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Nix "Kreativität" und "Skills": Das sind die schlimmsten Buzzwords in Stellenanzeigen

Ein Bewerber dürfte sich eine solche Ansammlung von Buzzwords nicht erlauben: Eine aktuelle Studie belegt, wie wenig Herzblut deutsche Unternehmen in die Formulierung ihrer Stellenanzeigen legen. Unser Kooperationspartner Bewerbung.com hat die schlimmsten aufgelistet.

Buzzwords in Stellenanzeigen sind oft nichtssagend

©Pgiam / Getty Images

Das Word-Dokument ist gähnend leer und blütenweiß, der Cursor blinkt aggressiv: Die Herausforderung, einen kurzen und präzisen Text für das Anschreiben zu verfassen, sorgt bei Bewerbern regelmäßig für Schweißausbrüche. Was kann man weglassen? Was darf man auf keinen Fall vergessen? Was interessiert den Personaler wirklich, der sich doch nur ein paar Sekunden Zeit für den Text nimmt? Für den ersten Eindruck gibt es bekanntermaßen keine zweite Chance.

Diese Angst vor der vertanen Chance ist den Unternehmen selbst fremd. Ungeachtet der Tatsache, dass sich in Zeiten von Fachkräftemangel auch die Arbeitgeber bei den Talenten bewerben sollten und nicht andersrum, und trotz aller Überlegungen zu „Employer Branding“ wird die Stellenanzeige in deutschen Unternehmen stiefmütterlich behandelt: Das zeigt die Studie Die beliebtesten Sprechblasen deutscher Arbeitgeber“, für die der CV-Parsing-Entwickler „textkernel“ und die Berater von „Employer Telling“ 120.000 Stellenanzeigen analysiert haben.

Das Fazit ist vernichtend: „Die meisten Stellenanzeigen, die wir uns angesehen haben, wurden offensichtlich von Menschen verfasst, die noch nie in ihrem Leben eine Zeile veröffentlicht haben. Viele Texte sind aus handwerklicher Perspektive unprofessionell geschrieben, voller Füllwörter, Bandwurmsätze und Substantivierungen.“

Die Top Ten der Buzzwords sind deprimierend nichtssagend

Für die Analyse haben die Autoren die Stellenanzeigen in Themenbereiche unterteilt. Zunächst widmeten sie sich dem meist am Anfang stehenden Arbeitgeberporträt, in dem sich das Unternehmen selbst vorstellt – in punkto Unverwechselbarkeit aber laut der Studie meist eine Themenverfehlung hinlegt. Die Top Ten der Buzzwords in diesem Bereich zeigen: Der Absatz wird eher dazu genutzt, Werbung in eigener Sache zu machen, als dem Bewerber einen echten Einblick zu geben, was das Unternehmen tut und was es einzigartig macht. Das Lieblingswort deutscher Arbeitgeber ist mit Abstand „weltweit“: 26.466 Mal entdeckten die Autoren es in den Anzeigen, in manchen kommt es sogar ganze drei Mal vor. Des weiteren schmücken die Unternehmen sich gerne mit den Wörtchen „führend“, „international“, „innovativ“, „erfolgreich“, „hochwertig oder „nachhaltig“, ein Bild von der konkreten Arbeitswelt entsteht so selten.

Nicht viel besser sieht das Bild aus, wenn man sich den Abschnitt ansieht, in dem die ausgeschriebene Stelle näher beschrieben wird. Hier treibt es sogar seltsame Blüten: Denn die Formulierung, die mit Abstand am häufigsten vorkommt, wenn deutsche Arbeitgeber die künftigen Tätigkeiten des Bewerbers auflisten, ist „u.a“, beziehungsweise „unter anderem“. Die Studie rät Bewerbern nicht ohne ironischen Unterton, sich künftig fit für die „Schüsselqualifikation u.a.“ zu machen. Auch der verzweifeltste Bewerber würde wohl nicht im Traum darauf kommen, seine Qualifikationen mit „unter anderem“ einzuleiten.

In den Anzeigen kommt es jedoch noch vor „Kunden“, „Team“, „Verantwortung“ und dem besonders beliebten „Bereich“. Sogar in den Jobtiteln, die gerade in Online-Börsen in der Länge begrenzt sind, kommt das inhaltsleere Füllsel vor, obwohl man nicht davon ausgehen kann, dass Bewerber per se gerne in „Bereichen“ arbeiten oder das Wort in die Suchmaske eingeben.

Das gipfelt in der Stellenanzeige eines großen Automobilherstellers schon mal in der Formulierung, dass die „Planung, Verfolgung und Messung von Fehlerabbau in einem technisch sehr anspruchsvollen Themenbereich in Ihrem Verantwortungsbereich“ liegt. Nicht ohne das Wort weitere drei Mal im selben Text zu nutzen.

Flexibel, aber bitte abgeschlossen

Eine ebenso anspruchsvolle Hitliste von hohlen Buzzwords entstand bei der Auswertung des Anforderungsprofils, also den Fähigkeiten, die ein Bewerber mitbringen sollte: An vorderster Stelle steht „gut“, gefolgt von „Team“, „abgeschlossen“, „Flexibilität“, aber auch „Bereitschaft“, „Freude“ und „Einsatzbereitschaft“ finden sich unter den Top Ten. „Soft-Skill-Wunschbilder“ werden da laut der Studie öfter gezeichnet als Anforderungsprofile mit harten Fakten. „Teamwork and a high level of self motivation“: Diese Formulierung aus der Stellenbeschreibung eines großen deutschen Konzerns führen die Autoren als beispielhaft an. Es werde nie verraten, weshalb Teamwork nötig ist und die Motivation soll man auch lieber aus sich selbst als aus der Gemeinschaft ziehen.

Sieht man sich an, was Arbeitgeber bieten, überrascht „Gehalt/Vergütung“ als meist genannter Punkt zunächst nicht, dann kommt erst einmal der „Spaß“, gefolgt von der „Altersvorsorge“. Neben erwartbaren Worten wie „Weiterbildung“ und „Arbeitszeiten“ ist vor allem Platz 10 interessant, der „Dienstwagen“, dicht gefolgt von „Kaffee“, „Obst“ und „Kantine“.

Zum Abschluss die Kontaktmöglichkeit: Obwohl laut Bitkom 58 Prozent der Personalverantwortlichen eine Bewerbung per Internet wünschen und fast drei Viertel aller Bewerber sich am liebsten per Mail bewerben, ist nur in 32 Prozent aller Stellenanzeigen eine E-Mail-Adresse angegeben.

Fun Fact: Weil es ihnen besonders auffiel, haben die Autoren der Studie mal nachgezählt und ganze 1.005.171 Mal Worte mit „-ung“ am Ende gefunden: Mehr als acht Mal in jeder Stellenanzeige. Die Substantivierung gipfelte in einer Stellenanzeige mit 86 „-ungs“. Kleine Kostprobe aus einer anderen Ausschreibung: „Eigenständige Durchführung, Koordinierung und Fortschreibung von Konzeptausschreibungsverfahren im Zusammenhang mit wohnungspolitischen Fragestellungen, Weiterentwicklung des Verfahrens und der Zielsetzungen, sowie Festsetzung, Gewichtung und Bewertung der wohnungspolitischen Kriterien, BSW- und amtsinterne Koordination der Wohnungsbaubelange“.

Es handelte sich immerhin um die Anzeige einer deutschen Behörde.

Text: Maria Zeitler


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