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Konflikte

Besserwisser, Dauerflirter, Jammerer - so bändigen Sie Problem-Kollegen

Sie drücken sich vor der Arbeit, quatschen bei jeder Gelegenheit oder prahlen ständig  rum – die lieben Kollegen können ganz schön nerven. Aber mit der richtigen Strategie bekommen Sie jeden in den Griff.

Bernd Stromberg, der Horror-Chef aus der gleichnamigen Fernsehserie, hat einmal gesagt: „Büro ist Krieg.“ Ganz so schlimm geht es an den meisten deutschen Arbeitsplätzen wohl nicht zu. Aber wenn Kollegen 40 und mehr Stunden pro Woche zusammenarbeiten, kann es ganz schön krachen. Hier ist eine Typologie der nervigsten Charaktere im Büro – und Tipps von Experten, wie man mit ihnen klarkommt.

Der Angeber

Keiner hat eine breitere Brust. Der Angeber-Typ spricht laut, lacht aufdringlich, lobt seine Leistungen – selbst dann, wenn sie eigentlich ein Verdienst des Teams sind. „Alles Rampenlicht, das er auf sich zieht, bedeutet Dunkelheit für die Leute um ihn herum“, gibt Karriereberater Martin Wehrle zu bedenken.

Expertentipp: Frontalangriff. „Manchmal ist es gar nicht so schlecht, ihn bloßzustellen„, sagt Karriere-Coach Svenja Hofert. Also auf Fehler hinweisen oder vor anderen klarstellen, dass die Leistung von der Gruppe erbracht wurde. Buchautor Jens Weidner erklärt: „Im Zweiergespräch wird er sagen, das habe ich nicht so gemeint. Deswegen ist es wichtig, das in der Gruppe zu machen“. Der Professor für Erziehungswissenschaften und Kriminologe schlägt vor, schon im Voraus das eigene Netzwerk dafür zu sensibilisieren, dass sich da einer mit fremden Federn schmückt oder maßlos übertreibt.

Der Besserwisser

Nach seiner Meinung hat zwar niemand gefragt, der Besserwisser tut sie aber trotzdem kund. „In Vereinbarung XY steht das aber anders, Herrn Soundso würde ich damit lieber nicht nerven, trink lieber Tee, das ist gesünder“ – die Schwelle zwischen hilfreichem Rat und nerviger Belehrung ist schnell überschritten. Besonders unangenehm wird es, wenn der Besserwisser Kollegen vor versammelter Mannschaft korrigiert.

Expertentipp: Kontern. Wehrle empfiehlt, mit gleichen Waffenzurückzuschlagen: „So jemand belehrt gern, aber er hasst es zugleich, bei Fehlern ertappt zu werden.“ Wenn er merkt, dass seine Kollegen genau hinschauen, wird er mit Kritik vorsichtiger werden. Im Meeting begegnet man ihm am besten mit Schlagfertigkeit, sagt Weidner.

Der Faulpelz

Alle ackern, um einen Auftrag pünktlich zu erledigen – nur einer zieht nicht mit. „Faule Kollegen geben Arbeitsanweisungen und machen selber nichts oder sie fallen überhaupt nicht auf“, erklärt Hofert. Im schlimmsten Fall bremsen sie die ganze Gruppe aus.

Expertentipp: null Toleranz. „So jemand lebt von der Solidarität der Gruppe, die ihn deckt“, sagt Wehrle. Die Kollegen sollten dem Faulpelz die Arbeit nicht abnehmen, sondern sichtbar machen, dass er sie nicht erledigt. Weidner rät: „Geben Sie ihm eine arbeitsintensive Aufgabe, die keiner braucht. So beschäftigen Sie den Faulpelz, ohne dass er das Team runterziehen kann.“

Der Schüchterne

Er spricht kaum – und das kann zum Problem werden. Die Kollegen wissen nicht, wie weit der Schüchterne mit seiner Arbeit ist, in Meetings schweigt er zu seinen Ideen, bei Präsentationen hält er sich lieber im Hintergrund. So kann viel Potenzial verloren gehen.

