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Konflikte

Pro & Contra Großraumbüros: mehr Transparenz - weniger Motivation?

Einzelbüros oder Großraumlösung? Diese Frage stellt sich Unternehmern spätestens dann, wenn ein Umzug in neue Räumlich­keiten ansteht. Zwei Unternehmer berichten über ihre Erfahrungen.

Unsere jüngst veröffentlichte Geschichte „Die schlimmsten Nervfaktoren im Großraumbüro“ hat eine große User-Diskussion ausgelöst. Neben viel Kritik („Unerträgliche Hühnerhaltung“), gibt es auch einige Zustimmung („Viel besseres Gemeinschaftsgefühl“). Unser neuer Kooperationspartner, das E-Journal „Faktor A“, hat zwei Unternehmer um ihre Meinung zum Thema „Einzel- oder Großraumbüro?“ gebeten. Hier sind ihre Beiträge:

Pro Einzelbüro: Stefan Rizor, Osborne Clarke*

Stefan Rizor, Senior Partner bei Osborne Clarke Köln (©Foto: Osborne Clarke)

Stefan Rizor, Senior Partner bei Osborne Clarke Köln (©Foto: Osborne Clarke)

Ein eigenes, schönes ­Arbeitszimmer ist Ausdruck der Wertschätzung des Unternehmens gegenüber seinem Mit­arbeiter. Er soll sich wohlfühlen und konzentrieren können – und nicht den sozialen Zwängen eines Großraum­büros ausgesetzt sein. Das klassische Einzelbüro ist in vielen Punkten überlegen, deshalb haben wir uns 2001, als wir unsere Räume hier in Köln ­bezogen, für Einzelbüros für Anwälte und Steuerberater, für Doppelbüros für die Mitarbeiter entschieden. Und das, obwohl unser Mutterhaus in England auf Großraumbüros setzt.
Alle Zimmer sind gleich groß, messen 14 Quadratmeter beim Einzelplatz und 25 Quadratmeter im Zweierzimmer, ausnahmslos. Wir zeigen so jedem Anwalt, dass er wichtig ist für den Erfolg unserer Kanzlei, vom Junganwalt bis zum Senior Partner. Und gleichzeitig blenden wir die Hierarchie aus, wenn es um die Raumverteilung geht. Das erleichtert Umzüge im Haus, ­und wir können unsere Mitarbeiter so gruppieren, dass Anwälte eines Rechtsgebietes zusammensitzen. Damit der Gesprächsfluss im Team gefördert wird, haben wir eine „Politik der offenen Tür“ zur Regel ­gemacht – außer man möchte ungestört telefonieren, empfängt Mandanten oder liest Akten.

„DAS KLASSISCHE ­EINZELBÜRO IST DEM GROSSRAUM IN VIELEN PUNKTEN ÜBERLEGEN.“

Von den Verfechtern neuer Bürostrukturen werden immer drei Argumente für das Großraumbüro genannt: Es sei günstiger, weil der Raum effektiver genutzt werde, die Kommunikation werde gefördert, und ein gemeinsamer Raum schaffe Gemeinschaft. Daran glaube ich nicht. Günstiger ist das Modell Großraum nur auf den ersten Blick. Auch wenn sich vielleicht Raumkosten sparen lassen, geschieht dies oft auf Kosten der Motivation der Mitarbeiter. Die Kommunikation verschlechtert sich in Wahrheit: Wenn Mitarbeiter unterschiedlicher Hierarchiestufen in einem Raum zusammensitzen, wächst die wechselseitige Rücksichtnahme. Niemand möchte seinen Chef stören, und niemand wird es wagen, im ­Beisein des Vorgesetzten dessen Strategien infrage zu stellen oder über ­alternative Lösungen zu diskutieren. Die Folge: Es werden deutlich mehr Mails geschrieben, weniger offen geredet. Und wie sieht es mit der bes­seren Gemeinschaft aus? Durch ein Großraumbüro schaffe ich zunächst einmal mehr Kontrolle. Wir aber ­wünschen uns eigenmotivierte Mit­arbeiter, die wissen, was sie wollen, und die keine Aufpasser brauchen.

(*Die Kanzlei Osborne Clarke am Standort Köln ist auf Wirtschafts- und Steuerrecht spezialisiert. Weltweit arbeiten mehr als 800 Berater aus 19 Büros, in Deutschland 133 Berater aus Büros in Berlin, Hamburg, Köln und München.)

