Neue Führung

Aufgesetzt und unpersönlich: die typischen Fehler junger Chefs

Jeder kennt das: Kaum ist er als neuer Vorgesetzter im Amt, verändert sich der sonst so nette Kollege. Aber warum werden viele junge Chefs so hektisch und unnahbar?

Richtige Kommunikation mit den Mitarbeitern ist nicht jeder Führungskraft Sache (©Foto: iluistrator / Shutterstock)

Richtige Kommunikation mit den Mitarbeitern ist auch ein Problem vieler junger Führungskräfte (©Foto: iluistrator / Shutterstock)

Wer zum ersten Mal zur Führungskraft befördert worden ist, muss sich in seine neue Rolle oft erst einfinden. Die Bundesagentur für Arbeit weist in ihrem Magazin „Faktor A – Das Arbeitgebermagazin“ auf typische Anfängerfehler hin.

Nicht authentisch sein: Lief unter dem bisherigen Chef alles gut und war dieser etwa 20 Jahre im Amt, haben viele junge Führungskräfte riesigen Respekt. Hier gilt: Man kann jemand anderen nicht kopieren. Junge Chefs sollten versuchen, bei sich zu bleiben und authentisch zu sein. Am besten schaut man sich erst einmal in Ruhe die Abläufe in der Abteilung an – und konzentriert sich dann zuerst darauf, die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen zu verbessern. Dann haben Mitarbeiter nicht gleich Angst, dass sich alles ändert.

Alles selber machen: Führungskräfte sind für die Leistung des ganzen Teams verantwortlich. Sie sollten deshalb nicht anfangen, Fachaufgaben zu übernehmen, wenn einzelne Mitarbeiter schwächeln. Viele haben allerdings diesen Impuls, wenn etwas nicht rund läuft. Hier sollte man sich klarmachen: Ein gutes Team muss auch dann funktionieren, wenn der Chef mal im Urlaub ist.

Unpersönlich sein: Es gibt so viel zu tun – junge Führungskräfte tendieren daher gerade am Anfang oft dazu, sich voll und ganz auf die fachlichen Fragen zu konzentrieren. Stattdessen sollte man sich unbedingt die Zeit nehmen, alle persönlich kennenzulernen. Der erste Eindruck kann sich dauerhaft auf die Arbeitsbeziehung auswirken.

14 Kommentare

Kompetenz.Persönlich.Gestalten.

19.07.2016

Ein schöner Beitrag. Kurz und prägnant.

Fontanelli

19.07.2016

Diese Aussage kann ich nur unterstützen. Oft ist „sich Zeit nehmen“ in der heutigen Wirtschaftswelt nicht opportun. Schnelle Resultat sind gefragt. Jedoch zu welchem Preis oder mit welchem Kollateralschaden?

Thomas Albert Klein

19.07.2016

Wirkungsvolle -weil glaubwürdig agierende- Führungskräfte bemühen sich stets darum „Vorbild in Haltung und Handlung“ zu sein. In meinem über 40jährigem Berufsleben habe ich leider nur 2 (!) Chefs erlebt, die diesem Anspruch genügten. Dienstjunge Führungskräfte sollten von ihren eigenen Chefs immer immer eine sehr erfahrene (und selbst erfolgreiche) Führungskraft als Ratgeber zur Seite gestellt bekommen.

Dr. Peter Seiler

19.07.2016

Alles was in dem Artikel steht ist absolut richtig. Es fehlt aber ein entscheidender Punkt: Junge Chefs fehlt vor allem die Erfahrung (ist auch logisch, wo soll die den her kommen). Damit regieren und reagieren sie vor allem mit dem Faktor Angst: Angst etwas falsch zu machen, Angst zu menschlich zu sein, Angst eine Entscheidung zu treffen. Das kompensieren sie meistens mit Druck, ja Unmendschliches Verhalten, nach dem Motto: so hart wie möglich dann merkt niemand dass ich… Ältere Chefs ruhen in sich, haben die Erfahrung, sind einfach souverän, haben leiten gelernt.
Das ist das Hauptproblem bei jungen Chefs. Wenn Firmen wieder zurückkehren zu einem vernünftigen Karriereplan, der einerseits fachliche Gegebenheiten, aber auch Führungskompetenz beinhaltet, wird die Unzufriedenheit in Betrieben auch abnehmen. Heute werden jungen Leute in Führungspositionen gehoben, die sie zwar von Ihrer fachlichen Qualifikation, aber nicht von Ihrer menschlichern Reife ausfüllen können. Oft haben sie nie Führungsverantwortung gehabt und sollen plötzlich einen Bereich mit vielleicht 30 Leuten leiten, mit Unterstrukturen womöglich noch. Das ist schlichte Überforderung und führt zu Stress bei der Person und den Mitarbeitern.

