Teamwork

Wie man mit Menschen zusammenarbeitet, die man nicht ausstehen kann

Wenn die Beziehung zu einem Kollegen schwierig ist, ist das noch lange kein Grund für die Kündigung. In vielen Fällen lässt sich das Blatt sogar wenden. Teresa Bücker hat für unseren Kooperationspartner EDITION F  mal aufgeschrieben, wie das geht.

Ein cholerischer Chef, der herumbrüllt und niemanden wertschätzt, ist ein echter Grund für eine Kündigung. Manchmal sind es aber auch Leute aus dem eigenen Team oder Kollegen aus anderen Bereichen des Unternehmens, mit denen man immer wieder zu tun hat – und sie einfach nicht ab kann. Oder du hast das Gefühl, dass sie dich hassen und dir mit Absicht das Leben schwer machen. Zum Beispiel die IT, die dir die Arbeit erschwert, in dem sie dir einen extra langsamen Rechner auf den Schreibtisch gestellt hat, und nicht einmal zurückruft, wenn er wieder einmal abstürzt. Oder die Kollegin vom Hamburger Standort, die immer mies gelaunte Nachrichten auf deiner Mailbox hinterlässt, schroffe Mails schreibt, in denen sie weder bitte noch danke sagt und nicht grüßt, wenn sie einen Termin in eurem Büro hat.

Freundschaften im Büro machen produktiver

Diese Kollegen so gut es geht zu ignorieren und die Momente der Zusammenarbeit eben auszuhalten ist eine Strategie und lässt das eigene Fell ein wenig dicker werden, die beste Lösung ist es jedoch nicht. Forschungsergebnisse zeigen, dass gute Beziehungen zu Kollegen oder sogar Freundschaften nicht nur die Produktivität verbessern, weil zum Beispiel Wissen und Kontakte eher geteilt werden, sie sind vor allem eine wichtige emotionale Unterstützung, die insgesamt glücklicher macht. Da liegt der Schluss nahe, dass schlechte Beziehungen oder eine offene Feindschaft zu Kollegen exakt das Gegenteil bewirkt: Die Arbeit leidet und die Laune gleich mit.

Lea McLeod, Coach für Beziehungen unter Kollegen, hat sechs Tipps, wie sich die Zusammenarbeit und das Klima am Arbeitsplatz verbessern lassen.

1) Nimm dir Zeit, deinen Kollegen kennenzulernen

Menschen neigen dazu, sich mit anderen zu umgeben, die ihnen ähnlich sind. Wenn also die Kollegin, die dich vermeintlich nicht mag, anders ist als diejenigen, die du dir als Freunde bislang ausgesucht hast, kann das die erste Hürde sein, die eurer Beziehung im Weg steht. Vielleicht stehen sogar Vorurteile zwischen euch. Wenn ihr jedoch in der gleichen Firma arbeitet, ist es nicht unwahrscheinlich, dass ihr Dinge gemeinsam habt. Mach dir die Mühe, diese Dinge zu entdecken. Es kostet vielleicht ein wenig Überwindung, aber ein gemeinsames Mittagessen oder ein Gespräch am Kaffeeautomaten kann der erste Schritt sein, ein wenig mehr über den anderen herauszufinden. Je mehr Gemeinsamkeiten ihr entdeckt – und sei es, dass ihr gerade von der gleichen Baustelle auf der S-Bahn-Linie betroffen seid – desto eher wird es gelingen, den anderen in einem neuen Licht zu sehen und die Haltung gegenüber dem Kollegen zu ändern.

2) Nimm das Verhalten nicht persönlich

Erinnere dich daran, wie es dir geht, wenn du einen schlechten Tag hast. Deine mürrische Laune bekommt in deiner Familie oder im Büro dann die Person zu spüren, die als erste den Raum betritt – eher per Zufallsprinzip. Und bösartige Vorgesetzte behandeln meist alle Mitarbeiter wenig fair – nicht nur dich. Es hilft also, wenn du dir in Erinnerung rufst, dass das Verhalten, was du als ungerecht oder feindselig erlebst, nichts mit dir zu tun hat, sondern eher eine Selbstaussage des Kollegens ist.

