Arbeit & Gesundheit

Gib Burnout keine (zweite) Chance!

Immer mehr Arbeitnehmer werden durch Burnout, Ängste, Depressionen oder andere psychische Erkrankungen lange außer Gefecht gesetzt. Der Wiedereinstieg in den Job birgt die Gefahr, in die alten Verhaltensmuster zu verfallen.

Burnout Symptome können Schlafstörungen, Kraftlosigkeit und Ängste sein

Wer einen Burn-out hatte, fällt nach der Rückkehr in den Job nicht selten in alte Verhaltensmuster zurück. Wichtig ist, Aktivitäten außerhalb der Arbeit wie Hobbys oder Sport nicht wieder zu vernachlässigen. (©Foto: Christin Klose / dpa)

Viele Menschen erkranken während ihres Berufslebens am Burnout-Syndrom. Ein hohes Perfektionsstreben, große Auslastung, viel Stress – das sind oft die Ursachen, die in Schlafstörungen, Energielosigkeit und mitunter im Burnout münden. „Oft sind es Menschen, die alles besonders gut machen wollen, die irgendwann einfach nicht mehr können»“, sagt Carola Kleinschmidt, Autorin eines Ratgebers zum Thema.

Nach Expertenmeinung ist Burnout zwar keine offizielle Diagnose. Trotzdem braucht diese Art der Depression eine Therapie. Wenn diese abgeschlossen ist, geht es wieder zurück in den Beruf. „Ziel einer Burnout-Therapie ist es nicht, den Patienten auf das ruhige Abstellgleis zu lenken“, sagt Gernot Langs, Chefarzt der Schön Klinik Bad Bramstedt und Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Vielmehr gehe es darum, dass Betroffene wieder ihre volle Leistungsfähigkeit erreichen und lernen, sie „ressourcenschonend“ zu erhalten. So gelingt der schrittweise Einstieg – für den Betroffenen und seinen Arbeitgeber.

Denn in der Regel sind Chef und Kollegen nach dem Burnout dieselben wie vorher: „Viele Patienten haben am Anfang der Therapie das Gefühl, sie müssen alles verändern“, sagt Kleinschmidt. Doch ein kompletter Neuanfang trüge zu weiterer Verunsicherung bei. Darum gehen schließlich doch viele Arbeitnehmer wieder in ihren alten Job und die alten sozialen Systeme zurück.

Ralf Stegmann, Experte für Wiedereingliederung bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, rät zu einem stufenweisen Wiedereinstieg. Der sollte sorgfältig und frühzeitig geplant werden. „Er ermöglicht, die eigene Belastungsfähigkeit wieder einschätzen zu lernen, Selbstsicherheit zu erlangen und Ängste abzubauen, etwa vor einem Rückfall oder der Überforderung.“

Eine Möglichkeit des Wiedereinstiegs ist das so genannte „Hamburger Modell“: Dabei arbeitet man zunächst wenige Stunden, während die Krankschreibung noch gilt, und kann sich so langsam wieder in seinem Unternehmen oder der Abteilung einfinden.

Der Arbeitgeber müsse die prinzipielle Bereitschaft haben, die Rückkehr zu ermöglichen, betont Langs – auch wenn der wieder gesundete Mitarbeiter weniger belastbar ist oder in eine andere Funktion wechselt. Viele Betroffene machen gute Erfahrungen damit, wenn sie sich schon im Vorfeld der Wiedereingliederung mit ihren Kollegen oder den Chefs in Verbindung setzen, sagt Kleinschmidt.

Wie offen man mit der Erkrankung umgeht, sei in jedem Unternehmen und unter den Kollegen unterschiedlich. „Das sollte man individuell entscheiden“, so Langs. Wichtiger ist Ehrlichkeit im Umgang mit sich selbst: „Man muss sich darüber bewusst sein, was den Burnout ausgelöst hat, und dementsprechende Änderungen in seinen Verhaltensweisen vornehmen.“

Zudem raten die Experten, sich selbst gegenüber achtsam zu sein und für Ausgleich zu sorgen. „Man muss herausfinden, was Energie gibt und was sie nimmt“, sagt Kleinschmidt. Viel mehr als früher sollten die Arbeitnehmer Wert auf Aktivitäten legen, die mit dem Job nichts zu tun haben.

Das hilft auch dabei, den Fallen bei der Rückkehr in den Job auszuweichen. So sollte man nicht zu schnell wieder einsteigen, aber auch nicht zu lange warten, rät Stegmann. Die Motivation müsse stimmen, aber auch die Vorbereitung, ergänzt Kleinschmidt.

1 Kommentare

Ulrike Holtzem

15.09.2016

Burn-out ist in aller Munde und diese Tipps findet man häufig. Was allerdings gerne vergessen wird: Auch unser Wohn- und Arbeitsumfeld, unsere Räume und nicht zuletzt das Thema Elektrosmog tragen ganz entscheidenden Anteil an unserem Stress und dadurch auch an einem möglichen Burn-out. Wer also nachhaltig etwas dagegen tun möchte sollte auch die Räume untersuchen lassen – speziell den Schlaf- und den Arbeitsplatz! Hier verbringen wir viele Stunden am Tag, sodass die „Güte“ dieser Plätze extrem wichtig für unser Wohlbefinden und die sog. „Resilienz“ …