Arbeit & Recht

Chatten, Rauchen, Feiern - so viel Privates ist im Job erlaubt

Mal eben die Privatmails checken, ein Whatsapp-Chat mit Freunden, noch ein Zigarettenpäuschen. Wie viel Privates darf man mit der Arbeitszeit vermischen – und wann droht Ärger?

Dauerchatten im Büro? Nicht unbedingt die beste Idee. (©Foto: Shutterstock)

Dauerchatten im Büro? Nicht unbedingt die beste Idee. (©Foto: Shutterstock)

Smartphone-Nutzung

Ein Blick auf das Display, eine SMS an die Freunde oder ein kurzes Telefonat mit den Kindern. Das Smartphone ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Aber darf es auch während der Arbeitszeit genutzt werden? „Wenn der Arbeitnehmer während der Arbeitszeit unterm Tisch eben eine SMS tippt, ist dies schwer nachzuweisen“, sagt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht. „Wenn allerdings drei Kollegen bezeugen können, dass man den ganzen Tag am Smartphone hängt, wird es problematisch.“

Hier kommt es auf die Häufigkeit an. Wer nur mal eben der Familie schreibt, dass der Feierabend etwas später wird, dem droht keine Abmahnung. Wer hingegen stundenlang privat telefoniert oder private Nachrichten tippt, begeht einen Arbeitszeitbetrug. Das kann die Kündigung zur Folge haben. Grundsätzlich gilt immer: „Die Arbeitszeit ist zum Arbeiten da. Dafür wird man bezahlt“, erklärt Michael Henn, Vizepräsident des Verbandes Deutscher Anwälte (VDA).

Allerdings gibt es Ausnahmen. Besonders dann, wenn es sich um einen Notfall handelt. Beispielsweise hat sich das eigene Kind in der Schule verletzt, oder die Kinderbetreuung wurde kurzfristig abgesagt: In solchen Fällen sind private Telefonate während der Arbeitszeit erlaubt: „Dabei handelt es sich um ein unvorhersehbares Ereignis„, erklärt Jens Pfanne vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).

Surfen, Facebook, Twitter und Co.

Mal eben den „Gefällt-Mir-Button“ auf Facebook drücken, einen Tweet absetzen und nach dem Wetter googeln: Wer das während der Arbeitszeit macht, sollte vorsichtig sein. Das können Arbeitgeber nämlich leicht nachvollziehen, und eine Abmahnung kann folgen. „Dazu wurde vor Gericht entschieden, dass der Arbeitgeber den Browser-Verlauf des dienstlichen Rechners kontrollieren und im Prozess verwenden darf. Die Privatsphäre tritt in diesem Fall zurück“, erläutert Pfanne. Auch wenn das private Surfen vom Arbeitgeber erlaubt ist, sollte man das nicht exzessiv machen. Die Arbeit darf darunter nicht leiden, sonst handelt es sich wieder um einen Arbeitszeitbetrug.

Arztbesuche während der Arbeitszeit?

Wer Vollzeit unter der Woche arbeitet, findet kaum Zeit für einen Arztbesuch. Oft hat die Praxis nach Feierabend schon geschlossen. Muss man sich also dafür einen Tag freinehmen? „Grundsätzlich sollten Arztbesuche während der privaten Zeit stattfinden“, sagt Bredereck. Allerdings gibt es eine Ausnahme. „Wenn es nicht anders möglich ist, darf man während der Arbeitszeit zum Arzt gehen. Beispielsweise bei einem CT- oder Röntgentermin„, sagt Michael Henn vom VDA. In solchen Fällen werde das Gehalt gezahlt, ohne dass man arbeitet. Wichtig ist dann aber, die Arzttermine möglichst an den Anfang oder an das Ende des Arbeitstages zu legen.

Aussortiertes mitnehmen

Die aussortierten Ordner stehen auf dem Flur. Ob sie nun auf dem Müll landen oder man sie mit nach Hause nimmt – eigentlich kommt das doch auf das Gleiche raus. Aber Vorsicht: Das ist Diebstahl. „Auf eigene Faust darf man nichts mitnehmen. Bis die Entsorgungsfirma das Ausrangierte abgeholt hat, ist es Eigentum des Arbeitgebers. Hier muss man um Erlaubnis fragen“, sagt Pfanne. Sonst kann sogar die Kündigung drohen.

Rauchen

Beim Rauchen scheiden sich sogar die Geister unter den Kollegen. Die Nicht-Raucher sind sauer, wenn die Raucher mehrere kurze Pausen während der Arbeitszeit machen dürfen. Und die Raucher beschweren sich, wenn diese untersagt sind. Grundsätzlich gelten die normalen Pausenansprüche. „Wenn der Arbeitgeber das Rauchen in der Arbeitszeit verbietet, gibt es nichts zu diskutieren. Darunter leidet die Arbeit“, sagt Henn.

