Arbeit & Bildung

Die Leiden der Hochbegabten: Sind auch Sie zu schlau für Ihren Job?

Ihren schnellen Gedanken kann niemand folgen. Sie haben ständig neue Ideen, rennen zum Chef – oder missachten Hierarchien. Hochbegabte tun sich oft schwer im Job. Und kämpfen mit den Vorurteilen ihrer Kollegen.

Ein Superhirn müsste man haben – dann wäre der Berufsalltag ein Leichtes. Statt Überstunden zu machen, ginge man jeden Tag pünktlich um 17.00 Uhr nach Hause. Und der Chef meckert nie über Fehler, weil man als Hochbegabter keine macht.

Keine Frage: Wer eher durchschnittlich veranlagt ist, findet ein paar mehr graue Zellen erst einmal attraktiv. Tatsächlich ist das Etikett „hochbegabt“ häufig jedoch eher ein Makel. Das zeigt eine neue repräsentative Studie. Die Mehrheit der Bevölkerung steht Hochbegabten eher negativ gegenüber – und das wirkt sich gerade auch in der Arbeitswelt aus.

Eine Forscherin der Universität Duisburg-Essen hat in einer Studie 1029 Erwachsene zu ihren Vorstellungen über Hochbegabte befragt. Dabei zeigte sich, dass die Befragten im Mittel Hochbegabten ein hohes Potenzial zuschreiben und sie für sehr leistungsfähig halten. Rund zwei Drittel bescheinigten ihnen aber auch, schwierig im sozialen Umgang zu sein und emotionale Probleme zu haben.

Tanja Gabriele Baudson Hochbegabung.

Tanja Gabriele Baudson forscht an der Universität Duisburg-Essen zum Thema Hochbegabung. ©Foto: Claus Martin

„Das Klischee, dass Hochbegabte sozial schwierig und emotional labil sind, hält sich hartnäckig“, sagt Forscherin Tanja Gabriele Baudson, Autorin der Studie. Dabei gebe es in wissenschaftlichen Untersuchungen keinerlei Hinweise darauf, dass hohe Intelligenz mit niedrigen sozialen Fähigkeiten einhergeht. Wer hochbegabt ist, sollte das in der Arbeitswelt trotzdem lieber für sich behalten, rät Baudson – oder zumindest nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen, bevor man seine Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt hat.

Ab einem Intelligenzquotienten von 130 geht man derzeit von einer intellektuellen Hochbegabung aus. Gut zwei Prozent einer Altersgruppe zählen zu dieser Gruppe. Zum Vergleich: Die meisten (68,2 Prozent) haben einen IQ zwischen 85 und 115.

Wer mit einer Hochbegabung auf die Welt kommt, hat das Potenzial, im Beruf besonders erfolgreich zu sein, erläutert Baudson. Das ist aber nicht automatisch der Fall: Denn neben der Veranlagung braucht es Förderung etwa durch das Elternhaus und die Schule. Und derjenige muss außerdem die Motivation in sich tragen, etwas leisten zu wollen.

Ohnehin sei es schwierig, von „den Hochbegabten“ zu sprechen, sagt Baudson. Denn die Fähigkeiten der Menschen sind sehr unterschiedlich. Häufig beschränkt sich Hochbegabung auf einen bestimmten Bereich. Entgegen den Mythen, die sich um Hochbegabte ranken, denken sie auch nicht anders als durchschnittlich Begabte. Sie denken nur schneller.

Auch wenn laut Baudson Hochbegabung nicht die Ursache für Probleme ist, so haben manche im beruflichen Umfeld Schwierigkeiten. Mit ihnen hat Karriereberater Heinz-Detlef Scheer täglich zu tun. Er bietet Coaching für Hochbegabte an. Seine Klienten kämpfen häufig damit, dass ihr Verhalten auf andere merkwürdig wirkt: Wenn ihren schnellen Gedanken niemand folgen kann, wirkt das auf manche arrogant. Andere haben ständig neue Ideen und rennen zum Chef. Manche missachteten Hierarchien. Die Hochbegabten selbst sind frustriert: Sie haben Hunderte Ideen, und die Firma setzt sie ihrer Meinung nach zu langsam um. Verstehen Kollegen sie nicht so schnell, werden sie ungeduldig.

Viele Konflikte lassen sich dadurch entschärfen, dass der Hochbegabte um seine Besonderheit weiß und sich damit auseinandersetzt, wie er auf andere wirkt, sagt Scheer. Aber: Längst nicht jeder weiß, dass er überdurchschnittlich intelligent ist.

