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Arbeit & Sinn

Karriere machen? Nö, lieber nicht!

Wer Geld und Prestige will, muss Karriere machen. Denken wir. Aber warum eigentlich? Und was passiert, wenn wir unsere Jobs kündigen? Ein Treffen mit den Gründern von „Haus Bartleby“, dem „Zentrum für Karriereverweigerung“

Anselm Lenz ist Mitgründer von "Haus Bartleby - Zentrum für Karriereverweigerung"

Anselm Lenz ist Mitgründer von „Haus Bartleby – Zentrum für Karriereverweigerung“. Er hat sich die Kritik an der Arbeitswelt zur Aufgabe gemacht. (©Foto: Britta Pedersen / dpa)

„Und was machst Du so?“ – Kaum ein Gespräch heutzutage, in dem nicht irgendwann diese Frage fällt. Aber warum spielt es eigentlich so eine große Rolle, was wir arbeiten? Und warum soll Karriere so ein hohes Ziel sein? Für die Mitglieder vom Haus Bartleby *(s. auch Info unten) ist sie das nicht.

Das 2014 gegründete Netzwerk nennt sich „Zentrum für Karriereverweigerung“. Antworten, wie unsere Arbeitswelt aussehen sollte, hat die Gruppe noch nicht. Aber sie will eine Diskussion anstoßen. Auf ihrer Homepage heißt es: „Wem dienen wir, wenn wir eine Karriere machen?“ oder „Warum müssen wir uns bewerben, wenn wir nicht «in Arbeit» sind?“.

Alix Faßmann und Anselm Lenz sitzen in einem Park in Berlin-Neukölln und erzählen, warum sie keine Karriere wollen. Faßmann war parteilose Journalistin bei der SPD, Lenz arbeitete am Hamburger Schauspielhaus. Worum andere sie beneiden würden, erfüllte sie nicht. Faßmann spricht von „heißer Luft“, Lenz von „Selbstbezüglichkeit“.

„Jedem ist natürlich freigestellt, welche Entscheidung er trifft – wenn es denn eine Entscheidung ist“, sagt Faßmann. Viele Menschen hätten aber das Gefühl, eine Karriere wollen zu müssen. Faßmann dagegen kündigte ihren Prestigejob. Nach ihrem Ausstieg fuhr die 33-Jährige durch Italien und überlegte, was sie mit ihrem Leben anfangen will. Auf Sizilien traf sie Lenz. Der 36-Jährige ermutigte sie, ein Buch zu schreiben.

Im Frühjahr 2014 erschien «Arbeit ist nicht unser Leben: Anleitung zur Karriereverweigerung», ein halbes Jahr später gründeten Lenz und Faßmann das „Haus Bartleby“, um Gleichgesinnte zu finden. „Es ging uns nicht um Selbstverwirklichung, sondern wir wollten uns verbünden. Deswegen sind wir an die Öffentlichkeit gegangen“, sagt Faßmann.

Auch der Theatermacher Hendrik Sodenkamp glaubt nicht mehr an das Versprechen Karriere. Der 27-Jährige wurde Anfang 2015 auf Haus Bartleby aufmerksam und schmiss drei Monate später sein Kulturwissenschafts- und Germanistikstudium.

Auf eine Karriere hinzuarbeiten bedeute, eine Sache nach der anderen zu machen, in der Hoffnung, es zahle sich irgendwann einmal aus, sagt Sodenkamp. „Es verschiebt die Gegenwart auf eine unbestimmte Zukunft und sorgt dafür, dass man im Hier und Jetzt Dinge macht, die nicht richtig sind.“

Rund 4500 Menschen haben mittlerweile den Newsletter der Denkfabrik abonniert. Vergangenes Jahr organisierte das Haus Diskussionsrunden zu Arbeitsethik oder Müßiggang und brachte ein erstes Buch heraus – beteiligt haben sich etwa Psychologieprofessor Morus Markard, Architekt Van Bo Le-Mentzel, Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow oder der griechische Politiker Yanis Varoufakis.

Doch auch die Karriereverweigerer müssen von etwas leben. Sie haben verschiedene Gelegenheitsjobs, um Miete und Rechnungen zu bezahlen – Faßmann etwa als freie Journalistin, Lenz zum Beispiel als Ghostwriter. „Karriereverweigerung ist keine Arbeitsverweigerung“, sagt Faßmann. Auch Sodenkamp geht Nebenjobs nach – seit das Sparbuch, das er von seinen Großeltern bekam, aufgebraucht ist.