Expertentipp: Integration. „Schüchterne Menschen muss man aktiv einbinden„, rät Wehrle. Also immer wieder nach deren Meinung fragen, um ihr Wissen für die Gruppe zu erschließen. Oder mal in die erste Reihe schieben: „Dem Schüchternen kann es gut tun, wenn er mal für die Gruppe sprechen muss und merkt, ich kann das„, sagt der Karriere-Coach. Zurückhaltende Kollegen seien oft die besten Experten.

Der Flirter

Ein anzüglicher Spruch am Morgen, ein unpassendes Kompliment beim Mittagessen – notorische Flirter überschreiten oft die Grenze zwischen nett und lästig. Ergebnis: Die Angesprochenen fühlen sich nicht geschmeichelt, sondern unwohl.

Expertentipp: Grenzen ziehen. „Er denkt oft, er macht etwas Gutes“, erklärt Hofert. Im Gespräch unter vier Augen sollten Betroffene deswegen ganz deutlich machen, dass die Sprüche sie stören – und notfalls den Vorgesetzten einschalten. Wehrle empfiehlt, anhand von Beispielen zu erklären, wo die Grenze ist. „Wenn ich nichts tue, könnte das wie eine Ermutigung rüberkommen“, warnt er.

Der Jammerer

Schnupfen im Anflug, Bürostuhl unbequem, schlecht geträumt – irgendeinen Grund hat der Jammerer immer, den Kollegen sein Leid zu klagen. Auf Dauer erntet er damit genervte Blicke statt Mitleid. „So ein Mensch wirkt wie Gift in einem Brunnen, der kann viele anstecken, und der Stimmungspegel geht runter“, sagt Wehrle.

Expertentipp: Direkt werden. „Was gefällt dir hier eigentlich?» oder „Wenn du dich hier so unwohl fühlst, warum bist du noch da?“ sind Fragen, die den Jammerer ins Nachdenken bringen. Spricht der Unzufriedene berechtigte Punkte an, kann man ihn um konstruktive Vorschläge bitten. So könne man ihn vom Sand im Getriebe zum Mitarbeiten bringen, erklärt Wehrle. Hofert gibt zu bedenken, dass das Jammern auch ein Persönlichkeitszug sein kann. Dann helfe manchmal nur: Auf Durchzug schalten.

Der Gesprächige

Er hört sich selbst gern reden und merkt nicht, wenn er stört. Während er von der letzten Yogastunde oder dem Urlaub auf Sylt erzählt, wippen seine Kollegen ungeduldig mit den Füßen und wollen eigentlich nur weiterarbeiten. Ein Meeting dauert schon mal zehn Minuten länger, wenn der Gesprächige in Fahrt kommt.

Expertentipp: Manieren über Bord werfen. «Gerade Frauen neigen dazu, Kollegen aus Höflichkeit ausreden zu lassen“, erklärt Hofert. Den Gesprächigen darf man aber getrost unterbrechen, am besten mit der klaren Ansage „Tut mir leid, ich will jetzt weiter arbeiten.“ Wehrle empfiehlt klare Körpersprache: „Blickkontakt abbrechen, Augen auf den Bildschirm, zum Telefonhörer greifen, als wäre er nicht da.“ Im Meeting rät Weidner zu einem knappen „Bitte kommen Sie auf den Punkt.“ Oder man lässt den Vielredner mit folgendem Satz auflaufen: „Ihre Beiträge überraschen…eine Hilfe sind sie nicht.“

11 Kommentare

Sarah Özekcin

14.06.2016

Sehr charmant geschrieben!
Jeder kennt diese Persönlichkeiten auch im Alltag. Diese Tipps helfen einem also nicht nur im Büro.