Pro Großraum: Alexander Wirth, TSCNET Services*

Alexander Wirth, Geschäftsführer Tscnet Services (©Foto: PR)

Alexander Wirth, Geschäftsführer TSCNET Services (©Foto: PR)

Großraumbüro klingt zunächst einmal nach Platzsparen. Das aber war nicht unsere Intention – und ich glaube auch nicht, dass ein Unternehmen ­Erfolg hat, wenn es möglichst viele Mitarbeiter auf kleinem Raum zusammenpfercht. Wir wollen den Platz, den wir haben, effektiv nutzen. Deshalb haben wir uns für eine Open Business Lounge entschieden: Flächen für offenes Zusammensitzen, Besprechungsräume und Zimmer für die Abgeschiedenheit, sogenannte Thinktanks. Dort kann man zum Beispiel ungestört telefonieren. Im Mittelpunkt steht also die Idee, unsere Bürofläche zweckorientiert zu nutzen.

Dass es keine festen Arbeitsplätze mehr gibt, hat einen entscheidenden Vorteil: Wir verhindern leer stehende Räume, und so hat insgesamt jeder Mitarbeiter mehr Platz. Ich selbst zum Beispiel bin den halben Arbeitstag unterwegs oder sitze in Meetings. Wozu brauche ich da ein eigenes Büro? ­Zum Repräsentieren? Das wäre doch ­meinen Mitarbeitern gegenüber nicht fair. Also komme auch ich als Geschäftsführer ins Büro und suche mir jeden Tag meinen Arbeitsplatz.

„DIE OFFENE BÜROSTRUKTUR SCHAFFT MEHR TRANSPARENZ UND KOMMUNIKATION.“

Wer eine solch offene Bürostruktur schafft, muss auf die Rückzugsmöglichkeiten für die Angestellten achten. Neben den Thinktanks bieten wir unseren Mitarbeitern deshalb auch die Möglichkeit, von zu Hause arbeiten zu können, wenn sie Ruhe brauchen. Aber das nutzen wenige Mitarbeiter – was uns wiederum zeigt, dass unser Bürokonzept gut ­angenommen wird und unsere Angestellten darin offenbar einen Mehrwert sehen. Insgesamt schafft die offene Bürostruktur mehr Transparenz und Kommunikation – und wir ­kommen dem papierlosen Büro einen großen Schritt näher: Dadurch, dass niemand von uns einen eigenen Schreibtisch besitzt, haben wir keinen Raum, um Papier anzuhäufen. Wichtige Dokumente werden digitalisiert, unwichtige landen im Müll.

Ein Büro ohne feste Arbeitsplätze braucht allerdings eine darauf angepasste Unternehmenskultur. Unsere Mitarbeiter haben zehn Punkte erarbeitet, die das Zusammenarbeiten ­erleichtern: Telefonate dort führen, wo niemand gestört wird, den Schreibtisch jeden Abend aufräumen und aus hygienischen Gründen nicht am Arbeitsplatz essen, zum Beispiel. Und das Wichtigste: reden, wenn es Konflikte gibt.

(*Das Büro von TSCNET Services, einem Dienstleister für Europas Stromübertragungsnetzbetreiber, bietet 31 Mitarbeitern Platz, davon arbeiten sieben abwechselnd rund um die Uhr und zwei in Teilzeit.)


Unser neuer Kooperationspartner „Faktor A“ ist das E-Journal der Bundesagentur für Arbeit und richtet sich an Arbeitgeber und Führungskräfte. Mit hochwertigen Reportagen, aktuellen Analysen und pointierten Kommentaren liefert es alles, was Unternehmer heute wissen müssen. Die Themenpalette reicht dabei von Ausbildung über Personal bis hin zu Mitarbeiterführung.

23 Kommentare

dkuchtova

23.06.2016

danke, durchaus eine diskussion wert. leider reicht ein pro&contra nicht. es wäre nur dann spannend, wenn die argumentatoren die gleiche position im genau gleichen unternehmen hätten – nur eben an verschiedenen standorten. umd hauptsache ist doch, dass mindestens ein hund vorhanden ist.

