Karriere & Leben

30 Jobs in einem Jahr: Auf der Suche nach dem Glück

Jannike Stöhr war nicht glücklich – mit ihrem Leben und ihrem Beruf. Sie entschloss sich zu einem radikalen Experiment. Und zog hinaus in die weite Arbeitswelt.

Es ist schon seltsam, dieses Gefühl, das wir alle – mal mehr, mal weniger – kennen: Da hat man seinen Wunschjob endlich bekommen, hat sich in der Firma und bei den Kollegen etabliert – und trotzdem fehlt da was, so genau lässt sich das gar nicht benennen. Wäre eine andere Arbeit vielleicht die Lösung? Eigentlich macht ja vieles Spaß. Man müsste das vielleicht mal ausprobieren….
Und genau das hat Jannike Stöhr getan. Die 29-Jährige arbeitete schon für einige Jahre in der Personalabteilung eines großen Industriekonzerns, bis sie sich auf die Suche nach ihrem Traumjob machte. Allerdings auf sehr ungewöhnliche Art: Sage und schreibe 30 Jobs testete sie innerhalb eines Jahres, jeweils für eine Schnupperwoche. So wurde sie Kurzzeit-Kindergärtnerin, -Imkerin, -Verkäuferin oder auch TV-Produzentin. Was Sie dabei erlebte, schildert sie in unserem Interview.

XING Spielraum: Frau Stöhr, ergänzen Sie doch bitte folgenden Satz: „30 Mal probiert…“

Jannike Stöhr: …30 Mal ist viel passiert, 1000 und eine Nacht und es hat Zoom gemacht.

Stöhr-Buch „Das Traumjob-Experiment“: „Es gab öfter kleine Tränen“

Sie haben gesagt, einer der wichtigsten Gründe für Ihr Experiment war, dass Sie eine Leere in ihrem Leben gefühlt haben. Kann der richtige Job uns also davon befreien?

Stöhr: Ja, genau. Ich habe über Jahre diese Leere gespürt und vieles ausprobiert, um sie zu füllen. Ich bin verreist, habe viel konsumiert, habe Sportarten und Ehrenämter ausprobiert und ein Dankbarkeitstagebuch geführt. Aber nichts hat geholfen. Meine Traumjobsuche war der letzte Versuch, diesem Gefühl auf den Grund zu gehen und es doch noch los zu werden. Es muss doch einen Zustand geben, in dem alles gut ist, wie es ist und man nicht nach immer mehr strebt – das war meine Theorie. Letztendlich habe ich festgestellt, dass es diesen Zustand gibt, wenn man aufhört, sich mit Konsum, Beschäftigung, Fernsehen zu betäuben.

Als ich mich selbst wieder wahrnehmen konnte, fielen mir auf einmal die Entscheidungen leichter und das was folgte, fühlte sich immer stimmig an. Die Leere war weg und ich einfach zufrieden, mit dem was war. Kann uns der richtige Job von der Leere befreien? Ich denke, es ist ein Wechselspiel. Wer den richtigen Job hat, wird sich seiner Selbst weitestgehend bewusst sein. Wer sich seiner Selbst bewusst wird, wird voraussichtlich auch Entscheidungen treffen, die ihn zum richtigen Job führen. Der Job ist dabei nur ein Aspekt, aber immerhin einer, auf den wir einen großen Anteil unserer Lebenszeit verwenden.

Ihr Buch zu Ihrem Projekt heißt „Das Traumjob-Experiment“ (Amazon-Link) – aber da waren doch auch Arbeiten dabei, unter denen man sich nun wirklich keinen Traumjob vorstellt.

Stöhr: Ich habe nur Menschen begleitet, die leidenschaftlich in ihrem Beruf waren. Die also ihren Traumjob schon gefunden hatten. Aus ihrem Blickwinkel habe ich die Jobs kennengelernt und durch die Bank positive Erfahrungen gemacht. Die Menschen sind unterschiedlich, jeder hat andere Talente, Dinge, die ihm wichtig sind und die ihm Spaß machen. Was für mich ein Traumjob ist, muss noch lange nicht für jemand anderen ein Traumjob sein – und umgekehrt.