3) Grenze dich ab

Kompliziert werden Beziehungen zwischen Kollegen, wenn Emotionen eine zu große Rolle bei der Zusammenarbeit spielen und Fehler zum Beispiel mit Wutausbrüchen quittiert werden. Du kannst dem Kollegen eine klare Grenze setzen, in dem du das ansprichst und gleichzeitig eine Lösung aufzeigst. Sage zum Beispiel etwas wie: „Mich frustriert es, dass du Probleme größer machst, als sie sind. Ich kann besser mit dir zusammenarbeiten, wenn wir fixe Termine vereinbaren und du mir klar sagst, welche Ergebnisse du brauchst.“

4) Gehe in kleinen Schritten vor

Verhärtete Fronten lassen sich am besten in kleinen Schritten aufweichen. Du kannst damit beginnen, der anderen Person mit kleinen Signalen zu zeigen, dass du gar nichts gegen sie hast und sie als Kollegin schätzt. Das fängt mit Dingen an, wie sich einen „Guten Morgen“ zu wünschen, sich zu verabschieden oder anzubieten, ihr einen Kaffee mit aus der Küche zu bringen. Oder nicke ihr zustimmend zu, wenn du eine Idee von ihr in einem Meeting unterstützen willst. Jeder sucht im Job auch nach Anerkennung und freut sich, wenn er nicht allein da steht. Lea McLeod sagt außerdem: „Man kann andere Menschen nicht ändern, aber man kann die Energie, die man auf sie verwendet ändern und negative Signale mit positiven ersetzen.“

5) Konzentriere dich auf die Dinge, die du ändern kannst

Großer Frust bei der Arbeit entsteht dann, wenn wir Dinge ändern wollen, die nicht in unserer Macht liegen. Viele denken, sie wüssten es besser als der Chef, hätten eigentlich die bessere Idee als der Kollege gehabt und wenn sie nur endlich so könnten, wie sie wollten, wäre alles besser. Der Coach Lea Vogel sagt dazu: „Wenn-Dann-Konstruktionen binden unser Lebensglück an ein Ultimatum. Und das macht uns ganz schön abhängig.“ Der Wunsch, die großen Dinge bei der Arbeit zu ändern – ohne wirkliche Aussicht auf Erfolg – macht unglücklich. Sich über Dinge aufzuregen ist eine Entscheidung. Wer sich das bewusst macht, kann auch das ändern und stattdessen etwas Produktives tun. Beim Kontakt mit Kollegen gilt es vor allem, keine Konflikte zu scheuen, wenn sie möglicherweise aus der Welt zu schaffen sind. Kommuniziere dem anderen also, was du brauchst, um deine Arbeit machen zu können. Das ist immer besser, als Frust herunterzuschlucken und auch besser, als mit anderen Kollegen zu lästern.

6) Mache Pausen

Wenn es dich viel Energie kostet, mit dem ungeliebten Kollegen zusammenzuarbeiten, ist es ein guter Tipp, sich um flexible Lösungen zu kümmern, damit du deine Batterien aufladen kannst. Vielleicht machst du einen Tag im Home-Office, nimmst dir frei oder organisierst deinen Terminkalender so, dass du mindestens einen Tag ohne ein gemeinsames Meeting hast. Auch das sind die kleinen Schritte, die sich auszahlen.

Es ist ganz normal, dass man nicht mit allen Leuten im Job gleich gut kann und sie zu besten Freunden werden. Freu dich über die, zu denen du mehr als eine berufliche Beziehung aufbauen kannst – und versuche die Beziehung zu den anderen auf eine gute, professionelle Ebene zu bringen so weit es eben geht. Es lohnt sich, über diesen Schatten zu springen, denn es wird dich insgesamt zufriedener machen.


