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New Work Check 2016

Mobile Arbeitsplätze: Öfter mal was Neues

Das Schweizer Start-up „Pop up Office“ vermittelt orts- und zeitflexible Arbeitsplätze – auch an ungewöhnlichen Orten. Das Konzept will für mehr Freiheit und Kreativität sorgen. Und geht über die bisherigen Co-Working-Ideen weit hinaus. 

Text: Silja Schriever

Laptop, schnelles W-Lan, Tisch und Strom, viel mehr braucht es für moderne Wissensarbeiter nicht. Das Office ist da, wo man sich gerade befindet. Auch Mathis Hasler hat kein eigenes Büro. Der Gründer von „Pop up Office“ arbeitet mal im Café, in Co-Working-Spaces, mal im Zug oder auch mal von zuhause. „Ich bin in offenen Zonen, wo viele Menschen an verschiedensten Projekten arbeiten, produktiver als ganz allein in einem Raum“, sagt Hasler. Diese Erfahrung hat den 33-jährigen Schweizer auf die Idee gebracht, ein Netz von mobilen Arbeitsorten in seinem Heimatland aufzubauen. Im März 2015 war es soweit: Zusammen mit seinem Geschäftspartner Philipp Dick gründete Hasler „Pop up Office“ – und spricht damit die rund 2,3 Millionen Schweizer Wissensarbeiter an, die derzeit bereits ortsungebunden tätig sein können. In Genf, Lausanne, Bern, Zürich und anderen Orten.

"Pop-Up-Office"-Gründer Mathis Hasler ist einer der Referenten bei der Premiere der ersten "XING New Work Session" in Zürich am 13. April. (Nähere Infos unten)

„Pop-Up-Office“-Gründer Mathis Hasler ist einer der Referenten bei der Premiere der ersten „XING New Work Session“ in Zürich am 13. April. (Nähere Infos unten)

„Wir ermöglichen unseren Kunden, einfach und schnell einen guten Ort für effizientes Arbeiten zu finden – wo immer sie sind.“ Dazu gehören Arbeitsplätze in „klassischen“ Co-Working-Spaces, Gemeinschaftsbüros und Business-Centern, aber – und dies ist eine Spezialität von „Pop up Office“ – auch an ganz besonderen Orten wie Ateliers, Galerien oder auch Möbelgeschäften. Diese wenig oder nur am Abend genutzten Räume werden damit zu Arbeits- und Begegnungsstätten für Haslers anvisierte Zielgruppe:  Mitarbeiter internationaler Konzerne und Freiberufler gehören ebenso dazu, wie Unternehmen, die ihren Angestellten flexible, kreative Modelle anbieten möchten.

„Ich war beruflich viel unterwegs und suchte da oft verzweifelt nach angenehmen Orten mit Steckdose und Wlan-Netz“, sagt Mathis Hasler. Meist fand er keinen wirklich passenden Ort. In Buenos Aires inspirierte Hasler dann die „Urban Station“, ein „sehr cooler Platz für mobile Berufstätige“. „Mit all den Online-Tools, die uns unabhängig machen und so ermöglichen, dass Menschen dezentral und flexibel an mehreren Orten arbeiten können, hat sich eben einiges verändert“, sagt Mathis Hasler. Diese Entwicklung hat auch bei vielen Firmen zu einem Umdenken geführt. Immer mehr Unternehmen möchten ein cooler, für interessante Job-Kandidaten attraktiver Arbeitgeber sein und fragen sich deshalb: Wie wollen unsere Mitarbeiter arbeiten? Und wo?

Die sich damit immer mehr verbreitende neue Art zu arbeiten, sei jedoch nicht der Untergang der herkömmlichen Bürokomplexe, glaubt Hasler. „Es gibt verschiedene Realitäten – und viele verschiedene Arten zu arbeiten.“ Nur brauche es heute eben nicht mehr das eindrucksvolle Riesenbüro an einem repräsentativen Standort, um Eindruck zu schinden. Auch der feste Arbeitsplatz mit Anwesenheitszeiten von 9 bis 17 Uhr wird in vielen modernen Unternehmen zum Auslaufmodell – nicht nur Microsoft hat bereits in Deutschland die Anwesenheitspflicht für seine Mitarbeiter abgeschafft und „Vertrauensarbeitsorte“ eingerichtet. Aber es brauche aus Sicht des Popup-Office-Gründer kluge Konzepte für flexible Arbeitszonen und auch Regeln von den Arbeitgebern, was dort erwünscht ist.