Man merkt Ihren Berichten an, wie wichtig Ihnen das Menschliche und Zwischenmenschliche an der Arbeit ist. Wo fühlten Sie das besonders stark? Und war das der Job, den sie am liebsten machen würden.

Stöhr:  Ja, das Menschliche und Zwischenmenschliche war mir sehr wichtig. Auch nur so konnte es funktionieren, einen Job innerhalb von einer Woche kennenzulernen. Das geht nur, wenn Vertrauen da ist und die Menschen, die man begleitet, einen nah heran und ehrlich an ihrem Arbeitsalltag teilhaben lassen. Es gab öfter kleine Tränen am Ende der Woche, wenn wir uns verabschiedet haben. Die Praktika waren wirklich intensiv, genauso meine Zeit bei den Couchsurfern. Auf das Zwischenmenschliche bezogen kann ich daher auch keinen Job hervorheben, das war überall ausgeprägt.

Seit Ihrem Experiment sind Sie auch eine gefragte Gesprächspartnerin und Dozentin zum Thema „Moderne Arbeitswelt“ geworden, unter anderem auch auf den Das-Neue-Arbeiten-Events   (s. auch Video und Infos unten). Neudeutsch gefragt: Was ist Ihre Message für das Publikum solcher Veranstaltungen?

Stöhr:  Wer das Gefühl der Leere kennt, sollte es ernst nehmen und ihm nachgehen. Das kommt irgendwo her und kann ein guter Kompass sein. Ich wollte immer alle Probleme, alle Entscheidungen ausschließlich in meinem Kopf lösen. Aber das ist ein Trugschluss. Die richtig guten Entscheidungen, die kommen woanders her. Man muss Dinge ausprobieren und tun, um zu wissen, wie sie in der Realität sind. Es lohnt sich einfach, die alten Pfade auch einmal zu verlassen und seine Gedankenmuster zu brechen.

Das Experiment ist abgeschlossen, Ihre Auszeit noch nicht. Wie geht es weiter in Ihrem Leben?

Stöhr:  Bis Ende April arbeite ich noch bei einem Abgeordneten im Europäischen Parlament. Danach werde ich mich selbstständig machen. Ich möchte Menschen dabei helfen, ihre Gedankenmuster zu durchbrechen, ihre Optionen wieder sehen zu können und Hilfestellung für Veränderungen geben. Hilfe bei Bewerbungen und Interviewtraining werden ein weiterer Bestandteil des Angebotes sein. Bereits jetzt erhalte ich immer wieder Anfragen zu diesen Themen. Ich freue mich schon riesig darauf, wenn es bald endlich offiziell losgeht!

Und die Leere, ist die noch da?

Stöhr: Nein. (lacht) Aber ich auch muss aufpassen, nicht in alte Muster zurückzufallen.


Veranstaltungstipp:

Die Initiative „Das Neue Arbeiten“ (DNA), gegründet 2012 in Wien, beschreibt sich als  „Drehscheibe, Labor, Initiative für zukünftige Organisationen und ihre Menschen“. Die hochkarätig besetzten DNA-Veranstaltungen geben Ein- und Ausblicke in die Welt des New Work und seiner führenden Protagonisten.

Der nächste DNA-„Smart Afternoon“ findet am 14. April am 14 Uhr in der BMW Welt in München statt.  Experten widmen sich in Vorträgen, Talkrunden und Diskussionen mit dem Publikum der Frage,  interagieren in vier Akten. Mit dabei sind u. a. Birgit Gebhardt (Trendexpertin), Christoph Giesa (Publizist), Bodo Janssen (Upstalsboom), Yukiko E. Kobayashi (ImpactDOCK Hamburg), Michael Schmutzer (Design Offices), Andreas Tschas (Pioneers Festival)

Jannike Stöhr wird am DNA-Event am 5.Oktober in Wien auftreten. Einen Vorgeschmack darauf vermittelt das Video ihres Beitrages vom vergangenen Jahr:

20 Kommentare

Anke Maier-Stahl

11.04.2016

Ich gratuliere Ihnen Frau Stöhr. Ein tolles Experiment und ein Schritt in die richtige Richtung. Hier gibt es noch einiges zu tun, denn in der modernen Arbeitswelt ist es noch nicht überall angekommen, dass unterschiedliche Lebensphasen auch ganz unterschiedliche Jobs mit sich bringen dürfen. Das hat etwas mit persönlicher und beruflicher Entwicklung zu tun. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg. Herzliche Grüße.

