ARD Themenwoche "Zukunft der Arbeit"

"Die Digitalisierung ist ein ewiger Lernprozess"

Manfred Krupp, Intendant des Hessischen Rundfunks, über die Digitalisierung der Medien, neues Zuschauerverhalten und die ARD-Themenwoche „Zukunft der Arbeit“

HR-Intendant Mafred Krupp

HR-Intendant Manfred Krupp: „Wir als Medien sind von der Digitalisierung noch stärker betroffen als andere Branchen“ (©Foto: Hessischer Rundfunk / Ben Knabe)

XING Spielraum: Herr Krupp, warum widmet sich die ARD mit einer Themenwoche der „Zukunft der Arbeit“?

Manfred Krupp: Unsere Arbeitswelt untersteht derzeit einem rasanten technologischen Wandel. Dadurch liegen Fragen auf der Hand wie: Hat mein Beruf und mein Arbeitsplatz Zukunft? Wo bleibt der Mensch, wenn Roboter zukünftig übernehmen? Und was müssen meine Kinder lernen, damit sie für die Arbeitswelt der Zukunft gewappnet sind? Die ARD-Themenwoche setzt genau hier an. Denn jeder hat ein Interesse am Thema Arbeit. Wir möchten Denkanstöße geben und zu einer Diskussion rund um die neuen Arbeitswelten anregen.

Welches sind die Schwerpunkte der Themenwoche aus Ihrer Sicht und welche Diskussionen möchten Sie dazu hervorrufen?

Krupp: Es geht einerseits um technische und andererseits um menschliche Aspekte. Wir werden zeigen, was heute schon möglich ist und zukünftig sein wird. Und andererseits schauen wir, wie sich das auf uns Menschen auswirkt. Fallen Jobs weg? Welchen Wert hat unsere Arbeit noch? Es wird ein breit gefächertes Angebot in Fernsehen, Radio und Internet geben. Bei diesem Thema möchten wir natürlich junge Menschen ansprechen, weil gerade sie die Zukunft mitgestalten. Dieses Bewusstsein wollen wir stärken und zu einer Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Arbeitswelt der Zukunft anregen.

Werden Roboter, Algorithmen oder digitale Tools denn nun mehr „Konkurrenten oder Kollegen“ von uns Menschen, wie es in einer Ihrer Fragen zur Themenwoche heißt?

Krupp: Wir werden zeigen, dass beides möglich ist. Auf der einen Seite können Roboter die Arbeit erheblich erleichtern. Zum Beispiel in der Krankenpflege, wenn sie um ein vielfaches schwerer Heben können als eine Pflegerin oder ein Pfleger. Auf der anderen Seite macht neue Technik bis hin zum Einsatz künstlicher Intelligenz manche Berufe und Tätigkeiten teilweise oder gänzlich substituierbar. Das als Konkurrenz aufzufassen und mit einer gewissen Skepsis zu betrachten, ist menschlich.

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Wie wirkt sich diese „schöne neue Arbeitswelt“ schon in Ihrem beruflichen Alltag und auf die ARD aus?

Krupp: Wir sind von der Digitalisierung und dem technischen Wandel noch stärker betroffen als andere Branchen und müssen natürlich auch reagieren, unsere Kolleginnen und Kollegen weiterbilden und Strukturen verändern. Das betrifft gleichermaßen unsere Arbeitsweise wie unsere Ausspielwege. Wir verfolgen dabei eine Multiplattform-Strategie: Wir müssen über unterschiedliche Wege und Kanäle präsent sein, vom linearen Fernsehen bis hin zum On-Demand-Angebot. Wir modernisieren unsere Mediatheken, um hier nicht abgehängt zu werden. Wir stellen uns dem veränderten Nutzungsverhalten, gerade auch in der jungen Zielgruppe. Erst vor kurzem ist deshalb „funk“ gestartet, das junge Angebot von ARD und ZDF, das ausschließlich im Internet präsent ist und die junge Generation da abholt, wo sie sich sowieso schon aufhält. Aber wir sind sicher noch nicht am Ende angekommen – das ist ein ewiger Lernprozess.

Das Programm der Themenwoche ist extrem vielfältig, es reicht von der klassischen Dokumentation bis hin zu einem speziellen Tatort. Worauf freuen Sie sich persönlich am meisten?

Krupp: Das ist eine schwierige Frage. Eins von vielen Highlights wird sicher der Mittwochabend: Zuerst der Fernsehfilm „Dead Man Working“, der sich bildgewaltig und auf fiktiver Ebene mit dem Frankfurter Bankenviertel auseinandersetzt – dem Druck unter dem Banker heute schon stehen. Und im Anschluss der Dokumentarfilm „Der Tod eines Managers – Der Fall Wauthier“, der sich mit einem wahren Fall beschäftigt. Das ist eine raffinierte und höchst interessante Kombination.

P.S. Wie sehen Sie die neue Arbeitswelt und Ihre Veränderungen? Mit Furcht oder mit Freude? Diskutieren Sie mit, unten in den Kommentaren-

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