Neue Führung

Moderne Führung: Vier goldene Regeln für Chefs

Lob, Vertrauen, Klarheit – neue Studien belegen: Von moderner Führung profitieren Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen. Doch worauf kommt es dabei genau an?

Mehr Lob, mehr Vertrauen, mehr Feedback - da wird auch der Chef zum Gewinner. (©Foto: Shutterstock)

Mehr Lob, mehr Vertrauen, mehr Feedback – da wird auch der Chef zum Gewinner. (©Foto: Shutterstock)

Stimmt zwischen dem Chef und seinem Team die Chemie nicht, ist das nicht nur für alle Beteiligten anstrengend. Es wirkt sich sehr häufig auch negativ auf die Leistung der Abteilung aus. Darauf weist der Personalberater Martin Claßen aus Freiburg hin.

Chefs sollten deshalb darauf achten, dass sie wertschätzend und vertrauensvoll mit ihren Mitarbeitern umgehen. Denn dadurch erzielen sie in der Regel bessere Ergebnisse, erklärt Claßen, der sich auf eine Meta-Studie von Forschern aus England bezieht.

Die Forscher hatten zahlreiche Studien zur Qualität der Beziehungen zwischen Vorgesetzten und ihren Mitarbeitern ausgewertet. Dabei zeigte sich über alle Studien hinweg, dass sich eine gute Beziehung positiv auf die Leistung auswirkt. Mitarbeiter machen dann zum Beispiel eher Verbesserungsvorschläge für den Arbeitsprozess, unterstützen Kollegen oder geben Tipps für geeignete Neuzugänge. Doch wie drücken Chefs am besten Wertschätzung aus?

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1. Lob: „Vorgesetzte sollten sich in einer positiven Art und Weise über ihre Mitarbeiter und deren Arbeit äußern“, sagt Claßen. Ist etwas im Job gelungen, sprechen sie dafür am besten ein Lob aus und begründen, warum die Arbeit gut war. Das motiviert.

2. Konstruktive Kritik: Die meisten Mitarbeiter seien auch dankbar für kritische Rückmeldungen zur Arbeit, erklärt Claßen. Wichtig sei nur, die Kritik mit einem Vorschlag zu verbinden, wie derjenige es in Zukunft besser machen kann.

3. Klarheit über Aufgaben: In sich rasch verändernden Firmen ist es wichtig, dass Mitarbeiter Klarheit über ihre Rolle und ihre Aufgaben haben. Es motiviere ungemein, wenn es Sicherheit darüber gibt, was von einem erwartet wird, erläutert Claßen.

4. Autonomie: Mitarbeiter empfinden es als Wertschätzung, wenn der Chef ihnen zutraut, selbst zu entscheiden, wie sie eine Aufgabe angehen. Wer Mitarbeitern bei der Erledigung ihrer Aufgaben keine Freiheiten lässt, demotiviert sie.

Übrigens: So selbstverständlich, wie sich diese Regeln für viele anhören dürften, sind sie leider nicht. Ebenfalls durch Studien ist belegt, dass in vielen deutschen Unternehmen immer noch Kasernenton herrscht.

13 Kommentare

Stefan Balke

15.11.2016

👍🏽👍🏽👍🏽 + 5. Weiterentwicklung

Astrid Blechschmidt

15.11.2016

Nun, das alles ist jetzt keine wirklich neue Erkenntnis. Was daran „modern“ ist, erschließt sich mir auch nicht.

Sandra Klinkenberg

15.11.2016

Ich muss ein wenig schmunzeln bei der Aussage – moderne Führung. Beschreibt der Text doch nichts anderes als Respekt und Vertrauen » Elemente für Team.
Es wird allerdings auch eine saubere Organisation von der Spitze bis zur Basis und quer durch ein Unternehmen benötigt. Gibt es diese nicht, ist jedes Team gefährdet.
Es gibt noch einige weitere Dinge, die zur Teambildung und -entwicklung sowie in der Unternehmens- und Organisationsentwicklung sowie deren Management zu beachten sind.
Leider – oder ein Glück – gibt es nur wenige Personen, die einen einfachen vollständigen Überblick haben und generieren können. In der Vergangenheit, gerade auch in der jüngsten, würden solche Personen stark attackiert bis hin zur Vernichtung.
Danke, für diesen Kurzartikel. Birgt dieser doch die Möglichkeit der verbessernden Veränderung.

