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Arbeit & Geld

Nur keine Angst: Diese Versicherungen sind unnötig  

Die Deutschen geben meistens viel zu viel Geld für ihre Absicherung aus. Welche Versicherung Sie wirklich brauchen und welche nicht, erklären wir in der aktuellen Folge unseres Ratgeberformats „Geldwert“ in Kooperation mit dem Verbrauchermagazin Finanztip*.

Von Annika Krempel, Expertin für Versicherungen bei Finanztip

Im Durchschnitt geben die Deutschen pro Jahr fast 2.400 Euro für Versicherungen aus. Für Kranken-, Risikolebens- und Haftpflichtversicherungen. Doch viel Geld fließt auch in Policen, die überflüssig sind. Während viele Menschen ihr Handy bestens absichern, sind wichtige Bereiche des Lebens unterversichert. Als Grundsatz gilt: Eine Versicherung ist sinnvoll, sofern sie existenzbedrohende Schäden absichert.

Schutz bei Krankheit

Vom Gesetzgeber vorgeschrieben ist eine Krankenversicherung – entweder gesetzlich oder privat. Angestellte, die mit ihrem Gehalt über die Jahresarbeitsentgeltgrenze kommen, derzeit 54.900 Euro, dürfen sich privat versichern. Doch wer damit liebäugelt, sollte vorher sorgfältig rechnen, ob er sich die private Krankenversicherung auch langfristig leisten kann. Eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse ist schwierig.

Wer in der gesetzlichen Krankenversicherung bleibt, kann die Leistungen dort um private Krankenzusatzversicherungen ergänzen. Für jeden eignet sich die Auslandsreisekrankenversicherung, die schon für wenige Euro im Jahr die Kosten einer Behandlung im Ausland oder den Krankenrücktransport in die Heimat übernimmt. Gutverdiener und Selbständige sollten außerdem über eine Krankentagegeldversicherung nachdenken. Die Krankenkassen zahlen zwar einige Wochen ein Krankengeld, doch dieses steigt nicht analog zum Einkommen. Ein Krankentagegeld schließt die Lücke im Einkommen.

Wer bei Zahnbehandlung und Zahnersatz Wert darauf legt, mehr als die Regelversorgung der Krankenkassen zu erhalten, muss die Mehrkosten selber tragen. Eine Zahnzusatzversicherung kann sich in diesem Fall lohnen. Ähnliches gilt für die Krankenhaus-Zusatzversicherung. Sie bezahlt die Behandlung bei Spezialisten im Wunsch-Krankenhaus. Für das Alter sollte außerdem mit einer privaten Pflegezusatzversicherung vorgesorgt werden.

Die Zahl der Berufsunfähigkeitsfälle in Deutschland durch Unfälle, Krankheiten und psychische Belastungen nimmt seit Jahren zu. (@Foto: Jenny Sturm / Fotolia)

Die Zahl der Berufsunfähigkeitsfälle in Deutschland durch Unfälle, Krankheiten und psychische Belastungen nimmt seit Jahren zu. (@Foto: Jenny Sturm / Fotolia)

Die Existenz absichern

Eine Privathaftpflicht gehört zur absoluten Grundausstattung. Jeder sollte eine Police haben, denn sie ist nicht teuer und schützt vor Schadenersatzforderungen, die die Existenz bedrohen. Auch wer schon länger einen Vertrag hat, sollte mal in die Versicherungsbedingungen schauen. Neue Tarife sind häufig günstiger und leisten trotzdem mehr.

Um die eigene Arbeitskraft abzusichern, ist die Berufsunfähigkeitsversicherung ein Muss, auch für Bürohocker. Denn nicht nur kaputte Knochen tun weh, besonders häufig ist die Psyche der Grund für eine Berufsunfähigkeit. Vor allem Jüngere und Selbständige sollten sich absichern. Wer sich die Versicherung nicht leisten kann oder den Schutz nicht bekommt, kann Alternativen wie die Erwerbsunfähigkeitsversicherung abschließen.

Das erste Kind, eine Immobilienfinanzierung – solche Anlässe sind ein Grund für eine Risikolebensversicherung. Die Police sichert die Hinterbliebenen finanziell ab, indem sie im Todesfall die vorher vereinbarte Versicherungssumme auszahlt. Die Versicherung ist sinnvoll, wenn es einen Hauptverdiener gibt oder wenn das verbleibende Einkommen für die Familie nicht reichen würde.

