ARD Themenwoche "Zukunft der Arbeit"

Erfolgsfaktor Menschlichkeit: Neue Wege für die Arbeit

Stress? Druck? Kontrolle? Nicht bei uns. Die ARD beleuchtet im Rahmen ihrer Themenwoche „Zukunft der Arbeit“ Unternehmen, die einen vollkommen anderen Ansatz in der Führung von Mitarbeitern verfolgen. 

TV-Tipp:“Faktor Menschlichkeit – was macht Unternehmen erfolgreich?“ Montag 31.10. / 22.45 Uhr / Das Erste 

Phoenix-Contact-Geschäftsführer Olesch

Phoenix-Contact-Geschäftsführer Olesch: „Die Treppe muss von oben gefegt werden“ (©Foto: ARD)

Ein Unternehmensalltag ohne Druck und Angst und ohne innere Kündigung? Der Mensch mal nicht als Kostenfaktor und Einsparpotenzial, sondern als wichtiger Garant des Unternehmenserfolgs? Für manche Arbeitgeber wäre es eine Revolution. Aber was heißt das für den Unternehmensalltag, wenn ein Unternehmer sagt: „Wirtschaftlichkeit und Gewinn sind die Basis unserer Existenz, nicht der Sinn unseres Handelns. Der Sinn ist, den Menschen zu dienen und Rahmenbedingungen zu schaffen, dass sie sich in ihrer Arbeit glücklich machen können, dass sie selbst dazu finden, was sie glücklicher macht.“

Die ARD-Dokumentation  Faktor Menschlichkeit – was macht Unternehmen erfolgreich?“ zeigt an zwei Beispielen, wie das neue Miteinander von Chefs und Angestellten funktionieren kann. Die Hotelkette „Upstalsboom“ und der Hightechkonzern „Phoenix Contact“ sind sehr unterschiedliche Firmen, aber bei beiden kam die Revolution von oben. „Die Treppe muss von oben gefegt werden“, sagt Gunther Olesch, Geschäftsführer bei Phoenix Contact. Das Umdenken müsse in der Chefetage beginnen. Nur so könne man das Vertrauen der Mitarbeiter in die Unternehmensführung gewinnen. Und schließlich gelte: „Wenn die Mitarbeiter keinen Spaß an der Arbeit haben, kann es keinen Unternehmenserfolg geben.“

Dieser Effekt wird inzwischen auch wissenschaftlich untermauert: „Glückliche Menschen arbeiten besser“, betont der Hirnforscher und Experte für Unternehmenskultur Gerald Hüther. Dadurch stelle sich für das Gesamte im Unternehmen ein Mehrwert auf der menschlichen wie auf der wirtschaftlichen Ebene ein.

koop_ard_spielraum_aufmacherDas zweite Beispiel aus der Dokumentation beleuchtet die Evolution der Hotelkette „Upstalsboom“, deren Chef Bodo Janssen nach einer verheerenden Mitarbeiterbefragung beschloss, sich selbst und sein Unternehmen vollkommen umzukrempeln (wir berichteten). Im Interview mit XING spielraum schilderte Janssen vor kurzem, wie der Wandel in den Köpfen und Herzen seiner Mitarbeiter angekommen ist. Hier sind noch einmal Auszüge aus diesem Gespräch:

Spielraum: Sie haben ja nicht nur sich selbst, sondern auch in ihrem Unternehmen viel verändert. Gerade das Führungspersonal wurde mit neuen Lernprozessen – auch über sich selbst – konfrontiert, Kunden werden in Arbeitsabläufe integriert, sie machen Mitarbeiter-Incentives in Afrika, Seminare in Klostern (s.Aufmacherbild) und vieles mehr. Ist Upstalsboom durch ihre persönliche Krise ein komplett anderes Unternehmen geworden?

Janssen: Die Arbeit ist die gleiche geblieben, aber die Haltung ist eine komplett andere geworden. Früher waren andere Werte für uns wichtig, zahlengetriebene Werte, Erfolg war klassisch definiert. Heute ist Wirtschaftlichkeit nicht mehr der Sinn unseres Handelns, sie ist immer noch die Basis unseres Handelns, aber nicht mehr der Grund, warum wir morgens aufstehen. Natürlich müssen die Zimmer noch genauso geputzt werden wie vorher, aber die Haltung und auch die Demut, mit der die Mitarbeiter das tun, ist ein andere.

Spielraum: Nun bewegen Sie sich als Unternehmer ja aber nicht nur in dieser viel schöneren, offenen Arbeitswelt von Upstalsboom, sondern sind ja immer noch einem knallharten Kampf ausgesetzt, mit Konkurrenten, die eben noch nicht so ticken wie Sie. Wie ist denn ihr Verhältnis zu dieser Konkurrenz und dem wirtschaftlichen Umfeld?