Waldtraud Ecker

19.07.2016

Hr. Dr. Peter Seiler ich stimmen Ihnen aus eigener Erfahrung zu. Spezielle ihr Schlusswort erklärt vieles.

Karl Dilly

19.07.2016

Karl Dilly
19.07.2016

Lt. Fredmund Malik in „Führen, Leisten, Leben“ verlassen 9 von 10 Hochschulabsolventen die Hochschule ohne auf das vorbereitet zu sein, wofür sie später verantwortlich sind – für den erfolgreichen Umgang mit MitarbeiterInnen“, dem Humankapital – dem mit weitem Abstand größten Unternehmenswert schlechthin. Gelehrt und gelernt wird nach wie vor das, womit die Hochschulen Erfahrung haben, was sich leicht von Jahr zu Jahr vortragen und, was den Lernerfolg betrifft, mit Checklisten beurteilen lässt, die FACHKOMPETENZ. Der Vorlauf für diesen Lehr- und Lernschwerpunkt liefern die allgemeinen Schulen. Als einige um die Ganzheitlichkeit des Lernens für das selbstverantwortliche Leben besorgte Bildungsfachleute laut darüber nachdachten, über sog. Kopfnoten zu spiegeln, wie es um die SchülerInnen in der Selbst- und SozialKompetenz bestellt ist, bezogen LehrerInnen mit Trillerpfeifen vor dem Bildungsministerium in Düsseldorf Stellung. Siemachten trillernd auf ihren eigenen Unverstand aufmerksam. Kurzum, die Beförderung zur Führungskraft lehnt niemand ab, weil er das Führen von Menschen erst noch lernen will. Müsste er aber. Führen ist keine oft mystifizierte Begabung, Begabung kann helfen. Führen ist Handwerk, führen kann man lernen, führen muss man lernen, ansonsten führt man nicht(s).

Michael Messer

19.07.2016

Personelle Leitungswechsel sind eigentlich eine strategische Unternehmensaufgabe.
Die neue Leitungskraft mit all Ihren natürlichen Unsicherheiten sollte nicht einfach nur befördert beziehungsweise eingestellt werden. Ähnlich wie bei M&A-Projekten oder bei der
Unternehmensnachfolge macht etwas wie Due Dilligence, mit Workshops, Coaching Sinn.
Sonst bleiben vor den psychologischen Auswirkungen, die Wechsel immer haben, die Chancen, die sie bieten, weitgehend ungenutzt.

changeit

19.07.2016

Tja, die Erfahrung hat auch mich gelehrt, dass gute=souveräne Chefs selten anzutreffen sind. Nun versuchen wir, mit guten Ratschlägen junge Menschen in ein ausgedientes System von Chef und Untergebenen einzunorden…
Ob das klappen wird, wo wir doch wissen, dass Mitarbeiter weder ständig „geführt“ werden wollen, mit Erfolgsdruck und Prämien nicht motiviert werden können, sich innerlich verabschieden, wenn Anspruch und Wirklichkeit in der Unternehmenswelt zu weit auseinander liegen, Chefs professionell und menschlich nicht überzeugen usw. usw. Wir sollten diese Erkenntnisse mal durch andere Formen der Zusammenarbeit umsetzen, dann sind Manager nicht so furchtbar gestresst, Mitarbeiter nicht so frustriert und wenn wir mal ganz nach oben an die Unternehmensspitze schauen, hätten wir vielleicht sogar ein Korrektiv? Ich kenne kaum eine/n, die/der nicht freudig mitarbeitet, wenn er/sie respektvoll als Mitarbeiter mit seiner Kompetenz und Urteilsfähigkeit anerkannt im Team arbeiten kann.