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13 Kommentare

Angela Maaßen

10.03.2016

Ein wunderbarer Artikel, um nochmals zu reflektieren, wo wir unsere Energie lassen. Vor allem aber wo wir negative Energie abbauen können!
Ein paar gute Tipps, nicht nur für das Berufsleben!

Möller, Ulrich

10.03.2016

Wunderbarer Artikel, aber klappt das auch alles so in der praktischen Anwendung?
Ich arbeite mit meiner Frau (gleichzeitig gleichgestellte Geschäftsführerin) zusammen in unserer
eigenen Firma, die Konflikte im täglichen Tagesgeschäft und Außendienst sind hier vorprogrammiert!
Aber: Ich versuche dazuzulernen, deshalb ist der Artikel wunderbar und hilfreich!
Wie hat mal einer gesagt: „Die Psyche einer Frau und das Ende einer Leberwurst bleiben ewig
unerforscht!“ Zitat Ende. In diesem Sinne…..
U. Möller

Stephan Siegfried

10.03.2016

Guter Beitrag, der auf vernunftbegabte Menschen anwendbar ist. Der wichtigste Satz dürfte aber der erste sein, in welchem der echte Grund für eine Kündigung beschrieben wird. Aufgrund diverser Erhebungen sind in der Gesamtbevölkerung rund 1% eben wie beschrieben schwierig unterwegs. Dafür gibt es einen Fachbegriff, der auch im deutschen Sprachraum immer mehr Beachtung findet. Die so genannten «White Collar Psychopaths» oder «Psychopathy in the workplace». Diese Individuen dürften aufgrund ihres Verhaltens für viel Leid und Schaden ursächlich sein. Eine Früherkennung stellt dabei eine enorme Herausforderung dar, da sie oft als High-Potentials auf Kosten der anderen auftreten.

Jakob Derbolowsky

10.03.2016

Die Vorgehensweisen halte ich für sehr hilfreich. Allerdings ist dafür notwendig, dass man sich diese Menschen zuvor insoweit erträglich macht, dass man diese Schritte vollziehen kann. Das Zuvor gelingt recht gut mit der Technik „Heranlieben“. Man sucht sich dafür eine möglichst kleine aber konkrete Sache an dem/der anderen aus, z. B. die Zeiger oder das Zifferblatt seiner Uhr, die Schuhe, die Schleife der Schnürsenkel u.ä., das einem an dem/der anderen wirklich gut gefällt und sagt es ggf. auch ihm/ihr. Damit hat das Gegenüber für einen selbst nicht nur Negatives an sich, sondern etwas, das mir gut gefällt. Probieren Sie es einfach aus. Diese Technik ist im einzelnen beschrieben in der Psychopädie. einer Lehre, die sich mit dem Umgang des Menschen mit allem und jedem befasst.

Sergej S.

10.03.2016

Meiner Meinung nach ein super Artikel. Man würde sich doch fast wünschen, dass gerade die Personen, die sehr schnell emotional überreagieren diesen Artikel mal lesen und sich zu Herzen nehmen würden.

Dietmar Kain

10.03.2016

der Artikel klingt sehr gut, die Umsetzung ist dann etwas schwieriger. Aber mit ein bisschen Willen ist es machbar. Ich habe einen neuen Kollegen „bekommen“ als ich den Anderen mal seinen Weg ließ und meine Arbeit gewissenhaft verfolgt habe. Auf ihn selbst habe ich immer nur freundlich reagiert, obwohl mein Inneres was anders wollte!

