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Konflikte

Die schlimmsten Nervfaktoren im Großraumbüro

Schwere Aftershave-Wolken, dauerquatschende Kollegen, Möhrchen-Geknabber – manch einer hält das Großraumbüro für die Vorhölle. Wir verraten Ihnen, wie Sie das überstehen können.

Ein graues Großraumbüro, Neonlicht, und ständig hackt der Kollege auf die Tastatur ein. Nach entspanntem Arbeiten klingt das nicht. Dass Arbeiten im Großraumbüro generell ungesünder ist, kann man aber nicht sagen. Psychische Belastungen seien zwar durchaus ein Thema, erklärt Anette Wahl-Wachendorf, Vizepräsidentin des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte. Die größten Widrigkeiten, die in einem Gemeinschaftsbüro lauern, lassen sich aber lösen.

Temperatur: Wegen einer Frage sollen in Großraumbüros schon ganze Kleinkriege entfacht worden sein: Fenster auf, Fenster zu? Einer der Kollegen beschwert sich fast immer, weil er vom kalten Luftzug „Rücken“ bekommt oder bei warmer Luft nicht denken kann. Am besten arbeite es sich bei etwa 21 bis 22 Grad, sagt Wahl-Wachendorf. Arbeitnehmer drängen am besten darauf, dass diese Temperatur eingehalten wird. Gibt es im Großraumbüro eine Klimaanlage, sei es besser, diese das gesamte Jahr zu nutzen, um eine konstante Temperatur zu halten und sie nicht nur im Sommer anzuwerfen.

Kühlschrank: Auf dem Joghurt sprießt grüner Flaum, und im rechten unteren Schubfach vermehren sich schwarze Flecken – Schimmel und Dreck im Gemeinschaftskühlschrank können die beste Arbeitsatmosphäre verderben. Und das sieht nicht nur unschön aus: „Die Sporen können auf andere frische Lebensmittel übergehen“, erklärt Rolf Geisen vom Max-Rubner-Institut in Karlsruhe, das sich mit Sicherheit und Qualität bei Obst und Gemüse beschäftigt. Grundsätzlich sollte im Gemeinschaftskühlschrank das Gleiche gelten wie zu Hause. „Alle ein bis zwei Wochen ausräumen und wischen“, sagt Geisen.

Parfüm: Geruchsintensiv kann es auch an anderen Orten im Büro werden. Die Kollegin in der Verwaltung hat ein neues Lieblingsparfüm und trägt deshalb am Morgen besonders dick auf. „Wenn ich jemanden riechen kann, bevor ich die Person sehe, ist das zu viel“, sagt die Kommunikationstrainerin und Etikette-Beraterin Susanne Helbach-Grosser. Viele merken nicht, wenn sie zu viel im Duftwasser gebadet haben. Frauen empfiehlt sie, die Parfüms abzuwechseln, da sie so die Intensität des Dufts wieder besser wahrnehmen. Bei Männern sollte der Geruch eines guten Aftershaves von der Rasur bis ins Büro laut der Etikette-Trainerin verflogen sein.

Essensgerüche: In Tupperdosen und Take-away-Blechschalen lauert die nächste Herausforderung für die Kollegennase. „Stinkende Lebensmittel nicht mit ins Büro bringen. Das versteht sich von selbst“, sagt Helbach-Grosser. Die unrühmliche Hitliste der miefigsten Mittagessen wird dabei laut ihr vom Döner angeführt. Aber auch reife Bananen oder Nudeln mit Parmesan sind laut der Trainerin zu geruchsintensiv. Fast ohne Geruch, dafür aber akustisch nervtötend sind rohe Möhren und Apfelspalten, sagt Helbach-Grosser. Deshalb sollte auch beim größten Zeitdruck nur in der Küche gegessen werden und nicht am Arbeitsplatz.

Lärm: Welche Geräusche die Kollegen zur Weißglut bringen, hängt von der generellen Lärmkulisse im Großraumbüro ab, erklärt Georg Brockt von der  Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Herrscht immer ein Grundrauschen, werde man sich durch einzelne Geräusche weniger von der Arbeit ablenken lassen. „Wenn im Büro beispielsweise eine Lärmkulisse von etwa 30 Dezibel herrscht, was mit der Lautstärke in einer Bibliothek vergleichbar ist, kann ein lautes Gespräch bereits stören“, erklärt der Physiker. Übersteigt der Großraumbüro-Lärm etwa 50 bis 55 Dezibel, fühlten sich Menschen unabhängig von ihrer Tätigkeit häufig gestört.

