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Digitalisierung

Neue Studie: So verändert die Digitalisierung unsere Arbeitswelt

Die Digitalisierung wird die Arbeit von Morgen grundlegend verändern, darüber herrscht bei allen Experten Klarheit. Aber wie genau? Die Ergebnisse einer aktuellen Expertenbefragung an der Technischen Universität München zeigen auf, in welche Richtung dieser Wandel gehen könnte.

Ein Gastbeitrag von Dipl.-Psych. Tanja Schwarzmüller, Dr. Prisca Brosi, & Prof. Dr. Isabell M. Welpe

Bereits seit einigen Jahren hält die Digitalisierung mit immer rasanteren technologischen Entwicklungen Einzug in Unternehmen. Es wird einhellig erwartet, dass sich dadurch in zunehmendem Maße auch die Art und Weise, wie Mitarbeitende in Unternehmen (zusammen-)arbeiten, verändern wird; jedoch ist unklar, welche Dimensionen von Arbeit sich genau ändern werden. Um dies herauszufinden, haben wir eine umfangreiche Befragung von 49 Digitalisierungs-ExpertInnen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Politik durchgeführt. Im Folgenden stellen wir die fünf am häufigsten genannten Veränderungen näher dar.

Am öftesten wurde die gesteigerte räumliche und zeitliche Unabhängigkeit genannt, die daraus resultiert, dass Mitarbeitende über Laptop und andere mobile Devices ihre Aufgaben nahezu von jedem Ort und immer mehr auch zu flexiblen Uhrzeiten erledigen können. Arbeitnehmende werden somit insgesamt flexibler und können Arbeits- und Privatleben besser miteinander in Einklang bringen, indem sie das Büro beispielsweise mittags verlassen, um die Kinder aus der Schule zu holen und Zeit mit diesen zu verbringen, und abends von zu Hause aus weiterarbeiten. Andererseits führt die zunehmende Erreichbarkeit auch zu einer immer stärkeren Verschmelzung von Arbeit und Privatem, die nicht nur positive Konsequenzen mit sich bringt.

Am zweithäufigsten wurde die Bedeutung von lebenslangem Lernen genannt. Mitarbeitende müssen mehr denn je bereit sein, konstant Neues hinzuzulernen, da die Halbwertszeit von Wissen deutlich abnimmt. Natürlich werden auch IT-Kompetenzen mehr denn je benötigt – wer mit den (immer neuen) digitalen Tools und Systemen nicht umgehen kann wird auf Dauer abgehängt. Für Mitarbeitende bringt diese Entwicklung den Vorteil, sich stetig weiterentwickeln zu können – andererseits steigt so auch der Wettbewerb zwischen Arbeitnehmenden, und gerade Personen, die beispielsweise aufgrund von Krankheit oder familiären Anforderungen zeitweise aus dem Unternehmen ausscheiden, geraten unter Druck.

Natürlich führt die Digitalisierung auch zu einer insgesamten Technologisierung der Arbeitswelt: Tätigkeiten – und zwar auch hochkomplexe, die eine umfassende Ausbildung voraussetzen, beispielsweise im Design- oder juristischen Bereich – werden immer weiter automatisiert. Andere Berufsbilder werden durch neue Technologien bei ihrer Arbeit unterstützt. Hierbei sind beispielsweise Ärzte zu nennen, die mittels Augmented Reality-Brille wichtige Informationen zu ihren Patienten eingeblendet bekommen, während sie operieren, oder Mechaniker, denen die nächsten Schritte für ihre geplante Reparatur virtuell und flexibel angezeigt werden. Technologien können Arbeit also stark erleichtern und Ergebnisse verbessern – aber auch dazu führen, dass der Beitrag des Menschen in der Wertschöpfungskette immer unbedeutender wird. 

Als vierthäufigste Veränderung wurde von den ExpertInnen die zunehmende Komplexität der Arbeitsinhalte genannt. Diese manifestiert sich in unterschiedlichsten Facetten: Informationen werden Mitarbeitenden über eine Vielzahl von Kanälen ununterbrochen zur Verfügung gestellt. Multi-Tasking und die Fähigkeit, sich fokussieren zu können, werden sozusagen Grundvoraussetzung. Die Geschwindigkeit im Unternehmen nimmt insgesamt zu – es kommt zu einer stetigen Beschleunigung, auf die sich Mitarbeitende agil und flexibel einstellen müssen. Zudem arbeiten wir alle zunehmend unter Unsicherheit – rapide neuartige Entwicklungen, sogenannte Disruptionen, machen viele Arbeitsbereiche unvorhersehbar, eine langfristige Planung wird immer schwieriger. Während einige Mitarbeitende sicherlich an diesen Herausforderungen wachsen werden, werden diese für andere vor allem zu Stress und erhöhten Belastungen führen.

Zu guter Letzt wird in der digitalisierten Arbeitswelt mehr als bisher in Teamstrukturen gearbeitet. Dabei gewinnen vor allem interdisziplinäre Teams an Bedeutung, die sich über verschiedene Unternehmensbereiche oder auch Unternehmensgrenzen hinweg erstrecken, um die besten Lösungen für komplexe Probleme zu erzielen. Auch dynamische Projektteams aus Spezialisten, die sich für bestimmte Projekte zusammenfinden und nach deren Bearbeitung wieder auflösen, werden wichtiger. Es scheint, dass nur derjenige mit den disruptiven Entwicklungen im digitalen Zeitalter Schritt halten kann, der vernetzt und in flexiblen Einheiten arbeitet. Für Mitarbeitende kann die Arbeit in solchen Strukturen bereichernd und abwechslungsreich sein sowie zu erhöhter Innovativität führen – sie erfordert jedoch auch eine hohe Flexibilität von Arbeitnehmenden, da gewohnte stabilisierende Strukturen wegfallen.

P.S. „Sie interessieren sich dafür, welche Chancen und Risiken die Veränderungen von Arbeit durch die Digitalisierung für Mitarbeitende in Ihrem Unternehmen haben?  Im Rahmen des Projekts „Digital Work Design – Turning Risks into Chances“ führen die AutorInnen in nächster Zeit mehrere Studien gemeinsam mit Unternehmen durch. Nähere Informationen erhalten Sie von Frau Tanja Schwarzmüller.“

Über die Autorinnen:

Dipl.-Psych. Tanja Schwarzmüller beschäftigt sich als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Strategie und Organisation der Technischen Universität München mit der Digitalisierung von Arbeit und Führung.

Dr. Prisca Brosi ist Post-Doc am Lehrstuhl für Strategie und Organisation der Technischen Universität München und forscht zu neuen Arbeits-, Führungs- und Organisations-konzepten.

Prof. Dr. Isabell M. Welpe ist Inhaberin des Lehrstuhls für Strategie und Organisation an der Technischen Universität München und Direktorin des Bayerischen Staatinstituts für Hochschulforschung und Hochschulplanung. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Strategie, Führung und Innovation sowie der Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft.

(Redaktioneller Hinweis: Das diesem Artikel zugrundeliegende Vorhaben wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 16I1644 gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autorinnen.) 

1 Kommentare

Arthur Fichtl

09.06.2016

Dazu ein interessanter Vortrag von Gunter Dueck: https://www.youtube.com/watch?v=JtQXBZVFeBU

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