Auch wenn das Geld knapp ist – alle sagen, dass sie nun einen Sinn in dem sehen, was sie tun. Sie kämpfen für eine neue Arbeitswelt. Derzeit widmen Faßmann, Lenz und Sodenkamp den Großteil ihrer Zeit dem neuesten Bartleby-Projekt, einem sogenannten «Kapitalismustribunal».

Jeder Bürger kann dabei über eine Internetseite anklagen, was ihm am kapitalistischen Wirtschaftssystem missfällt – rund 400 Anklagen gingen ein. Im kommenden Jahr sollen ausgewählte Fälle im Berliner „Haus der Kulturen“ der Welt vorgestellt werden. Unterstützt wird der Prozess etwa vom Club of Rome oder der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Ziel des Tribunals ist nicht, zu zeigen wie die Wirtschaftswelt künftig aussehen soll, sondern herauszuarbeiten, was eben nicht mehr passieren darf – die Bandbreite der Themen reicht von Problemen mit der Krankenversicherung bis hin zu Eigentumsfragen. „Das kann sehr gern ernstgenommen werden, was da rauskommt“, sagt Lenz. Und Faßmann betont: «Wir meinen das ernst, das ist keine Kunst, kein Theater.»

«I would prefer not to» – Die Figur Bartleby

Wieso heißt das Haus Bartleby eigentlich so? Der Name Bartleby geht zurück auf den Protagonisten einer Erzählung des US-Schriftstellers Herman Melville („Moby Dick“). Melville (1819-1891) beschrieb in der bekannten Geschichte „Bartleby the Scrivener“ („Bartleby der Schreiber“) aus dem Jahr 1853, wie ein Mann tagein, tagaus Unterlagen in einer Firma kopierte und von einem Tag an die Arbeit verweigerte, indem er sagte: „I would prefer not to“ („Ich möchte lieber nicht“). Das Haus Bartleby sieht in der Figur einen Karriereverweigerer und beruft sich daher auf ihn. „Es gibt wirklich viele, die lieber nicht möchten“, sagt Mitgründer Anselm Lenz.

Text: Alexandra Stahl, dpa


„Haus Bartleby – Zentrum für Karriereverweigerung“

Das „Haus Bartleby“ ist ein Netzwerk von Menschen aus verschiedenen Berufsfeldern, die den Stellenwert des Begriffs Arbeit in unserer Gesellschaft kritisch hinterfragen. Das selbst ernannte „Zentrum für Karriereverweigerung“ versteht sich als Lobby, die ein neues Verständnis von Arbeit und Karriere erforschen will. 2015 erschien die erste Anthologie „Sag alles ab!“ mit Gastbeiträgen etwa von Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow oder dem ehemaligen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis.

Gegründet wurde der Think Tank mit Sitz in Berlin-Neukölln 2014 von der Journalistin Alix Faßmann und dem Dramaturgen Anselm Lenz. Derzeit gehören bis zu zehn Menschen zum festen Organisationsteam, dazu kommen zwischen 40 und 50 Mitstreiter vor Ort und rund 4.500 Menschen, die den Newsletter der Gruppe abonniert haben.

Neben Diskussionen im Netz organisiert das Haus Bartleby etwa Vortragsreihen mit Philosophen oder Wissenschaftlern rund um das Thema Arbeit. Als neuestes Projekt gilt das sogenannte „Kapitalismustribunal“, über das ein Leitfaden für ein mögliches neues Wirtschaftssystem erarbeitet werden soll.

27 Kommentare

Niklas

20.09.2016

Wieviel Karriere man will, soll jeder für sich entscheiden.
Bei solcherlei Aussteigern kommt mir allerdings eher das Wort Wohlstandsschmarotzer in den Sinn.
Die „Karrieristen“ zahlen die Versicherungen und Steuern für diese Leute zum großen Teil gleich mit. Na herzlichen Dank.

Schätzt Euch glücklich, in einem so reichen Land wie Deutschland geboren zu sein, das solche Entscheidungen möglich macht. Unmoralisch ist es trotzdem.