Bakterien: Eine hohe Trennwand wünschen sich viele, wenn der Kollege hustend und schniefend nur wenige Meter entfernt sitzt. „Zu den größten Bakterienherden im Büro gibt es keine richtigen wissenschaftlichen Untersuchungen“, erklärt Andreas Podbielski von der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie. Telefonhörer und Tastaturen böten zwar Keimboden für Bakterien und Viren, von Panikmache hält der Mediziner jedoch gar nichts. „Die Keime bleiben vorhanden, sind aber nicht sehr langlebig. Sie überleben einige Stunden oder nur wenige Tage.“ Ist die Krankenrate stark erhöht, empfiehlt er Arbeitgebern, im Bad einen automatischen Spender mit Desinfektionsmittel aufzustellen. Ständig alle Flächen, Tastaturen und Telefone mit Desinfektionstüchern zu reinigen, hält er jedoch für übertrieben.

Text: Amelie Richter

P.S. Was sind Ihre größten Ärgernisse am gemeinsamen Arbeitsplatz? Was nervt Sie an den „lieben Kollegen“ am meisten? Oder fühlen Sie sich im Großraumbüro vielleicht ja auch richtig wohl? Verraten Sie es uns, unten in den Kommentaren.

26 Kommentare

Karl

21.06.2016

Das größte Ärgerniss sind Dauertelefonierer, die sich weigern ein Thema in einer Besprechung (z.B.Telko) abzuhandeln und sattdessen jeden Betroffenen einzeln anrufen um die Geschichte auch wirklich 5x erzählen zu müssen (dürfen). Und zwar in allen Einzelheiten. Mit dem Headset auf dem Kopf durchs Büro laufend, einfach unschlagbar. Dazu noch Beratungs- und Beschwerderessistent,besser geht es nicht…

Barbara

21.06.2016

Ich finde, es hat auch schöne Seiten. Unser Büro ist relativ groß und luftig, jeder Schreibtisch ist mit seinen 1 x 2 Metern wirklich großzügig und diverse Grünpflanzen (einige vielleicht ein bisschen zu groß) Lockern das Grau der Möbel angenehm auf. Lauttelefonierer sind anstrengend aber bei uns zum Glück nicht so häufig. Die Leute hören ja auch unterschiedlich viel. Ich höre beispielsweise, wenn die Kollegin sieben Tische weiter wieder Topinamburwurzeln und Karotten isst – der Kollege drei Tische näher dran merkt davon garantiert nichts – nicht mal wenn man ihn fragt. Wir leiden gemeinsam unter der nicht vorhandenen Klimaanlage und den riesigen schlecht isolierten Fenstern nach Westen. Im Winter nachmittags schöne Sonnenuntergänge – im Sommer bis mittags erträgliche Temperaturen und nachmittags wird der Mülleimer mit kaltem Wasser gefüllt und mit dem Ventilator unter den Tisch gestellt – Füße hinein. :-) Selbst in unserem nicht vorhandenen Sommer hatten wir gestern bereits wieder nur 18 Grad draußen, aber dank der wenigen Sonnenstunden am Nachmittag immerhin 28 Grad hier drinnen – wenn der Sonnenschutz heruntergelassen ist – sonst wärmer. Im Sommer gerne über 40 Grad. Aber gemeinsames Leid verbindet – grundsätzlich mögen wir uns und wenn man mit einem lauten Ruf oder dummen Spruch 14-18 Kollegen zum Lachen bringen kann, dann ist die Stimmung wieder für einige Zeit gerettet. Anstrengend nur, wenn jemand konzentriert telefonieren muss und von den anderen gleichzeitig 8-10 über die Länge des Büros hinweg die neue Testlandschaft kritisieren… ;-))