Krummbeer

14.06.2016

Also solche Sätze soll ich Kollegen sagen: „Ihre Beiträge überraschen…eine Hilfe sind sie nicht.“ …vor versammelter Mannschaft?
Warum gleich das A…loch markieren? Wie wäre es z.B. mit einem Warnschuss, also eiem Wink mit dem Zaunpfahl. Oder mit Sicherheit ist erst mal die Sache mit Humor nehmen kollegialer! Das kann auch alles bestimmend rüber kommen.
Oder sind die Problem-Kollegen gleichzeitig Vollidioten und verstehen die Sprache durch die Blume nicht? Wenn dem so ist, dann muss es eben so respektlos direkt sein, wie in den Vorschlägen. Das kann jedoch in bestimmten Konstellationen, frei nach Stromberg, zum Krieg führen.

Achim Lammers

14.06.2016

In mir regt sich Widerstand, wenn ein „Faulpelz“ mit einer unnützen Arbeit von den Kollegen ferngehalten werden soll. 100% Gehalt für 0% Nutzen? Damit unterstützt man sein Verhalten nicht nur, sondern gibt auch den Kollegen ein Zeichen, dass Effektivität und Effizienz eine untergeordnete Rolle spielen.

Annette Becker

14.06.2016

Solange es sich um Einzelfälle handelt mag das funktionieren. Wenn jedoch die normal unterschiedlichen Temperamente und Persönlichkeiten hier zugeordnet werden, wird hier schnell die Grundstimmung in einem Team an die Wand gefahren.

TJ

14.06.2016

Meine Meinung: Mit diesen Tipps verlagert sich nur das Problem.
Eskalation kann auch abstumpfend wirken. Hinterher interessiert sich keiner für nichts mehr und macht nur noch sein Ding.
Mir scheint der interveniernde Charakter hier auch keine Vorbildfunktion zu haben.

Gerald Höferer

14.06.2016

Klasse geschrieben! Hatte gerade ein Dejavue aus meinen Gemeinderatssitzungen mit dem ganzen Potpourri der beschriebenen Charaktere. Am Schlimmsten finde ich die egomanisch, selbstverliebten Kollegen, die jede Sitzung bis Mitternacht totquatschen. Werde mir nun ein paar „Pfeile in den Köcher“ packen. Danke

Maria BRANDL

14.06.2016

Leider Gottes sind dies Charaktere und kaum , oder nur begrenzt abzustellen ! Jeden Tag immer wieder mühsam mit solchen Kollegen zusammenzuarbeiten ohne gröbere „Reibereien“ !
Wenn was voll nervt muß man selbst etwas ändern , glaube ich !

Stefan Schwab

14.06.2016

Wie verhält es sich, wenn einer der lieben Kollegen gleich drei oder mehr Eigenschaften auf sich vereint?
Vermute mal, es wird dann nicht einfacher, dem zu korrekt zu begegnen.

Manchmal frage ich mich diesbezüglich schon: wo fängt bitte Mobbing an?

Goetz von Broecker

14.06.2016

Einer fehlt noch… Der Analystling… er kann immer genau sagen das die Pläne so nicht klappen… das ging noch nie… da gibt es gar kein Budget … das hat noch keiner benötigt.
Mein Rezept: solchen Leuten die Aufgabe geben auszuarbeiten, unter welchen Bedingungen es doch ginge… also zur Synthese zwingen.

dakhb

14.06.2016

…da hab ich noch einen punkt, der sehr heikel ist. was kann ich machen wenn jemand sein persönlichen kram (leergut,mehrere halbvolle kaffeetassen mit schimmelbildung, brotpapier etc.) rumliegen lässt, und die kollegen ihm schon die tassen auf den tisch gestellt haben, er aber immer wieder die sachen rumstehen läßt. ich muss dazu sagen, das er fachlich sehr kompetent ist und auch ein kollegialer ma ist?

Melanie

09.08.2016

sehr netter Artikel, einige der Charaktere sind mir durchaus auch schon begegnet – mal sehen wie ich nach diesen Infos künftig damit umgehen werde – jedoch die Kolleginnen und Kollegen vor gesammelter Mannschaft bloßstellen, das ist nicht mein Fall – ich gehe mit meinen Kollegen/innen doch kollegialer um – meine ich…

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