Hochbegabter Marcus Guttenberger

Marcus Guttenberger hat erst mit 38 Jahren erfahren, dass er hochbegabt ist. Für ihn war diese Erkenntnis wichtig. Im Nachhinein hat sich dadurch für ihn manche Schwierigkeit erklärt, die er hatte. ©Foto: Information Services GmbH

So war es auch bei Marcus Guttenberger. Als er von seiner Hochbegabung erfuhr, war er bereits 38 Jahre alt. In der Schule ist er in der elften Klasse sitzengeblieben und danach am Gymnasium ausgestiegen. Da seine ganze Familie im Hotelfach ist, hat er zunächst eine Lehre zum Hotelfachmann gemacht. Später sattelte er dann auf Informatik um. Mit 38 Jahren kam er in eine Situation, in der er sehr unzufrieden mit seinem Job war. Es fehlte etwa an interessanten Perspektiven, und auf der Karriereleiter ging es auch nicht so schnell voran, wie er wollte.

Er landete bei Karriereberater Scheer. Als der einen IQ-Test vorschlug, fand Guttenberger das erst einmal lustig: „Dass ich hochbegabt sein soll, hat mich schon überrascht», sagt er. Doch die Vermutung stimmte: Sein IQ liegt bei 135. Guttenberger arbeitet inzwischen als Berater, ist seiner Branche aber treu geblieben. Er ist deutlich zufriedener. Dass er hochbegabt ist, erklärt für ihn nun im Nachhinein manche Schwierigkeit, die er hatte. Und vor allem eins hat sich geändert: Er kann seine Hochbegabung jetzt gezielt für den Job nutzen. Sie ist nicht mehr Bürde, sondern Gabe.

Text: Kristin Kruthaup, dpa


Wer seinen Intelligenzquotienten messen will, hat die Möglichkeit, das beim Psychologen machen zu lassen. Die Kosten für einen IQ-Test liegen je nach Institution bei mehr als 100 Euro. Diese Kosten übernimmt die Krankenkasse in der Regel nicht. Eine andere, kostengünstigere Möglichkeit ist es, den Test beim Begabtenfördernetzwerk Mensa zu machen, sagt Marc Messer, Sprecher des Hochbegabten-Netzwerks „Mind – Mensa in Deutschland“. Mensa bietet Tests in rund 80 Städten an. Dort liegt die Gebühr bei 49 Euro – der Test dauert ungefähr 90 Minuten.

24 Kommentare

Thomas Braun

19.05.2016

Hochbegabte haben das Problem, aber auch jeder andere Mensch hat diese Herausforderung. Die Intelligenz muss oft an der Drehtüre zum Unternehmen abgegeben werden, zumindest Teile der Intelligenz. Kommt hinzu, dass wo Menschen zusammenarbeiten oft das Phänomen des kollektiven Intelligenzverlust auftritt (ist wissenschaftlich gut untersucht). Das Problem liegt u.U. darin, dass der Mensch offenbar nur beschränkt Erkenntnisgewinn erträgt, ich vermute, dass da das Optimierungssystem unseres Gehirns dahintersteckt. Oder kurz gesagt, Erkenntnisse werden von anderen Menschen oft als Problem wahrgenommen.

Sümeyye Algan

19.05.2016

Vielen Dank für diesen Artikel.
Mich beschäftigen aber zusätzlich folgende Fragen:
Wie macht sich eine mangelnde emotionale Intelligenz in Kombination, sowohl bei einem Hochbegabten, als auch bei einem durchschnittlich begabten Menschen in. Bezug auf das Miteinander innerhalb des Unternehmens und im Verhältnis zu den Kollegen und den Chefs bemerkbar?
Meine Vermutung wäre nämlich, und damit möchte ich nichts vorweg nehmen, dass es eher von der EQ abhängig ist, statt vom IQ.

Walter Pankoke

19.05.2016

auch ich halte die Früherkennung der HI für sehr wichtig, da man damit die Weichen stellen kann für ein angenehmes und anerkannt kreatives Leben zum Wohle des eigenen Körpers, der Familie und unserer Gesellschaft.
Das soziale ehrenamtliche Engagement steht dem nicht im Wege, im Gegenteil, es fördert den gemeinsamen Erfolg. Die Anerkennung von Normalbürgern, denen mal geholfen und beraten hat, ist einfach für die eigene Gesundheit von unschätzbarem Wert !!!!!!!