„Natürlich sind flexible Büros nicht für jeden ein Paradies. Das ist auch Typsache“, sagt Mathis Hasler. Aber Fakt sei: „Viele wunderbare Orte stehen tagsüber praktisch leer und könnten als Büros genutzt werden.“ So ist etwa das Londoner Shoreditch-House ein wichtiges Vorbild für Hasler : In dem alten Warenhaus wird gearbeitet, gegessen, gebadet und geschlafen. Das sei nicht nur spaßig, sondern auch „wirtschaftlich sinnvoll“.

Reservierter "Pop-up-Office"-Tisch im Cafe: Man nicht unbedingt mehr bei Google arbeiten, um einen coolen Arbeitsplatz zu haben.

Reservierter „Pop-up-Office“-Tisch im Cafe: Man nicht unbedingt mehr bei Google arbeiten, um einen coolen Arbeitsplatz zu haben.

Um solche Orte zu finden, sichten die Mitarbeiter von „Pop up Office“ Galerien, gastronomische Lokalitäten und andere außergewöhnliche Räume, die zu den Büronomaden passen könnten. „Räume machen Leute“, sagt Hasler, „die Arbeitsatmosphäre und Design sind vielen wichtig, es gibt daher eine kleine Revolution in der Architektur. Büros sind schöner geworden.“ Mittlerweile müsse man nicht unbedingt mehr bei Google arbeiten, um einen coolen Arbeitsplatz zu haben.

Beim amerikanischen Social-Media-Unternehmen Buffer geht man bereits noch weiter – und hat das schicke Büro in San Francisco komplett gekündigt. „Ein festes Büro provoziert nur Verspätungen, etwa bei Meetings, weil man warten muss, bis alle Mitarbeiter da sind“, so Buffer-Gründer Joel Gascoigne. „Aus diesem Grund sind wir zu der Schlussfolgerung gekommen, dass wir alle Dinge, die wir tun, lieber jederzeit und sofort erledigen wollen. Wenn wir kurzfristig ein Meeting einberufen müssen, sollten wir einfach einen Hangout starten, auch wenn wir gerade in derselben Stadt sind.“

Das Zielpublikum von „Pop up Office“ sind vor allem Firmen, die ihren Mitarbeitern attraktive und flexible Arbeitsbedingungen bieten wollen. Der erste Konzern, der sich für das Angebot entschieden hat, „Pop-up-Office“-Arbeitsplätze zu mieten, war das Versicherungsunternehmen AXA Winterthur. Seit Januar diesen Jahres können die Angestellten nun in einem Business-Center, in einem Atelier, einem Restaurant oder in Co-Working-Spaces einchecken – je nachdem, wo sie gerade sind und welche Art von Arbeitsplatz ihnen gefällt.

Die Firmen- und Privatkunden buchen bei „Pop up Office“ ein Abo, das sie berechtigt, alle verzeichneten Arbeitsplätze zu nutzen. Im Moment sind das rund 100 Standorte in der ganzen Schweiz, bald sollen es über 200 sein. Wer nicht gleich ein Abo abschließen möchte, kann auch erst einmal für acht Franken pro Stunde einen Arbeitsplatz buchen. Ein Tisch, an dem gearbeitet werden kann, Strom und schnelles W-Lan sind damit garantiert. Kaffee und eine kreative Atmosphäre auch.


Zusatzinfo: Mathis Hasler wird eine der Keynotes auf der XING New Work Session in Zürich halten, mit der die erfolgreiche Veranstaltungsreihe am 13. April ihre Premiere in der Schweiz feiert. Die Session findet im Rahmen der „Workplace Strategy Expo“ in der Messe Zürich statt. Neben Hasler werden Pirmin Proier von Bikecitizens.net und Achim Hensen von traum-ferienwohnung.de über die New-Work-Philosophien ihrer jungen Unternehmen berichten und stehen anschließend für Diskussionen auf dem XING Networking Event zur Verfügung.

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