Sunshine

21.06.2016

Eine tolle Aufzählung, doch was genau sind nun die konkreten Empfehlungen nach all den „sollte“, „müsste“, „könnte“? Wie erkennt man an sich selbst, dass der Parfum- oder Aftershave-Geruch zu stark bzw. für andere störend ist? Wie, wann, wo spricht man die Lautstärke bei Telefonaten oder dienstlichen/persönlichen Gesprächen an? Wann und wie offenbart man sein perönliches Zeichen (und erfragt das der anderen) dafür, dass man jetzt grad seine Ruhe für eine wichtige Sache braucht und nicht gestört werden will? Ach, und WER genau soll nun den Gemeinschaftskühlschrank und die Kaffeemaschine putzen?
Es ist wirklich schade, dass hier im Artikel wieder mal nur die üblichen Klischees wiederholt werden, anstelle nützliche Ideen, Lessons-learnt, etc. zur Kommunikation und zum Miteinander zu geben. Und by-the-way, die Körper- und Essensgerüche, Temperatur-Probleme usw. gibt es auch im 2- oder 4-Personen-Büro :-)

Jürgen

21.06.2016

…oder eine/n Kollegen/in 10 Meter weiter über die Köpfe von 6 weiteren Kollegen/innen hinweg ein Gespräch aufzuzwingen. Nur um den zutreffenden Kommentar von Karl zu ergänzen.

Karsten

21.06.2016

Das schlimmste was neben einem passieren kann ist ein Kollege bzw. Kollegin die den ganzen Tag jeden noch so kleinen Handgriff kommentiert und aus Selbstgesprächen eine olympische Disziplin macht. Der Versuchung zu widerstehen einfach mal “ und nun bitte einmal fünf Minuten die fresse halten“ in den Raum zu werfen ist sehr sehr anstrengend und kostet mindestens genau so viel Energie wie das Dauergequassel zu ertragen.

rolf e.löbig

21.06.2016

Mitarbeiter sind für ein Unternehmen dann ungeeignet, wenn Sie sich an Ihrem Arbeitsplatz nicht wohl fühlen!
Um aber evtl. gute Mitarbeiter zu bekommen und zu behalten, muss sich auch ein Unternehmen etwas einfallen lassen! Grundsätzlich ist aber wohl eine VIP Lounge besser als eine Bahnhofshalle, oder?

Astrid

21.06.2016

Ich bin mir nicht sicher wo der Begriff „Großraumbüro“ anfängt? Bei 10 Kollegen in einem Büro? 20?
Ich kenne ein Büro in dem >60 Mitarbeiter aus aller Länder sitzen. Hier kommen noch die kultruellen Unterschiede hinzu.
Bei all den Ratschlägen kommt unter dem Strich immer heraus, dass man auf seine Kollegen und deren Rücksicht angewiesen ist.
Das funktioniert ab einer gewissen Größe einfach gar nicht mehr und alle Mitarbeiter arbeiten nur noch auf (tagesformabhängig) geschätzen 70% der Leistung, die sie vielleicht bringen könnten. Der Rest der Energie wird für die Mühe die Nerv-Faktoren zu unterdrücken drauf gehen.
Wenn der Arbeitgeber in Kauf nimmt, dass Dinge einfach länger dauern und fehleranfälliger sind, dann ist alles in Ordnung.

Sabine

21.06.2016

Ich habe mehrere Monate in einem Großraumbüro mit 80 Kollegen/innen gearbeitet.
Das Schlimmste war, das dort mehrere Abteilungen des Unternehmens untergebracht waren, man kannte die Leute gar nicht. Ich hatte immer Email-Kontakt mit anderen Mitarbeitern, wußte aber nicht, das diese nur wenige Meter von mir entfernt waren. Ich war im Kundenservice tätig also fast Call-Center, es war laut, schlechte Luft, Fenster waren vorhanden, diese waren für mich nicht sichtbar und somit kein Tageslicht.
So kann ich persönlich nicht arbeiten, Konzentration war nicht möglich wegen dem Lautstärke-Pegel.
Müdigkeit wegen schlechter Luft und mangelden Tageslicht.
Ich finde Großraumbüros bis zu 10 Personen bei entsprechender Größe ok. Alles andere ist unwürdig.
Mein Arbeitsplatz bestand aus 1,30×0,80m also 1,40qm und das bei einer Arbeitszeit von 8 Stunden und mehr.
So etwas nennt man auch Massenhaltung.

Peter Schmidt

21.06.2016

Das Großraumbüro mag für verschieden Tätigkeiten wie Callcenter oder BWL-artiges sinnvoll sein, für Entwicklung wo man sich richtig konzentrieren muss, da man ja Sachen bauen muss die auch funktionieren sollen, ist es tödlich. Die Störungen reduzieren die Produktivität um 80%, aber die BWL-Chefs glauben das so besser ist, denn Kontrolle ist wichtiger als Effizienz.

