Lebensläufe

Traumkarriere "Welttorhüter": Zwischen allen Pfosten

Der Weltrekord-Fußballprofi und TV-Experte Lutz Pfannenstiel über sein einzigartiges Jobhopping auf allen fünf Kontinenten 

Lutz Pfannenstiel

Torwart-Nomade Pfannenstiel (als EM-Reporter): „Viele sagten, ich sei wahnsinnig.“

„Weltenbummler“ ist für Lutz Pfannenstiel ein fast zu kleiner Begriff. Immerhin hat der ehemalige Fußballtorhüter als bisher einziger Profi auf allen fünf Kontinenten gespielt – und steht mit dieser Berufslaufbahn natürlich im „Guinness Buch der Rekorde“. Die Stationen des 1973 geborenen Bayern, der als Jugendlicher in der deutschen Nationalmannschaft spielte, reichten vom 1. FC Bad Kötzting bis über viele Vereine in Europa, Asien, Nord- und Südamerika hin zu seinem letzten Club als Spieler, den Ramblers im namibischen Windhoek. Später war er auch als Trainer aktiv und ist den deutschen Fußballfans seit 2010 als TV-Experte bei Welt- und Europameisterschaften bekannt. Im Interview mit XING Spielraum berichtet Pfannenstiel über seine einzigartige Karriere.

XING Spielraum: Herr Pfannenstiel, bitte ergänzen Sie doch mal: „Tausendmal probiert…“

Lutz Pfannenstiel: „…tausendmal ist nix passiert – . obwohl das eher nicht meine Musik ist.“

Auf jeden Fall ist der Begriff „Jobhopper“ wohl für Sie erfunden worden: Sie spielten für 26 Vereine in 19 Jahren. Oder haben wir uns verzählt?

Pfannenstiel: Es waren 25, aber auf jeden Fall ungewöhnlich viele im Profifußball. Aber vor allem: Ich habe auf jeden Kontinent gespielt.

Da drängt sich natürlich jedem eine Frage auf: Warum?

Pfannenstiel: Man könnte meinen, dass ich ein schlechter Torwart war – aber in meiner Karriere spielten Zufälle eine grosse Rolle. Trainerentlassungen, Vereinspleiten, Verträge in Ländern mit kürzerer Saisondauer… oft hatte ich einfach keine Lust, 4 Monate Vorbereitungszeit über mich ergehen zu lassen und bin lieber wieder gewechselt, sechs Monate im nördlichen Sommer und 6 Monate im südlichen. Das war perfekt für mich, auch wenn das mehr Stress bedeutete.

War ihr Job als Torwart also nur Mittel zum Zweck?

Pfannenstiel: Nein, ich habe für den Fußball gelebt und habe ihm alles untergeordnet, auch wenn ich sportlich mit Sicherheit noch mehr hätte erreichen können. Aber mir war es auch wichtig, während meiner Karriere andere Länder und Kulturen kennenzulernen – ich hatte da keine Berührungsängste. 2006 bin ich trotz Angeboten von Ipswich Town und Steaua Bukarest nach Albanien gegangen, und viele sagten, ich sei wahnsinnig. Aber Albanien war eines der Highlights meiner Laufbahn, etwas Besonderes. 10 Jahre später ist Albanien bei der EM in Frankreich und ich einer ganz wenigen Westeuropäer, der dort gespielt hat. 25 Jahre lang hat mir der Fussball dabei geholfen, die Welt zu entdecken, aber dafür musste ich genauso wie alle anderen Profis trainieren und am Wochenende die Bälle halten.

Jedenfalls hat Sie Ihre Abenteuerlust wegen angeblichen Spielbetrugs bis in einen singapurianischen Knast gebracht. Weil Sie, Zitat, „zu gut gehalten“ haben. Kann man sich ja auch nicht ausdenken.

Pfannenstiel: Keine schöne Erfahrung. Ich hatte einem als Fan verkleideten Buchmacher gesagt, dass wir unser nächstes Spiel gewinnen, was ich übrigens immer gesagt habe. Das hat gereicht für 101 Tage in einem der härtesten Gefängnisse der Welt. Ein Urteil, welches vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag übrigens nicht anerkannt wurde.

Beim ZDF glänzen Sie gerade als EM-Experte und Torwartversteher. Sie haben auf jedem Kontinent gespielt, was sind da die größten Unterschiede in dieser Position?

Pfannenstiel: In Europa haben wir ohne Frage das höchste Niveau in Sachen Torwartspiel. Beim Turnier in Frankreich sind das Nonplusultra für mich bisher Yann Sommer , aber auch Manuel Neuer im ersten Spiel. Wir haben aber auch schon Patzer gesehen: der rumänische Torwart gegen Albanien, Joe Hart gegen Wales und Bale oder auch Petr Chech im Spiel gegen Kroatien.

Mittlerweile sind Sie bereits seit 2011 als „Head of International Relation and Scouting“ für die TSG Hoffenheim tätig. Das ist für Ihre Verhältnisse ja nahezu erschreckend bodenständig. Wann geht’s weiter?

Pfannenstiel: Ich fühle mich sehr wohl mit diesem Job und in Hoffenheim. Wir haben dort mit Manager Alex Rosen und unserem neuen Coach Julian Nagelsmann richtig Qualität am Start, und wir wollen wieder sportlich für Furore sorgen – warum sollte ich jetzt gehen?

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