Sinnvoller Zusatzschutz

Möbel, Teppiche und Wertsachen versichert die Hausratpolice bei Einbruch oder Brand. Wer wertvollen Hausrat besitzt oder seine Sachen nicht auf einen Schlag ersetzen kann, sollte sich um eine Absicherung kümmern. Bei Streit mit dem Vermieter oder Handwerker hilft eine Rechtsschutzversicherung. Wer sich nicht scheut, notfalls auch vor Gericht zu ziehen, kann einen Abschluss erwägen. Außerdem bietet die Versicherung häufig juristische Beratung an. Mitglieder im Mieterverein oder bei einer Gewerkschaft sind dort allerdings schon gegen Streit mit dem Vermieter oder Arbeitgeber abgesichert.

Die Unfallversicherung gehört zu den beliebtesten Versicherungen, dabei lohnt sie sich nur selten. Die Versicherung zahlt nur, sofern durch einen Unfall eine bleibende Behinderung zurückbleibt. Das ist statistisch gesehen selten der Fall. Für Menschen mit einem gefährlichen Hobby oder einem riskanten Beruf, kann sich eine Unfallversicherung auszahlen. Wegen des hohen Risikos ist sie dann allerdings auch recht teuer.

Diese Versicherungen sind überflüssig

Geht das Handy oder die Brille kaputt, zählt dieser Schaden bestimmt nicht zu den existenzbedrohenden. Eine solche Police ist überflüssig und zusätzlich oft viel zu teuer. Auch eine Restschuldversicherung wird viel zu teuer verkauft.

Grundsätzlich gilt außerdem, dass sich derzeit der Abschluss einer Lebens- oder Rentenversicherung nicht lohnt. Durch die Niedrigzinsen erwirtschaften sie kaum Rendite, die zudem durch hohe Abschluss- und Verwaltungskosten weiter geschmälert wird.


*Unser Kooperationspartner: Finanztip ist das führende gemeinnützige Verbraucherportal für Finanzen in Deutschland. Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen und sein Team beleuchten alle wichtigen Finanz- und Verbraucherthemen. Kern des kostenlosen Angebots sind praktische Ratgeber, ein wöchentlicher Newsletter und die Finanztip-Community.

5 Kommentare

Peter Müller

01.11.2016

Ein fast richtiger Artikel. Wie aber so oft bei finanztip, stimmt es im Detail nicht. Die Unfallversicherung, da stimmt es, dass das Risiko einer Invalidität (und die ist eben nicht identisch mit einer Behinderung, hätte die Autorin eigentlich wissen müssen) statistisch nicht so häufig auftritt. Aber es gibt Betroffene und für die kann es sehr wohl zu einem finanziellen Existenzrisiko werden, wenn der Fall eintritt und das Haus oder Auto umgebaut werden muss oder Prothesen gekauft werden müssen, die Wundscheuer besser vermeiden, aber im Leistungskatalog der gesetzlichen Versicherung nicht enthalten sind und auf einen Schlag werden mehrere Zehntausend Euro fällig. Dafür gibt es aber wirklich günstige Versicherungen, die sich auf den Kern des Risikos beschränken und nur ein paar Euro im Monat kosten. Noch viel mehr offenbart die Autorin ihre Unkenntnis in der Materie mit dem lapidaren Satz, dass sich Lebens- und Rentenversicherungen nicht mehr lohnen. Da möge sie doch in ihrer grenzenlosen Weisheit Alternativen benennen, die eine vergleichbare Mischung aus Sicherheit des angelegten Geldes, Verfügbarkeit im Bedarfsfalle und einer Rendite nach Kosten von über 3 % erzielt. Danach möge sie noch zeigen, wie die Rendite im Vergleich nach der Einkommenssteuer aussieht. Da wäre ich echt mal gespannt. Ich biete alles an, von Immobilienfinanzierungen über Rentenversicherungen oder auch Finanzanlagen in Fonds etc. MIR ist klar, dass man sehr wohl mehr Rendite als mit einer Rentenversicherung erzielen kann, dann muss man sich aber eben auch im Klaren sein, dass damit unausweichlich ein höheres Risiko für Verluste verbunden ist.