Angela Detmers

20.09.2016

S.U.P.E.R.
Sagt die Slow-Life-Spezialistin
Sehr interessant!!

Dirk Stiller

29.09.2016

Warum gibt es eigentlich immer nur die Extreme „sich im Job bei maximalem Steuersatz aufreiben“ oder „von der Hand im Mund leben“?
Es ist an der Zeit, die dritte Alternative ins Spiel zu bringen: Unternehmertum. Wenn einem die Karriereleiter gehört, muß man nicht daran hochklettern…

Wolfram Fischer

29.09.2016

Karriere oder nicht hat viel mit der Lebenssituation zu tun. Ich habe es nicht bereut voranzukommen, denn die damit verbundene Lebenserfahrung gibt einem einen grösseren Blickwinkel und eine hohe Zufriedenheit👍

Heinrich Hess

29.09.2016

Karriere ist kein Selbstzweck – ok aber die Verweigerung ist für mich das Zeichen einer verfallenden, kranken und satten Gesellschaft. Meine Geschäftspartner kommen aus Rumänien, aus der Ukraine und aus Bangladesh. Die sind hungrig und arbeiten extrem hart. Sie representieren die Mehrheit der Menschheit, die etwas für ihre Familien bewirken will. Der Daseinskampf und die Selbstbehauptung jedes Individuums ist Teil unserer Evolution. Wer nicht mitmacht, den bestraft das Schicksal.
Der Gegenentwurf zur Karriere ist die Selbständigkeit. Erst recht kein Zuckerschlecken aber ein bewährter Weg zu „Selbsterfüllung“.

Christian

29.09.2016

Offenbar machen die Gründer des Hauses Bartleby ja trotzdem Karriere. Sie tun dies einfach in der Aufgabe, die ihnen gefällt. Die Aufforderung lautet eher, in sich hinein zu horchen und das zu tun, wofür man sich stark fühlt. Wenn das alle tun steigert das ungemein die Effizienz unserer Gesellschaft aber auch die Zufriedenheit der Beteiligten. Die Leute haben dann Spass beim Karriere machen!

Oliver K

29.09.2016

Jedem das seine wenn er oder sie nicht der Gesellschaft oder anderen zur Last oder auf der Tasche liegt. Interessanterweise berichtet der Artikel von Karriereverweigerern, die nun einen Sinn in ihrem Leben sehen und sich mit Nebenjobs durchschlagen. Büllerbü? Komisch, ansonsten liest man immer von einer steigenden Kluft zwischen Arm und Reich und dass die Menschen von einfachen Jobs kaum überleben können …

Gary

29.09.2016

Ich bin der Meinung, jeder sollte möglichst seinen Arbeitsplatz zu SEINEM Arbeitsplatz machen um am Ende das Gefühl zu haben nicht arbeiten zu müssen, weil es einem einfach Spaß macht. So habe ich es immer versucht und solange gesucht, bis ich wirklich das gefunden habe was mich erfüllt. Ob das man das nun Karriere nennt oder nicht, ist mir ehrlich gesagt egal.

Lili Laguna

29.09.2016

Das ist zwar interessant, aber jeder Mensch ist für sich, sein Auskommen, seine Beteiligung an der Gesellschaft, seinen Kosten einschließlich Beerdigung verantwortlich und muss möglichst noch etwas für die „Anderen“ tun, denn nicht jeder Mensch ist gesundheitlich in der Lage, für sich selbst zu sorgen. Ob man nun Karriere macht oder nicht, mit Nebenbei-Jobs kann man keine Rücklagen bilden, die man im Alter braucht. Alles andere ist Wohlstandsgeschwafel und Zeitverschwendung.

Anne

29.09.2016

Ja, ja, die bösen Kapitalisten und Unternehmer, die andere zum Karriere-machen zwingen und sich damit womöglich noch reich machen… Für mich klingt das alles eher nach Abschiebung oder Entziehung aus der gesellschaftlichen Verantwortung. Alle die arbeiten und Karriere machen zahlen Steuern, mit denen unser System funktioniert. Kitas, Schulen, Soziale Einrichtungen, Infrastruktur, die Alle nutzen, werden davon bezahlt und nicht durch Gelegenheitsjobs finanziert. Davon abgesehen kann und soll doch jeder das Leben leben, dass ihm gefällt und passt, so lange es nicht auf Kosten anderer ist. Und das ist denke ich in unserem Lande durchaus möglich.