Thomas Braun

23.06.2016

Manche Funktionen lassen aus Gründen der Compliance Vorschriften nur eingeschränkt in einer Open Business Lounge durchführen. Abgesehen davon ist das Telefonieren ein zentrales Problem. Gibt es neben Telefonnischen andere effektive Lösungen?

Tina Cogin

23.06.2016

Die Menschen haben, und das ist auch gut so, unterschiedliche psychische Grundstrukturen. Während der eine sich in einem Großraum-Bureau gut auf seine Arbeit konzentrieren und das Drumherum ausblenden kann, ist "der leicht ablenkbare" dazu nicht in der Lage. Ich für meinen Teil habe ein Home Office und bin sehr dankbar dafür. Das tägliche Hick-Hack der Kollegen geht mir am ... vorbei. Keine Ablenkung, effizientes Arbeiten, und eine Geschäftsleitung, die mich nur - und wirklich nur - an den Ergebnissen misst. Yippieyaey!!!

Harald Dietrich

23.06.2016

Ich mag das von Alexander Wirth beschriebene Modell, da ich auch an die Kreativität glaube, die sich aus der kontinuierlichen Wahl des Arbeitsplatzes ergibt. Allerdings hat das nichts mit dem klassischen Großraumbüro zu tun, in der Arbeitplätze sehr wohl direkt zugeordnet sind und Rückzugsräume aus Rücksicht auf andere genutzt werden sollen. Herr Wirth bezeichnet die Grossflächen dann ja auch als Gemeinschaftsräume, die ein Angebot darstellen. Wichtig sind vorhandene Alternativen für Arbeitsgruppen und Individualarbeit.

Tanja La Mendola

23.06.2016

Ich bin durch u.a. das Großraumbüro krank geworden. Für mich als "buntes Zebra" oder "kreativen Chaoten" wie Cordula Nussbaum es schön beschreibt, war es die Hölle. Für mich gab es fast null Konzentration und wenn nur unter äußerster Selbstdisziplin, die ich auch aufbringe, ebenso wie ein langes Durchhaltevermögen. Letztenendes: Burn-out, an dem ich immer noch leide. Ich denke, die Raumstrukturen von Unternehmen sollten die persönlichen Eigenschaften von Mitarbeitern berücksichtigen. Es gibt viele Mitarbeiter, die von einer Grossraumstruktur profitieren und sich dadurch motivieren. Aber es gibt leider auch, die meiner Meinung nach kleinere Gruppe, für die diese Struktur einfach nur schädlich ist. Ich würde es begrüßen, wenn es emotional intelligente Personaler oder Chefs gäbe, die am besten schon aufgrund ihrer emotionalen Intelligenz erkennen, welche Art von Mitarbeiter sie vor sich haben und einstellen, spätestens aber in der Zusammenarbeit erkennen, das hier jemand für qualifizierte Arbeit Ruhe benötigt. Und ich habe beides kennen gelernt und für mich kommt nur ein Einzel- maximal Zweiraumbüro mit der Möglichkeit ein Fenster zu o Öffnen, in Frage. So kann aus den Mitarbeitern das Beste "Gewertschöpft" werden! Ein Seminar bei Cordula Nussbaum, und ich arbeite nicht für Sie ich fand ihr Buch nur einfach sehr gut, würde jedem Chef einmal gut tun. Und ggf. Erkennt sich der ein oder andere selbst darin.

