Coaches: Begehrte Wegbereiter

In Deutschland setzen immer mehr Unternehmen, aber auch Mitarbeiter aus eigenem Antrieb auf die Hilfe von Coaches. Die große FOCUS Network-Studie zeigt die Vielfalt des Marktes und präsentiert eine Auswahl der Top-Coaches.

Sandra Assadi erlebt derzeit einige Überraschungen: Seit April dieses Jahres absolviert die Marketingleiterin von Kabel eins ein unternehmensinternes Coaching-Programm von Pro7Sat1, fünf Sitzungen je zwei Stunden. „Aus jeder Einheit habe ich bisher überraschende und hilfreiche Erkenntnisse mitgenommen“, erzählt die 37-Jährige.

„Die Sitzungen sind sehr fordernd“

Es ist harte Arbeit, die in den zwei Stunden mit dem Coach anstand: „Man geht in so einen Termin nicht mit einer Konsumhaltung rein“, betont die Managerin. Vielmehr habe sie der Coach immer wieder zum Nachdenken und Nachempfinden von Situationen animiert, an denen sie arbeiten wollte. „Die Sitzungen sind sehr fordernd“, gibt die Mainzerin zu.

Assadi ist dennoch froh, dass ihr der Arbeitgeber die Chance bietet, sich coachen zu lassen. Schon nach zwei Einheiten, betont sie, „spüre ich, dass ich davon profitiere“, – beispielsweise in bestimmten Gesprächssituationen mit Kollegen und Mitarbeitern.

Wie Pro7Sat1 bieten inzwischen immer mehr Unternehmen in Deutschland ihren Führungskräften individuelle oder Gruppen-Coachings an. „Die Anforderungen an Vorgesetzte steigen, sie stehen oft unter hohem Druck und müssen permanent Leistung bringen“, beobachtet Thomas Vollmoeller, CEO des Hamburger Karrierenetzwerks XING. Viele Führungskompetenzen würden von den Arbeitgebern einfach vorausgesetzt, dabei mangele es oft an ganz banalen Fähigkeiten. „Ein Coaching kann Lücken schließen und helfen, einen authentischen und damit erfolgreichen Führungsstil zu entwickeln“.

Neben den Arbeitgebern lassen sich immer mehr Mitarbeiter aber auch auf eigene Faust von Coaches beraten. „In der heutigen Arbeitswelt stellen sich zunehmend mehr Menschen die Frage, ob der Job eigentlich zu ihrem Leben passt – Coaches helfen dabei, auf diese Frage eine individuelle Antwort zu finden“, ist Vollmoeller überzeugt.

Dank der großen Nachfrage wächst die Branche seit 2013 zwischen drei und fünf Prozent pro Jahr. Derzeit sind in Deutschland mehr als 10000 Coaches tätig – rund 60 Prozent als Einzelkämpfer. Viele von ihnen haben einen wirtschaftlichen oder psychologischen Ausbildungshintergrund. „Es kommen aber auch etliche aus den Bereichen Jura und Medizin“, stellt Christopher Rauen fest. Der Vorsitzende des Deutschen Bundesverbandes Coaching (DBVC) schätzt diese verschiedenartigen Werdegänge sehr: „Kann ein Coach Kompetenzen aus unterschiedlichen Bereichen verknüpfen, arbeitet er interdisziplinär – ein großer Vorteil für seine Kunden“.

Unübersichtlicher Coachingmarkt

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Lernt sich bei ihrem Coaching quasi neu kennen: Sandra Assadi, Marketingleiterin Kabel eins

Da der Coaching-Markt ein recht junger Wirtschaftszweig in Deutschland ist, präsentiert er sich noch stark fragmentiert und unübersichtlich: Verschiedenste Qualifikationswege, Methoden und Arbeitsweisen erschweren es potenziellen Kunden den passenden Ansprechpartner für sich zu finden. Um das Segment für Interessierte transparent zu machen, führte FOCUS Network gemeinsam mit XING Coaches und dem Hamburger Datenunternehmen Statista im Frühjahr 2016 eine Studie durch, die Deutschlands Top-Coaches ermittelte. Network präsentiert in Ausgabe 28/2016 eine Auswahl der Top-Coaches, unter coaches.xing.com/topcoach ist die vollständige Liste mit ca. 500 Top-Coaches in 15 Kategorien zu finden. XING Coaches ist derzeit die größte Coaches-Plattform im deutschsprachigen Raum. Von Karriere- und Führungskräfte- Coaching über Konflikt- Coaching bis hin zu Work-Life- Balance-Coaching – es findet sich inzwischen für jeden Bereich im Berufsleben der passende Coach. „Je nach Bedarf stellen sich die Unternehmen einen Pool aus Coaches zusammen, die dann ihre Führungskräfte oder High Potentials auf Anfrage weiter entwickeln“, erklärt DBVC-Chef Rauen.

