ARD Themenwoche "Zukunft der Arbeit"

TV-Tipp "Dead Man Working": Die tödliche Gier der Banker

Ein erfolgreicher Banker stürzt in den Tod. War es Mord oder Selbstmord? Der beeindruckende ARD-Film „Dead Man Working“ beleuchtet die dunklen Ecken der Finanzindustrie. Im Interview spricht Regisseur Marc Bauder über seine Recherchen, schweigsame Banker und die Codes der Branche.

TV-Tipp „Dead Man Working“ jetzt auf Abruf in der ARD-Mediathek

koop_ard_spielraum_aufmacherEs ist sicher einer der Höhepunkte der ARD-Themenwoche „Zukunft der Arbeit“:  Der Film „Dead Man Working“ zeigt den Investmentbanker Jochen Walther (Wolfram Koch) auf dem Höhepunkt seiner Karriere bei der „Bank der Deutschen“. Zusammen mit seinem persönlichen Assistenten Tom Slezak (Benjamin Lillie) hat er gerade den Deal seines Lebens eingefädelt, als er in der Nacht der Siegesfeier für alle überraschend vom Dach der Bankzentrale in Frankfurt springt. War es Selbstmord oder Mord? Im Interview erzählt Regisseur Marc Bauder, warum es so wenige Filme über die Finanzkrise von 2008 gibt.

Herr Bauder, „Dead Man Working“ ist nach „Master of the Universe“ ihr zweiter Film, der die Finanzbranche kritisiert. Haben Sie schon Reaktionen darauf bekommen?

Marc Bauder: Es gab bislang keine. Selbst nach „Master of the Universe“ gab es keine Reaktion, und der Film war eine viel klarere Auseinandersetzung mit der Finanzwelt als „Dead Man Working“. Schon bevor ich „Master of the Universe“ gedreht habe, habe ich die Pressesprecher der großen Banken getroffen. Ich wollte wissen, wie ein Film aussehen könnte, der ihrer Meinung nach die Branche richtig darstellt. Es war aber schnell klar, dass eine enge Zusammenarbeit nicht möglich wäre, weil sie niemals eine Interpretation der Bilder abgeben würden. Das ist auch ein Vorwurf beider Filme an die Finanzwelt: Dass sie die Kommunikation eingestellt hat. Die Banken haben PR-Abteilungen, aber die senden nur Botschaften raus. Echte Frage-Antwort-Termine gibt es so gut wie nicht.

Und doch wirkt „Dead Man Working“ authentisch. Hatten Sie Berater aus der Branche?

Bauder: Rainer Voss, der ehemalige Banker aus „Master of the Universe“ hat uns beratend zur Seite gestanden. Ich finde es wichtig, dass man die Welt ernst nimmt, über die man etwas erzählt. Und man muss sie auch adäquat darstellen. Deswegen hatten wir außerdem einen Berater, der programmiert und die ganzen Algorithmen kennt. Die Formel, die im Film an die Wand geschrieben wird, die gibt es zum Beispiel wirklich. Das war uns wichtig, denn sonst verlieren wir die Leute wieder, die in dieser Welt arbeiten.

Es gibt außer Ihren beiden Filmen und zwei, drei amerikanischen Streifen kaum Filme, die sich mit der Finanzkrise von 2008 und ihren Auswirkungen befassen. Warum?

Bauder: Ich glaube, wenn ein Künstler anfängt, sich mit dem Thema zu beschäftigen, dann trifft er erst einmal auf eine sehr abweisende Welt. Sie ist sehr dröge, sie ist wenig greifbar – man sieht höchstens Menschen auf irgendwelche Bildschirme gucken. Und man ist von dieser komischen, fremden Sprache schnell abgelenkt. Aber es ist keine Wissenschaft, die da betrieben wird. Es ist einfach ein Sprachcode, den man entweder versteht oder nicht. Das Dahinterliegende ist das Wichtigere.

Szenenfoto aus "Dead Man Working": "Eine sehr abweisende Welt"

Szenenfoto aus „Dead Man Working“: „Eine sehr abweisende Welt“

Was ist das Dahinterliegende?

Bauder: Es geht eigentlich um die Psychologie der Akteure in dem System. In beiden Filmen fand ich es wichtig herauszufinden: Was leitet, was verleitet diese Menschen? Ich wollte ein Psychogramm zeichnen. Ich wollte weniger nachzeichnen, wie es zu der einen Krise kam. Ich wollte schauen, warum immer wieder solche Krisen entstehen.

Und was haben Sie herausgefunden?

Bauder: Die Verführbarkeit und die Manipulation von Menschen bleiben immer gleich. Und es kommt noch etwas dazu: Wir lernen nicht von klein auf, dass wir für unser Fehlverhalten einstehen müssen. Das kannst du in allen Bereichen der Gesellschaft durchdeklinieren. In der Finanzbranche werden die wenigen Whistleblower, die es gibt, vor Gericht verklagt. Fehler aufzudecken gehört nicht zur Unternehmenskultur. Dabei sollten wir Whistleblowern dankbar sein. Und wie Deutschland sich bei Snowden verhalten hat, ist auch nicht rühmlich. Dabei sollten wir diesen Leuten dankbar sein, sie sparen der Gesellschaft und den Unternehmen viel Geld. Am Ende von „Dead Man Working“ sind übrigens Originalzitate aus dem VW-Skandal zu hören – das soll zeigen, dass es mir um universellere Themen geht.

Was hoffen Sie, was können Ihre Filme im besten Fall bewirken?

Bauder: Sie können zumindest sensibilisieren. Ich hoffe, dass „Dead Man Working“ beim Zuschauer Fragen aufwirft. Dass er merkt, dass er selber auch mündig ist und dass er das, was diese Finanzwelt so von sich gibt, nicht als Gottgegeben hinnehmen muss.

Das Interview führte Sonja Fouraté von unseren Kollegen von hessenschau.de, von denen wir das Interview übernommen haben. Vielen Dank.

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