N. B.

10.03.2016

Nur, was tun, wenn sich herausstellt, dass die bisher „nette und befreundete“ Kollegin ein falsches Spiel spielt und die Kolleginnen teilweise gegeneinander ausspielt und dann alles zu ihrem Vorteil nutzt.
Bsp.: 2 neue Kolleginnen haben das Gefühl, nicht gemocht und dementsprechend behandelt zu werden. Auch mir gegenüber ist eine von Ihnen sehr zurückhaltend. Dann stellt sich heraus, dass die „befreundete Kollegin“ auch hinter meinem Rücken über mich redet, anstatt direkt zu sagen, wenn sie etwas stört bzw. hat sie nicht mal mehr menschliches oder freundschaftliches Verständnis für gewisse Dinge, die mit der GF abgesprochen wurden. Diese Unstimmigkeiten im Büro sollten geklärt werden und wir drei haben sie direkt einzeln auf diese Dinge angesprochen. Leider hat sie dann alles abgestritten. Nun habe ich mich in den letzten Monaten „normal“ aber auch zurückhaltend verhalten. Das Vertrauen ist dahin und die Freundschaft sowieso. Sie ist stinkfreundlich und denkt, alles wäre ok. Noch 2 Wochen, dann verlasse ich auf eigenen Wunsch das Unternehmen. In kurzen Worte kann ich die Situationen leider nicht fassen, aber ich bin leider zu ehrlich und spreche normalerweise an, was mich stört und wollte auch im Büro einfach nur Harmonie. Hat leider erst funktioniert, als die beiden neuen Kolleginnen wieder gegangen sind. Mal sehen, wer als nächste dran ist! Schade!

Majurei

10.03.2016

Grudsätzlich ist das richtig, was in dem Beitrag geschrieben wird mit guten praktischen Tipps. Allerdings wird es schwer, wenn dauerhaft Grenzen überschritten werden, obwohl man hier dies klar formuliert. Da bleibt dann m.E. auch für den Eigenschutz nichts anderes übrig als sich innerlich zu distanzieren und mindestens eine Veränderung der Struktur anzustreben.

Corinne Lepetit-Nitschke

11.03.2016

Bonjour
Wunderbarer Artikel, der gute Anregungen gibt.
Gerne hätte ich Tipps für die Situation, wenn der Chef nicht ehrlich ist und einem Manager über seinen eigenen Kunden und Mitarbeiter anlügt.

Elisabeth Schwabe

13.03.2016

Pünktlich, zuverlässig, freundlich, aber privates und dienstliches Auseinander halten. So bin ich stets wunderbar zurecht gekommen in meinem Berufsleben.

Was ich mache, mache ich gern, ordentlich und zügig!
So geht der Tag rasch um und macht Freude.

Jost Halter

23.03.2016

„Wer Kollegen haben will, sollte Kollege sein.“
Beherzigt man dieses Motto, macht man extrem selten unangenehme Erfahrungen.

Wolf

24.03.2016

Danke für die guten Tipps. Einige weitere möchte ich hinzufügen, wenn Sie mir dies zugestehen:
– Konfliktmanagement kann man lernen und üben, dazu gibt es gute Literatur.
– Böses mit Guten erwidern (dem anderen dienen entwaffnet, allerdings ohne unterwürfig zu Kreuze zu kriechen).
– Bei einem persönlichen Angriff nicht re-agieren, sondern vorerst auf sich beruhen lassen. Freundlich bleiben. Mindestens eine Nacht über diesem schlechtem Erlebnis schlafen, bevor man reagiert. Morgen sieht das Ganze oft schon ganz anders aus. Vielleicht kommt das Gegenüber ja zu mir und entschuldigt sich. Gewonnen! Vielleicht sehen ich ja dann auch, dass ich nicht ganz unbeteiligt an der Sache war.
– Vergeben (still, und immer wieder, ohne es dem anderen reinzureiben wie großmütig man ist).
– Hilft dies alles nichts über einen längeren Zeitraum, ist eine Trennung besser.

Ingolf

20.05.2017

Spricht mir aus der Seele, ein wirklich guter Artikel.
Ist die Situation schwierig – arbeite mit Ihnen zusammen!
Ansonsten halte ich es bei Konflikten und Beschwerden wie bei der Bundeswehr – mindestens 24 Sunden Bedenkzeit bevor weitere Massnahmen folgen.