Marc Thiel

14.04.2016

Hallo Zusammen,

es ist schön, wenn man die Möglichkeit hat, einige Praktika zu machen, um seinen Traumberuf zu
finden. Man braucht aber auch Zeit und ebenso Unterstützung der Familie und auch der
Firmen, in der man das Praktikum macht. Es sollte in der Schulzeit schon die Möglichkeit
geben, mehrere Praktika zu machen. Dann wären viele Leute entspannter im Berufsleben.
Firmen sollten die Möglichkeiten dazu schaffen, denn zufriedene Mitarbeiter kommen gern zur Arbeit und sind auch weniger krank.

Andrea Henke

14.04.2016

Beeindruckend! Meinen ‚Herzlichen Glückwunsch‘ zu dieser Leistung!
Erfahrungen sind mit das wertvollste im Leben. Angst überwinden, Erfahrungen machen, meditieren und Schritt für Schritt glücklich, zufrieden und gesund werden im ganzheitlichen Sinne.
Leben und ‚leben lassen‘ dabei nicht vergessen;-)
VG, A. Henke

Simone Neumann

14.04.2016

Ein wunderbarer Artikel! Ich selbst bin 2011 raus aus einer gut bezahlten Festanstellung im HR-Bereich eines Großkonzerns und rein in die Selbstständigkeit mit unterschiedlichen Projekten. Ich liebe zum ersten Mal von Herzen das was ich tue und die Freiheit zu entscheiden, meinen eigenen roten Faden zu haben und nicht den, den man angeblich haben sollte. 😉
Heute einen Tag Gruppen- und Einzel-Coaching mit Schwerbehinderten Menschen, die bspw. nach Erkrankungen auch noch ihren Job verloren haben und sich neu orientieren, Montag bis Mittwoch gebe ich ein Teamtraining für Mitarbeiter eines mittelständischen Unternehmens, in der Woche darauf 2 Führungskräftetraings und -Coachings. Die Mischung, nein MEINE Mischung macht mir Freude und erfüllt mich. Dieses Gefühl hatte ich früher nie auch nur ansatzweise in Jobs. 😉

Astrid Krampe

14.04.2016

Spannend, keine Frage! In einer Woche lernt man einen Beruf allerdings nicht kennen – insbesondere nicht, wenn man nur begleitet. Sie hat aber sicher viele Menschen hautnah erlebt, was auch toll ist.

Ralf Nicolaus

14.04.2016

Liebe Frau Stöhr,
schön, dass junge Menschen nun zu Erkenntnissen kommen, die bis dato im Allgemeinen erst später im Leben anstehen. Das stimmt mich hoffnungsvoll.
Als kleine Kinder wissen wir sehr wohl, was uns gut tut und unsere Entscheidungen kommen aus einer tiefen inneren Weisheit, die in jedem von uns steckt.
Dann kommt aber ganz schnell der Wahnsinn in unser Leben, der Erziehung genannt wird. Schritt für Schritt wird uns beigebracht uns von der inneren Weisheit und unseren Gefühlen zu verabschieden, und den Kopf die Entscheidungen fällen zu lassen. Uns wird Getrenntheit von allem suggeriert und nahegelegt, dass die Erfüllung im Außen zu suchen ist. Diese unklugen Dinge bringen uns meist Menschen bei, die selber damit -bei allem materiellen Erfolg, den sie haben mögen – im Innen leer und unglücklich sind.
Irgendwann kommt (nicht bei allen) die weise Erkenntnis, dass das nicht der Weg ist.
Es folgt, wenn man es begriffen hat, eine Zeit der Annahme von dem was ist und ein tiefes Vertrauen in das Leben. Es folgt in diesem Vertrauen eine riesige Neugierde auf das was kommen wird, also quasi wieder in den gesunden Zustand der Kindheit zurück, was das angeht. Man verabschiedet sich vom Mangeldenken (ich muss erst dies und das, um zu… ) von der Utopie alles kontrollieren zu können und beginnt den inneren Entscheidungsvorschlägen zu folgen.
Ich habe über 40 Jahre gebraucht um da hin zu kommen, meine Lehrer haben volle Arbeit geleistet ! Ich bin sehr dankbar, dass mir diese Transformation trotzdem vergönnt war.
Andere rennen bis zum bitteren Ende der Möhre hinterher, die vor Ihrem Kopf hängt, um dann frustriert und verbittert in die Grube zu fahren.
Somit freue ich mich sehr für Sie dass sie all diese Erfahrungen und Erkenntnisse schon in so jungen Jahren haben.