Sibylle1969

21.06.2016

Ich habe einige Jahre Großraumbüro-Erfahrung, daher ist für mich klar: der größte Stör- und Nervfaktor im Großraumbüro sind laut telefonierende Kollegen. Daher gehören zu jedem Großraumbüro unbedingt ein paar Räume, in die man sich zum Telefonieren zurückziehen kann, insbesondere für längere und geplante Telefonate. Eine 1-stündige Telefonkonferenz hält man nicht im Großraumbüro ab. Ein weiterer Faktor, der das Wohlbefinden massiv beeinträchtigen kann, ist fehlende Privatsphäre, z.B. durch fehlende Trennwände oder zu dichte Platzierung der Tische.

Sibylle1969

21.06.2016

Soll in einer Firma ein Großraumbüro eingeführt werden, z.B. bei einem Umzug in ein neues Büro, so wird das den Mitarbeitern immer gerne als vorteilhaft für die Zusammenarbeit und Kommunikation schmackhaft gemacht. Aber machen wir uns nichts vor: beim Großraumbüro geht es ganz knallhart nur um Kosten, denn in einem Großraumbüro benötigt man pro Mitarbeiter weniger Quadratmeter als in herkömmlichen Büros. Der vermeintliche kommunikative Vorteil existiert kaum, eine Politik der offenen Türen reicht da völlig aus. Stattdessen stört die Geräuschkulisse im Großraumbüro massiv, vor allem, wenn viele Leute ständig telefonieren. Ich für meinen Teil, wenn ich die Wahl hätte, bevorzuge ein Einzelbüro, gefolgt von einem kleinen Teambüro (2-3 Personen), gefolgt von einem größeren Teambüro (4-8 Personen), gefolgt von einem guten Großraumbüro mit festem Sitzplatz (d.h. Schallschutzmaßnahmen und Privatsphäre gewährleistet). Ganz hinten kommt das schlechte Großraumbüro (ohne Schallschutzmaßnahmen und ohne ausreichende Privatsphäre) sowie ein Großraumbüro ohne festen Sitzplatz. Letzeres ist eigentlich nur bei Mitarbeitern akzeptabel, die maximal einen Tag pro Woche im Büro sind, also etwa Home Office-Arbeiter oder Consultants, die meist vor Ort beim Kunden sind. By the way, ich habe alle Büroformen, die ich erwähnt habe, bereits selbst erlebt.

Lukas

21.06.2016

Das sind noch längst nicht alle Nervfaktoren. Ich habe 3 Jahre in einem im Vergleich zu anderen sehr angenehmen Großraumbüro gearbeitet. Ich hatte das Gefühl, dass neben den von Natur aus unterschiedlichen Charakteren sich im Großraumbüro Zwangsneurosen, Persönlichkeitsstörungen und andere psychotische Auffälligkeiten verstärken. Im Nachhinein sind es Geschichten die ich zur Belustigung sehr gerne erzähle, jedoch war es live erlebt eine Zerreißbrobe meiner Nerven. Und es stimmt: Das Klima (Luftzug, Klimaanlage, Fenster, Temperatur und Luftfeuchtigkeit) ist ein Thema, das die Belegschaft spaltet und zu wahrhaften kleinkriegerischen Auseinandersetzungen führt. Gleiches gilt für die Geräuschkulisse. Ich wünsche es keinem, direkt neben der Ungedämpften Tür zum Druckerraum zu sitzen. Offenbar sind alle Kollegen so dermaßen unter Stress, dass die kinetische Energie des eilenden Gangs genutzt werden muss um im vorbei laufen noch eben schnell die Tür hinter sich herzuziehen. Das Ergebnis ist ein Knall, welcher die hinter sich liegenden Trockenbau Wände wanken lässt und eine Druckwelle die man im Nacken verspürt, als hätte man einen Schlag mit der flachen Hand darauf erhalten. Die immer größer und auffälliger werdenden Hinweiszettel, man möge bitte die Türe sanft schließen, verhelfen leider nicht zu einem Umdenken der Kollegen… Aber wie gesagt, nach dem ich die Vorhölle überstanden hatte, mutierten diese Folterqualen zu lustigen Anekdoten am Stammtisch. Prost!