upf

23.06.2016

Zunächst sollte man evtl. mal definieren, was "Großraumbüro" überhaupt bedeutet. Wechselnde Schreibtische bedeuten ja noch nicht automatisch Großraum. Reden wir also von großen Flächen, aber weiten Räumen und großen Grünpflanzen zwischen den ausreichend dimensionierten Schreibtischen? Oder reden wir von der Fabrikhalle, in der Reihe um Reihe von ca. 1 Meter breiten Schreibtischen stehen und die Leute wie die Ameisen durcheinanderwuseln? Beides habe ich schon gesehen, ersteres erschien mir sehr sympathisch, letzteres hat mich eher schockiert. Die Wahrheit wird für die meisten wohl irgendwo dazwischen liegen. Wenn ich allerdings in diesem Zusammenhang die Floskel lese: "[Vorhandenen] Platz [...] effektiv nutzen", dann gehen bei mir schon die Alarmglocken an. Das bedeutet nämlich meist: persönlichen Platz (und damit auch Freiraum und Selbständigkeit) der Mitarbeiter einschränken. Das Spannende ist bei dem Thema auch immer: wo sitzen eigentlich die Chefs, die ja bei ihren Angestellten so enthusiastisch für Großraumbüros werben? Entgegen des im Artikel gebrachten Beispiels von Herrn Wirth habe ich die Beobachtung gemacht, dass diese es sich im Großraumbüro (wenn sie überhaupt selbst auch dort sitzen) meist irgendwo hinten in einer Ecke bequem machen, und ihren Stab um sich herum positionieren, so dass sie nur wenig vom "Alltagslärm" mitbekommen (und der "Alltag" weniger von ihnen). Gerüchteweise haben einige davon auch einen von wenigen Besprechungsräumen der Firma dauerhaft für sich allein reserviert - falls sie mal _wirklich_ ungestört arbeiten wollen. Und zum Schluss: Die meisten Leute können nicht von zuhause arbeiten, weil sie schlicht in Prozesse eingebunden sind, die regelmäßige Absprachen und Besprechungen mit einzelnen Kollegen oder Teams erforderlich machen. Das ist zum Großteil unpraktisch am Telefon durchzuführen, gerade wenn Präsentationen stattfinden oder man gemeinsam irgendwelche Papiere durchgehen muss. Die häufige Anwesenheit von Mitarbeitern am Arbeitsplatz ist also nicht unbedingt ein Indikator dafür, dass ein Großraumbüro eine tolle Sache ist, sondern dass die Mitarbeiter diese als Notwendigkeit sehen, um ihre Arbeit effektiv durchführen zu können - ganz unabhängig davon, wie ihr Arbeitsplatz gestaltet ist.

Stefan U.

23.06.2016

Äpfel und Birnen vergleichen ist meist schlecht. Klar braucht ein Anwalt Ruhe, um sich in die Aktenlage vertiefen, mit Mandanten reden und vertrauliche Telefonate führen zu können. Andererseits ist es z.B. in Entwicklung und Forschung sinnvoll, gleichgesinnte Bereiche beieinander in einem Großraumbüro zu haben, um lange Wege zu vermeiden. Ich denke, die Mischung machts. Kein Mitarbeiter eines mittelständischen Unternehmens fühlt sich wohl, wenn plötzlich der CEO neben ihm sitzt, anders als in kleinen Betrieben, wo man sich ohnehin "auf Du und Du" begegnet. Je nach Unternehmen und dessen Struktur und auch bezugnehmend auf die Arbeitsinhalte, sollte die Beste Lösung gemeinsam mit der Belegschaft erarbeitet werden, somit schafft man ein Arbeitsklima, mit dem auch der Großteil gut leben kann. Oberstes Gebot ist dabei immer, dass man offen und ehrlich miteinander umgeht, dann kommt es auch im Großraumbüro nicht zu großen Problemen. "Abspalter" gibt es in jedem Unternehmen, die werden dann auch jedes Konzept verfluchen.

Susann

23.06.2016

Ich durfte auch schon beides kennenlernen und ziehe mein eigenes Büro bzw. meine Arbeit im Home Office vor. Für mich wäre es ein Graus, wenn ich jeden Abend alle Sachen zusammenpacken und mir am nächsten Morgen einen neuen Schreibtisch suchen, diesen in der korrekten Höhe positionieren, den Drehstuhl einstellen und einiges mehr müsste. Irgendwie fehlt mir da der persönliche Touch. Ich möchte auch mal das Fenster öffnen können, ohne dass es andere stört. In vielen Büros geht es zwischen den einzelnen Mitarbeitern auch nicht immer freundlich zu, um es mal gelinde auszudrücken. Da hab ich zum Arbeiten doch lieber meine Ruhe im eigenen Büro.

M.Smith

23.06.2016

Ich finde die Diskussion sehr interessant, aber leider zu undifferenziert. Da ich schon in beiden räumlichen Gegebenheiten gearbeitet habe ist für mich die einzige richtige Antwort auf die Frage Großraum ja oder nein: Es kommt drauf an :-). Und zwar auf vieles. Zuallererst jedoch auf die Aufgabe der Arbeitenden. Als Anwalt der Mandanten empfängt bzw. sich stundenlang hochkonzentriert mit einem Text oder Sachverhalt beschäftigen muss ist ein Großraum wohl eher nicht zuträglich. Wenn man im Team produziert z.B. Projekte oder Software ist ein Großraum hilfreich, dass man sich kontinuierlich austauscht und zum Teil auch gemeinsam von Tisch zu Tisch wandert. Im Idealfall ist eine Kombination aus Großraum, Einzelbüro und Homeoffice möglich. Wenn einzelne viel telefonieren müssen ist das Großraumbüro eine Belastung für alle. Insofern macht's die Mischung.