Liebe Grüße in den Tag
Ralf Nicolaus

Ingo Gewalt

14.04.2016

Was ist, wenn sich ein LKW-Fahrer eines Tages ‚leer‘ fühlt und dann mit Mitte 35 glaubt: „Ach, wäre ich mal lieber Chirurg geworden!“??? — Arbeit ist nur EIN Teil des Lebens. Die anderen 3 Bereiche ‚Körper/Gesundheit‘ – ‚Soziale Kontakte‘ – ‚Sinn & Inhalt‘ machen die Lebensbalance erst komplett. Und hierbei gilt es letztlich eine FÜR-MICH-STIMMIGE Ausgeglichenheit zu finden. Leere ALLEIN mit dem ‚richtigen‘ Job zu füllen, ist m.E. ein Trugschluss. Auch wenn das ein wichtiger Bereich ist. Unbestritten.

Olaf Ketelsen

14.04.2016

Traumjob? Gibt es den überhaupt? Ich meine in der Arbeitswelt muß man immer Kompromisse eingehen. Sobald die Routine einkehrt und wenig Abwechslung herrscht oder sogar ein „Kollege“ einem das Leben schwer macht (den es immer in jeder Firma gibt) liegt die Überlegung nahe, ob das schon alles ist oder ob das wirklich der Traumjob sein kann. Man kann, sofern man darf und denen gegenüber, die lieber alles beim Alten lassen, nicht renitent erscheint, Veränderung versuchen. Sich auch selbst dadurch wieder Anreize schaffen. Letztlich verfällt der Mensch aber immer wieder in die gleichen (Verhaltens-) Muster wie zuvor und wiederholt lang geübtes und einstudiertes. Auch bei kreativen Berufen (Künstlern) ist das so. Mit wachsender Erfahrung auf einem Gebiet wächst die Professionalität. Zu oft sollte man also nicht die Richtungen wechseln, sonst läuft man Gefahr alles und nichts zu können. Was nicht heißen soll, daß man auch mal eine andere Richtung (als „on top“ zur bisherigen Erfahrung) einschlagen sollte. Beruf heißt nun mal Professionalität in einem Gebiet. In Deutschland definieren wir uns im Vergleich zu anderen Ländern hauptsächlich über den Beruf und das dadurch erreichte Ansehen. Die Persönlichkeit spielt leider oft eine untergeordnete Rolle.
Ich würde Frau Stöhr empfehlen sich in der Freizeit auszuleben und im Job den Kurs und das Ziel beizubehalten. Gerade in Deutschland denkt man da sehr konservativ. Leider bleibt dann auch immer viel Innovation auf der Strecke.

Meike Mann

14.04.2016

Wieder so eine lifestyle- Beraterin, die glaubt, der Menschheit mit hohlen Ratschlägen weiterhelfen zu können. Und ein Publikum, das schon so leer ist, dass es diesen Ratschlägen lauscht. Ich kann nur hoffen, dass das Projekt, das genauso eine Augenwischerei und Heuchelei zu sein scheint wie das Buch (es waren alles nur Job-Begleitungen, nicht selber ausgeführte Jobs – das ist ja zum Totlachen), schief geht. Denn dann kommen Sie vielleicht mal darauf, was im Leben wichtig ist. In ihrem Leben, das, wie es scheint, ein sehr komfortables ist und in dem sie einfach mal so zwischen verschiedenen Optionen hin und herswitchen können, fehlt ganz eindeutig die Bodenhaftung.