Maik

19.05.2016

Ein hoher EQ verbunden mit einem hohen IQ wünsche ich niemanden. Ich glaube, dass es zu trifft, dass weniger Intelligente Menschen zufriedener sind – sei es privat oder im Job. Zu erkennen, dass Kollegen neidisch auf dich sind oder einfach verunsichert im Umgang mit dir sind, macht dich noch unzufriedener. Sie sind nicht in der Lage ihr Verhalten zu refkektieren um zu erkennen, warum sie sich so verhalten.

Monika-Andreea Hondru

19.05.2016

Der Artikel ist toll. Erklärt schon manches bei mir. Deshalb der Weg zur Selbständigkeit war eine gute Option.
Sümeyye Algan – Mag sein, dass auch ein EQ niedriger sein kann als ein IQ, obwohl, ich denke (wie in meinem Fall) dass der EQ ist eher oft höher als der IQ. Menschen mit einem IQ über 130 bleiben frustriert, weil sie fühlen sich missverstanden. Jemand mit ein IQ von 85 kann ihnen gar nicht in ihren Gedanken folgen. Bei einen IQ von 85 denke ich, dass der EQ auch niedrig ist, weil die Wahrnehmung der Gefühle Anderer gering bleibt.
Ein IQ unter 100 hat deutlich Schwierigkeiten, die Emotionen Anderen zu deuten und ihnen zu folgen. Er müsste sich ständig anstrengen, diese „Arroganten“ zu verstehen, obwohl die Arroganz nur eine Maske ist. Viele schützen sich damit.
Die mit einem IQ über 130 haben in der Regel den EQ auch deutlich erhöht. Zumind. das ist meine Beobachtung.
Die Schlüsselverbindung liegt wie in einem Dreieck : Verständnis, Kommunikation und Wahrnehmung. … Und das ist Tagesbedingt.

BD

19.05.2016

Hohe Auffassungsgabe und schnelle Gedanken sind in der Tat eine berufliche Herausforderung, da man insbesondere als Fūhrungskraft darauf achten muss, ob auch alle mitkommen. Eine weitere Herausforderung ist die sich schnell einstellende Eintönigkeit und die permanente Suche nach Herausforderungen, nach Neuem. Selbst hochgradig ausgeprägte Antennen für Situationen und kollektive Stimmungen sind eine grosse Herausforderung, der man mit seinem Verhalten nicht immer begegnen will. Am Anfang und Ende steht immer die aller größte Herausforderung, man selbst.

Marta Wolff

19.05.2016

Ich glaube nicht, dass es die Hochbegabten sind, die sozial schwierig sind. Es sind deren Ideen, die von der Umgebung als anstrengend wahrgenommen werden, denn neue Ideen verlangen erstmal ein Nachdenken, machen dann in der Umsetzung zusätzlich Arbeit, erfordern womöglich Änderungen, schaffen Unsicherheit – also alles Dinge, die einen aus der Komfortzone und der täglichen Routine befördern. Damit ist der Hochbegabte oder auch jeder andere, der neue Ideen einbringt, ein permanenter Unruhestifter und entsprechend unbeliebt. Mit der Zuschreibung „sozial schwierig“ wird dann ein Innovationsproblem einfach auf den Innovator abgewälzt. Wobei auch der kreativste Hochbegabte stets jemand braucht, der die grandiose Idee durch Widerstände, organisatorische Details und sonstige reelle Anforderungen in die tägliche Umsetzung kämpft – hier machen die kreativen Ideengeber nämlich oft schnell frustiert schlapp. Schade, dass sich die Gesellschaft/das Team/die Kollegen oft nicht so arbeitsteilig begreifen und gegenseitig wertschätzen können.

Klaus Weber

19.05.2016

Ich habe immer wieder festgestellt, dass viele Menschen aus unterschiedlichen Motiven heraus Intelligenz / intelligente Menschen suchen. Je nach Motiv, etwa bei der Stellensuche, wird ein bestimmtes Maß an Intelligenz gesucht. Zu hohe Intelligenz, welche dazu führen kann den oder die Vorgesetzten schlecht oder gar als unfähig aussehen z lassen, wird abgelehnt. Wenn dann noch ein hohes Selbstbewußtsein hinzu kommt, dann hat man keine Chance. Die meisten Angestellten sollen Vorgestzten gegenüber demütig, gern auch unsicher auftreten. Zu diesem Thema könnte ich (57 Jahre alt) ein dickes Buch schreiben.