Ulrich Büttner

01.11.2016

Grundsätzlich zu obigen Empfehlungen sollte jeder sich rundum beraten lassen, was aufGrund seiner Gegebenheiten (Lebensumständen) versicherbar ist. Da ergibt sich eventuell der eine oder andere Wunsch sich gegen dies oder jenes zu versichern. Ganz wichtig: Alle paar Jahre auch als Privatperson sich umfassend beraten zu lassen von seiner Versicherung. Es können in der zwischenzeit geänderte Lebensumstände oder Anschaffungen erfolgt sein, die eine Abänderung oder Ergänzung der Policen zwingend notwendig macht um weiterhin richtig versichert zu sein.

Daniel Gruener

01.11.2016

Wenn Sie hier ganz klar von Rentenversicherungen abraten können Sie bestimmt auch eine Empfehlung aussprechen, welche Form der zusätzlichen Altersvorsorge für einen "Normalverdiener" sinnvoll ist. Schließlich ist die zusätzliche Altersvorsorge, auch nach Aussagen der Bundesregierung, unabdingbar, um nicht in die Altersarmut zu rutschen. Ich freue mich auf Ihr Feedback.

Sibylle1969

02.11.2016

Kapitalbildende Lebensversicherungen bzw. Rentenversicherungen sind eigentlich keine Versicherungen, sondern Geldanlagen. Die sind im derzeitigen Niedrigzinsumfeld in der Tat nicht sinnvoll. Für sein Alter sollte man aber natürlich dennoch vorsorgen, am besten mit einem ETF-Sparplan. Der oft genannten Aussage, wonach eine Berufsunfähigkeitsversicherung ein Muss sei, kann ich nicht zustimmen. Wer sie preiswert bekommt, braucht sie nicht, denn für Büroarbeiter ist das Risiko einer BU statistisch gesehen sehr gering (einer von 30 Personen wird berufsunfähig, und das meist auch erst mit ca. 60 Jahren). Wer ein hohes BU-Risiko hat (Handwerker, Bauarbeiter) bekommt gar keine BU, weil zu riskant für die Versicherungen. Außerdem muss man im Schadensfall damit rechnen, seine Versicherung bis in die höchste Instanz auf Zahlung der Leistung verklagen zu müssen, das geht natürlich nur mit einer guten Rechtsschutzversicherung und kann auch Jahre dauern. Besser fährt man .E. damit, wenn man die Beiträge, die man in eine BU einzahlen würde, stattdessen in einen ETF-Sparplan anspart. Ab dem 55. Lebensjahr, wenn das Risiko einer BU statistisch größer wird, hat man dann schon einen netten Kapitalstock angespart.

Hartmut Tschofen

03.11.2016

Wenn mit Kapitalbildende Lebensversicherungen bzw. Rentenversicherungen die klassischen Varianten gemeint sind, dann pflichte ich der im Artikel geschriebenen Meinung bei. Es gibt allerdings auch sogenannte Drei-Topf-Hybride mit iCCPI und Garantien. Diese stellen so manchen Investmentfond in den Schatten und warten zudem mit angenehm niedrigen Kosten auf. Allerdings ist das eine Produktewelt, die aufgrund ihrer Komplexität bislang nur wenig bekannt ist. Einige Anbieter versuchen sich da in der Einfachheit und bieten so Sachen wie Indexpolicen an, die aber nur einmal pro Jahr eine Indexoption anwenden. Vor so was muss sich auch wiederum hüten, weil man Ende doch überwiegend in einem klassischen Lebensversicherungsdeckungsstock investiert ist...und wer will das noch? Bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung gilt es die Leistungsauslöser in den Versicherungsbedingungen genau anzusehen. Dort finden sich auch Hinweise auf Leistungsverweigerungen, wenn man diese in den Texten decodieren kann. Ein Berufsunfähigkeitsvericherung ist nicht für jeden der ideale Schutz. Vor allem bei Freiberuflern und ges. Geschäftsführer/innen muss zuvorderst überprüft werden, ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung im Ernstfall auch wirklich leisten würde. Das Grundthema ist: Wann bin ich wirklich berufsunfähig in meinem Job? Wie sieht das der begutachtende medizinische Dienst? Wie sehen das andere Gutachter? Die Marketingaussagen vieler Versicherer haben da mit der Realität wenig gemein. Idealerweise sollte ein Berater erst mal eine Tätigkeitsanalyse durchführen und aufzeigen können warum eine Versicherung bei welcher beruflicher Konstellation funktioniert oder auch nicht...und was man dann tun kann.

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