Kiri

29.09.2016

Es gibt Fragen die man stellen kann, welche aber sehr unangenehm auftreten können oder einfach nicht ernst genommen werden.

Wie oft hört man: „Das Leben ist kein Ponyhof!“
Warum fragt niemand: „Warum eigentlich nicht?“

Was hindert uns daran eine Gesellschaft zu schaffen die nicht in Abhängigkeit zu „Quasi-Sklaverei“ steht.
Die einzige Karrierealternative ist wie bereits erwähnt die Selbstständigkeit.

Muss man wirklich das System so akzeptieren wie es ist? Ist es notwendig das „Lieber-nicht-über-den-Tellerand-Schauer“, Menschen die es doch tun, quasi immer und direkt als „Wohlstandsschmarotzer“ bezeichnen?

Ich für meinen Teil arbeite und habe mein Einkommen, da es nötig ist. Aber mein Leben möchte ich nicht angekettet in einer Höhle, an eine Wand schauend verbringen. Meine Zeit damit verbringen eine Schattenwissenschaft zu betreiben. Um dann gelobt zu werden wenn ich eine Voraussagungen treffe die Andere gerne hören. Die meisten kennen nichts anderes als die Wand und die Schattenlebewesen und empfinden Sie als Realität. Genau die jetzige Realität zu hinterfragen führt uns weiter und nicht das abwürgen von Menschen die evtl. schon mal die Sonne gesehen haben.

Ich hoffe die Nutzung der Höhlen-Allegorie war nicht zu weit hergeholt.

Schmidt, Reiner J.

29.09.2016

Hallo zusammen,
nein – das sind keine Wohlstandschmarotzer!

Wieviel Einkommen-Steuer man bereits eingezahlt hat, ist nur der Angang, eine Währung zu finden. Quantifizierung! Sich in bekannten/vertrautem Terrain zu bewegen.

Das sind m. E. Pioniere, die neue Wege suchen und dabei viel riskieren. In der Regel haben Pioniere ein sehr hartes Leben, bis aus einer Entscheidung ein Trappelpfad, später eine Straße, evtl. eine Autobahn wird.
Maximalen Respekt!

MfG ein ehemaliger Karriere Mann

Christian

29.09.2016

Gerade Leute wie Niklas sind es doch, die bei Ihrer Karriere über Leichen gehen. Ich bin für die Karriere eines anderen auf der Strecke geblieben. Was soll man in diesem Falle machen? Ich bin ein absoluter Spezialist auf dem Gebiet der Umformtechnik mit sehr viel Erfahrung. Ich kann aber nicht die Ellenbogen ausfahren und andere Menschen niedermachen. Das ist eine Eigenschaft, die mir fehlt und darum habe ich die Chance auf einer Karriere aufgegeben. Heute arbeite ich als Diplom-Ingenieur notgedrungen als Accordzeichner.

Frank

29.09.2016

Stimme den Vorpostern zu – was ist eigentlich mit den Leuten los, die sich ihrem inneren Impuls, auf Leute wie die im Artikel genannten derart persönlich einhacken zu müssen? Um das mal umzukehren, damit ihr wisst, wie sich sowas anfühlt: Seid Ihr schon derart brainwashed, dass Ihr solche Dinge nicht mehr unvoreingenommen betrachten könnt?

Lars Gunmann

29.09.2016

Die einen verweigern die Karriere, den anderen wird die Karriere verweigert. So ist das nun mal.

Zitat von Kiri: „Wie oft hört man: „Das Leben ist kein Ponyhof!“ Warum fragt niemand: „Warum eigentlich nicht?“ Was hindert uns daran eine Gesellschaft zu schaffen die nicht in Abhängigkeit zu „Quasi-Sklaverei“ steht. Die einzige Karrierealternative ist wie bereits erwähnt die Selbstständigkeit. Muss man wirklich das System so akzeptieren wie es ist?“

Nun es ist eben so, dass da oben viele Leute sitzen, die Angst davor haben, sich die Finger schmutzig machen zu müssen. Die haben Angst vor körperlicher Arbeit und sind froh, dass sie an ihrer Position stehen. Jedoch wächst damit aber auch die Angst vor Systemänderungen, denn wenn zu viele Leute an eine gleichwertige Position aufsteigen, kann es ja sein, dass man absteigt. Ein System ohne Karrierezwang klingt für diese Leute wie Anarchie pur, bei dem sie nicht wisse, wo sie am Ende dabei stehen.

