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Arbeit & Sinn

Wie wir mit Äpfeln Gutes tun

Vor gut sieben Jahren saß ich im Garten unter einem Apfelbaum, sah die reifen Früchte und dachte: „So viele Äpfel … und die meisten verrotten oder werden zu Kompost. Wir können gar nicht so viel Apfelkuchen, -mus und -gelee für Familie und Freunde machen, damit diese Mengen sinnvoll genutzt werden.“ Die Idee war naheliegend: Das Geld hängt an den Bäumen!

Dann kam mir der Gedanke, wie man diese ungenutzten Ressourcen einsetzt und gleichzeitig Menschen hilft. Und eines war klar: „Das Geld hängt an den Bäumen“ sollte kein gewöhnliches Unternehmen werden, bei dem Gewinnmaximierung und Shareholder-Value im Mittelpunkt stehen. Durch Inklusion von sozial Benachteiligten und die Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen wurde der Traum, die Welt ein Stückchen besser zu machen, in die Tat umgesetzt – mein persönliches Utopia.

Es ging also los. Zuerst wollte ich Arbeitslose aus meinem Stadtteil einbinden, denn die meisten Menschen denken ja: Ich möchte etwas Sinnvolles tun! Andere dachten nicht so. Als ich das erste Mal die Idee einem größeren Publikum vorstellte, gab es Buhrufe, und man machte mir den Vorwurf, dass ich die Menschen ausnutzen und persönlichen Profit daraus schlagen wolle. Dies war auch der Zeitpunkt, an dem ich mich entschlossen hatte, ausschließlich ehrenamtlich für die Firma zu arbeiten.

Ich stellte fest: Die Welt zu verbessern ist gar nicht so einfach. Aber aufgeben? Niemals! Also versuchte ich, im nächsten Anlauf Menschen mit Behinderung aus den Winterhuder Werkstätten (heute Elbe-Werkstätten) eine sinnvolle Tätigkeit zu verschaffen. Mit ihnen sammelte ich bei Freunden und Nachbarn Äpfel, und wir verarbeiteten sie zu Saft. Ein erster Erfolg!

Ein Problem ergab sich jedoch, mit dem wir nicht gerechnet hatten. Wir hatten die falschen Flaschen und Verschlüsse gewählt, sodass der Saft nicht sehr lange haltbar war. „Das ist das Lehrgeld, das man zahlt. So etwas passiert einmal und nicht wieder“, dachte ich.

Ein kleiner Kreis von Freunden, Nachbarn, Sponsoren und Kunden hatte von dem Projekt erfahren, und wir bekamen viel Lob sowie die ersten Kunden, die bis heute bestellen.

simon als barkeeperIm nächsten Schritt präsentierten wir unsere Idee der Stadt Hamburg. Es gibt viele städtische Streuobstwiesen, auf denen große Mengen Äpfel ungenutzt bleiben. Das Amt für Naturschutz fand die Idee auch gut. Die Mühlen mahlten nicht, dem bekannten Vorurteil entsprechend, langsam, sondern wir erhielten schnell eine Genehmigung und immer wieder Unterstützung für unser Vorhaben.

Jetzt hatten wir Zugriff auf jede Menge Äpfel, stellten mehr Saft her und konnten den ersten festen Mitarbeiter einstellen. Heute sind es zehn.

Mir wurde klar, dass zu einem sympathischen Unternehmen mit einer schönen Geschichte auch innovative Produkte gehören. So entwickelten wir Getränke, die nicht auf jeder Speisekarte stehen. Unseren Apfelsaft aus verschiedenen Sorten mischten wir mit purem, feinstem Direktsaft aus der Region: Holunder, Johannisbeere, Birne und Rhabarber. Eine leckere Produktpalette ganz nach unserem Motto „Lokal, sozial, nachhaltig“ war entstanden.

Im Jahr 2016 kamen Olaf, Simon und Samuel dazu. Neue Mitarbeiter? Nein, die Jungs sind schon länger bei uns, aber jetzt wurden die Saftschorlen nach ihnen benannt. Apfel-Rhabarber-, Apfel-Johannisbeer- und Apfel-Schorle wurden mit ihren Namen und Fotos verziert.

Sichtbarkeit, Wertschätzung und ein gesunder Umgang mit Mensch und Natur sind unsere Werte. Deshalb haben wir im letzten Jahr damit begonnen, eigene Streuobstwiesen anzulegen und sogar Rhabarber anzubauen. Hierbei benötigen wir dringend Unterstützung. Gern können Sie uns mit einer Geldspende oder an einem „Social Day“ mit Freunden und Kollegen helfen, damit wir unsere Geschichte weiterschreiben können.

Autor: Jan Schierhorn, Gründer von „Das Geld hängt an den Bäumen“

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3 Kommentare

Christoph Wandel

21.07.2016

Sehr schön!
Als LOGL Fachwart Obst und Garten kann ich dem nur zustimmen, was Sie machen.
Und dabei haben Sie womöglich auch noch Saft mit Bio-Qualitäten im Angebot… Denn ich kann mir kaum vorstellen, dass bei den bislang vernachlässigten Beständen nennenswert (teure) synthetische Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurden.
Machen Sie bitte weiter.

Dirk Bülow

21.07.2016

Dieses Unternehmen macht einfach Spaß! Wir von “ Spiegel und Pohlers“ versuchen jede Aktion von Jan und seinen Leuten zu unterstützen! Die Energie, die in seinen Mitarbeitern steckt ist gigantisch! Ach ja, und die Produkte machen süchtig!

Jan Schierhorn

21.07.2016

Moin Herr Wandel, vielen Dank! Es ist vollkommen richtig, dass die Wiesen die wir abernten dürfen größtenteils seit Jahrzehnten nicht ‚behandelt‘ wurden. Dennoch müssen wir auf eine Bio-Zertifizierung verzichten, da die Wiesen und Grundstücke häufig sehr klein sind und sich der Aufwand einer Zertifizierung sich schlichtweg nicht lohnen würde. Daher halten wir es wie der alte Herr Hipp und stehen mit unserem Namen für das ein, was wir anbieten: 1a Saft. Gruß, Jan Schierhorn

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