Volker

21.06.2016

Sehr interessanter Artikel und die Kommentare.

Ich vergleiche das immer gern mit ner S-Bahn. Hier haben wir einen Großraumwagen, in der Innenstadt zu Stoßzeiten meist propevoll. Gerüche, Unterhaltungen… Grünpflanzen?-Fehlanzeige. Im Endeffekt ein super simuliertes Großraumbüro für die private Zeit.

Jetzt die Beobachtung:
Ein Kind im Kinderwagen schreit. Ich höre Unterhaltungen zwischen Menschen (Themen wie in den Büro´s) auf Deutsch, auf Englisch und Sprachen die mir nicht geläufig sind. Direkt neben mir telefoniert ein Mensch mit dem Finanzamt. Ich weiß es deswegen weil er es so laut erzählt, dass ich Ihm seine Steuererklärung machen könnte. Etwas weiter weg eine Frau die mit Anneliese telefoniert, allerdings sehr leise, ich weiß nicht worum es geht. Die zwei Jungs mit der Basecap hören Musik. Die Musik muss so gut sein, dass sie denken alle müssten Sie hören. Zwischendrin die zwei Maler, die sich nach getaner Arbeit in Ruhe ein Bier gönnen.

Achtzig Prozent der Leute haben aber eines gemeinsam. Sie sitzen -ohne Pause und ohne Zigarette ;)- mit Ihrem Handy da und schreiben hochkonzentriert Whats App-Nachrichten, spielen Spiele auf Ihren Smartphones oder arbeiten noch schnell am Laptop. Nicht einer von diesen 80 Prozent lässt sich durch das drumherum ablenken.

Warum geht das also in der S-Bahn sich bei diesem Umfeld auf viel engerem Raum zu konzentrieren und in einem Großraumbüro nicht? Ich denke, dass sich auf Arbeit auch viele Ablenken lassen wollen bzw. den drang haben andere im beruf zu stören – mit extremer Absicht. Ich denke es geht weniger um das Großraumbüro – vielmehr ist das Problem, dass Führungskräfte entweder
a) Ihr Personal nicht motiviert bekommen zu arbeiten,
b) in der Führung zu viel durchgehen lassen, oder
c) Personal einstellen, das sich für den Job nicht interessiert.

P.S. Der Vergleich mit einer S-Bahn hinkt zumindest in dem Vergleich, dass man sich persönlich eher nicht kennt – allerdings ist das auch in einem Großraumbüro nicht immer der Fall.

unbekannt

21.06.2016

+ Lautes Naseputzen
+ Regelmäßiges Tischtreten/-wackeln oder auf den Boden stampfen
+ Akustische Signale mobiler Endgeräte
+ Laute Gespräche von Kollegen am Arbeitsplatz oder im Gang
+ Das Aufplustern meist männlicher Kollegen, um ihre gemeinsame Seniorität zu untermauern
+ Dass niemand querlüftet
+ Zu laut eingestellte Kopfhörer (Selbstkrtik)

Tina

21.06.2016

Ich sitze seit Jahren in einem Großraumbüro mit ca. 300 Menschen (!) die auf 2 Abteilungen aufgeteilt sind.
Ich habe auch in kleinen Büros gearbeitet, aber ich fühle mich im Großraum wohler. Zudem gehöre ich einem Team an welches sehr viel telefonieren muss und da ist man es auch gewohnt, wenn Kollegen mal mehr oder lauter sprechen. Natürlich ist es manchmal nervig, gerade morgens wenn das Büro noch fast leer ist und dann jemand mit einem lauten Organ jedem einzeln 30 Minuten von seinem Urlaub erzählt. Aber andererseits war es im 4er Büro öfter so, dass sich eine Person ständig von der Arbeit abgehalten fühlte und permanent „psssst“ machte.
Das gibt es im Großraumbüro nicht.
Bei uns halten sich die meisten aber auch schon an die Regeln: nicht im Gang sondern eher in der Cafeteria (auf dem Stockwerk) unterhalten, wenn es privat ist um andere nicht zu stören oder einfach die Stimme etwas zu senken. Dadurch stört uns natürlich auch nicht, wenn jemand einen Apfel oder Mörchen isst.

Das einzige es uns alle nervt ist das dauernde Rauschen der Klimaanlage und der Drucker – der ist einfach unglaublich laut und steht genau bei uns im Bereich!

