Arbeit & Recht

Recht krass: Weihnachtsgeschenke vom Chef? Nicht für alle!

Zu Weihnachten vom Chef beschenkt zu werden, ist schön. Aber warum dürfen sich nur die Mitarbeiter, die auf der Weihnachtsfeier sind, darüber freuen – und der kranke Kollege geht leer aus? Ein heikler Fall für unsere Arbeitsrechtkolumne „Recht krass“ in Zusammenarbeit mit der ARAG.

DER FALL:

Süßer die Glocken nie klangen, und heller die Augen der rund 75 Mitarbeiter einer Handelsfirma aus Nordrhein-Westfalen nie strahlten, als jeder von Ihnen überraschend auf der Weihnachtsfeier vom Chef persönlich ein wertvolles Computertablet geschenkt bekam.  Doch mit dem Zauber der großzügigen Bescherung und der innerbetrieblichen Harmonie war es bald vorbei, als die übrigen 25 Kollegen, die nicht an der Feier teilnahmen, erfuhren, dass sie leer ausgehen sollten. Die Begründung der Firmenleitung, man habe die iPads als Belohnung für die Teilnahme an der Weihnachtsfeier verschenkt, überzeugte jedenfalls nicht alle. Besonders sauer war ein Kollege, der am Feiertag krankgeschrieben war, und deshalb nicht an der Party teilnehmen konnte. Er klagte auf sein Recht, ebenfalls mit einem Tablet beschenkt zu werden. Doch das Arbeitsgericht  Köln wies seine Klage ab (Aktenzeichen 3 Ca 1819/13). Warum – das erläutert hier unsere ARAG-Rechtsexpertin Silke Kretschmer.

DAS URTEIL DER EXPERTIN:

ARAG Rechtsexpertin Silke Kretschmer

ARAG Rechtsexpertin Silke Kretschmer

Ein Arbeitgeber hat bei der freiwilligen – sprich arbeitsvertraglich nicht vereinbarten – Gewährung von Leistungen den Gleichbehandlungsgrundsatz zu beachten. Dieser besagt im Arbeitsleben, dass Arbeitnehmer in vergleichbarer Lage grundsätzlich auch gleich behandelt werden müssen und nicht ohne sachlichen Grund- willkürlich – schlechter gestellt werden dürfen als andere in ihrer Situation. Auch sachfremde Differenzierungen zwischen Gruppen von Arbeitnehmern sind verboten.

Stellt der Arbeitgeber eigene Regeln auf, nach denen die freiwillige Leistung den Arbeitnehmern gewährt werden soll, muss er sich an diese Regeln auch halten und darf davon nicht willkürlich abweichen.

Im vorliegenden Fall hat der Arbeitgeber zwei Gruppen gebildet und hinsichtlich der Schenkung der Tablets danach differenziert, ob der Arbeitnehmer an der Weihnachtsfeier teilgenommen hat oder nicht. Ein Tablet haben nur diejenigen Arbeitnehmer erhalten, die auf der Feier anwesend waren. Genau dieses hat das Arbeitsgericht Köln als rechtmäßig erachtet. Das Landesarbeitsgericht Köln hat die Entscheidung im Übrigen in zweiter Instanz bestätigt.

Es gab nämlich einen legitimen Zweck für die Gruppenbildung, denn der Arbeitgeber wollte die Attraktivität der außerbetrieblichen Feiern steigern – um letztlich zu erreichen, dass möglichst viele Arbeitnehmer freiwillig daran teilnehmen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Belegschaft und das Arbeitsklima sollten gefördert werden, denn an schöne Betriebsfeiern erinnern sich alle gern.

Die Übergabe wertvoller Geschenke fördert für gewöhnlich die Bereitschaft bei den Arbeitnehmern, an derartigen Feiern -freiwillig- teilzunehmen. Wenn jeder das Geschenk bekommen würde, unabhängig von der Teilnahme, wäre der Anreiz nicht mehr gegeben. Es war somit erlaubt, den nicht auf der Feier anwesenden – kranken – Mitarbeiter leer ausgehen zu lassen.

Wie man sieht, kann es sich durchaus lohnen, freiwillig an Betriebsfeiern teilzunehmen.

Expertenprofil:
Silke Kretschmer, geboren 1975, erhielt 2004 nach ihrem Studium der Rechtswissenschaft und dem Referendariat in Berlin die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. Sie ist als Rechtsanwältin und Fachanwältin für Arbeitsrecht in der Kanzlei Per Friedrich tätig.