Sascha Neitzel

15.11.2016

In den vergangenen Jahren habe ich mehrere Vorstände erlebt, die diese Thematik leider überhaupt nicht beherrscht haben.

anonym

15.11.2016

Das sind alles Grundregeln eines menschenwürdigen Umgangs und Miteinanders, die jeder halbwegs beherrschen sollte. Leider stirbt die Spezie, die diese einfachen Regeln beherrscht langsam aus. Daher verstehe ich die Überschrift „Moderne Führung“ nicht. Meine früheren Chefs kannten sehr wohl noch die beschriebenen Regeln und wussten auch, was ein wertschätzender und vertrauensvoller Umgang mit Mitarbeitern bedeutet. Leider hatte jeder weitere Vorgesetzte im Laufe meines Berufslebens (>20 Jahre) immer weniger von diesen Eigenschaften. Und je jünger der Chef umso menschenunwürdiger wurden die Umgangsformen mit den Mitarbeitern.

Volker Tristram

15.11.2016

Ich stimme den Kommentatoren zu: Die Erkenntnisse der Studie sind nicht neu; neu wäre höchstens, daß sie statistisch belegt sind (wobei diese Statistik ja auch auf Aussagen von Betroffenen basiert…).
Peter Drucker hat in seinem Werk über ‚modernes management‘ schon diese und weitere Grundsätze beschrieben – und sehr gut begründet.
Leider ist es ebenso keine Neuigkeit, daß – trotz der beinahe 100-jährigen Erkenntnisse – in Bezug auf Mitarbeiterbehandlung in vielen Firmen immer noch eine altmodische Führungskultur herrscht. Diese ist aber spätestens seit der Zeit, wo Vorgesetzte auch die besten Sachbearbeiter sind, nicht mehr angebracht; heute müssen sie sich auf ihre MA verlassen…

Christian Behrens

15.11.2016

Wenn eine Kultur der Mail-Schreiberei und der Handy-Telefonie besteht, um zu kommunizieren und dieses seit Jahren aktiv gelebt wird, erscheint es für mich nicht verwunderlich, dass diese Grundprinzipien des menschlichen Miteinander als „MODERN“ deklariert werden. Dieses natürliche, echte Kommunizieren ist und kann dann nicht mehr bekannt sein. SCHADE, dass es so erneuerungswürdig erscheint und auch TOLL, dass es bemerkt wird und man sich auf diese Werte zurückbesinnt. Egal wie es benannt wird.

Ewald

15.11.2016

Zwischen „so sollte es sein“ und der Realität klaffen leider oft noch riesige, unüberwindbare Gräben zwischen Vorgesetzten und „ihren“ Untergebenen, welche der Mitarbeiter leider nie von seiner rangniedereren Position aus überwinden kann.
Ober sticht unter, ein häufiger Anreiz für viele in Führungspositionen aufzusteigen, leider ohne über die notwendige Führungsqualität zu verfügen.

Wetekam

15.11.2016

Beratungsresistente Chefs sind ebenfalls nicht gerade motivationsfördernd. Manche lassen ein Projekt oder Vorgang voll vor die Wand fahren, auch wenn das schon lange vorher absehbar gewesen ist, aber die Warnungen der Mitarbeiter ignoriert werden.

Monika Kraus-Wildegger

15.11.2016

Wie wärs, wenn wir einfach mal anfangen und selber mehr loben? Aus den Forschungen der positive Psychologie wissen wir, dass daraus das Phänomen der positiven Ansteckung entsteht. Wenn wir also mehr loben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir selber mehr Lob erhalten, deutlich erhöht. Auch Führungskräfte freuen sich über Lob. Die Wahrscheinlichkeit selber ein Lob zu bekommen ist definitiv erhöht :-)

Michael Schulz

15.11.2016

Interessante Regeln, aber leider zu verallgemeinernd, denn je nach Situation und Verhaltensmuster von Führungskräften und Mitarbeitern können diese schlichtweg unpassend sein.

Karin Fontaine

16.11.2016

Natürlich ist das alles nicht neu. Vielleicht sollten wir uns fragen, weshalb diese scheinbar so schlichten Erkenntnisse in der Praxis so selten umgesetzt werden.

Hans-Thilo Kempen

20.07.2018

Ich kann nur feststellen, dass die heutige Personalführungspraxis sich sehr stark zum Nachteil der Mitarbeiter entwickelt hat. Ich selber bin zwar noch tätig, aber nicht mehr in Führungsposition sondern beratend. Bei vielen Personalverantwortlichen und Vorgesetzten stellt man heute eine traurige Ahnungslosigkeit in Sachen Führung und ein Desinteresse an dem Mitarbeiter und seinem Wohlbefinden fest. Heute zählt nur eins, der persönliche Erfolg. Bei vielen Vorgesetzten hat sich noch nicht herumgesprochen, dass ein zufriedener und anerkannter Mitarbeiter leistungsfähiger ist. Der Kasernenhofstil ist in deutsche Unternehmen zurückgekehrt. Nur noch kurz erklärend:Ich war in meinem Berufsleben für viele Mitarbeiter verantwortlich, in Großunternehmen und Konzernen, spreche hier also nicht etwa aus der Sicht vom sog. grünen Tisch.