Sebastian

19.05.2016

Die beschriebene Karriere erinnert mich an meine eigene. In der Oberstufe habe ich eine Ehrenrunde gedreht, Ich habe mich oft unterfordert gefühlt, und aus dieser Unterforderung ist leider oft eine Überforderung geworden, nämlich dann, wenn die mündliche Note 50% der Wertung ausmacht, man aber ernsthafte Probleme hat, seine Konzentration bei Laune zu halten.

Statt auf den Unterricht zu konzentrieren habe ich mich oft mit populärwissenschaftlicher Lektüre von Stephen Hawkings beschäftigt, Einsteins Relativitätstheorie, wollte wissen, wie die Dinge funktionieren, und nicht, wie sich eine Stadt entwickelt (womit ich mich schon Jahre vorher beschäftigt hatte).

Meine Freizeit habe ich gern mit Weiterbildung verbracht, aus echtem Interesse an der jeweiligen Materie. Nur leider waren das Dinge, die nie Teil des Unterrichtes waren.

Fast hätte die Schule es geschafft, mir die Freude am Lernen zu nehmen. Es gab in der ganzen Zeit nur eine Lehrerin, die ein wenig meines Potentials erahnt hat (und mir auf den Weg gegeben hat, ich solle den Beruf eines Ghostwriters in Betracht ziehen).

Ansonsten hieß es immer nur: Du könntest viel mehr. Du bleibst hinter deinen Möglichkeiten. Warum passt du nicht auf. Warum zeigst du nicht auf. Bla bla.

Im Nachhinein weiß ich, dass ich leider einfach inkompatibel zum Schulsystem bin. Ich bin Autodidakt, Selbst-Lerner. Ich experimentiere gerne.

Ich weiß nicht, wo ich heute wäre, wenn ich nicht zufällig mal an einen Compiler für C++ geraten wäre, der meine Liebe zur Software-Entwicklung geschaffen hat. Wäre dieser nicht gewesen, ich wäre vermutlich Kfz-Mechaniker geworden; ein toller Beruf. Aber ich hätte bis heute gedacht, dass ich einfach nicht sehr gut bin im Vergleich zu den anderen, und man hätte mich zeitlebens ob meiner merkwürdigen und abnormen Interessen bzgl. des Universums oder der Menschheitsgeschichte belächelt.

Ich wette, es gibt viele Hochbegabte, die nicht wissen, dass sie es sind. Und die in den üblichen Berufen tätig sind und nichts von ihrem Talent wissen, weil es an deutschen Schulen nicht erkannt wird. Überhaupt findet praktisch keine individuelle Förderung statt. Was, wenn jemand ein besonderes Talent an der Gestaltung von Naturmaterialen hat, im Kunstunterricht so was aber nie vorkommt? Derjenige wird dann vielleicht unglücklicher Verkäufer, der für immer hinter seinen Möglichkeiten bleibt, der abends zu kaputt ist, um sich selbst zu explorieren.

Ich will nicht sagen, dass die Schule für alles verantwortlich sein soll. Aber so wie ich Schule kenne, werden die Schülerhorden größenteils als Massenware durch die Schuljahre gescheucht. Du zeigst nicht auf? Tja, gibt dann bestenfalls „Befriedigend“. Studieren kannste damit vergessen. Aufzeigen ist ja so wichtig in Berufen wie Software-Entwickler oder als Controller. Du nutzt eine mathematische Vorschrift, die dir die Lösung einer mathematischen Klausuraufgabe erleichtert, weil sie mehr deiner Intuition entspricht, die allerdings nicht Unterrichtsthema ist? Pech, das war nicht der gefragte Lösungsweg. Sechs. Du kannst toll schreiben und interpretieren und wärst eigentlich prädestiniert als Autor? Nützt die im Deutsch EK nix (eigene Erfahrung).

Und ähnlich wie Guttenberger weiß ich heute um meine Fähigkeiten, und stehe vor einem Wechsel der Karriere, dem nächsten Schritt.