Lars Gunmann

29.09.2016

Zitat von Gary: „Ich bin der Meinung, jeder sollte möglichst seinen Arbeitsplatz zu SEINEM Arbeitsplatz machen um am Ende das Gefühl zu haben nicht arbeiten zu müssen, weil es einem einfach Spaß macht. So habe ich es immer versucht und solange gesucht, bis ich wirklich das gefunden habe was mich erfüllt. Ob das man das nun Karriere nennt oder nicht, ist mir ehrlich gesagt egal.“

Wenn du das ernst meinst, dann schau dir mal die Realität vieler Arbeitnehmer an. Wie kann es Spaß machen, wenn man jeden Tag z.B. hundert mal das gleiche machen muss? Natürlich kann man prinzipiell deinem Motto zustimmen, aber es endet eben am Tellerrand, weil das nur für einen kleinen Prozentsatz an Menschen machbar ist. Da hilft auch der Wink mit mehr Bildung nicht, denn diese Jobs fallen dadurch ja nicht weg.

Benny Braun

29.09.2016

In unserer neoliberalen Gesellschaft, in der „Arbeit“ und „Karriere“ schon längst eine Art fundamentale Ersatzreligion geworden sind, bringt Haus Bartleby sinnvolle Denkansätze – zwar weniger mit konstruktiven gesellschaftlichen Alternativen – aber mit augenzwinkerndem Wink mit dem Zaunpfahl, auf dass manch einer sich vielleicht mal fragt: Für was mach ich das eigentlich?

Prinzessin

29.09.2016

Warum immer Karriere machen – das habe ich mich auch immer schon gefragt. Warum nicht einfach mal mit weniger auskommen ( Ressourcen schonend). Ich bin doch kein besserer Mensch, wenn ich statt meinem alten Golf einen großen schicken nagelneuen SUV fahre.

Holzmichl

29.09.2016

Hier sprechen meist die Leute, die schon auf der Karriereleute nach oben gekommen sind. Es ist doch eine Illusion, dass alle nur das beruflich tun, was sie gern machen oder gut können. Fragt jemand mal, wie viele Putzfrauen, Wachleute oder oder oder Ihren Job gern machen??
Sie machen diese Arbeit sicher in den meisten Fällen, weil sie keine Alternative (wegen Bildung, Herkunft..) haben oder darauf angewiesen sind, bzw. diese Jobs evtl. als Zweitjob machen müssen, weil der Hauptjob auch nicht der Wunschjob ist.
Ich bin auch auf der Suche nach „meinem“ Job. Hab ihn aber in 25 Jahren (und nicht nur einem Wechsel) noch nicht gefunden.

Achim Rose

29.09.2016

Sie haben schon Recht , für was sich krumm machen ??und am Monatsende kommen dir die Tränen das der Staat dir noch über gelassen hat.Bei uns wird man ja bestraft wenn man Selbstständig ist. Dann lieber ein Fahrdienst Job für 8,50€ in der Std. Und im Sommer um 14’00uhr am Badesee! Nach der Frühschicht.😆

Achim Rose

29.09.2016

Holzmichl da irrst du dich gewaltig! Sicher gibt es Menschen die wegen ihrer Bildung geringfügige Jobs nachgehen im Mindestlohn Bereich. Ich bin Heilpraktiker/Psychotherapie und fahre nebenbei im Behinderten Fahrdienst. Ich könnte auch Seminare halten,oder Lehren-! Das ist aber nicht mein Ding .Bin lieber an der Basis da kann ich ,so meine Erfahrung mehr bewirken.

SurfingJoe

29.09.2016

Karriere ist nicht alles. Man muss auch in der Lage sein, zu erkennen, welcher Job einem besser gefällt.
Wenn man Erfüllung darin findet, Karriere zu machen, dann ist das ok!
Für mich war das nach etlichen Positionen als Vertriebsleiter und Geschäftsführer einer Holding nicht der Fall.
Ich habe mich dafür entschieden lieber ein paar Gehaltsstufen weiter unten zu stehen, dafür aber vom Homeoffice aus meine Kunden zu betreuen, und die Möglichkeit meine Zeit dabei weitgehend selbst bestimmt einzuteilen. Sprich auch mal einen Kommentar zu schreiben, oder dem Müßiggang zu frönen.
Wichtig dabei ist nur, dass man die nötige Willensstärke aufbringt, sich selbst zu organisieren. Sprich sich nicht im Nichtstun zu verfangen.