In der Regel treffen sich Coach und Klient für vier bis sechs Sitzungen, um an vorher festgelegten Themen wie Konfliktbewältigung, intelligente Arbeitsorganisation oder ähnlichem zu arbeiten. Das gilt auch für Menschen, die sich aus eigenem Antrieb coachen lassen. „Erfolge stellen sich aber nur ein, wenn der Coachee bereit ist, sich zu öffnen, selbst zu reflektieren und an sich zu arbeiten“, betont Bernhard Broekman, Senior Coach beim DBVC und Gründer des Coachingzentrum Deutschland in Wiesbaden.

Manchen Führungskräften falle das nicht leicht. „Wer sich bewusst selbst analysiert, hat indes gute Chancen, sich weiter zu entwickeln“, erklärt Broekman. Er macht seit kurzem einen neuen Trend auf dem Markt aus: Coaching on demand. Statt mehrerer Sitzungen vor Ort, vereinbaren Coachee und Coach kurzfristig einen Termin via Internet, der oft nur eine Stunde dauert. „Das ist der jungen Generation geschuldet, die will mobil sein und Wartezeiten oder Anreisen vermeiden“, sagt Broekman. Manche Tipps lassen sich tatsächlich auf die Schnelle online geben.

Der Haken: Top-Coaches können nicht immer sofort parat stehen. Sie sind oft über Wochen ausgebucht. „Mehr als drei Termine on demand sind bei mir im Monat nicht drin“, so Broekman.

„Am besten schreibt er im Vorfeld ein Anforderungsprofil, warum er einen Coach benötigt“

Ob Coaching on demand oder klassische Sitzung – wer sich selbst Unterstützung sucht, sollte einige Punkte beachten: „Am besten schreibt er im Vorfeld ein Anforderungsprofil, warum er einen Coach benötigt“, rät DBVCChef Rauen. Ist klar, welche Spezialisierung der Coach haben sollte, empfiehlt es sich, deren Lebensläufe nach entsprechenden Stichpunkten zu durchsuchen. Wünscht sich ein Chefarzt beispielsweise ein Führungskräfte-Coaching, kann ihm ein Ansprechpartner mit Erfahrung im Gesundheitssektor unterstützen. Wichtig ist, dass die Coaches in der näheren Umgebung sind. „Schließlich will niemand stundenlang durch Deutschland gondeln“, sagt Rauen. Hilfreich sei zudem, sich zu überlegen: „Will ich eine Frau oder einen Mann, einen erfahrenen oder einen jungen Coach?“

fn2Trifft sich der Kunde dann mit dem Experten der Wahl, um ihn kennenzulernen, sollte er nie sofort einen Vertrag unterschreiben. Rauen empfiehlt: „Er lässt erst einmal die Eindrücke sacken und überlegt, ob man mit diesem Menschen klar kommt“. Wolle man ein erfolgreiches Coaching absolvieren, müsse man sich dem Gegenüber öffnen. „Und das macht man nur, wenn der einem sympathisch ist“.

Wer auf die Hilfe eines Coaches setzt, muss Geld in die Hand nehmen, doch das Investment zahlt sich häufig aus. In kleineren Firmen fordern Coaches Stundensätze zwischen 150 bis 250 Euro. „Für Manager in der ersten Führungsebene fallen auch schon einmal 350 Euro pro Stunde an“, ergänzt Rauen.

Doch Geld und Mühe lohnen. Bestes Beispiel: Kabel eins- Marketingleiterin Assadi. Sie bereitet sich akribisch auf ihre Sitzungen vor und denkt viel über das Besprochene nach. Inzwischen stellt sie fest: „Ich kenne mich selbst jetzt noch genauer – das hilft mir, aber auch meinen Kollegen und Geschäftspartnern“.

Text: Steffi Sammet, Foto: Sxxxxxxxe


XING Coaches ist die führende Coaching-Plattform für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Sie bringt Transparenz in einen fragmentierten und unübersichtlichen Markt. Auf XING Coaches finden Coaching-Interessierte abgestimmt auf ihre individuellen Bedürfnisse für sich den passenden Coach. Somit müssen sie sich nicht mehr allein auf Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis verlassen, sondern können aus einer Auswahl von über 30.000 Coaches wählen. Ein „Coachfinder“, viele Filtermöglichkeiten sowie die neue Top-Coach-Liste erleichtern die Auswahl.

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