Hannelore

23.06.2016

wie sieht es eigentlich mit der Hygiene bei "täglich wechselnden" Arbeitsplätzen aus? Werden Telefon und Tastatur jeden Tag ordentlich gereinigt (von wem auch immer)?

Ulrica Griffiths

23.06.2016

So so, in der Kanzlei Osborne Clarke sind also die Anwälte, die im Einzelbüro sitzen, wichtiger als die Mitarbeiter, die sich Doppelbüros teilen. Denn, "Wir zeigen so jedem Anwalt, dass er wichtig ist für den Erfolg unserer Kanzlei". Alles klar, netter Laden.

Käfighuhn

23.06.2016

Großraum oder Einzelbüros? Die Frage ist schon falsch gestellt. Es sollen immer die zusammen sitzen, die gemeinsam ein Thema/Kunden/Projekt haben und sich regelmäßig austauschen müssen. Menschen in ein Büro - welcher Größe auch immer - zu stecken, die nichts oder fast nichts miteinander zu tun haben ist sinnlos (für alle Denglischer: macht keinen Sinn ;-) Oder es geht lediglich darum Geld zu sparen oder Kontrolle auszuüben. Massentierhaltung! Der größte Blödsinn aller Zeiten ist Großraumbüro im Callcenter. Wenn ich als Anrufer sogar noch die Gespräche der anderen Agents höre und verstehe, dann weiß ich, wie viel ich dem Unternehmen Wert bin.

Horst

23.06.2016

"Neben den Thinktanks bieten wir unseren Mitarbeitern deshalb auch die Möglichkeit, von zu Hause arbeiten zu können, wenn sie Ruhe brauchen. Aber das nutzen wenige Mitarbeiter – was uns wiederum zeigt, dass unser Bürokonzept gut ­angenommen wird und unsere Angestellten darin offenbar einen Mehrwert sehen." – oder es zeigt dass sich viele Arbeitnehmer in Deutschland immer noch nicht trauen nach Home Office zu fragen oder dies durchzusetzen. Es wird vielerorts noch immer naserümpfend zur Kenntnis genommen wenn man danach fragt, lieber garnicht erst versuchen, man könnte ja in Schieflage geraten. Das Problem an Großraumbüros ist, wie von vielen bereits hier beschrieben, die Konzentration. Es genügen ein bis wenige extrovertierte Personen in diesem Gemenge (das sind die, die viel und vor allem laut reden) um den Rest der anwesenden zu stören. Und auch wenn viele immernoch behaupten das Hintergrundgeräusch würde sie nicht beeinflussen, es gibt genügend Menschen die diesen Filter nicht haben. Stress durch Lärm ist nichts neues, und nichts anderes ist es wenn man in einem Raum mit mehreren Leuten sitzt von denen zwei oder drei meinen, man müsste andauern quer durch den Saal diskutieren. Gerne steigt dabei auch oft die Lautstärke an denn wer am lautesten schreit hat bekanntlich recht. Wenn man dann freundlich darauf hinweist ob die Herrschaften sich nicht einen Raum suchen könnten ... naja, es gibt unterschiedliche Reaktionen, sagen wir mal so. Eine der subtileren davon war ein am nächsten Tag aufgehängter Zettel mit der Aufschrift "Vorsicht Großraumbüro. Bitte leise sein, Kollegen nicht beim Schlafen stören." Kommunikation ist wichtig, aber nicht alles. Mindestens genau so wichtig ist es, seinen Kram erledigt zu bekommen! Und dazu gehört dass man auch mal für mehrere Stunden konzentriert arbeiten kann, ohne dass einem dauernd jemand rein- oder drüberquasselt. Ergo: Büros sollten beides bieten, sodass jeder wählen kann was besser zu ihm passt. Ich persönlich finde die Idee dieser "Thinktanks" (oder Aquarien, wie wir unsere Glaskästen hier nennen) zwar eine mittelbare Lösung, dennoch ist es ein Schritt in die falsche Richtung. Denn eher sollten sich doch diejenigen zurückziehen die was auszudiskutieren haben um die anderen nicht zu stören. Der Anteil der Leute der sitzt und für sich arbeitet ist zumindest in meinem Metier die meiste Zeit größer als jener derer, die was zu beraten haben.