Ich kann nur jedem raten, dass er sich ausprobiert. Und gerade in jungen Jahren nicht nur passiv konsumiert, sondern auch Dinge erschafft, Sportarten & Hobbys ausprobiert, Bücher oder Ebooks liest, auf Reisen geht (Portugal war für mich eine riesige Inspiration für meinen weiteren Lebensweg). Fernsehen oder Katzenbilder schauen kann man auch noch, wenn man älter ist. Die Schule bringt dir im Vergleich zu dem, was es insgesamt gibt, nichts bei, außer ein wenig von dem, was Disziplin genannt wird.

Und heute? Heute schreibe ich mal eben 601 Wörter als Gast-Kommentar. Das wäre schon ein ganzer Blog-Post. Ob ich als Kraftfahrzeugmechaniker dazu die Zeit gefunden hätte?

Sebastian

19.05.2016

Als Addendum zu meinem Post: Warum werden denn keine Absätze gespeichert? Dadurch ist mein Post leider unlesbar geworden … *groll*.

Detlef Bendikt

19.05.2016

Der Konflikt entsteht wohl weniger aus der Hochbegabung an sich, sondern aus der (oft zwangsläufigen) Diskrepanz zur vorhandenen Norm im Kollektiv. Jeder, der innerhalb eines Kollektives aus welchen Gründen auch immer (Aussehen, Verhalten, Überzeugung, Kompetenz, …) vom Korridor der Norm abweicht, wird vom Kollektiv offen oder verdeckt zum Problem erklärt. Ein mangelhafter EQ „erleichtert“ diese „Problematisierung“ nur. Die Ausgrenzung aus dem Kollektiv ist aber zwangsläufig und beschleunigt oder verzögert sich vielleicht nur durch einige Faktoren (zB Macht). Aber: so formieren sich nun mal Gruppen, Kulturen, usw. Nichts ist schmerzhafter, als mit eigenen Unzulänglichkeiten konfrontiert zu werden. Und wenn ich meine Unzulänglichkeiten nicht beseitigen kann, dann doch bitte den Hinweis darauf. Da fallen mir direkt Namen und Geschichten ein. Sogar das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern. (In genügend Unternehmen erlebbare Alltags-Satiere, ermöglicht von der Norm-Kultur der Angestellten. Um da anzuecken reicht bereits gesunder Menschenverstand.)

Janix

19.05.2016

Viel wäre schon geholfen – und nicht nur bei Hochintelligenten -, wenn „Jeder Jeck ist anders“ nicht als Ärgernis, sondern als große Chance erkannt würde.

Sebastian

19.05.2016

Leider ist es tatsächlich so das Hochbegabte nicht verstanden werden. Das schnellere Denken und die schnellere Umsetzung lässt einen sehr schnell komisch dastehen da man schon mindestens zwei drei Schritte den anderen voraus ist. Das verwirrt viele und sie verstehen garnichts mehr und wenn man dann es versucht zu erklären kommen auch nicht mehr mit. Es ist sehr schwer sich dann auf die Ebene der anderen zu stellen da man in diesen Moment es selber nicht versteht warum die anderen einen selbst nicht verstehen oder gedanklich folgen können.

Ilja Thieme

19.05.2016

Ein guter Einstieg in’s Thema. Ich kann HSPs, HIPs und den Anderen nur empfehlen sich in der Literatur umzuschauen, da gibt es einiges zu diesem Thema zu entdecken. Auch hier auf XING gibt es einige Gruppen zu dieser Thematik.

Antje Willi

22.05.2016

So wie es aussieht, spielt der sogenannte IQ-Wert in dieser Gesellschaft eine Rolle. Bei mir wurde vor etwa 10 Jahren bei einem „geeichten“ Test ein durchschnittlicher Wert im oberen Bereich ermittelt. Ich würde mich nicht als eine schnelle Denkerin bezeichnen, auch wenn ich subjektiv den Eindruck habe, relativ viel Zeit in das Denken zu investieren. Ich habe oft das Gefühl, dass mir – im Vergleich zu anderen – erst viel später Dinge klar werden und andere – mir gegenüber – dadurch einen Vorsprung haben, dass sie sozusagen ad hoc klar sehen. Ich würde sehr gerne weniger Zeit in das Denken investieren müssen.

Lars Gunmann

22.05.2016

Ja, man muss nicht hochbegabt sein, um sich unterfordert zu werden. Teilweise wird dem einzelnen immer weniger zugetraut.

Elisa Benedikt

26.05.2016

Das mit dem schnelleren Denken und Umsetzen kenne ich auch – inklusive des Ärgers der KollegInnen darüber…Aber bin ich deswegen „Hochbegabte“?!

