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Arbeit & Bildung

Ganz schön smart, die "neue" Weiterbildung

Moderne Methoden wie „Blended Learning“ oder „Mikrolernen“ verbessern die Möglichkeiten zur Weiterbildung von Mitarbeitern enorm – aber werden noch zu selten von Unternehmen genutzt

Weiterbildung ist ein wichtiges Instrument der modernen Wissensgesellschaft. Kenntnisse und Fähigkeiten der Mitarbeiter wirken sich direkt auf den Erfolg des Unternehmens aus. Gleichzeitig erhöht ein gutes Weiterbildungsprogramm die Bindung der Mitarbeiter an den Arbeitgeber. Viele Unternehmen würden Ihre Mitarbeiter gerne auf Trainingsangebote schicken. Aber häufig stehen die hohen Kosten und noch viel häufiger die Aus- und Überlastung der Angestellten im Weg. So suchen Unternehmen verstärkt nach Möglichkeiten, Mitarbeitern eine Weiterbildung zu ermöglichen, ohne dass sie im Tagesgeschäft ausfallen. Für Personaler ist es daher immer wichtiger, dass Trainings- und Schulungsangebote nach ihrer Effizienz ausgewählt werden: Wie viele Mitarbeiter können gleichzeitig geschult werden? Wie oft werden Inhalte wiederholt? Wie viel Wissen steht dauerhaft zur Verfügung? Wie können Reisezeiten und Arbeitsausfallzeiten reduziert werden? 

Dabei werden Optionen wie das Blended-Learning, das die Flexibilität beim Lernen deutlich erhöhen kann und Wissen in kleinen Lerneinheiten serviert, in Unternehmen aber erst selten eingesetzt: Nur 16,4 Prozent der Unternehmen nutzen laut einer Studie des „Institute of Microtraining“ Mobile, Blended oder E-Learning als Weiterbildungsansatz. Wie flexibles Lernen aber an Wichtigkeit zunimmt, zeigt sich zum Beispiel am Erfolg der Sprachlern-App Duolingo. Das Konzept, Sprachen durch kleine, spielerische Einheiten zu lernen und laufend zu wiederholen, begeistert Pädagogen und Schüler gleichermaßen. Das US-Magazin Time urteilte sogar:  “Duolingo hat vielleicht das Geheimnis des Lernens in der Hand.”

Das „Mikrolernen“ bringe erhebliche Vorteile für die betriebliche Personalentwicklung, erläutert Peter Baumgartner, Experte für technologieunterstützes Lernen. Die Flexibilität der Tools und Methoden könne eine hohe Reichweite im Unternehmen und Akzeptanz bei den Mitarbeitern schaffen. Aktuelles Erfahrungswissen werde dabei schnell und kostengünstig weitergeben, Mitarbeiter könnten unproduktive Arbeitszeiten effektiv nutzen, so Baumgartner weiter.

Über die Vorteile der neuen Lern- und Weiterbildungsmethoden unterhielten wir uns auch mit dem Gründer und Geschäftsführer des Institute of Microtraining, Dieter Duftner:

XING Spielraum: Herr Duftner, warum liegen bei der Weiterbildung der Wunsch nach flexiblen und effizienten Methoden und die tatsächlich vorherrschende Nutzung klassischer Seminare und Trainings so weit auseinander?

Dieter Duftner: Betriebliche Weiterbildung wird immer noch als „Belohnung“ im Sinne von extrinsischer Motivation betrachtet. Zwei, drei bezahlte Tage im Seminarhotel in angenehmer Atmosphäre, informeller Austausch mit Kollegen, gutes Essen, Socialising am Abend an der Bar… Das sind alles weiche Faktoren klassischer Weiterbildungsangebote, wie wir sie auch alle kennen. Die aber in keiner Weise einem Lernerfolg oder einer persönlichen Weiterentwicklung dienen. Im Unternehmen zuständige Personen der Personalentwicklung sind natürlich daran interessiert, ihren eigenen guten Ruf bei den Mitarbeitern sicherzustellen. Da spielt einiges an Mikropolitik mit. Und das auf Kosten der ständigen Weiterentwicklung der Human Resources, die das wichtigste Gut eines Unternehmens darstellen.