Thomas Wild, Architekt, Germering b. München

23.06.2016

Es gibt seit über 20 Jahren eine Büroform, die die jeweiligen Vorteile von Großraum- und Einzelbüro kombiniert, das in Skandinavien entwickelte "Kombibüro". Mittlerweile sind die Bürokonzepte noch flexibler und differenzierter geworden, sog. "Bürolandschaften" mit verschiedensten Arbeitsplatz- und Erholungszonen - und unabhängig, ob fester Arbeitsplatz oder nicht. Fazit: Auch in bestehenden Räumlichkeiten gibt es eine Menge Potential für eine optimierte Strukturierung und Gestaltung!

Horst

23.06.2016

@Xing Kommentarfunktion: macht mal was wegen der Zeilenvorschübe. Die sind nämlich verschwunden wenn der Kommentar wieder angezeigt wird, nicht gerade übersichtlich.

Speca

23.06.2016

Kann man mit Sichtkontakt kommunizieren, oder muss man/ soll man von anderen Schreibtischen etwas mitbekommen🙄, dann ist das GRB unschlagbar. Auch fördert das GRB die Cliquenbildung mit allen Vor - und Nachteilen.

Carsten F.

23.06.2016

Ich arbeite in der Entwicklungsabteilung eines typischen Mittelständlers. Großraumbüro, ständig Unruhe und dauerlabernde Kollegen. Dazu keine Möglichkeit für Heimarbeit und keine Rückzugsgelegenheiten. Besser kann man Produktivität nicht kaputt machen! Und die Chefs sitzen in ihren schicken Einzelbüros und haben die Tür zu. Ich finde den goldenen Mittelweg am besten - Büros mit maximal vier Mitarbeitern, die im selben Projekt unterwegs sind. Das habe ich auch schon erlebt und als sehr angenehm empfunden.

Dr. Frank Kahmann

24.06.2016

"Open Business Lounge" macht das Großraum Büro nicht besser. Im Gegenteil. Eine neue Wort-Kreation dieser Art verraten mir, dass man etwas Schönreden will. Ich habe beide Möglichkeiten im Laufe meiner Berufslebens von jetzt immerhin bereits 26 Jahren kennen gelernt. Als Mitarbeiter und als Chef. Die Produktivität ist höher im Einzel- oder Zweierbüro. Kommunikation im Großraumbüro ist Unsinn. Zwei oder drei stören den Rest der Truppe. Was das bringen soll, ist mir ein Rätsel. Fazit: wenn man es sich leisten kann und die Raumzwänge nicht dagegen sprechen, ganz klar für Einzel- oder Zweierzimmer.

Franz Pichler, Wien

24.06.2016

Ich kenne aus meiner beruflichen Praxis beides, in der gleichen Branche und im identischen Aufgabengebiet (Versicherungen). Großraumbüros machen aus meiner Sicht insofern Sinn, als dass hier viel unausgesprochene Kommunikation oder besser Informationen ausgetauscht werden. Wichtig sind, wie schon in einem Beitrag davor angeführt- die gleichen Aufgabengebiete. Man erspart sich hier viel an interner Kommunikation, die anderenfalls von einem (zentral- sollte am Pulsschlag sein) oder allen (dezentral - Wichtigkeit liegt im Auge des Betrachters) zu erfolgen hat. Als mögliche Risiken möchte ich hier anführen: Mailflut, Informationen werden unterschiedlich gewichtet, gehörtes Wort ist ungleich geschriebenem (führt zu Missverständnissen und zum berühmtem Flurfunk), Ressourcenineffizienz oder zusätzlicher Aufwand für Informationslauf. Großraumbüros wirken diesen Phänomenen zumindest entgegen oder reduzieren sie. Sie fördern Teamspirit, Toleranz und Gemeinschaftsdenken (z.B Raumtemperatur). Dass aber Großraumbüros nicht wie Legebatterien konzipiert sind sondern jedem einzelnen einen gewissen Raum an Intimsphäre gewähren, ist wohl selbstverständlich im 21. Jahrhundert. Ungeachtet dessen gibt es aber auch Tätigkeiten und Funktionen, bei denen Konzentration, Ruhe und Individualität gefordert sind - diese in einem Großraumbüro anzusiedeln sind aus meiner Sicht kontraproduktiv. Die Lösung besteht daher in der Definition der klaren und ehrlichen Funktion des Jobs und der dementsprechenden Personalauswahl ! Bitte jetzt nicht meinen, der von Personalberatern so häufig angeführte Faktor "Teamfähigkeit" ist gleich Großraumbüro! Es gibt hier kein eindeutiges ja oder nein für oder gegen etwas- die Kunst besteht in der richtigen Anwendung der möglichen Lösungen mit dem Aspekt menschlichen Umganges und Wertschätzung füreinander. Das schafft zufriedene, eigenmotivierte, produktive, selbstkorrigierende, kreative und last but not least gesunde Mitarbeiter.