Botthof

19.07.2016

Führung in der heutigen Zeit ist nicht einfach. Sie ist geprägt durch zunehmende Komplexität, hohe Dynamik, enormen Zeitdruck und Mitarbeitern mit hohen Ansprüchen. Um so mehr müssen Führungskräfte (insb. junge) auf diese Aufgaben vorbereitet werden. Leider wird diese oft erst dann gemacht, wenn die ersten Probleme auftreten. Machen wir uns klar: Zufriedene Mitarbeiter leisten mehr und sorgen für ein tolles Betriebsklima. Gute Führung ist daher ein wesentlicher Motivationsfaktor. Führung bedeutet gemeinsam mit Menschen in einem arbeitsteiligen Prozess an Zielen des Unternehmens zu arbeiten. Führung ist die Steuerungsaufgabe in diesem Prozess. Um diese Aspekte gut ist Griff zu haben, ist Kommunikation ein wichtiger Erfolgsfaktor. Redet miteinander !!!

Mario Zinserling

19.07.2016

Woher sollen die „Führungskräfte“ denn wissen, was auf sie zukommt?
Soziale Kompetenz gehört weder zum BWL- noch zum Ingenieurs-Studium.
Den meisten würde es gut tun, wenn sie erstmal selbst die Gelegenheit hätten, zu Arbeiten und etwas zu leisten.
Wenn sie dann Führungsverantwortung bekommen, wissen sie zumindest, was ihre Mitarbeiter eigentlich so treiben.

Detlef Hillebrecht

19.07.2016

Ein sehr guter Beitrag den ich selber in der Art auch schon erlebt habe.

Ralph Eichner

19.07.2016

Liegt zum größten Teil daran, dass es in Deutschland keine wirklich gut organisierte Führungsausbildung gibt. Es werden angehenden Führungskräften nicht – wie Gang und Gäbe z. B. in der Offiziersausbildung – von der Pike auf diverse Führungswerkzeuge- und Stile vermittelt, was wohl mit unseren, stets auf’s neue heraufbemühten „historischen Gegebenheiten“ zu tun hat …
Andererseits unterhält Frankreich z.B. veritable und effiziente „Eliteschmieden“, deren Wirkung aber ökonomisch im sozio-politischen Umfeld versickern. Also: Führung ist nicht alles: die Subsidiarität des einzelnen Mitarbeiters bringt’s! Und damit sind wir hier in Deutschland gesegnet: letztendlich stehen wir im internationalen Umfeld aufgrund der gelebten Eigenverantwortlichkeiten der Mitarbeiter so gut da. Der Kooperative Führungsstil wird da also mehr „von unten“ gelebt – als von „oben“. Diverse „Premium“-Unternehmen da mal ausgenommen …

Susanne Hövelman

19.07.2016

Führen kann nur, wer sich in Menschen einfühlen kann und wirklich an „seinen“ Mitarbeitern interessiert ist. Nur wer auch weiß, was sie machen, leisten und wo ihre Potenziale liegen, kann sie vernünftig zu Leistung anspornen und fördern. Nur Fachwissen und ein Studium reichen bei weitem nicht aus! Der Mensch zählt bei den Mitarbeitern viel mehr. Stimmt die Person nicht, merken die Mitarbeiter kein wirkliches Interesse und nur „Herrschaftsmentalität“, hilft kein im Coaching angelerntes Verhalten. Das kennen „einfache“ Mitarbeiter mittlerweile zu Genüge, durchschauen es und empfinden Ablehnung. Die Folge ist dann Dienst nach Vorschrift und damit Verluste für das Unternehmen.

Martin

20.07.2016

Nett geschrieben, aber leider auch nicht alles. Autenthisch sein und Aufgaben abgeben ist auch noch keine Führung. Dazu bedarf es vor allem heutzutage vieler Fähigkeiten. Leider machen die Firmen oft den Fehler fachliche Experten zu Führungskräften zu befördern. Fachliche Karrierren bieten die Unternehmen auch nicht – d.h. wer weiterkommen will MUSS Leute führen.

1.) Ist Führung ein Handwerk, das gelernt werden muss (-> Malik wurde schon genannt)
2.) Ist es manchmal besser, wenn fachliche Experten bei ihrem Fach bleiben