New Work Experience

Neue XING-Führungsstudie: Die Alphamännchen regieren immer noch

Die Chefetagen deutscher Unternehmen sind nach wie vor männlich dominiert – aber es gibt ein paar Lichtblicke. Insgesamt sind die Deutschen mit ihren Vorgesetzten durchaus zufrieden, wie eine aktuelle Studie von XING zeigt.

Was halten die Deutschen eigentlich von ihren Chefs? Welche Fähigkeiten brauchen Führungskräfte in New-Work-Zeiten? Dominieren die männlichen Alphatiere trotz Geschlechterquote weiterhin die deutschen Wirtschaft? Eine von Meinungsforschungsinstitut marktagent.com im Auftrag von XING durchgeführte repräsentative Umfrage unter 1.803 deutschen Arbeitnehmern zeigt: Der Kulturwandel in deutschen Unternehmen hin zu flachen Hierarchien und mehr Eigenverantwortung zeichnet sich ab, aber nach wie vor ist die Führung in deutschen Unternehmen stark männlich geprägt. Gerade in Großunternehmen und Konzernen werden die Chefs den neuen selbstbewussten Anforderungen der Arbeitnehmer nur mit Einschränkungen gerecht.

It’s a Man’s World: mehr als 70 Prozent der Vorgesetzten männlich

Führungspositionen auf allen Ebenen der Unternehmen bleiben eine Männerdomäne. 70,1 Prozent der befragten Arbeitnehmer haben einen männlichen Vorgesetzten. Nur 29,9 Prozent der Befragten arbeiten unter der Führung einer Frau. Damit ist die Verteilung selbst auf den unteren Führungsebenen nur unwesentlich paritätischer als aktuell noch in Aufsichtsräten (27,2 Prozent).

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Und es gibt regional große Unterschiede: In Hamburg und Schleswig-Holstein sind sogar mehr als Dreiviertel (77,3  Prozent) aller Personalverantwortlichen männlichen Geschlechts – nirgendwo sonst ist der Anteil höher – knapp gefolgt von Baden-Württemberg mit 76,3 Prozent und Rheinland-Pfalz/Saarland mit 72,6 Prozent. Als Lichtblicke in Sachen Gleichberechtgung erweisen sich viele Unternehmen in den Neuen Bundesländern: Führend in Sachen Frauenanteil auf Führungspositionen sind Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, wo vier von zehn (39,6 Prozent) der Chefs weiblich sind, gefolgt von 38,5 Prozent in Thüringen. In der Bundeshauptstadt Berlin werden  immerhin 37,2 Prozent der Chefsessel von Frauen belegt.

Mehrheit fühlt sich vom Vorgesetzten wertgeschätzt

Worauf kommt es Arbeitnehmern bei ihren Personalverantwortlichen an? Die Antwort ist eindeutig: Rund jeder zweite Beschäftigte (49,1 %) wünscht sich zu aller erst Wertschätzung vom Chef. Unter die „Top 3“ schaffen es auch Führungskompetenz und die Fähigkeit, die Mitarbeiter zu motivieren und mitzunehmen. Und tatsächlich haben mehr als die Hälfte (56,1 Prozent) der Befragten Wertschätzung für ihre Arbeit durch den direkten Vorgesetzten erfahren. Positiv: Dieser Wert ist im Vergleich zur letzten repräsentativen XING Erhebung (Kompass Neue Arbeitswelt) um fast vier Prozent gvom April 2015 angestiegen. Auch in Sachen offener Kommunikation, Authentizität und Loyalität stellen die Befragten den Chefs mehrheitlich ein gutes Zeugnis aus.

Allerdings nimmt die positive Bewertung mit der Größe des Unternehmens drastisch ab. Bei Konzernen mit mehr als 50.000 Mitarbeitern vergibt nicht einmal mehr jeder fünfte Befragte die Bestnote für Wertschätzung an den jeweiligen Personalverantwortlichen – wobei weibliche Vorgesetzte im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen deutlich besser abschneiden.

Die meisten Chefs führen kollegial

Mit dem Versprechen der flachen Hierarchie schmücken sich viel Unternehmen gerne. Doch wie schaut es hinter den Kulissen aus?  Immerhin: Sieben von zehn Befragten (72,4 %) geben zu Protokoll, dass ihnen die direkten Vorgesetzten kollegial auf Augenhöhe begegnen. Mehr als jeder vierte befragte Arbeitnehmer (27,6 %) gibt hingegen an, dass der Chef Wert auf einen deutlichen Abstand zu seinen Mitarbeitern setzt. Weibliche Vorgesetzte zeigen sich dabei nahbarer als ihre männlichen Pendants. Ihnen wird von fast Dreiviertel  der Arbeitnehmer ein kollegiales Auftreten bescheinigt, während nur 71,7 Prozent der männlichen Chefs auf ihre Mitarbeiter zugehen.

Dabei legen viele Arbeitnehmer Wert auf flache Hierarchien, da sie mehr Einflussmöglichkeiten für den Einzelnen ermöglichen. So bevorzugen nahezu Zweidrittel (64,9 %) der Befragten diese Organisationsform in ihrem Arbeitsalltag. Mehr als jeder vierte Angestellte (27,6 %) geht gar einen Schritt weiter und plädiert  für eine vollständig basisdemokratische Philosophie, in der sämtliche Entscheidungen im Team gefällt werden. Nur 7,4 Prozent der Angestellten wünschen sich deutliche Hierarchien zurück.

Nur wenige bekommen Bestnoten für Führungskompetenz

Was ist in Deutschland wichtiger für den Aufstieg – Fachexpertise oder Führungskompetenz? An dieser Frage scheiden sich häufig die Geister. Die Ergebnisse der Umfrage lassen den Schluss zu, dass es stärker auf die fachliche Qualifikation ankommt. Im direkten Vergleich bewerten die Befragten die Fachkenntnis ihrer Vorgesetzten auf jeden Fall weitaus besser als die Führungsqualitäten. Während 29,0 Prozent der Chefs Bestnoten für ihr Spezialwissen erhalten, können nur 22,2 Prozent mit ihrer Führungskompetenz auf ganzer Linie überzeugen.


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2 Kommentare

Klaus Bachmann

08.12.2016

Ich bin wirklich nicht frauenfeindlich eingestellt, aber wir sollten von dieser grundsätzlich negativen Diskussion wegkommen, dass Männer alles schlechter machen als Frauen. Wir haben das über die letzten Dekaden durchaus gut hingekriegt, dass Deutschland ein Wirtschaftsstandort ist, der sich sehen lassen kann. Wenn sich Frauen beweisen und durchsetzen können, dann sind sie auch geeignet Stellen in Führungspositionen zu besetzen. Mir kommt es so vor, als wolle man grad die Männer schlecht reden und damit die Quotenregelung für Frauen rechtfertigen. Das ist Polemik und hat mit Fakten nichts zu tun!

Margit

10.12.2016

Leider werden bei gleichen Qualifikationen oft Männer bevorzugt, da diese das imposantere Imponiergehabe haben (…)