Arbeit & Spaß

Spaßbremsen im Büro: Mehr Scherze, Chef!

In deutschen Unternehmen muss mehr gelacht werden, findet Eva Ullmann.  Die Humorexpertin sieht vor allem bei den Führungskräften großen Nachholbedarf in Sachen Witz und Spaß.

Eva Ullmann Humorinstitut

Humorexpertin Ullmann: „Sozialer Humor sorgt für Nähe im Team“ (©Foto: Matthias Nowak)

XING Spielraum: Frau Ullmann, als Gründerin des Deutschen Instituts für Humor sind sie oft mit Vorträgen oder als Humortrainerin in Firmen unterwegs. Mal ehrlich: Wie oft hören Sie den Spruch: Seien Sie doch mal witzig!

Eva Ullmann: Das höre ich sehr oft. Wie ich reagiere, kommt dann ganz auf die Situation an. Manchmal sage ich, ich kenne nur schweinische Witze. Bei einem Streit sage ich: Ich darf jetzt auch mal wütend sein! Manchmal erzähle ich aber auch einen meiner Lieblingswitze, die immer eine überraschende Wendung haben müssen.

Eine Kostprobe?

Ullmann: Barack und Michelle Obama gehen in ein Autohaus. Danach sagt Michelle, dass sie einmal mit dem Besitzer liiert war. Barack sagt: Dann wärst du heute die Frau eines Autohausbesitzers. Michelle sagt: Nein, wenn ich noch mit ihm zusammen wäre, wäre er heute Präsident.

Sie halten Vorträge und geben Seminare zum Thema Humor: Kann man das denn lernen?

Ullmann: Man braucht es nicht lernen, jeder hat ja schon mal in seinem Leben gelacht und hat als Kind gern Quatsch gemacht. ‚Der hat keinen Humor’ – das gibt es eigentlich nicht, denn meistens hat er nur nicht den gleichen wie ich. Man kann aber Fingerübungen machen und schauen, worin derjenige gut ist. Vielleicht erzählt er immer Witze, kann das aber gar nicht. Dann stellt man fest, dass er total lustige Anekdoten mit vollem Körpereinsatz erzählen kann – darauf kann man sich konzentrieren.

Warum brauchen wir mehr Humor in den Unternehmen?

Ullmann: Wo Menschen gut miteinander arbeiten, gibt es immer Humor – wo kein Humor ist, da hakt es auch in der Zusammenarbeit und da setze ich an. Jeder kennt ja die Situation: Alle unterhalten sich und scherzen auf dem Weg in den Besprechungsraum und dann ist plötzlich Totenstille. Wenn wir in die Arbeitssituation gehen, sind alle sehr ernst und der Humor muss draußen bleiben. Je trockener das Thema, desto weniger Humor. Ich bin dafür, das aufzubrechen, denn wenn der Vortrag locker und lustig ist, bekommen auch alle mehr vom Inhalt mit.

„Klar kann man über Kollegen Witze machen – wenn die Basis stimmt“

Darf man dann auch auf Kosten der Kollegen Scherze machen?

Ullmann: Wenn man sich lange kennt und einen guten Draht zueinander hat, kann man das machen – wenn man dann auch wieder über sich selbst lachen kann. Wenn die Basis dafür nicht da ist, schafft solcher – aggressiv genannter – Humor Distanz, der „soziale Humor“ sorgt für Nähe.

Können Sie das an einem Beispiel beschreiben?

Ullmann: Stellen Sie sich ein Bewerbungsgespräch vor. Dem Kandidaten fällt etwas runter. Ich sage: ‚Sie haben ja einen Greifreflex wie ein Dreijähriger, aber wenn Sie erst mal hier angefangen haben, wird das besser’. Ich kann aber auch anders reagieren, indem ich sage: ‚Ich finde es gut, dass Sie loslassen können. Das versuche ich in meinem Yoga-Kurs schon seit einem halben Jahr!’ Die Wirkung wird eine völlig andere sein. Und das ist es, was gerade viele Führungskräfte nicht wissen: Dass es immer eine Wirkung hat, wenn sie Humor machen – oft ist es aber nicht die erwünschte.

Lacht über die Witze vom Chef nicht sowieso jeder?

Ullmann: Meist ist das so, aber das merken viele auch. Ich empfehle ihnen immer eine große Portion sozialen Humor – gerade wenn es Konflikte gibt. Die Mitarbeiter als Superhelden zu überzeichnen sorgt immer für ein Schmunzeln und wenn Montagmorgen die Stimmung entspannt ist, schafft man auch die nächste bekloppte Woche.

Wer aber nur Witze reißt, wird schnell als Clown vom Dienst abgestempelt.

Ullmann: In erster Linie muss man natürlich seinen Job gut können, ich muss ein guter Ingenieur oder eine gute Lehrerin sein. Erst dann kommt der Humor ins Spiel und das sorgt dann dafür, dass die Leute es schön finden, mit mir zusammenzuarbeiten.

In ihren Seminaren muss es sehr lustig zugehen, da wird nur gelacht, oder?

Ullmann: Natürlich wird viel gelacht und geschmunzelt. Manchmal muss ich den Humor aber auch wieder einfangen: Zwei Teilnehmerinnen hatten von einer Situation erzählt und dann einen totalen Lachanfall bekommen. Sie kriegten sich gar nicht mehr ein – das hätte noch zwei Stunden so weitergehen können. Dann muss ich auch mal entgegen meiner Rolle ernst werden und einfach konzentriert und strukturiert weitermachen im Programm.