Pia Michel

14.04.2016

Liebe Frau Stöhr,

ein sehr beeindruckender und kreativer Schritt, der nur ahnen lässt, wie es Ihnen davor wohl ging und wie unzufrieden Sie gewesen sein müssen – herzlichen Glückwunsch zu diesem Experiment und dem erfolgreichen Ausgang!

Leider hat nicht jeder, der sich in seinem Job unglücklich und leer füllt, die Rahmenbedingungen, die einen solchen radikalen Schnitt zulassen. Die gute Nachricht ist – wir können auch am Modell lernen: Sie haben es gezeigt, dass es sich lohnt, die alten Pfade auch einmal zu verlassen, seine eingefahrenen Gedankenmuster zu brechen und etwas Neues auszuprobieren.

In meiner Arbeit als Expertin für Sondersituationen, Veränderungen und Perspektiven erlebe ich viele Menschen, denen es ähnlich geht wie Ihnen und beobachte, dass ein Wertewandel stattfindet. Sicherheit, Anerkennung, Macht, Geld, Status und Gestaltungsfreiheit sind immer noch wichtig, dazu kommt aber immer stärker der Wunsch etwas Sinnvolles zu tun. Sinn-voll im Sinne von kongruent zu den eigenen Zielen, Werten und Wünschen.

Ich glaube, dass sich mit der Zeit eine neue Art des Lebens und Arbeitens durchsetzen wird. Eine Zeit, in der Menschen danach streben, glücklicher- gesünder- leistungsfähiger in ihrer Arbeit zu sein und mehr Zufriedenheit und Spaß in Job und Leben zu haben.

Danke, für Ihren wertvollen Beitrag dazu!

Silvia Naumann

14.04.2016

Ja – und nein. Wenn jeder der „nicht glücklich ist“ seinen Job kündigt, kann das auch nicht die Lösung sein. Es braucht auch nicht jeden, der sich dazu berufen fühlt als Coach oder Berater. Wir brauchen eher mehr Menschen, die die eigentliche Arbeit und die Zukunft anpacken und erledigen!
Als inkrementalen Ansatz für die, die sich nicht (ganz) glücklich fühlen, sehe ich eher eine Lösung in „60 % Butter und Brot-Tätigkeit“ im bestehenden Arbeitsgebiet. 25 % das tun, was denjenigen glücklich macht und 15 % Entdeckung von Neuem im Gesamtumfeld (Arbeitswelt und Sozialem Kontakt). In allen Bereichen gilt es jedoch Wissen und Erfahrung effizient einzusetzen. Mancher mag vielleicht wirklich einen Radikalschnitt brauchen, aber dann eher für sein Ego….

Alfred Nussbaumer

14.04.2016

als personalverantwortliche sollten berufliche Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen auch ein muß sein, und es wundert mich nicht, dass sich ohne entsprechender Erfahrungen nach einiger Zeit eine gewisse leere einstellt. Auch ein normaler Prozesse den Fr. Stör durchlebt „Selbstfindung“ nach einem Schicksalsschlag mit dem an Krebs erkrankten Vater und einem entsprechenden Prozess der Aufarbeitung. Kann sich natürlich auch nicht jeder leisten, nicht jeder hat die Freiheit/Möglichkeit sich solchen Experimenten zu widmen und warum nicht auch gleich wieder Profit aus den Erfahrungen generieren, was letztendlich doch die Wurzel des gesellschaftlichen Unglücks ist.
Es wird philosophiert über Erfahrungen die man machen sollte um sein Glück zu finden, wie schon tausend andere Propheten auch. Von Marketing und PR scheint die junge Dame jedenfalls etwas zu verstehen.

