Arbeit & Gesundheit

Pause vom Job: Wann ist ein Sabbatical sinnvoll - und wann nicht

Pause machen, Atem holen. Für ein paar Monate oder sogar ein ganzes Jahr. Vielen Menschen träumen von einem Sabbatical. Doch nicht jeder profitiert von der Auszeit. Mancher sollte lieber die Finger davon lassen.

Um die Welt reisen, die Füße in den Sand stecken. Endlich viel Zeit für die Familie haben und ein Jahr lang ausschließlich den Kindern beim Aufwachsen zusehen. Die Gründe, eine Auszeit vom Beruf zu nehmen, sind zahlreich. Doch längst nicht für jeden ist ein Ausstieg auf Zeit sinnvoll.

Und wer sich am Ende dafür entscheidet: Wie dann den Vorgesetzten davon überzeugen? Am besten geht man beim Entscheidungsprozess in zwei Schritten vor: „Als Erstes sollte im Privaten abgeklärt werden: Wird die Entscheidung vom engen Bezugskreis mitgetragen? Oder gibt es sogar die Möglichkeit, dass man eine gemeinsame Auszeit planen kann?“, sagt Dirk Windemuth vom Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

Dann sei es wichtig, zu reflektieren, welcher Wunsch wirklich hinter der Auszeit steckt. Ist es ausreichend, ein Jahr raus zu sein, oder ist generell eine berufliche Entlastung notwendig? Erst wenn das geklärt ist, lohnt es sich, auf den Arbeitgeber zuzugehen.

Wird mich die Firma bei einem Sabbatical unterstützen?

In Deutschland gibt es keinen Rechtsanspruch auf ein Sabbatical – außer für eine kleine Zahl an Landesbeamten. Die Auszeit steht und fällt also mit der Zustimmung des Chefs. Sabbaticalcoach Frank Möller empfiehlt Arbeitnehmern, das Gespräch im Vorfeld vom Standpunkt des Chefs aus zu sehen. „Bevor ein Arbeitnehmer in das Gespräch geht, sollte er sich die Frage stellen: Welchen Nutzen, welchen Gewinn hat meine Firma, mich bei einem Sabbatical zu unterstützen?» Wichtig ist auch, sich Gedanken darüber zu machen, wie die Aufgaben in der Abwesenheit aufgefangen werden können.

Aber ist ein Sabbatjahr wirklich das Richtige, um dem Stress zu entkommen? Martin Rothland lehrt an der Universität Siegen und hat in einer Studie die Auswirkungen des Sabbatjahres ausgewertet. Befragt wurden ausschließlich Lehrer. Die Ergebnisse zeigen: Eine Auszeit wirkt sich sehr positiv auf die Regeneration, die empfundene Beanspruchung und die Gesundheit aus. Ein halbes Jahr nach dem Sabbatjahr ist dieser Effekt allerdings schon wieder verpufft. Daher schlussfolgert er: „Die Vorstellung: Ich reise ganz viel um die Welt, und alles gibt sich, ist eine Illusion.“ Wer von seiner beruflichen Situation sehr gestresst ist, sollte in der Auszeit deshalb systematisch die eigenen beruflichen Fähigkeiten stärken und lernen, sich besser vor Überlastung zu schützen.

Laut Windemuth gibt es weitere Gründe dafür, auf das Sabbatical zu verzichten: „Wenn man durch die Auszeit private Probleme bekommt, weil die Familie nicht damit einverstanden ist, sollte man zunächst nach Kompromissen suchen. Die Auszeit muss wohlwollend vom Chef und den Kollegen aufgenommen werden und organisatorisch überhaupt durchführbar sein.“ In sehr spezialisierten Berufen kann es sehr schwierig sein, die Stelle für ein Jahr mit einer anderen Person zu besetzen. Wichtig ist natürlich auch, dass Berufstätige ein Sabbatical finanzieren können. Wenn das alles aber stimmt, ist Windemuth überzeugt: „Das Sabbatjahr ist eine wunderbare Chance. Auf jeden Fall ergreifen.“

Text: Daniela Schumacher

2 Kommentare

M.Klein

17.11.2016

Auch für Angestellte des ÖD ist mittlerweile in manchen Landesverfassungen die Möglichkeit angelehnt an die Landesbeamten ebenfalls geregelt und möglich bzw alternativ im Tarifvertrag öffentlicher Dienst geregelt. Siehe u.a. Verdi. Ein Rechtsanspruch, der den Belangen des Arbeitgebers widerspricht, ist in allen Fällen m.E. nicht gegeben, die Möglichkeit wiederum steht mittlerweile nicht nur Beamten offen.

Dr. Günter Maneck

17.11.2016

Ach wie wär es doch schön, wenn jeder eine solche „Auszeit“ nehmen könnte!
Es ist bezeichnend, dass hier der öffentlichen Dienst mal wieder im Vordergrund steht, wo man generell nicht die Gefahr des Arbeitsplatzes hat.
Nach über vierzig Jahren als Selbstständiger ( Zahnarzt mit eigener Praxis) werde ich schon neidisch, was alles möglich sein soll. Früher war Arbeit eine Aufgabe, heute ist es mitbringen Job.