Dialog Arbeiten 4.0

Digitale Nomaden, Youtube-Stars und Pflegeroboter - die Futurale-Filme

Das Filmfestival Futurale* zeigt Trends der Arbeitswelt der Zukunft, innovative Lebensentwürfe und traditionelle Unternehmen, die sich auf neue Wege begeben. Diese sieben spannenden Dokumentarfilme gibt es zu sehen.

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DIGITALE NOMADEN – DEUTSCHLAND ZIEHT AUS

Regie: Tim Jonischkat
Deutschland 2015, 70 Min.

Viele Dienstleistungen können mittlerweile Dank digitaler Arbeitsmittel von jedem Ort aus und zu jeder Zeit ausgeübt werden. Digitale Nomaden nutzen diese neuen Freiräume, arbeiten absolut ortsunabhängig und bestreiten mit digitalen Dienstleistungen ihren Lebensunterhalt. Mit dem ersten deutschsprachigen Dokumentarfilm gibt Tim Jonischkat einen Einblick in einen – sicherlich extremen – und interessanten Aspekt von Arbeiten 4.0: die Bewegung des ortsunabhängigen Lebens und Arbeitens.
Der Film erzählt die Geschichten von fünf etablierten digitalen Nomaden in Deutschland, begleitet von Autor Thorsten Kolsch, der für sich selbst herausfinden möchte, ob dieses Lebensmodell das richtige für ihn ist. Wie wird man digitaler Nomade? Was bedeutet Heimat, wenn man dauernd umherreist? Was macht das mit den sozialen Kontakten? Stößt der oftmals propagierte Idealismus nicht schnell seine Grenzen und trifft dabei auf die schwierig zu meisternde Wirklichkeit?

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IK BEN ALICE (ICH BIN ALICE)

Regie: Sander Burger
Niederlande 2015, 80 Min.

Einer älter werdenden Bevölkerung stehen begrenzt Fachkräfte in der Pflege zur Verfügung. Eine Antwort skizziert der soziale Roboter als mögliches Element in der Pflege für ältere Menschen – pflegend, unterhaltend, kommunikativ, lernend. Der weltweit auf Festivals gezeigte Dokumentarfilm IK BEN ALICE begleitet in Amsterdam das Projekt einer interdisziplinär aufgestellten Gruppe aus Wissenschaftlern, Pflegefachkräften, Angehörigen und Senioren beim prototypischen Einsatz des „Sozialroboters“ Alice.
Alice wurde entwickelt, um den wachsenden Anforderungen an die Pflege älterer Menschen, die einsam sind und an Demenz leiden, gerecht zu werden. Mit Hilfe von Pflegefachkräften und Angehörigen wollen die Forscher herausfinden, wie ein solcher emotionaler Roboter mit Senioren kommunizieren und auf sie reagieren kann, um die Auswirkungen von Einsamkeit und Demenz im Alter abzumildern. Das Zusammenleben mit dem Robotermädchen bleibt nicht ohne Wirkung auf die älteren Damen und so überrascht der Ausgang des Experiments alle Beteiligten.
IK BEN ALICE ist ein ergreifender, oftmals herzzerreißender und moralisch durchaus verwirren-der Dokumentarfilm, der das Thema Automatisierung von einer völlig neuen Seite aus beleuchtet und dabei den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

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SILICON WADI – A HIGHTECH SOAP OPERA

Regie: Daniel Sivan, Yossi Bloch,
Israel 2014, 90 Min.

SILICON WADI wirft einen Blick auf das Silicon Wadi rund um Tel Aviv, der zweitwichtigsten Hightech-Region nach dem Silicon Valley in Kalifornien. Der israelische Dokumentarfilm begleitet vier junge Unternehmen und ihre Förderer in Tel Aviv – von der Idee über die Präsentation vor potentiellen Investoren, von geplanten Aktionen zu Verzweiflungstaten, von Euphorie bis Resignation – zu neuer Idee mit Beginn des gleichen Zyklus. Dabei bleibt für sie viel auf der Strecke: Partner und Familienangehörige fühlen sich vernachlässigt, erspartes Geld muss aufgebraucht werden und manch einer muss sich eingestehen, mit Mitte dreißig noch immer auf die Hilfe der Eltern angewiesen zu sein. Der Film dokumentiert, was die Gründer antreibt, bewegt, verletzt und freut. Er zeigt, welche Kämpfe und Anstrengungen hinter den Innovationen stecken, die Arbeiten 4.0 mitprägen und die Zukunft der Arbeit verändern.