Bodo Janssen ©Foto: Upstalsboom

Bodo Janssen ©Foto: Upstalsboom

Janssen: Ich war gerade auf einer Tagung im Innenministerium mit dreihundert Polizeipräsidenten und Landräten, da wurde ein ähnliches Thema besprochen, nämlich: „Wie gehen wir mit dem Druck von außen um?“ Für mich war die Antwort relativ klar: Je mehr ich meiner selbst bewusst bin, desto autonomer handele ich auch. Ich werde nicht mehr getrieben. Wenn ich kein Profil, keine Haltung, kein Selbstbewusstsein habe – dann werde ich getrieben. Dann orientiere mich ewig an den sogenannten „Gesetzen“ des Wettbewerbs.

Uns wird oft bescheinigt, dass wir als Unternehmen so eine klare, kompromisslose Haltung haben – aber genau die lässt uns nicht mehr so stark auf die Konkurrenz schauen. Ich persönlich beschäftige mich null mit dem Wettbewerb. Wir ziehen da unseren Stiefel durch, weil wir überzeugt sind, dass was wir tun und wie wir es tun, gut ist. Wir sparen uns dadurch den Blick nach links und rechts, vor allem in der Branche, auf die wir so gut wie gar nicht schauen. Natürlich interessieren uns neue Ideen für das Kerngeschäft, aber wie schielen nicht auf Preisgestaltung oder Marketingtricks.

Wir haben unser eigene Maßstäbe entwickelt. Die müssen nicht immer gut oder die besten sein. Aber wir haben das Selbstbewusstsein dafür entwickelt.

„Krisen lassen sich besser durch die Gemeinschaft bewältigen“

Spielraum: Und Sie sind sich sicher, dass Sie diese neue Philosophie und Autonomie durchziehen können, auch, wenn es wieder einmal einen schlechten Sommer gibt und der rein objektive Druck ganz stark auf der Firma lastet?

Janssen: Ja, das bin ich. Unter anderem, weil wir gelernt haben, Probleme wie ein schlechtes Geschäft durch schlechtes Wetter als Gemeinschaft anzugehen. So eine Krise bleibt nicht einigen Superköpfen aus der Führung überlassen, sondern wird zur Aufgabe der Unternehmensgemeinschaft. Und so eine Gemeinschaft ist immer intelligenter und kreativer als Einzelne. Da entstehen manchmal Lösungen, die hätte ich mir zuvor nie träumen lassen. Weil jeder Beteiligte dann bereit ist, seinen Teil dazu beizutragen. Und das ist der große Unterschied zu früheren Zeiten.

Wenn ich da als Chef die alten Mechanismen bediene und zum Beispiel die berühmte Effizienzschraube wieder fester andrehe, mache ich sofort wieder vieles an Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein kaputt, das wir aufgebaut haben.

Ich will das an einem Beispiel erklären: Vor zwei Jahren ist unsere gesamte Führungsmannschaft „weggekauft“ worden, von einem Investor. Teilweise mit horrenden Summen. Das hinterließ urplötzlich ein gewaltiges Führungsvakuum und natürlich auch zunächst Ratlosigkeit. Dann haben wir die Mitarbeiter gefragt, wie Sie mit diesem Vakuum umgehen wollen. Und es waren die Mitarbeiter, die die Lösungen gefunden haben – und dabei so stark zusammengerückt sind, dass die neue Führungscrew Schwierigkeiten hatte, diese Interregnum-Strukturen wieder „aufzulösen“.

Spielraum: Also hat diese Krise die Zusammengehörigkeit gestärkt.

Janssen: Absolut. Und die entscheidende Frage ist: Wieso scheitern manche an einer solchen Krise und warum wachsen andere daran? Wir haben erfahren, dass für einen Erfolg in einer solchen Situation die Reflexion in die Gruppe, das Hineinhorchen, sehr wirksam ist.

 

4 Kommentare

Marion Dietrich

31.10.2016

Ich wünsche mir, dass diese Beispiele andere anregen selbst neue Wege zu gehen.😄

Dr.Dipl.Kfm. Klaus Kronenberg M.Sc (Ph.D)

01.11.2016

So ist es. Wachsen an der Krise in Synergie-Effekt der Mitarbeiterschaft !

Rosa Arevalo

24.01.2017

Ja, ich bin auch der Meinung, dass wir ohne Menschlichkeit nicht weiter kommen. Denn wir sind alle nur Menschen, die eben auf unterschiedlichen Positionen, Ebenen etc. arbeiten. Ein intelligenter Unternehmer behandelt seine Mitarbeitern gut. So leisten diese mehr, und das ist der Weg zum Erfolg.

G. Mustafi

08.05.2017

Eine richtige und gesunde Haltung! Zusammenhalt ist sehr wichtig und zusammen Entscheidungen zu treffen, noch wichtiger! Vorurteile sind tödlich für die Weiterentwicklung der (Gehirn) Zellen ,besser gesagt für den Geist! Durch Akzeptanz ,Toleranz und liebe öffnen wir uns und entwickeln uns weiter. (…) Manch einer findet es nicht richtig, wenn man zu jedem ehrlich ist, meine Meinung ist: „Ehrlichkeit, Liebe, Teilen“ (nicht nur an sich denken) – das bringt UNS ALLE WEITER !!! Die Wohlhabenden dürfen nicht vergessen, dass sie ohne den kleinen Mann nicht wohlhabend wären!!!