Jan

21.06.2016

Persönlich gesehen, ist es nur der eigene Blickwinkel den man auf die Geräusche, Gerüche und anderen Eindrücke hat. Ein kleines Experiment: Bitte mal auf die Tastatur und Maus Klicks des Nachbarn achten und diese unbedingt als störend aufnehmen. Ich verspreche nach ein paar Tagen liegen die eigenen Nerven etwas blanker vor.
Vor ein paar Monaten sind alle Mitarbeiter meines Unternehmens (ca. 5000) von ca. 6 MA Zimmer in ca. 70 MA Großraumbüros umgezogen. Weg vom festen Arbeitsplatz hin zu jeden Morgen aufs Neue einen Arbeitsplatz suchen und abends wieder alles abräumen Kultur. Dabei wird auch die Belegung mit 120% gerechnet, also 1.2 MA auf einen Arbeitsplatz, weil Urlaub und andere Abwesenheit hier einrechnen. Die meisten Mitarbeiter sind jeden Tag normal im Büro, keiner ist auf Reise wie ein Consultant.
Neben den diversen Geräuschen und Gerüchen gibt es die Temperatur, Fenster auf/zu, Luftzug, der Lieblingsplatz ist besetzt weil da plötzlich ein zeitlich früher kommender MA sitzt, man muss jetzt früher aufstehen um wieder seinen Lieblingsplatz zu ergattern, höhere Manager die auch da drin sitzen fühlen sich beobachtet insbesondere was da auf deren Monitoren steht, höhere Manager werden von der Hierarchie weit unten angesprochen mit Belanglosigkeiten weil sie sich bemerkbar machen müssen, weil wir jetzt ja alle ein großes Team sind. Und so weiter, Störungen sind jetzt massenhaft vorhanden, letztendlich muss man lernen seinen Blickwinkel auf diese Dinge zu ändern und zwar schnell oder man sollte woanders sein berufliches Glück suchen.
@Produktivität: bricht die zusammen durch die Ablenkungen oder erhöht die sich weil man jetzt vielleicht mehr arbeitet, da man früher private Dinge leichter unbeobachtet erledigen konnte? Ich weiß es nicht. Wir müssen es erst lernen dies objektiv zu messen und zu vergleichen.

Checknix

21.06.2016

Zum Glück sitze ich nicht in einem Großraumbüro, habe das aber bei Kollegen auf der Etage miterlebt. Ein derartiger Wahnsinn… der Chef hat eine vorher abgeschaffte Führungsebene wieder eingeführt, weil er das Gekeife nicht abhaben konnte und so an jemanden delegieren konnte, der sich wirklich gut darum kümmerte. Trotzdem: wenn man einen Lüftungszeitplan aufstellen muss, weil’s einer zieht und dem anderen viel zu heiß ist, ist schon arg. Alle 2 Stunden hat dann einer ein Glöckchen geläutet und die Fenster wurden 5 Minuten geöffnet. Ich denke auch, dass die Produktivität enorm nachlässt, wenn so viele Leute auf engem Raum arbeiten müssen. Dumm auch, wenn dann der Raum auf Nord-, Ost- und Südseite geht und schlecht isoliert ist. Dann hat objektiv jeder recht, der friert oder schwitzt. Merkwürdig, dass auf „Arbeitnehmerkomfort“ so wenig geachtet wird, kosten die doch am meisten Geld…

A.O.

21.06.2016

Also mein erstes Großraumbüro bei der großen deutschen Luftfahrtfirma war eigentlich o.k.. Es war eine riesige Halle und diese war relativ gering besetzt und mit vielen Lärmschutzwände versehen. Zwei Nachteile gab es jedoch: zum einen flackerten dauernd irgendwelche Neonröhren, die kaputt waren und die in einer Höhe von 5 m nicht möglich regelmäßig ausgetauscht worden. Weiterhin hatten die CAD-Zeichner ein Problem. Sie hatten Spiegelungen im Bildschirm, so dass sie sich Pappkartons um die Bildschirme geklebt haben.