Andreas Winkelmann

14.04.2016

Mit Verlaub, „Alter“ ist ganz bestimmt nicht immer in Qualitätsmerkmal, „Erfahrung“ aber nach meiner Erkenntnis schon. Mit 29 Jahren fühlte Stöhr schon eine Leere im Job (wann hat sie denn begonnen, und was getan, ihren Job zu gestalten?), und sich in einem Jahr mit 30 1-wöchigen Praktika zur „einer gefragten Gesprächspartnerin und Dozentin zum Thema >Moderne Arbeitswelt<" entwickelt. Und demnächst hilft sie mit Ihrer Praktikumserfahrung anderen Menschen, deren jahrzehntelange, jobgeprägte Gedankenmuster zu durchbrechen. Unfassbar, wer heute wie zum "Experten" mutiert. Aber immerhin: ich bin ja froh, dass sie nicht 2 Wochen einen Notarzt begleitet hat, sonst würde sie wahrscheinlich ab nächster Woche Operationslehrgänge für Chefärzte anbieten. Ich – mit 33 Jahren Berufserfahrung in unterschiedlichen Konzernteilen und völlig verschiedenen Aufgaben – genieße jedenfalls diese und ähnliche Selbstüberschätzungs- und Selbstverwirklichungstendenzen der Generation Y mit einem Grinsen im Gesicht: Deren intrinsische Motivation, aus Ihrer -unfertigen- Sicht die Welt zu missionieren, kommt mir ähnlich motiviert vor, wie unsere Aussagen vor 45 Jahren, wo wir eben auch alle Astronaut, Afrikaforscher oder Lokführer werden wollten; nur waren wir zu dem Zeitpunkt wirklich noch jung und unerfahren. Der Faktor der unbewussten Inkompetenz hat sich inzwischen offenbar in den Umstand der "Ich weiß es -irgendwie- besser als alle" gewandelt. Aber da scheint es ja gleichgesinnte zu geben, die solche "Key-note-Speaker" auch noch für Ihre langweilig gestalteten Tagungen buchen. Ich habe zum Glück meine Berufung -u.a.- darin gefunden, als Organisationsentwickler in einem Großkonzernteil solchen "Kinderkram" Angebote aussortieren zu können. Auch (Achtung Satire), weil unsere Veranstaltungen meist bis nach 22h dauern und da müssen Kinder ins Bett und dürfen nicht mehr auftreten…

Pia Straub

14.04.2016

Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zur gemäß nun öffentlichen Selbstdarstellung gelungenen Ich- und Sinnfindung sowie der noch im Statu Nascendi befindlichen Unternehmensgründung im umkämpften Markt der Vortragsreisenden und Personal Trainer. Man sollte sich als Konsument dabei stets bewußt machen, daß dieses Business Model vornehmlich von Menschen mit starkem Hang zur öffentlichen Selbstdarstellung und Freude an der Einflussnahme mit Hilfe eines Vexierpiels aus Kulissen und Spiegeln bedient wird. Persönlich bestaune ich immer wieder den mit einem Elixier der ständigen Jugend gesegneten, in jeder Gesellschaft und Kultur universell funktionierenden gigantischen (Jahr)Markt: Heiler, Gurus, Prediger, Schamanen, Astrologen… das Angebot wunderbarer Heilsversprechen verführt den geneigten Konsumenten seit Menschengedenken zu mehr oder weniger großen Gegenleistungen im Sinne einer Steigerung des Wohlstands ihrer Idole. Der zugrundeliegende Mechanismus wird wohl tief im Limbischen System verankert sein. Leider konnte mir weder Lektüre dieses Artikels noch Ansehen des Videos eine wesentliche Bereicherung meines eigenen Lebens liefern. Auch emotional spricht mich der Vortrag der Protagonistin nicht an. Meine Zusammenfassung ist deshalb: „schon tausendmal gehört, und doch hat sich nichts geregt“. Gleichwohl sollte man dieser Einzelmeinung wenig Bedeutung beimessen, bekanntlich irren sich Millionen Fliegen selten. Deshalb wünsche ich der Autorin alles erdenklich Gute und allen Heilssuchenden stets die Kraft, ihr eigenes, kritisches Denkvermögen zu erhalten.

Eric Klepptenberger

14.04.2016

Verdächtig, dass Frau Stöhr immer von der Leidenschaft der anderen redet. Wer sich konsumistisch aus der Außenperspektive mit einer Arbeit beschäftigt, wird nur ein Potpourri von Eindrücken, aber niemals Leidenschaft erfahren. Anderen beim Arbeiten zuschauen und dann darüber twittern, so sieht wohl das Jobideal der Millenials aus.