Harriet Lemcke

02.06.2016

Als Hochbegabte denkt man nicht nur schneller als andere, sondern auch deutlich komplexer und immer auch aus der Metaebene. Mit dem Ergebnis, dass ein Problem innerhalb kürzester Zeit mehrdimensional erfasst und ebenso mehrdimensional gelöst werden kann. Und das ist etwas, was anderen Menschen sehr schnell sehr suspekt wird.
Im Gegenzug hat man als Hochbegabte selbst jedoch sehr häufig das Gefühl, irgendwie sonderbar zu sein und zweifelt an sich und seinen Fähigkeiten. Für mich gesprochen ist das immer dann der Fall, wenn in einem Unternehmen zum Beispiel in endlosen Meetings Probleme erörtert und diskutiert werden, die mir gar nicht als solches erscheinen (da die nachhaltige Lösung aus meiner Sicht viel weniger Zeit in Anspruch nimmt als die Problemdiskussion an sich). Das hat zur Folge, dass man als Hochbegabte sich selbst sehr disziplinieren und die eigene Ungeduld zügeln muss. Und dennoch ist die Gefahr groß, andere mit den eigenen Gedankengängen schnell abzuhängen und oberlehrerhaft zu wirken. Ich kenne mittlerweile viele Hochbegabte, die wie Herr Guttenberger aus dem Beitrag oder ich selbst erst mit Mitte 30 ihrem Anderssein einen Namen geben konnten.
Es ist so leicht gesagt, dass Hochbegabte ihre Fähigkeiten im Berufsalltag besser verschweigen. Wie umsetzen, wenn man selbst gar nicht weiß, warum man so viel schneller ist als andere, komplexer denkt, stärker abstrahiert etc. Als Betroffene spürt man zum einen Zweifel, zum anderen Ungeduld, schnell Unterforderung und Langeweile, Angst vor Routine und hinterfragt sich ständig selbst.
Ich denke auch, dass die Ausprägungen unterschiedlich sind. Für mich selbst kann ich sagen, dass ich (…) komplexe Herausforderungen liebe und darin besonders gut bin. Routine dagegen lähmt mich komplett.

Robert Kalber

14.06.2016

Hochbegabten-Netzwerk „Mind“…

Ich sehe grade, „Mind“ wirbt auf ihrer Webseite für Facebook. Wer von den Hochbegabten ist denn so doof und akzeptiert die Facebook AGB?

Den aufwendigen IQ-Test für 49€ kann man sich daher sparen, von minder intelligenten Leuten lasse ich mir doch nicht meinen Hochbegabten-IQ bestimmen ;-)

Sven Koch

14.06.2016

Als Hochbegabter sollte man doch auch darauf kommen selber Boss werden zu müssen anstatt sein Potential von weniger Begabten untergraben zu lassen.

tekk42

14.06.2016

Mein Eindruck ist inzwischen, dass es sich weniger um eine Hoch- als eher eine andere Art der Begabung handelt, also einer Art Vorform zur sog. „Inselbegabung“. Hohe analytische Denkfähigkeiten auf Kosten sozialen Verständnisses – oder von mir aus auch nur Mitmachwillens. Dass man parallel oft sehr sensibel das Verhalten anderer „wahrnimmt“, ändert daran nichts. Die ach so hohe Begabung sollte einen nämlich auch unweigerlich darauf stoßen, dass a) diese eigene Wahrnehmung auch nur subjektiver Eindruck und b) es ziemlich töricht ist, sich „Inkompatibilität“ zur Masse mit eigener Höherstellung zu erklären. Anders, ja. Höher, nein.

Bernd Winkelmann

17.01.2017

Das Riesenproblem besteht doch darin zu merken, dass man anders als die Anderen ist- und sich bis dahin nicht erklären kann, warum das so ist.
Bei mir war das sehr spät- erklärte im Nachhinein aber so Einiges + half mir dann aber meiner Tochter helfen zu können.
Ob man das nun bewerten muss, steht mal dahin- Fakt ist aber, dass viele Menschen Deine Denkfertigkeiten eher suspekt als super finden + das größte Hindernis m.E. darin besteht, dass es Vielen schwer fällt, sich einzugestehen, dass ein Anderer eben über mehr Prozessoren verfügt als man selbst + das Prinzip von Ausgrenzung leider leichter ist als das von Anerkennung für besondere Gaben.
Auf andere Ebene übertragen:
Wie oft hört man dass jemand schlicht und ergreifend schön ist und wie oft hört man über „schöne “ Menschen stattdessen Abfälligkeiten- und betrachtet man den Kommentator wird schnell klar, was hier die Triebfeder sein könnte- purer Neid