Spider Jerusalem

30.09.2016

Spätestens wenn die Arbeiten, die Holzmichl geschildert hat, alle von Robotern erledigt werden, muss die Gesellschaft Umdenken. Schon heute wäre das möglich! Selbst Arbeitsplätze die eine akademische Ausbildung erfordern, können bald schon von Algorithmen schneller und weniger fehleranfällig erledigt werden. Auch die Arbeitsplätze der Poster auf den höheren Rössern, könnten verschwinden.
Wenn niemand mehr arbeiten muss, braucht man auch andere Karrieremodelle. Optimal ist es dann wenn jeder macht was ihm Spaß macht. Ich kenne jetzt nicht diese Gruppe und weiß auch nicht ob das der Hintergrund ihrer Überlegungen ist, aber aus dieser Sicht kann ich das nur unterstützen: Nein danke, lieber nicht 😀
Das macht den hörigen Menschen natürlich Angst. Machterhaltungstrieb liegt wohl wirklich in der Natur der Menschen…

guenstigerbuero

30.09.2016

Natürlich kann man nicht immer nur das tun was Spaß macht.
Spaß kann ich nur haben, wenn ich das Gefühl habe nicht auf Kosten anderer zu leben. Faires Verhalten gegenüber meinen Mitmenschen darf einfach nicht zu kurz kommen.
Also muss ich zuerst meinen Beitrag leisten für das Gemeinwohl, ehe ich etwas erwarten darf von der Gesellschaft. Die Gesellschaft ist nicht mir etwas schuldig, sondern ich bin doch Teil der Gesellschaft und kann nie mehr „rausholen“ als ich einbringe. Sonst läuft etwas schief. Von Verweigerung halte ich daher gar nichts. Trotzdem soll es möglich sein das zu tun was einem liegt, es muss auch nicht immer alles Profit bringen, aber weniger einzubringen als abzuholen geht eben auch gar nicht. Das darf
bei neuen Ideen niemals vergessen werden.

Alexander L.

30.09.2016

Karriereverweigerung als Ausrede für „Weiß-nicht-was-ich-will-oder-kann“?
Prinzipiell stimme ich zu, dass Karriere zunächst nur ein paar Wörter auf der Visistenkarte sind, die das Ego streicheln sollen und dass dieses nicht für jedermann erstrebenswert ist und auch nicht sein muss.
Ich persönlich bin Ingenieur und werde wohl nie Karriere machen, da das in meinem Umfeld bedeutet, von der Technik weg zu gehen, also Projektleiter, Teamleiter oder „Vertriebler“ zu werden. Ich mag es einfach mehr, meine „Baustellen“ aufzulösen, in meinem Job immer besser zu werden und am Ende des Tages auch noch Zeit und Energie für die Familie und/ oder Hobbies zu haben.
Warum sollte ich da im Ellbogenduell mit anderen, meinem persönlichen Ehrgeiz erliegen?
Aber der Artikel wirft ein eher zwispältiges Licht auf den Ansatz, wenn man „nachdem das Sparbuch aufgebraucht war“, sich mit Nebenjobs über Wasser hält?!
Karriereverweigerung ist doch eine bewusste Entscheidung und heißt nicht, dass man sich fern der eigenen Begabung und völlig leidenschaftslos durchs Leben treiben lässt (bis es dann eben zu Ende ist). Das kann’s ja auch nicht sein, oder?

Chris

04.10.2016

Für ganz harte Fälle empfiehlt sich noch das (fiktive) „Institut für Dequalifikation“ aus den immer noch lesenswerten „Hartmut und Ich“-Büchern von Oliver Uschmann

Ulrich Konrad Schweizer

06.10.2016

Heute ist es besser, man sucht sich einen Job irgendwo bei der öffentlichen Hand. Nur so hat man Gewähr für hohe Bezüge, lebenslanger Arbeitsplatz, viele Privilegien,. ….

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