Feodora

24.06.2016

Großraumbüros bereiten mir Zeit meines Berufslebens die Hölle. Ich bin im Kreativsektor tätig, muss überwiegend Texte schreiben bzw. Korrektur lesen, Statistiken analysieren, wissenschaftliche Aufsätze lesen etc. All diese Tätigkeiten erfordern starke Konzentration und Sorgfalt. Das ist leider nicht möglich, wenn meine Kollegen telefonieren, diskutieren, schwatzen, ein Liedchen singen etc. Es gibt Tage, da packe ich schon morgens meine Tasche, stecke Laptop und Unterlagen hinein und sitze vor dem Gebäude, in Kaffee-Ecken, im Flur oder in der Cafeteria. Alles ist besser als auf Armlänge mehrere telefonierende Kolleginnen zu haben. An manchen Tagen denke ich, ich kann einfach nicht mehr. Wer das großraumkonzept erdacht hat, den möchte ich am liebsten teeren und federn. Anschließend müsste diese Person eine, nur eine Woche lang meinen Job machen - im Großraumbüro.

Martin

24.06.2016

Eine Beobachtung, die ich über die Jahre hinweg immer wieder gemacht habe: Die meisten Großraumbüros werden von Leuten beschlossen, die selbst im eigenen Büro sitzen. Es muss ein wunderschönes Gefühl für viele von ihnen sein, morgens auf dem Weg zu ihrem Einzelbüro durch eine solche Arbeitshalle zu laufen und dabei zu denken "Meine Herde! Und sooo harmonisch!". HR-Manager, mit denen ich über ihre Großraum-Begeisterung gesprochen habe, haben meist von "Kommunikation, Gemeinschaft usw" gesprochen und diese Situation noch als Vorteil für die Mitarbeiter darzustellen versucht. Spätestens wenn ich gefragt habe, warum man den Segen von Großraumbüros ausgerechnet den vermeintlich besten Kräften (den oberen Führungsebenen mit Einzelbüros) vorenthält, kam das Geständnis, dass man schicht Geld sparen möchte...

Torben Simon Meier

25.06.2016

Ich selbst bin Befürworter einer offenen Bürokultur, Mich würden die anderen 6 Punkte eurer Liste daher sehr interessieren, Alexander! Viele Grüße, Torben

Melanie Drodofsky

09.08.2016

Ich bin ebenfalls für eine offene Bürokultur, zum einen die Räumlichkeiten - das Angebot an unterschiedlichen Arbeitsmöglichkeiten bietet mir eine Menge an Flexibilität meine Arbeiten genau da zu erledigen, wo ich gerade den passenden Ort dazu finde (auch mal von Zuhause) - zum anderen steht aber für mich klar die Unternehmenskultur an erster Stelle - solch ein Konzept kann aus meiner Sicht nur funktionieren, wenn die Führungskräfte sich keine eigene Insel schaffen, sondern den Mitarbeitern ein Vorbild sind. Und ja, nicht für jede Aufgabe ist eine Offene Bürowelt die perfekte Lösung. Sicherlich gibt es Jobs, die in "Abgeschiedenheit" besser erledigt werden können, ich denke aber..... man sollte hier nicht pauschalisieren - auch jene Kollegen haben Bedarf an kollegialem Austausch etc. (...)

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