Entspannter arbeiten

So macht der Job unglücklich - und das hilft dagegen

Wer mit seinem Job unzufrieden ist, sieht manchmal nur noch einen Ausweg: die Kündigung. Doch viele erwarten zu viel von ihrem Job. Gegen den Frust helfen oft schon kleine Schritte.

Der Druck, den perfekten Job zu finden, ist riesengroß (©Foto: Fotolia / kite_rin)

Der Druck, den perfekten Job zu finden, ist riesengroß (©Foto: Fotolia / kite_rin)

Die Aufgaben, der Chef, die Kollegen – an seinem Job lässt so mancher kein gutes Haar. Doch wer die Unzufriedenheit abstellen will, tut sich häufig schwer. Bleibt da in letzter Konsequenz nicht nur die Kündigung? Oder braucht es gar einen Berufswechsel?

„Die meisten Menschen überschätzen den Veränderungsbedarf„, sagt die Karriereberaterin Madeleine Leitner aus München. Oft sind solche großen Schritte gar nicht nötig. Man kann unter Umständen durchaus in seinem alten Job bleiben und seine Zufriedenheit trotzdem deutlich erhöhen. Voraussetzung ist, dass Berufstätige wissen, woher ihre Unzufriedenheit rührt.

Sie rät dazu, in einem ersten Schritt jeden Abend Tagebuch zu führen. Auf diesem Weg kann man das Problem eingrenzen, sagt Leitner. Wann bin ich unzufrieden? Warum? Lässt sich da ein bestimmtes Muster erkennen? Liegt die Unzufriedenheit an einer bestimmten Person? In einem zweiten Schritt kann man dann an diesen Punkten in Ruhe und systematisch etwas ändern. Ist zum Beispiel der Chef das Problem, können Berufstätige möglicherweise die Abteilung wechseln.

Leitner warnt davor, seinen Job ohne eine systematische Analyse der eigenen Unzufriedenheit leichtfertig durch eine Kündigung aufzugeben. „Manche merken gar nicht, was sie haben“, sagt sie. Der Druck, den perfekten Job zu finden, sei heute sehr groß. Und mancher steigere sich in das Gefühl hinein: Wenn ich diesen perfekten Job jetzt nicht habe, ist mein ganzes Leben verpfuscht. Dieser Druck treibt manchen sogar zu krassen Berufswechseln.

Diesen Wechsel erleichtert, dass viele Menschen dazu tendieren, Privilegien und Positives sehr schnell als etwas Selbstverständliches anzusehen. Störende Punkte werden dagegen verhältnismäßig stark wahrgenommen. Und so kommt es zur Kündigung. Die Erfahrung zeige jedoch, dass ein unüberlegter Neustart in vielen Fällen schnell neue Enttäuschungen mit sich bringt.

9 Kommentare

Wiebke Rimasch

04.05.2016

Ja! Nicht immer muss gleich der Job gewechselt werden.
Die Herausforderung besteht dann eben darin, die Dinge, die stören, zu verändern.

Und wenn das dann nicht fruchtet?

Dann braucht es die Konsequenz, die Kündigung/den Wechsel dann auch wirklich durchzuziehen, statt nur drüber zu reden und sich zu beschweren.
Und: Auch genau zu schauen, WAS beim alten Job die Schwierigkeit war, und WIE ich das zukünftig anders angehen will – sonst wiederholt sich das dann einfach …

Klara Ohnemus

06.05.2016

Viele Menschen arbeiten in einem “ Job“, der für sie ungeeignet ist. In den Zahlen des Geburts-Datums und der Geburtsstunde ist der Schlüssle für ein geglücktes Leben “ verborgen“ für die Talente und die Lebensaufgaben. Glücklich und zufrieden ist, wer in seinen eigenen Talenten für sich und anderes leben und arbeiten kann.

Dirk Diefenbach

06.05.2016

Ich stimme absolut zu. Mit dem Reiss Profile arbeite ich mit vielen meiner Klienten genau an diesem Punkt. Es ist wichtig zu analysieren, welche Lebensmotive wir über unseren Job bedienen und welche wir deutlich „überstrapazieren“. Nicht nur um Job kann ich dann schauen, an welcher Stellschraube ich drehen kann, sondern in meinem gesamten Umfeld. Habe ich z.B. eine leichte oder durchschnittliche Ausprägung des Machtmotives, kann es mich dauerhaft unzufrieden machen, wenn ich in all meinen Lebensbereichen permanent Entscheidungen treffen muss. Hier reicht ggf. eine Veränderung in einem meiner Lebenabereiche um nur ein kleines Beispiel zu nennen.
Nutzt also die Möglichkeiten der Analyse denn auch ein Jobwechsel kann ermüdend sein.

