Arbeitsplatz Deutschland

Druck und Fehlmanagement verursachen mehr Überstunden denn je

Immer häufiger schieben Arbeitnehmer in Deutschland Überstunden, die meisten davon bleiben unbezahlt. Experten sehen die Ursache im wachsenden wirtschaftlichen Druck der Unternehmen.

In Deutschland haben Arbeitnehmer nach Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit im vergangenen Jahr insgesamt 1813 Millionen Überstunden geleistet. (©Foto: Oliver Berg / dpa)

In Deutschland haben Arbeitnehmer nach Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit im vergangenen Jahr insgesamt 1813 Millionen Überstunden geleistet. (©Foto: Oliver Berg / dpa)

Der Berg an Extraarbeit wächst: Beschäftigte in Deutschland haben im vergangenen Jahr mehr Überstunden geleistet als zuvor, der Wert stieg im Vergleich zu 2014 um etwa 1,2 Prozent auf 1813 Millionen Stunden. Da es insgesamt aber mehr Jobs gab, blieb der Schnitt pro Arbeitnehmer in etwa gleich – etwa 21 bezahlte und 26 nicht bezahlte Extrastunden gab es pro Kopf 2015. Dies geht aus einer Statistik des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor, das für die Bundesagentur für Arbeit forscht.

Mehr als die Hälfte der Überstunden war also unbezahlt. Der Statistik zufolge fielen im vergangenen Jahr 816 Millionen bezahlte Überstunden an, das waren 18 Millionen mehr als 2014. Nicht entlohnt wurden 997 Millionen Überstunden, vier Millionen mehr als ein Jahr zuvor. Bei den unbezahlten Extraschichten war der prozentuale Anstieg also niedriger als bei bezahlter Zusatzarbeit. Auf einen Arbeitnehmer heruntergerechnet ergibt sich ein Schnitt von 21,1 bezahlten Überstunden pro Jahr und 25,7 nicht bezahlten Extrastunden.

„Der Arbeitstakt ist unglaublich hoch geworden“

Der leichte Trend zu mehr unbezahlten Überstunden setzte sich 2016 fort – den Angaben zufolge entfielen auf das erste Quartal 254 Millionen Stunden Arbeit außerhalb regulärer Zeiten, vier Millionen mehr als im ersten Quartal 2014.

Der Arbeitssoziologin Sabine Pfeiffer von der Universität Hohenheim bestätigte den Trend zur intensiveren Arbeit. „Der Takt ist unglaublich hoch geworden und vieles kann nur noch erledigt werden, indem Beschäftigte die Arbeitszeit ausweiten„, so Pfeiffer. Ein auf rasche Ergebnisse fixiertes Management und der sich verschärfende wirtschaftliche Druck führten oft dazu, dass das nötige Arbeitsvolumen nicht mehr realistisch eingeschätzt und eingeplant werde.

1 Kommentare

Carsten

29.01.2017

Ich erlebe in der Entwicklungsabteilung meines derzeitigen Arbeitgebers eine ganz andere Quelle von Überstunden. Der Firma geht es wirtschaftlich sogar blendend. Das Problem liegt in der mangelnden Qualität der Arbeitsergebnisse der Entwicklungsabteilung durch jahrelang vernachlässigte Weiterbildung, durch fehlende Werkzeuge und Methoden sowie Spezialisierung der Entwickler. Die Folge ist ein riesiger Berg „technischer Schulden“, der einen immer größer werdenden Personaleinsatz erfordert um Projekte bei steigender Komplexität überhaupt noch stemmen zu können. Immer wieder werden Wochenend-Einsätze angeordnet um kritische Fehler zu beseitigen und Produkthaftungsfälle abzuwenden. Seitens des Managements keine Bekenntnisse zur Modernisierung. Man ruht sich auf dem äußeren Erfolg der Firma aus und sieht nicht (oder will nicht sehen), dass innen alles den Bach runter geht!