Arbeit & Gesundheit

"Veränderung darf keine Angst machen - auch dem Chef nicht"

Unser Portrait über Katharina Kohlmayr, die ihre erfolgreiche PR-Karriere hinschmiss, um ihren Traumberuf Kinesiologin zu verwirklichen, ist bis heute eine der meistgelesenen Geschichten auf XING Spielraum. Wie geht es Katharina Kohlmayr und ihrem Wunschjob heute? Wir haben nachgefragt.

Kinesiologin Kohlmayr: "Unternehmenskulturen sind oft in den 90-er Jahren stehengeblieben"

Kinesiologin Kohlmayr: „Unternehmenskulturen sind oft in den 90-er Jahren stehengeblieben“

XING Spielraum: Im Sommer 2014 haben wir Sie unter der Überschrift „Ich will mehr“ porträtiert. Was ist seitdem geschehen? Wollen Sie noch immer mehr?

Katharina Kohlmayr: Nein, mir reicht es so wie es ist (lacht). Tatsächlich hätte ich nicht vermutet, dass es so viele Reaktionen auf den Beitrag auf Spielraum gibt. Was mich besonders gefreut hat, waren die interessierten Nachfragen nach den Einsatzfeldern und Ausbildungsmöglichkeiten in der Business Kinesiologie. Sehr bewegend fand ich Mails, in denen Menschen beschrieben haben, wie sie durch die Geschichte angespornt wurden, über eigene neue Perspektiven nachzudenken. Von einer Frau weiß ich, dass der Artikel sie motiviert hat, die dreijährige Ausbildung zur Kinesiologin zu beginnen. Und natürlich habe ich mich auch über die Einladungen zu Impulsvorträgen, Workshops und Coaching-Anfragen gefreut, die auf die Veröffentlichung folgten.

Was hat eine Business Kinesiologin mit New Work zu tun?

Kohlmayr: Erst dachte ich, New Work biete ein interessantes Potential für Unternehmen und Mitarbeiter. Heute bin ich der festen Überzeugung, dass die Philosophie, die dahinter steht – nämlich in der Arbeit Freiräume für Kreativität und Entfaltung der individuellen Persönlichkeit zu schaffen – viel mehr ist. Sie ist die Grundvoraussetzung für heutige Organisationen, um dauerhaft erfolgreich zu sein. Die Herausforderung: Sowohl die Menschen als auch die Unternehmen müssen das erst mal verstehen und dann so umsetzen, dass sie sich dabei wohlfühlen. Genau dabei unterstütze ich sie.

Wen beraten Sie hauptsächlich?

Kohlmayr: Vornehmlich Kunden aus der Banken- und Versicherungsbranche, Handelskonzerne, sowie familiengeführte, mittelständische Unternehmen. Häufig geht es um Themen wie digitale Transformation, Fusionen, Innovationsprozesse, Betriebsübergaben: also um Prozesse, die mit Veränderungen zu tun haben. Und momentan ist sehr viel in Veränderung…

Was genau machen Sie mit Ihren Kunden?

Kohlmayr: Ich unterstütze die Verantwortlichen in Unternehmen dabei, eine Haltung anzunehmen, die Veränderung nicht mit Ängsten verknüpft. Das ist für sie selbst wichtig, aber auch für ihre Mitarbeiter. Ich möchte, dass meine Kunden ihre Ziele mit mehr Leichtigkeit erreichen und wissen, wie sie gut mit Stress umgehen können. Dafür verändere ich zunächst mal deren Blickwinkel. Das führt dazu, dass ich je nach Situation als Coach, Sparringspartnerin, Mediatorin oder Moderatorin zum Einsatz komme. Es gibt Kunden, die sagen mir: „Sei einfach da, das hilft!“ (lacht)

Was steht Unternehmen denn im Weg, „Ziele mit mehr Leichtigkeit“ zu erreichen?

Kohlmayr: Das hat verschiedene Gründe. Meist sind das Überlastung, individueller Stress bei den Mitarbeitern, eingefahrene Strukturen, zu wenig Selbstreflexion, Angst vor Unbekanntem, mangelndes Vertrauen in die eigene Innovationsfähigkeit. Ganz häufig ist die Unternehmenskultur irgendwo Ende der 90er Anfang der 2000er Jahre stehengeblieben. Da geht es um Maximierung und nicht um Optimierung – und das sowohl bei der Gewinnerzielung als auch beim Einsatz von Ressourcen der Mitarbeiter.

Wie schaffen Sie es, vor allem Vertreter der Old Economy zu überzeugen, dass es auch anders, leichter geht?

Kohlmayr: Das ist keine Frage von Old oder New Economy. Ich habe festgestellt, dass es gerade bei ganz klassisch aufgestellten Unternehmen und Konzernen sehr kreative “Querdenker” gibt. Die wären in der New Economy oder bei Startups wahre Hipster. Das Problem: Viele von ihnen fühlen sich wie Geisterfahrer, denen der ganze Verkehr entgegenkommt. Genau diesen Menschen versuche ich klarzumachen, dass der Gegenverkehr in die falsche Richtung fährt und nicht sie. Die Business Kinesiologie hat zum Ziel, Menschen dazu zu bringen, wieder ihren eigenen Fähigkeiten zu trauen und sich auf eigene Erfahrungen und den eigenen Wissensschatz zu verlassen. Uns Kinesiologen geht es dabei nicht nur um das kognitive Verstehen, sondern auch um das körperliche Spüren, dass etwas leichter ist.

Hat eine Business Kinesiologin eigentlich auch mal selbst Stress?

Kohlmayr: Stress gehört zum Leben! Wer keinen Stress hat, ist tot! (lacht). Und ich fühle mich derzeit sehr lebendig.


Kontakt: Katharina Kohlmayr auf XING

3 Kommentare

Alexander

27.04.2016

Interessantes Interview Frau Kohlmayr. Weiterhin viel Erfolg! Freue mich schon auf das nächste Update hier :-)

Kai Uwe Uchtlaender

27.04.2016

„Veränderungen ohne Angst“ ist ein spannendes Thema. Ich finde die Gedanken von Frau Kohlmayr anregend.

Jens Nordlohne

28.04.2016

Auch ich erlebe in meiner täglichen Arbeit als Coach, wie Angst vor Veränderungen Innovation verhindert und Menschen stresst. Wer es schafft, dass diese Menschen sich in solchen Prozessen wieder vermehrt auf ihr eigenes Können und ihre eigenen Erfahrungen verlassen, hat viel erreicht!