Birgit Boden

06.05.2016

Die innere Einstellung macht den Unterschied!

Und das gilt es in diesen Fällen herauszufinden. Ich rate eher, anstelle nach dem „warum bin ich unzufrieden“ nach dem „was macht mich zufrieden“ zu fragen.
Konflikte, andere Meinungen und andere Menschen sind Erfahrungen im Leben, die uns zeigen, ob ich das, was ich als Beruf ausübe, dem entspricht, welche Erfahrungen ich machen will. Einen Beruf oder eine Tätigkeit, die man deshalb macht, weil ein Job und das Einkommen erforderlich ist, ist etwas anderes, als eine Tätigkeit, die ich gerne mache und in der ich „versinken“ kann, die mir einfach Freude bereitet. Und da liegt der Haken: genau wie in dem Artikel beschrieben, ist oft der Anspruch an den Job zu hoch gesetzt.

Es kann allerdings auch daran liegen, dass durch das mediale Umfeld immer mehr außergewöhnliche Leistungen hervorgehoben werden. Wer etwas besonderes ist oder leistet, der hat’s geschafft. Sonst ist man weniger Wert.

Es sind innere Glaubensmuster, die oft unbewusst wirken, dass man das, was man hat oder tut nicht wertvoll genug erscheint. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass genau diese Muster auf lange Sicht dazu führen können, in eine Falle zu geraten, immer wieder die gleichen Erfahrungen zu machen: trotz Jobwechsel, neuem Chef und anderen Kollegen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich das Umfeld verändern kann – das Leben und die Entwicklung bringt das mit sich. Und die eigene Entwicklung kann dazu führen, zu erkennen, wann es Zeit ist, einen neuen Weg einzuschlagen, weil der alte ausgetreten ist.
Das hat viel damit zu tun, sich selbst besser wahrzunehmen und offen für Veränderungen zu sein. Diese Offenheit zeigt sich durch Begeisterung für etwas! Und das ist der entscheidende Unterschied, um einen neuen Job zu finden.

Inneren Frust und Unzufriedenheit nimmt man zwangsläufig mit – auch wenn im ersten Moment ein Job-/Abteilungswechsel Besserung in Aussicht stellen mag. Durch innere abgespeicherte Muster kann es dann allerdings auch später zu gleichen Erfahrungen wie vorher führen.

Wer das anders erleben will, wer eine Tätigkeit haben will, die ihm innere Freude bereitet, auch wenn es außen Turbulenzen gibt, wer herausfinden will, was wirklich in ihm steckt, der kann das über ein „Coaching“ mit Energetischer Psychologie herausfinden. Damit gelingt Stressabbau, Auflösen von Blockaden durch Glaubens- und Verhaltensmuster und es ermöglicht Gelassenheit und Leichtigkeit für die Erfahrungen im Leben.

Detlef Gumze

06.05.2016

Es geht an der Realität vorbei, Menschen unüberlegtes Handeln bei Jobwechseln zu unterstellen. Die meisten Menschen tendieren dazu, den gewohnten Job beizubehalten, auch wenn sie sich unglücklich darin fühlen. Bei der Überlegung für einen neuen Job wird dann fast immer nach „Optimierung“ geschaut anstatt nach „Passung“. Job-hopping bringt rein gar nichts, wenn dem nicht eine Erforschung der persönlichen „Glücklichmacher“ UND der Markfähigkeit vorausgeht. Das Gefühl „unbedingt hier weg zu müssen“ ist ein schlechter Ratgeber, wenn es nicht auch ein Gefühl gibt „da will ich hin, weil es mich mehr erfüllt“. Wer die Möglichkeit dazu hat (nicht alle Arbeitnehmer können sich das frei aussuchen!), sollte sich selbst besser erforschen und herausfinden, welche Umstände er braucht, um sich „richtig gut zu fühlen“. Das ist nicht so simpel, wie es oft dargestellt wird mit „x Tipps, wie sie schnell glücklich werden“. Es braucht Zeit, Ehrlichkeit, Einlassen, Mut, Methode und oft genug auch den Blick von außen.