IQ150

10.02.2017

Also ich finde es schlimm, dass man sich als Hochbegabter verstecken muss, um nicht anzuecken; immer zu warten, bis die anderen mitkommen, ist auch ein Stück vertane Lebenszeit. Ich bin auch ständig angeeckt und zigmal aus Firmen rausgeflogen, ohne eigentlich recht zu wissen warum; die Kollegen nannten mich immer den „Professor“, ich kam mit denen super klar, die fanden mich sympathisch, also das Klischee des hochbegabten Sozialtrottels passt bei mir nicht. Doch mit den Chefs gab es durchwegs Trouble. Erst als ich mich vor zig Jahren selbstständig gemacht habe, war ich beruflich glücklich. Ich würde dennoch gerne mal in einer große Firma Führungsverantwortung übernehmen, das würde mich ausgesprochen reizen; allerdings habe ich einen Horror vor Hierarchien und festen Denkmustern. Das ist mir ein Graus. Es wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als sich zu verleugnen, um in eine solche Position zu kommen, die auch finanziell interessant ist. Denn mal ehrlich: Eine bessere Entlohnung gibt es nun mal nur in Führungspositionen, das mit der Fachkarriere ist ein Mär. Es ist der pure Wahnsinn, was da für ein betriebswirtschaftliches und volkswirtschaftliches Potenzial vertan wird, alleine wegen des Beleidigtseins von ängstlichem Führungspotenzial. Ich würde gerne wie David Bowie in 100 Jahren nochmal reinschauen, ob sich da endlich was geändert hat. Nur für 5 Minuten, ich nerve auch nicht, versprochen!

Dr. Waltraud Berle

26.07.2017

Das ist ein sehr guter Artikel, danke! Und ebenso gut sind die Kommentare bzw. Stellungnahmen. Ganz besonder Interessant fand ich den einen, wo es heißt „Als Hochbegabter sollte man doch auch darauf kommen selber Boss werden zu müssen anstatt sein Potential von weniger Begabten untergraben zu lassen.“
In der Kürze liegt die Würze!
Genau hier liegt das Hauptproblem! Aus der Entwicklungspsychologie wissen die Fachkundigen, dass Kinder eigentlich am liebsten so sind, wie alle anderen. KINDER wollen so sein, wie die Masse. Das „Abtauchen“ ist ein Überlebensprogramm. Für hochbegabte Kinder, die ja noch nicht selbstreflektorisch sein können, fängt genau da das Leiden an: Du BIST eben nicht so, wie die anderen. Du weisst aber nicht, wieso. Du spürst es nur. Es macht unglücklich. Denn Du hast fast nie Freunde. Du bist allein. Eine frühkindliche Präge-Erfahrung, die sich bei den allermeisten Hochbegabten durchs ganze Leben zieht, weswegen es eben für viele der Erlösungsdonnerschlag sein kann, den eigenen IQ zu kennen und danach – jedenfalls rational – zu kapieren, wo der Hase im Pfeffer liegt: Nicht ICH bin „schuld“. Denn Kinder denken immer, sie seien „schuld“. Der IQ-Test hilft, die Kinderprobleme richtig einzuordnen. Das Problem wird also richtig attribuiert, wodurch sich die ganze Weltsicht eines Menschen ändern kann.
Folge: Schluss mit dem Abtauchen und Verstecken. Viele Hochbegabte schaffen den Kurswechsel als Erwachsene rein durch die Erkenntnis. Die meisten nicht, denn mit der falschen in der Kindheit erlernten Selbsteinschätzung sind emotionale Wunden verbunden, die meist allein durch Erkenntnis nicht „heilen“ wollen. Deswegen habe ich auf Xing aktuell eine Gruppe für Hochbegabte gegründet, weil Vernetzung hilft, weil der Kontakt mit „Gleichen“ helfen kann, die alten Wunden zuwachsen zu lassen, Mut zu fassen und den Erfolg sich zuzutrauen und loszumarschieren. Bitte eintreten: https://www.xing.com/communities/groups/hochbegabte-im-berufsleben-ee7c-1098680 … denn Potenzial will und muss performen! Hochbegabung ist nicht Pest, sondern Power!