Geburtstagsfeier

Zum Geburtstag kommen oft die Kollegen zum Gratulieren vorbei. Ein kleiner Umtrunk gehört in vielen Abteilungen dazu: geschmierte Brötchen, Kuchen und ein Gläschen Sekt. Aber ist das erlaubt? „In den Pausen ist es in der Regel erlaubt, während der Arbeitszeit nicht. Das muss man mit dem Vorgesetzten absprechen“, sagt Bredereck. Vor allem, wenn Alkohol ausgeschenkt werden soll. Denn dieser ist in der Regel komplett untersagt.

10 Kommentare

Walter Scharnagl

31.05.2016

Beine auf dem Tisch?
Darum ist in den Firmen der Service so schlecht.

Helmut Preuße

31.05.2016

Mir wurde gesagt, man sollte den Rauchern das Rauchen nicht verbieten, da es den sozialen Frieden stört. Bei mir stechen die MA(die MA die ein AZ-Konto haben müssen ausstechen) teilweise dafür aus. Ist die Einschätzung grundsätzlich so richtig ? Es wird stellenweise auch übertrieben und ausgenutzt.

Mike

31.05.2016

Wenn die Nichtraucher darüber sauer sind, dass der Raucher einmal morgens eine Zigarette raucht sollten sich die Nichtraucher mal am Kaffeeautomaten selbst überprüfen wie lange oder wie oft sie dort stehen.

Alex

31.05.2016

Benimmregeln einer konservativen Arbeitswelt, die so voraussichtlich keine Zukunft hat. Wer ist jetzt zu verurteilen, derjenige der durch geistige Ruhephasen, Pläusche auf dem Gang mit Kollegen aber effizientes Arbeiten zum Ergebnis kommt oder derjenige, der sich tunnelartig auf seine Arbeit fokussiert und dadurch langsam aber beschäftigt zum Ziel kommt?
Keiner von beiden in meinen Augen. Jeder wie es ihm/ihr am besten liegt. Der Wert eines Mitarbeiters lässt sich garantiert nicht an seiner Geschäftigkeit ableiten.

RF

31.05.2016

Ich arbeite im Bereich Personalzeit / Personalmanagement. Es ist nunmal so, dass mit Raucherpausen , die nicht erfgasst werden, schnell bis zu 15 Tage pro Jahr zusammenkommen, die bezahlt aber unproduktiv sind.
Der Vergleich mit den Kaffeepausen der nicht- rauchenden Belegschaft hinkt da doch gewaltig.
Ich bin selber Raucher und empfehle unseren Kunden stets, Raucherpausen buchen zu lassen. Es ist einfach fair für alle.

Tanja Lohner

31.05.2016

Ich stelle mir gerade die Frage , warum ist da eine Frau abgebildet?

Max

31.05.2016

Warum hinkt der Vergleich mit den Kaffeepausen der nicht-rauchenden Belegschaft? Ich bin Raucher, trinke aber weder Kaffee noch Tee. Wenn ich als Raucher ausstempeln soll, sollten dann Kaffeetrinker dies dann nicht auch. Ein Argument, wie jeder trinkt doch Kaffee hinkt…

Joachim Störmer

31.05.2016

In den Raucherpausen haben wir regelmäßig über arbeitsbezogene Themen diskutiert. Oder sie als Perspektivenwechsel genutzt (siehe Disney). Warum also immer ausbuchen?
Und: warum nicht eine Frau abbilden?
Zu viel Aufhebens um zu wenig Thema.

Andrea Krüger

31.05.2016

lieber Mike, ich rauche nicht und trinke keinen Kaffee. Aber da ich viel Wasser trinke,muss ich sicher häufiger auf Toilette gehen … Himmel, müssen solche Threats immer in einem unprofessionellen Schlagabtausch enden?!?

spezies-8472

30.09.2016

@ Tanja Lohner – warum ist da jetzt ne Frau abgebildet? Würdest Du – wenn ein Mann auf dem Bild wäre auch fragen: „Warum ist da jetzt ein Mann abgebildet?“
Nein? Also wenn ein Mann drauf wäre, dann wäre es okay, aber weils ne Frau ist, muss man es hinterfragen??
Was für Probleme haben „wir“ heutzutage eigentlich?
Irgendjemand musste halt drauf sein – dismal war es ne Frau, ein anderes Mal ist es ein Mann – wo ist denn das Problem?