Dabei sind klassische, traditionelle Weiterbildungsmaßnahmen nicht nur extrem kostspielig, sondern auch ineffizient. 50 Prozent der Ausgaben betreffen die Weiterbildungsmaßnahme nämlich nur indirekt in Form von Reisekosten, Übernachtungspauschale, etc. Hier gibt es sicherlich Diskrepanzen auf der Entscheiderebene, wenn der Geschäftsführer umsatz- bzw. kundenorientiert denkt und der Personaler (auf Grund falscher Motive) mitarbeiterorientiert.

In den USA scheint der Trend zum flexiblen Lernen schon stärker in der Realität von Personalern und Weiterbildungsteilnehmern angekommen zu sein. Was können wir daraus lernen?

Duftner: Im Vergleich zu anderen Ländern wie den USA stecken Mobile-, E-Learning- und Blended-Learning-Modelle hierzulande noch in den Kinderschuhen. In den USA gaben 2014 rund 77 Prozent der Unternehmen an, E-Learning bei Trainings und Schulungen einzusetzen. In Deutschland und Österreich sind es kumuliert gerade einmal 16 Prozent. Ob die Vorteile von flexiblem Lernen und die Vorreiterrolle der USA tatsächlich korrelieren, sei dahingestellt.

Reines E-Learning hat häufig ein schlechtes Image und ist selten motivierend für Teilnehmer. Was leistet Blended Learning, woran E-Learning scheitert?

Duftner:  Blended Learning profitiert jeweils von den Vorteilen einer Präsenzveranstaltung und von E-Learning. Vorteile von Präsenzveranstaltungen sind dabei die Motivation und Inspiration durch einen Lernumgebungsgestalter wie etwa Trainer oder Lehrer, das direkte und persönliche Echtzeit-Feedback sowie die Möglichkeit des Austausches im sozialen Gefüge. Durch technologiebasiertes Lernen im E-Learning-Setting wird raum- und zeitungebundenes Lernen fernab von traditionellen Lernumgebungen ermöglicht. Dadurch steigt der Grad der Individualität und Selbststeuerung enorm.

In der Präsenzveranstaltung wird so der Anstoß für positive Verhaltensänderungen gegeben. in einer darauffolgenden E-Learning-Phase können die Lernenden in ihrem selbstbestimmten Tempo ihr neues Wissen nachhaltig sichern. Reinen E-Learning-Settings mangelt es dagegen meist an sozialem Austausch und der direkten, physischen Begleitung eines Fachexperten.

Auch Ihr Institut bietet als Instrument für Blended Learning eine Lern-App an. Was kann der Blick aufs Handydisplay effektiv für die Weiterbildung leisten?

Duftner:  Das Potenzial des Mobile Learning, also dem Lernen mit dem Smartphone, kommt nicht von fern und entspricht dem Trend für „Learning AnyTime, AnyWhere, on AnyDevice“. Bei vielen mittelständischen Personalentscheidern vollzieht sich gerade ein Paradigmenwechsel, weg von mehrtägigen Seminaren. Und hin zu multisequenziellen, kürzeren Trainings, die maximal drei bis vier Kernbotschaften beinhalten und somit den Wissenstransfer optimieren.  Wir möchten, dass sich Lernende ihre Zeit wahrhaftig individuell einplanen können, auf dem Weg zur Arbeit oder in der Arbeit und Daheim am Handy. Durch das ständige Wiederholen in unserer LernApp wird die Vergessenskurve ausgehebelt und der Wissenstransfer und die Wissenssicherung optimiert. Ohne den Einsatz von E-Learning wäre diese Selbststeuerung nicht möglich.

Text: Michael Schimming


Info:

Im Juni testet die XING Academy mit dem Institute of Microtraining zum ersten Mal Blended Learning in der Anwendung. Das Angebot umfasst eine Reihe von Trainings in Hamburg und Köln, in den Bereichen Bewerbung, Konflikte, Marketing und Vertrieb. Jedes Training beinhaltet ein dreieinhalbstündiges Präsenztraining sowie die Lern-App, zum flexiblen Vertiefen und Anwenden der Trainingsinhalte.

Wenn Sie Blended Learning ausprobieren möchten, finden Sie hier weitere Informationen und die Möglichkeit zur Buchung:

Microtrainings in Hamburg (https://www.xing.com/events/weiterbildung-microtrainings-hamburg-1676438)

Microtrainings in Köln (https://www.xing.com/events/weiterbildung-microtrainings-koln-1676429)

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