 

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8 Kommentare

Daniela

17.12.2015

Ich persönlich finde es traurig, wenn ein Chef zu solchen Mitteln greifen muss, um ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu erzwingen. Aber man sieht auch in diesem Fall, jeder ist käuflich und vielen Chefs ist jedes Mittel recht, um zu zeigen, wer Chef ist.

Charlene Wolff

17.12.2015

Wenn das soziale Klima in einem Unternehmen so schlecht ist, versuchen Manager es manchmal auf diesem Wege. Es wird kaum helfen, das Klima zu verbessern, wenn jemand ausgegrenzt wird. Das ist sogar kontraproduktiv.

Herty

17.12.2015

Mir stellt sich die Frage, ob es in der Einladung zur Weihnachtsfeier hieß „wer kommt, bekommt ein Tablet PC“ oder „wer kommt, bekommt ein Geschenk“ oder ob es keinen Hinweis auf ein Geschenk gab. Es kann ja durchaus Mitarbeitende geben, denen eine Weihnachtsfeier so zuwider ist, dass sie bewusst auf ein Tablet PC verzichten.

Für den kranken Kollegen stellt es sich zudem so dar, dass er vielleicht gerne auf die Weihnachtsfeier gegangen wäre, aber krankheitsbedingt nicht konnte.

Jörg

17.12.2015

Es ist traurig wenn die Belegschaft nicht freiwillig zu einer gemeinsamen Betriebsfeier kommt und eine Einladung ausschlägt. Dann auch noch die Firma um ein Geschenk zu verklagen ; sollte man sich eher überlegen, ob das überhaupt der richtige Arbeitnehmer ist.
Der Arbeitgeber muss keine Betriebsfeier geben!!!

Didi

17.12.2015

Der Image-Schaden, den diese Firma mit ihrer Haltung produziert hat, überwiegt den Preis des Tablets bei weitem. Insbesondere der kranke Kollege, der womöglich gerne an der Feier teilgenommen hätte, wird ggf. seinen Unmut über dieses Gebahren bei Kununu kundtun und somit ggf. potentielle Bewerber abschrecken. Wer möchte schon gerne in einer Firma arbeiten, wo es eine Belohnung nur nach Gefügigkeit gibt und nicht mehr bei überdurchschnittlichem Einsatz.
Darüber hinaus finde ich ein Tablet als Gegenleistung für das Erscheinen bei einer Weihnachtsfeier komplett überzogen. Das geht bestimmt auch anders.

Stefan

17.12.2015

Ich frage mich gerade, wie das allgemeine Verhalten eines Mitarbeiters wohl aussieht, der allen ernstes seinen Arbeitgeber verklagt um ein Geschenk zu erzwingen. Ich als Arbeitgeber würde in Zukunft eine weitere Gruppe bilden: „Angestellte, die mich wegen Kinderkacke verklagt haben“ und diese bei zukünftigen freiwilligen Leistungen generell leer ausgehen zu lassen. Und den Imageschaden des Unternehmens kann ich aus der Story beim besten Willen nicht erkennen. Die veranstalten eine Weihnachtsfeier und verschenken iPads? Ist doch geil! Angestellte anderer Firmen sind froh, wenn der Chef Schoko-Nikoläuse spendiert!

Nancy

18.12.2015

Als Chef hätte es das Zusammengehörigkeitsgefühl wohl am meisten gesteigert, wenn das Geschenk wertvoll genug ist, um bei den Beschenkten in Erinnerung zu bleiben, aber nicht so wertvoll, dass es Neider bei den Kollegen und Kolleginnen hervorruft. Geeignet wäre da ein Geschenk, das man teilen kann oder wo man den abwesenden Kollegen etwas hätte abgeben können, z.B. jeder Anwesende bekommt 2 Hörbuch-Downloads seiner Wahl. Ich bin mir sicher, dass von den 75 Kollegen doch der ein oder andere mind. eins abgegeben hätte.

Andreas

21.12.2015

Ich verschenke auch jedes Jahr zur Weihnachtsfeier kleine Präsente. Dieses Jahr gabs eine kleine Flasche Kernöl. Wer nicht zur Feier kommt, bekommt auch nichts. Ich freue mich einfach über all jene, die Ihre Freizeit für die Gemeinschaft opfern und möchte dies mit einer kleinen Geste zeigen. Ein Geschenk wird auch nie der Anzeiz sein, sich bei einer Feier zu Beteiligen, kann aber ein netter Nebeneffekt sein. Ich habe mich auf alle Fälle über das Geschenk gefreut.