Interview: Maria Zeitler 

P.S. Spaßvögel aufgepasst: Für unsere traditionelle Jahresendwitzaktion suchen wir wieder die lustigsten (oder nervigsten) Bürosprüche. Vorschläge können Sie gerne hier unten in den Kommentaren machen.

12 Kommentare

Hans Walter Putze

12.12.2016

Klasse Frau Uhlmann. Schwierig finde ich , wie komme ich von der Humortheorie in die Praxis?
Freue mich auf eine Antwort.

Stephan Klepper

12.12.2016

Nervige Sprüche gesucht? Da fällt mir gerade der ein, der mir am meisten auf den Keks geht wenn ich schon mal um 19:00 Uhr das Büro verlasse, statt erst nach 20:00 Uhr: „Na, halben Tag Urlaub genommen?“ Schlechter geht kaum noch…

Tim.Mühlhausen

13.12.2016

Ha scho´kein Bock mehr! Frühmorgendliche Begrüßungsfloskel, meist am Montagmorgen verwendet.

Heribert Lenzen

13.12.2016

Humor ist unerlässlich, aber er sollte bei aller Witzigkeit niemanden vorführen oder diskreditieren. Wenn man sich an diese Regel hält und sie stets beachtet (auf die Mimik der Gesprächspartner nach einer humorvollen Bemerkung achten), dann wird man den eigenen Humor in diesem Sinne gut entwickeln können.

Peter Becker

13.12.2016

Kann ich nur bestätigen. In meiner jahrzehntelangen Ingenieurarbeit brachten die Abteilungen die beste Leistung und Qualität, in denen auch mehr oder weniger gealbert wurde. Die letzte, wo nur verbissen geschuftet wurde, fuhr gegen die Wand. In meiner neuen Tätigkeit als Heilpraktiker bringe ich IMMER Humor ein, das entspannt die Kunden und macht sie aufnahmefähiger. Wenn ein Depressionskunde zum ersten Mal lächelt, haben wir schon so gut wie gewonnen.

Für die Jahresendwitzaktion :
– Ich glaube Dir jedes Wort – nur nicht den ganzen Satz.
– Möchtest Du eine höflich, oder eine ehrliche Antwort?
– Management by chinese: Unser Team besteht aus einem Affen, einem Adler, einem Esel und einem Fisch. Wir brauchen gerade jemanden zur Bananenernte. Der Fisch hat im Moment etwas Kapazität frei…
– Verglichen mit diesem Programmcode sind Spaghetti ein Kristallgitter. (Softwareservice)
– Wirklich abergläubisch ist nur, wer auch ein 13. Monatsgehalt ablehnt.
– Manche Chefs sind wie Mütter – sie haben immer was zu meckern.
– Umorganisationen in Firmen haben den Zweck, die Führungskräfte zu beschäftigen, damit sie die Mitarbeiter nicht bei der produk­tiven Arbeit stören.
– Ich weiß zwar nicht, was ich da mache, aber es funktioniert. Und das ist die Hauptsache.
– Es wäre leichter zu ertragen, wie eine Schachfigur hin und her geschoben zu werden, wenn man wenigstens das Gefühl hätte, dass es Großmeister sind, die da schieben.

Jonathan

13.12.2016

Der Klassiker unter den Bürowitzen: Was macht ein Clown im Büro? – Faxen.

Peter

13.12.2016

Was ist der Unterschied zwischen Kostenlos und umsonst?

Meine Ausbildung war kostenlos … und Deine ? :_)

dieser Spruch empfiehlt sich aber nur unter Kollegen (-innen), die man sehr gut kennt

Kai

14.12.2016

Gender-Falle! Herr Ingenieur und Frau Lehrerin, klischeehafter geht es kaum

MaRa

17.12.2016

@Kai: Danke für den Kommentar. Durch dieses Klischee war bei mir auch gleich der Spaß am Lesen der Interviews weg. Da reagiere ich völlig humorlos und stelle sofort die soziale Kompetenz in Frage.

Peter Schäfer

17.12.2016

Schade,

denn:
Das Interview war sehr lesenswert.
Bei uns wird viel gelacht – miteinander!
Wann und wo komme ich zum charmanten Lach-Semi-NARR?!!!

Mareike

19.12.2016

Es mag an der Branche liegen (Softwareentwicklung/quality assurance), aber mittlerweile arbeite ich im 2. Untenehmen, wo gern schon mal NERF-Guns zum Einsatz kommen, um Kollegen zu überraschen, wecken, nerven oder auf unkonventionelle Art zum Jubiläum, Geburtstag oder sonstigem zu gratulieren. Es hat bisher immer bei jedem für Lacher gesorgt, unabhängig wie es um dessen Humor bestellt war. Und die Arbeit wurde auch immer noch erledigt. Lachen ist gesund!

Max Mustermann

31.01.2017

Bei uns gibt es einen Spruch der gern von dem Betroffenen gesagt wird, wenn man aufgezogen wird.
„Jaja ich weiß schon… 9 von 10 Kollegen haben kein Problem mit Mobbing ^.^ „