Frank Wolff

14.04.2016

Super spannende Sache! Habe das Buch noch nicht gelesen, aber das Experiment gefällt mir! Die Welt wird immer spannender und breiter – unsere Jobs dagegen werden immer spezialisierter. Konsequenz: Im Job wird ein immer kleinerer Bruchteil von dem abgerufen, was wir eigentlich können und wollen. Und das macht nicht glücklich. Inzwischen haben das sogar die grossen wie Daimler gemerkt und reagieren – teilweise radikal. Natürlich sollte niemand das Glück alleine bei der Arbeit suchen – aber die acht, zehn oder zwölf Stunden Arbeitszeit am Tag dürfen ja auch Freude machen. Mich hat genau die gleiche Motivation mitten ins Crowdsourcing geführt, bei dem das Ziel genau das gleiche ist: Sich dort einbringen und engagieren, wo Interessen, Wissen und Ideen liegen. Klar: Derzeit kann sich damit noch niemand über Wasser halten (noch nicht mal die Betreiber von Crowdsourcing-Plattformen…) – aber für eine Bereicherung der persönlichen Arbeitswelt reicht’s schon heute. Und die Entwicklung hat erst angefangen. Uns steht noch einiges bevor in der neuen Arbeitswelt!. Deshalb: Weiter mit solchen Experimenten!

Stefahn G. Herrmann

14.04.2016

Hallo Frau Stöhr!
Schöner Erlebnisbericht. Auch ich glaube nicht, dass eine Woche schnüffeln die Auf- u. Abs im Alltag widerspiegeln . Wirklich frei sein beginnt im Kopf. Die Abhängigkeiten dieser Welt lassen Vieles nicht möglich werden. Wie bei Allem, die Mischung macht es! Das Leben besteht eben aus vielen Facetten.

Inga Krause

15.04.2016

Sehr geehrte Frau Jannike Stöhr,
Ihr Bericht ist interessant und sicher ein für Sie perönlich stark bereichender Erfahrungsschatz. Hineinschnuppern als Begleitung in dreißig Berufe, wie entsteht daraus ein Bild der tatsächlichen Alltäglichkeiten mit den freudigen Höhen und den ermüdenden Tiefen, die nun jeder Beruf mit sich bringt?
Wen möchten Sie mit Ihrem Buch und Ihren Worten erreichen?
Was passiert, sollte die breite Arbeitnehmerschaft oder eine größere Menge von Unternehmern sich nun auf eine ähnlich geartetes Abenteuer einlassen und mal eben die Selbstfindung im Versuch erproben?
liebe Grüße

Michael Paramonti

15.04.2016

Herzlichen Glückwunsch zu einer großartigen PR-Aktion und den Mut zu dieser Erlebnisreise. Das Thema „Traumjob“ kann perfekt vermarktet werden, weil es für viele der Suche nach dem „heiligen Gral“ gleicht. Und immer wieder die gleichen Fragen „Was mache ich wirklich gerne?“ oder „Was kann ich richtig gut?“. Ja, so einfach kann die Suche zum Glück im Job beginnen. Wenn dann nicht noch Unternehmen, Arbeitgeber, Personaler usw. ein wenig mitentscheiden, ob Sie auch der „Traumkandidat“ sind oder jeder am Ende des Tages mit seinem „ercoachten“ Traumjob auch seinen Kühlschrank füllen muss oder sich in 20 bis 30 Jahren eine große Lücke in der Altersvorsorge zeigt. Für viele wird der Traumjob auch erst nach Jahren zum „Albtraum-Job“ und eben nicht erst nach einer Woche. Aber wahrscheinlich muss man dann nur positiv denken und alles folgt von alleine…. Aus der Motivationspsychologie ist mittlerweile hinreichend bekannt, dass es einfach Menschen gibt die nie zufrieden sind mit ihrem Job. In diesem Sinne weiterhin viel Erfolg..

Norfolk

15.04.2016

Hallo Herr Paramonti, Sie meinen, dass: „Aus der Motivationspsychologie ist mittlerweile hinreichend bekannt, dass es einfach Menschen gibt die nie zufrieden sind mit ihrem Job.“ Das ist ein Trugschluss: Solche Menschen haben einfach 1. Options und 2. Self respect! Und warum suchen sie nach einen Job, der Sinn macht? Weil die Sinnfrage die fundamentalste unserer Zeit ist! Viele Menschen meinen, sie haben mehrere Leben. Das ist ein Irrtum!!