Ralf A. Schnabel

06.05.2016

Viele Menschen (lt. Gallup 85%) machen Dienst nach Vorschrift oder haben innerlich gekündigt. Die Gründe sind vielfältig, liegen häufig im Umfeld, der mangelnden Wertschätzung und Augenhöhe von Seiten des Managements. Aber ein Großteil fühlt sich auch im Hamsterrad gefangen, durch die äußerlichen Bedingungen, die finanziellen Belastungen und Verpflichtungen. Sobald man das für sich erkannt an, besteht die Chance einer Veränderung. Dem Mut und den Willen sein Leben neu zu gestalten, mit dem Ziel etwas Bedeutsames zu bewirken, wo man seine Talente und seine Persönlichkeit einbringen kann. Es ist an der Zeit, dass wir sowohl in der Schule als auch Beruf erkennen, dass Menschen in ihrer Einzigartigkeit dann erfolgreich werden, wenn Sie Ihre Talente leben und mit SINN und Motivation verknüpfen. Dazu braucht es die Bereitschaft sich in der Tiefe mit sich selbst auseinander zu setzen, sich neu zu orientieren und eine Neuorientierung realistisch umzusetzen. Manchmal genügt ein Blick in die Biografie, die Reflektion zu den eigenen Stärken durch Menschen im persönlichen Umfeld oder der Impuls und die Begleitung durch Verbündete. Auf jeden Fall liegt es an jedem selbst, ob Er/Sie das eigene Leben eigenverantwortlich gestaltet. Damit Jeder Tag zum ‚Museumstag‘ wird.

Uwe Meder-Seidel

06.05.2016

Sicherlich gibt es viele Blickwinkel, die ich nutzen kann, um herausfinden, ob mich mein Job „glücklich“ oder „unglücklich“ macht. Allerdings nützen die möglichen Ergebnisse der unterschiedlichen Betrachtungsweisen wenig, wenn ich nicht über geeignete Techniken verfüge, Lösungswege oder geeignete Strategien zu finden. „Hilfsmittel“ hierzu gibt es viele. Angefangen von Seminaren mit unterschiedlichen Themenfelder bis hin zu „Selbsthilfeliteratur“. Häufig führt das „Erlernte oder Erlesene“ auch nicht viel weiter da uns der Alltag schnell wieder einfängt und die sehr hartnäckigen alten Muster erneut „zuschlagen“.

Wilfried Grupe

08.05.2016

Ich denke nicht, daß der Job unglücklich macht. Es bringt weit mehr, einmal tief darüber nachzudenken, warum man seinen Job überhaupt macht. Wegen Geld? Für mehr Sicherheit? Um eine Machtposition zu erreichen? Haben Sie Ihre Ziele erreicht?
Wenn ja: hat sich der Aufwand gelohnt?
Wenn nein: stehen Sie vor der Erkenntnis, daß Sie Ihre Ziele in Ihrem Job nicht erreichen können? Sind Sie vielleicht irgendwo angekommen, wo Sie gar nicht hin wollten?
Der Job ist ein Vehikel, um tieferliegende Ziele zu erreichen. Sich über diese tieferen Gründe klar zu werden, zeigt auch Wege auf, Probleme im Job wirksam anzugehen.

Sascha

28.07.2017

Der Beitrag spricht mir aus der Seele. Die meisten Menschen arbeiten wirklich nur um Geld zu verdienen oder um Schmerz zu vermeiden. Sie gehen unterm Strich nur Arbeiten um nichts negatives in Ihrem Leben zu bekommen. Das ist jedoch keine Selbstverwirklichung. Selbstverwirklichung kann nur eintreten, wenn man Tag für Tag etwas macht, was man auch machen würde, wenn man dafür kein Geld bekommt und Geld keine Rolle mehr spielen würde.

Schuld daran ist die soziale Matrix. Eine komplexe Ansammlung von Glaubenssystemen in deinem Kopf, die dazu führen, dass du nicht der Mensch bist, der du eigentlich sein willst und nicht das Leben lebst, das du wirklich leben möchtest. Diese soziale Programmierung hält uns davon ab, unsere Träume zu erfüllen und hält uns in der Abhängigkeit.