Bei der nächsten Firma schon nicht mehr so lustig: Hier hatten wir einen 10-Mann-Büro, in dem Computer mit einer Heizleistung von fast 10 kW standen. Es war ein Container. Die Temperaturen stiegen, gemessen mit einem billigen Thermometer, nachmittags bis auf 32 °C an. Der Betriebsarzt meinte, ich müsse das aushalten, weil ich ein Sportler wäre. Soweit zum Thema „Betriebsarzt“ mit hippokratischem Eid. Nachdem mir regelmäßig nach dem Essen fast der Kreislauf kollabierte, hat mir dann mein Internist das Medikament „Korodin“ verschrieben. Vor Verzweiflung ging ich dann zum Betriebsrat. Dieser Tat genau nichts. Das eingeschaltete Gewerbeaufsichtsamt wies wieder den Betriebsrat an, etwas zu tun. Mein Chef „argumentierte“, dies wäre „Sachzwang“. Mittlerweile sitzt er als Chef bei einem großen Luftfahrtunternehmen. Nebenbei waren im Büro Leute, die extrem laut ins Telefon bei Privatgesprächen plärrten. Mein direkter Kollege stoppte, dass mein Chef 3 h privat telefonierte. Dieser war richtig genervt, da unser Chef Serbe war und mein Kollege Russisch verstand. Also 3 h lang täglich Berieselung mit russischen Wortfetzen. Irgendwann ging dann die Firma pleite.

In der nächsten Firma, in der ich arbeitete, fand man irgendwann vorwarnungslos montags und freitags Einkäufer im Großraumbüro direkt neben meinem Schreibtisch. Diese redeten tatsächlich 8 h mit erhobener Stimme am Telefon und wenn sie einmal einen Kaffee holten, klingelte das Telefon. Arbeiten unmöglich. Irgendwann habe ich mir dann eine Mickymaus gekauft und so gearbeitet.
Weiterhin waren auch in dieser Firma, die sehr weit im Süden ist, permanent die Klimaanlage kaputt. Es hieß dann immer: Sie werden heute repariert, wobei das „heute“ dann im allgemeinen in 3-4 Tagen war. Man ist ja Energiesparer.
Irgendwann bin ich bei dieser Firma rausgeflogen, weil ich ja aufsässig war.

Nebenbei kenne ich Kolleginnen, die ohne Großraumbüro das Parfüm „Poison“ offensichtlich meterdick auftrugen. Hier reichte es, dass sie am Büro bei offener Türe vorbeigingen, um den widerlichen Gestank noch eine halbe Stunde weiter ertragen zu müssen. „Argument“ einer anderen Kollegin: „Wenn sie abends in der Disko ist, liegen ihr damit doch die Männer zu Füßen“.
Dann war noch eine, die Tabledancerin war und dann im Sommer dann eine Heizung ins Büro stellte. Das war in einem Nachbarbüro. Um abzunehmen hat sie quasi nichts gegessen. Damit nimmt man aber nicht ab: Der Körper reduziert einfach den Energieverbrauch in den Gliedmaßen und man friert.

Ich selbst bin relativ unruhig und musste auch schon Projekte leiten, bei denen ich 8 h am Telefon hing. Wenn ich bei diesen in einem Großraumbüro gesessen hätte wären die Kollegen wahnsinnig geworden. Im konkreten Fall ist nur mein Chef fast wahnsinnig geworden, der mit mir im Büro saß. Hat er mal gesagt.

Hühnern in Legebetrieben geht’s besser: Denn die haben perfekte Klimaanlagen, die auf das Zehntelgrad die optimale Temperatur einhalten. In NEUEN EU-gerechten neuen Schweine- und Kuhställen ist das genauso. Nur in Großraumbüros- da sind die Lebewesen darin irgendwie egal. Wie schön, dass sich Gutmenschen in Deutschland für Tierschutz einsetzen!

Aber technische Zusammenhänge werden ja sowieso in unserer Gesellschaft komplett ignoriert.

Torsten

22.06.2016

Telefonieren nervt immer. Ich frage mich ob man nachfragen darf, wenn einem am Gespräch des Kollegen mit dem Kunden noch was nicht klar ist?

Im Winter nervt es, wenn aus anderen Büros jemand rüber kommt:“Das ist ja dunkel bei euch!“ *Licht an* *Büro verlassen* Kommt mit über fürsorglichen Kollegen nahezu täglich vor.

Liridon

22.06.2016

Ich muss Karsten unbedingt zustimmen. Wir haben in unserer Abteilung auch einen Kandidaten, der ständig laute Selbstgespräche führt. Von ihm kommen sogar Aussagen wie: ,,So, ich gehe jetzt mal eben pullern.“ Wen interessiert das bitteschön !?