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DEINE ARBEIT, DEIN LEBEN!

Regie: Luzia Schmid
Deutschland 2015, 60 Min.

Neun Millionen: So viele Menschen arbeiten in Nordrhein-Westfalen. Mit ihrer Arbeit machen sie ihre Heimat zur stärksten Wirtschaftsregion Deutschlands. In dem einzigartigen, crossmedialen Projekt DEINE ARBEIT, DEIN LEBEN! erzählt der WDR, was Arbeit in einem traditionellen Industrieland wie NRW heute bedeutet. Und das so authentisch und direkt wie möglich: aus der Perspektive der Menschen selbst.
Aus mehreren hundert selbst gedrehten Videos entstanden ein Dokumentarfilm, eine berührende, lustige, spektakuläre, aber auch nachdenkliche Momentaufnahmen aus dem Arbeitsalltag der Menschen – für die einen mehr lästige Pflicht wie für die Möbelpacker aus Bonn, für die anderen Berufung wie für den „Robo-Doc“, der in einer Autofabrik dafür sorgt, dass die Montageroboter nie still stehen. Im Sinne von Arbeiten 4.0 zeigt DEINE ARBEIT, DEIN LEBEN!, dass nicht nur neue Technologien die Arbeitswirklichkeit verändern, sondern auch die gesellschaftlichen Ansprüche an die Arbeitswelt einem steten Wandel unterliegen.

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MEIN WUNDERBARER ARBEITSPLATZ

Regie: Martin Meissonnier
Frankreich 2014, 85 Min.

Eine Studie des BMAS kommt zum Ergebnis, dass die Mehrzahl der Führungskräfte in Deutschland die heutige Führungspraxis für nicht mehr zeitgemäß hält. Viele Angestellte sind frustriert, fühlen sich wie kleine Rädchen in der Maschinerie von Großkonzernen im Kontext globaler Konkurrenz oder auch wie Spielbälle im öffentlichen Dienst, dessen strenge Budgetpolitik ständig zu neuem Personalabbau führt.
Um Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Freude an ihrer Arbeit zurückzugeben, experimentieren viele Unternehmen mit innovativen Konzepten. Es zeigt sich: fast überall liegen die Schlüssel zum Erfolg in einer grundlegenden Neuorganisation: Auflösung hierarchischer Pyramidenstrukturen, Gleichbehandlung aller Beschäftigten, Abschaffung von Kontrollen und Chefposten, unterschiedlichste Arbeitsplatz- und -zeitmodelle und umfassender Informationsaustausch.
MEIN WUNDERBARER ARBEITSPLATZ zeigt, wie es den französischen Unternehmen Poult, Favi und Chronoflex, dem belgische Sozialministerium, dem indischen Großkonzern HCL und Harley-Davidson gelungen ist, die Arbeit in ihrer Organisation so zu gestalten, dass nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zufriedener sind, sondern auch die Unternehmen profitieren. Ein inspirierender Film, der Mut macht, auch über die eigene Arbeitssituation nachzudenken.

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PLEASE SUBSCRIBE

Regie: Dan Dobi
USA 2013 , 77 Min.

