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Job-Knigge : Herr Dr.? Herr Doktor? Hr.Dr.? - So finden Sie die richtige Anrede

Im Joballtag steht man immer wieder mal vor der Frage, wie man Professoren, Doktoren und Adelige anschreibt. Das Risiko einer falschen Anrede ist ziemlich groß.

Wie viel Titel verträgt ein Brief oder eine E-Mail? (©Foto:  Jan-Philipp Strobel)

Wie viel Titel verträgt ein Brief oder eine E-Mail? (©Foto:  Jan-Philipp Strobel)

Das Problem besteht aber nicht nur bei schriftlicher Korrespondenz, sondern auch, wenn man einen Menschen das erste Mal trifft, erklärt Etikette-Trainerin Nandine Meyden. Hier sind vier Tipps zur mündlichen und schriftlichen Anrede:

In Briefen und E-Mails: Hier reicht ein Titel, nämlich der höhere. Die Titel abzukürzen, sei beim Doktortitel Pflicht. Aus dem Doktor wird zwingend der Dr., erklärt Meyden. Der Professorentitel werde dagegen nie abgekürzt.

Mehrere Adressaten in E-Mails: Soll die E-Mail an mehrere Empfänger verschickt werden, gibt es verschiedene Möglichkeiten. „Sind die beiden in der gleichen Firma, schreibt man den Ranghöheren zuerst an, unabhängig davon, ob er einen Titel besitzt oder nicht“, erläutert Meyden. Im Beispiel ist Herr Meier Geschäftsführer, Frau Dr. Müller Abteilungsleiter. Die Anrede würde lauten: „Sehr geehrter Herr Meier, sehr geehrte Frau Dr. Müller“. Schreibt man dagegen zwei gleichrangige Professoren an einer Hochschule an, sortiert man die beiden nach dem Alphabet.

Im Adressfeld auf dem Brief: Auf den Briefbogen gehören alle Titel, der Professor wird ausgeschrieben, beim Doktortitel bleibt die Kurzform. Beispiel: Ein Professor mit zwei Doktortiteln wird wie folgt notiert: Professor Dr. Dr. Karl Meier. „Wenn allerdings im Anschreibefenster zu wenig Platz ist, darf man auch den Professor abkürzen“, erklärt Meyden.

Grafentitel: Wer noch einen Adelstitel trägt, sollte mit diesem in der Regel auch angesprochen und angeschrieben werden. Das gebiete die Höflichkeit, erklärt Meyden. Dabei verzichtet man auf das Herr oder Frau in der Ansprache. Beispiel: „Sehr geehrte Gräfin von Hohenzollern“. Im Beruf verzichten laut Meyden viele auf den Adelstitel und werden nur mit „Frau von Hohenzollern“ angesprochen.

5 Kommentare

Lukas Herbst

08.04.2016

Gute Tipps. Die Sache mit den ganzen Titeln finde ich auch immer ein wenig schwierig.

Gerold Brütsch-Prévôt

08.04.2016

Ein moderner Mensch will heute nicht mehr mit Dr. oder Professor angeschrieben werden. Wir begegnen Akademikern, Akademikerinnen auf Augenhöhe.

Oliver Tacke

08.04.2016

Ich schaue lieber noch einmal auf die Uhr… Doch, 21. Jahrhundert.

Warum man Pseudoadelstitel beim Anreden einer Person nutzen sollte, die tatsächlich aber nur akademischer Grad (wie Diplom-Ingenieur) oder Amtsbezeichnung (wie Oberamtsgehilfe) sind, ist mir ein Rätsel. Tradierte Floskeln sind auch keine stimmige Erklärung für mich.

Ich bin lange an Hochschulen unterwegs und boykottiere dieses Gehabe fast ebenso lange erfolgreich. Ich bin noch niemanden begegnet, weder Doktor noch Professor, der sich daran gestört hätte. Also diese Knigge-Tipps vielleicht mal hinterfragen und nicht ganz so wichtig nehmen…

Gast

04.11.2016

Sehr richtig! Gute Umgangsformen sind wichtiger denn je. Das macht uns zu Menschen. Das primitive Duzen und fehlender Respekt sind ein Zeichen einer verkommenen proletarischen Gesellschaft. Das „Herr“ müsste man dann ja auch weglassen, denn wer herrscht od. beherrscht hier? Bald werden sich die Leute nur noch angrunzen und mit Urlauten anfauchen.

Gast

08.11.2018

Also in Deutschland gibt es keinen Adel und auch keine Adeltitel mehr, nur noch sehr lange Nachnamen. „Gräfin von Hohenzollern“ ist demnach ein Nachname und die korrekte Ansprache daher: „Frau Gräfin von Hohenzollern“.