Matina

22.06.2016

Laute und längere Diskussionen. Dafür gibt es Pausenräume.

Rita

24.07.2016

Wenn sie ein paar Kilo Mett mit Zwiebeln statt Geburtstagskuchen mitbringen, und es stinkt den ganzen Tag im Büro 😖

Sandra Heinrich

24.07.2016

Es gehört dringend die Verwendung von Parfums am Arbeitsplatz untersagt, nicht nur im Großraumbüro. Es gibt Leute, die leiden an einer Duftstoffallergie (so auch ich). Gegen Abend ist meine Stimme weg und die Lunge brennt wie Hölle. Der Spießrutenlauf geht leider schon morgens in den öffentlichen Verkehrsmitteln los. Hierbei geht es übrigens nicht um die normale Verwendung des Deos. Rauchen ist schließlich auch nicht am Arbeitsplatz erlaubt und zum abarbeiten der anfallenden Arbeit ist Parfum nicht notwendig.

Durch das ständige Einatmen der Duftstoffe laufe ich leider Gefahr auf lange Sicht arbeitsunfähig zu werden, da sich die Unverträglichkeit verschlimmert. Ich möchte nicht deswegen der Allgemeinheit auf der Tasche liegen, sofern ich überhaupt eine Chance habe das anerkannt zu bekommen.

Eine Bekannte von mir ist seit sie 27 Jahre alt ist leider arbeitsunfähig und bekommt es immer noch nicht anerkannt, obwohl sie schon bei einer Gerichtsverhandlung mit dem Krankenwagen wegen eines anaphylaktischen Schocks hat abgeholt werden müssen, weil einer der Anwesenden natürlich Parfum an sich tragen “musste“. Traurig…

Melanie

09.08.2016

beim Wort „Großraum“ stellen sich mir immer die Nackenhaare – ich würde mal behauten, das kaum eine Firma in Deutschland tatsächlich einen „Großraum“ baut sondern doch eher Open Space Flächen/ Moderne Bürowelten ….

So nun das aus meiner Sicht Beste an der neuen Welt:
Moderne Arbeitsumgebung, die Möglichkeit mal von zu Hause aus zu arbeiten, Sichtbarkeit der Kollegen, Abteilungsübergreifende Kommunikation
Negatives? Ja sicherlich, vielleicht mal der ein oder andere, der am Arbeitsplatz seinen „Leberkässemmel“ verspeist oder sich ein Telefonat emotional aufheizt – aber Kommunikation hilft – einfach ansprechen….. oft merken ihre Kollegen gar nicht, dass Sie zu laut sind….

Genervter

03.11.2016

Tägliches Dauerpfeifen von unzusammenhängenden schrecklichen Melodien, nachpfeifen von Telefonklingeln und Pfeifen von Weihnachtsliedern – sogar im Sommer! Das ist echt wahnsinnig nervtötend und treibt einen zur Weißglut! Der Kollege weiß dies, kann oder möchte aber seinen Drang nicht unterbinden. Da hilft auch Ansprechen nichts.
Dem Chef stört es nicht. Also wenn es dem Chef nicht stört, ist doch alles wunderbar, nicht?

Günther

30.11.2016

Das Großraumbüro hat wirklich den Vorteil, dass man bei Gesprächen anderer Kollegen mehr oder weniger zufällig wichtige Infos mitbekommt. So konnte schon einiger Aufwand an Doppelarbeit vermieden werden. Aber leider sind natürlich viele der in den anderen Kommentaren genannten Nachteile nicht von der Hand zu weisen. In meinem Büro kommen noch die fehlende Trennung zum Gang und zum benachbarten Labor, sowie die mal mehr mal weniger laut rauschende Lüftungsanlage erschwerend hinzu.
Absolut unabdingbar für ein Großraumbüro ist ein rücksichtsvolles und professionelles Miteinander. Wenn nebenan zu laut diskutiert wird setze ich schon mal demonstrativ einen gelben Gehörschutz auf. Das bemerken die Kollegen und nehmen dann meistens Rücksicht. Wenn das nicht hilft, dann bitte ich die Leute höflich sich in ein Besprechungszimmer zu verziehen. Bisher hat das immer funktioniert.

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