Schon jetzt ist YouTube nach Google die zweitgrößte Suchmaschine der Welt. Jeden Tag klicken Nutzer rund vier Milliarden Videos an, pro Minute werden Hunderte Stunden Videomaterial hochgeladen. PLEASE SUBSCRIBE erklärt das Phänomen einiger der einflussreichsten Content-Ersteller, die den Standard für YouTuber geprägt haben und zeigt, dass User Generated Content mittlerweile big business ist: Der bestverdienende Youtube-Star, PewDiePie, verdiente im Jahr 2015 bereits 12 Mio. U$.
Gegenüber dem klassischen Fernsehen haben die Stars im Netz einen entscheidenden Vorteil: Sie können prinzipiell machen, was sie wollen. Sie können fast alles ausprobieren, neue Formate entwickeln und Ideen umsetzen, ohne dass ein Chef, Regisseur oder Programmleiter ihnen reinredet.
Der Film untersucht, welche ‚Reise‘ die Kreativen genommen haben, um da zu sein, wo sie heute sind, was ihre Relevanz ausmacht, ihre persönliche Triebfeder ist. Und was es im Alltag bedeutet, ein YouTuber zu sein. Der Film bereichert die Debatte zu Arbeiten 4.0 mit der Entstehungsdokumentation einer völlig neuen Unterhaltungsindustrie. Einer neuen Branche, die innerhalb weniger Jahre die Welt der Medien auf den Kopf gestellt hat, von der aber niemand weiß, wie lange sie Bestand hat.

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PRINT THE LEGEND

Regie: Luis Lopez, Clay Tweel
USA 2014, 98 Min.

Die preisgekrönte Dokumentation PRINT THE LEGEND von Luis Lopez und Clay Tweel wirft einen Blick auf das Rennen um die Marktführung im Bereich 3D-Druck, die Barack Obama bereits in seiner 2013 gehaltenen “State of the Union Address” als nächste technische Revolution bezeichnete. Die Filmemacher porträtieren Entrepreneure und Unternehmer, die 3D-Technologie in den Mittelpunkt ihrer Gründungsidee stellen.
Im kritischen Fokus des Films steht neben anderen Unternehmen die in Brooklyn angesiedelte Firma MakerBot Industries. Erst 2009 unter anderem vom Hacker-Aktivist und Kopf der ‚Maker‘-Bewegung Bre Pattis gegründet, hatte MakerBot sich dank seines revolutionären RepRap-Ansatzes und der späteren Kooperation mit Nokia zur Selbstherstellung von Smartphonehüllen durch Kunden zu einem Branchenführer entwickelt, bevor es 2013 für 600 Millionen Dollar von Stratasys übernommen wurde. Auch Cody Wilson wird interviewt, der es seit Mai 2013 durch den kontroversen 3D-Druck von Waffen zu fragwürdiger medialer Berühmtheit gebracht hat.
Die Dokumentation zeichnet ein sehr vielschichtiges Bild der neuen Technologie und interessiert sich für die Identifizierung eines “Steve Jobs” 2.0 ebenso wie für den 3D-Druck als technologischem Ansatz. Im Rahmen von Arbeiten 4.0 gewährt der Film einen interessanten Einblick in eine potentielle Arbeitswelt der Zukunft. Er wirft relevante Fragen zu Unternehmenskultur und den Auswirkungen technischer Innovationen auf den Alltag auf. Und dabei vermittelt er das schöne Gefühl, quasi live eine weitere technische Revolution zu begleiten.


*Über die Futurale:  Das Futurale-Filmfestival ist Teil des Dialogprozesses Arbeiten 4.0, den das Bundesministerium für Arbeit und Soziales mit dem Grünbuch Arbeiten 4.0 im April 2015 begonnen hat. Die Futurale ist ein reisender Dialogprozess mit Panels von regionalen Experten und dem Publikum darüber, wie wir in Zukunft arbeiten wollen und welche Spielregeln es dafür braucht. Jeweils im Anschluss an die Filmvorführungen diskutieren Expertinnen und Experten aus der Region mit den Zuschauern – so wird in etwa 175 Veranstaltungen das Thema Arbeiten 4.0 ganz unterschiedlich beleuchtet. Wie wollen wir in Zukunft arbeiten? Und welche Spielregeln braucht es dafür? Die Anregungen aus diesem Diskussionsprozess werden vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales aufgenommen und für das Weißbuch Arbeiten 4.0 berücksichtigt. Es soll als Blaupause dienen für die Arbeitswelt der Zukunft.

Mehr Informationen zum Futurale Film Festival finden Sie hier.

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