sen. Mehr nicht.

Günter H e ß

17.12.2016

Im Grunde kann manden Ausführungen von Herrn Stefan A. Balke aber auch den Ausführungen von Zeljak in Teil ohne Widerspruch folgen.
Auf jeden Fall, nur einmal völlig losgelöst von der rein steuerrechtlichen Seite, sollte Compliance Regelungen bei angestellten Geschäftsführern, Vorständen und allen wichtigen Entscheidungsträgern aus der zweitern ggf. auch aus der dritten Hierachieebene geregelt sein.
Diese Regelungen dienen in erster Line dem Selbstschutz der Führungskräfte. Das muss ja nicht bedeuten, das ein Geschäftsführer oder Vorstand keinerlei Geschenke annehmen darf. Nein, man kann dies sehr klar abgrenzen. Dinge die über die Einzelregelungen hinaus gehen, sollten vom Vorgesetzen, z. Aufsichtsratsvorsitzenden freigegeben oder abgelehnt werden. Bei Inhabern etc. ist es ja ohnehin kein Thema.

Rainer Rothe

17.12.2016

Ein Code of Conduct oder auch Compliance Erklärung muss nicht per se Unsinn sein. Klar, ich verstehe durchaus die zweiflerische Einstellung gegenüber immer weiteren Regeln – aber eine immer komplexer werdende Welt erfordert eben auch immer komplexere Spielregeln, so ist das nun mal. Und wie weit man in der Festlegungen seiner eigenen Regeln geht, bleibt ja jedem selbst überlassen. Nur: regeln sollte man diese Dinge schon, denn sonst ist es reine Glückssache, so loyale Mitarbeitende zu haben, die sich von tollen Zuwendungen nicht beeinflussen lassen. Die Zeiten zu denen Schmiergeld in Deutschland noch steuerlich absetzbar waren, sind gar nicht sooo lange her – aber gottseidank vorbei. Doch im „Kleinen“ läuft da immer noch viel zu viel. Und ehrlich: wozu das Ganze? Weihnachten ist ein privates Fest. Einem Geschäftskontakt einen Kuli als Werbeträger zu übergeben (egal zu welchem Anlass) ist ja ok, aber eir arbeiten doch alle mit gleichen Zielen, wozu also da noch Geschenke verteilen?

Peter Schäfer

17.12.2016

Sehr interessanter und anschaulicher Artikel.
Ein Wellness-Gutschein kam bei einer Kundin sehr gut an, da Ihr Mann ebenfalls einen erhielt und sie somit zusammen sich diese Freude nun gönnen können.