Innovation

"Fehler machen muss erlaubt sein!"

Unternehmen leben von neuen Ideen und der Kreativität ihrer Mitarbeiter – wenn man ihnen Vertrauen, Freiräume und Rückschläge einräumt

 Ein Gastbeitrag von James Dyson*

*James Dyson ist ein britischer Designer, Erfinder und Unternehmer und wurde durch den nach ihm benannten beutellosen Staubsauger bekannt.

*James Dyson ist ein britischer Designer, Erfinder und Unternehmer und wurde durch den nach ihm benannten beutellosen Staubsauger bekannt.

Von Anfang an sind wir bei Dyson immer wieder Risiken eingegangen. Probleme zu lösen, die andere ignorieren, treibt uns täglich an. Wir wollen, dass Dinge funktionieren. Dabei scheuen wir uns auch nicht davor, anders zu sein, als andere und vor allem Bekanntes bewusst zu hinterfragen. Das wird nicht immer zum Erfolg führen, aber Scheitern und Misserfolge gehören zum Erfolg unbedingt dazu und hat Dyson erst zu dem gemacht, was es heute ist: ein international führendes Technologieunternehmen.

Es gibt keinen besseren Antrieb für Erfolg als Rückschlage

Ich musste dies selbst mühsam lernen. Alles begann damit, dass ich mich selbst über meinen Beutelstaubsauger geärgert habe, weil der Beutel verstopfte und das Gerät nicht mehr richtig saugte. Vom ersten beutellosen Staubsauger habe ich exakt 5126 Prototypen erstellt. Alle waren Fehlschläge. Darunter waren einige katastrophale Enttäuschungen. Bei anderen gab es nur kleinere Mängel. Erst der Prototyp 5127 hat richtig funktioniert. Doch auch danach war es noch ein langer Weg, denn nur wenige haben anfangs an meine Idee geglaubt. Es dauerte 15 Jahre, bis der erste beutellose Staubsauger marktreif war. Was ich daraus gelernt habe? Erfolg braucht Zeit, Geduld und Ausdauer. 

Im digitalen Zeitalter, das zahlreiche Erfolgsgeschichten hervorgebracht hat und in dem erfolgreiche Start-ups und Marken medial gefeiert werden, wird dies leicht übersehen. Denn häufig ist der Erfolg das Ergebnis von Jahren harter Arbeit, durchgearbeiteter Nächte, Rückschlag um Rückschlag. Scheitern ist schmerzhaft. Aber es gibt, meines Erachtens, keinen besseren Antrieb für Erfolg als Rückschläge. Auch heute braucht es häufig Jahre bis ein Produkt wirklich auf den Markt kommt. Alleine von unserer erfolgreichen Staubsaugerreihe v6 gab es 406 Prototypen, vom AM10 Luftbefeuchter sogar 643. Die Fluffy Bodendüse speziell für Hartböden wurde sogar bereits 2010 patentiert, aber erst nach über fünf Jahren intensiven Arbeitens und ständigen Verbesserungen, so dass sie unseren eigenen Ansprüchen genügt, haben wir sie letztes Jahr vorgestellt.

Staubsauger-Erfinder Dyson: 5127 Prototypen bis zur Marktreife (@Foto: Dyson Corp.)

Staubsauger-Erfinder Dyson: 5127 Prototypen bis zur Marktreife (@Foto: Dyson Corp.)

Wer ist schon fehlerfrei?

 Wenn man so tut, als ob es keine Rückschläge gibt, untergräbt man Leistung und zerstört den Anreiz, etwas zu verbessern. Das wäre fatal. Denn ohne Risikobereitschaft und Neugier gibt es keinen Fortschritt und sicherlich auch keine Geschichten von erfolgreichen Gründern. Niederlagen spornen dazu an, gegen alle Widerstände zu bestehen, und große Leistungen hervorzubringen. Die Erfindung unserer Airblade Händetrockner war eigentlich ein Versehen, könnte man sagen. Die Idee kam einem unserer Ingenieure bei einem missglückten Versuch im Zuge der Entwicklung unserer Air Multiplier Ventilatoren. Aus diesem Fehler entstand letztendlich eine eigene Kategorie! Deshalb dürfen wir den Stachel des Scheiterns nicht entschärfen.

Aber damit tun wir uns schwer. Wir leben in einer Kultur, die das Scheitern zunehmend vermeiden möchte. Immer häufiger ist von Selbstoptimierung und Leistung die Rede. Wir bekommen schon früh eingetrichtert, dass wir besser als andere sein sollen. Aber niemand ist überallgleich gut – jeder Mensch hat Stärken und die gilt es zu fördern.

Ich habe die Erfahrung, wie wichtig es ist, jemanden zu haben, der ein Talent erkennt und einen bei der eigenen Entwicklung unterstützt, selbst gemacht. Als ich jünger war, sollte ich eigentlich Immobilienmakler werden. Ein vernünftiger, solider Job, wie es allgemein hieß. Gegen diesen Rat entschied ich mich jedoch für das Royal College of Art und somit für meine heimliche Leidenschaft. In meinem letzten Jahr auf dem Royal College traf ich auf Jeremy Fry, damals Vorstandsvorsitzender bei dem renommierten Ingenieursunternehmen Rotork.  Er gab mir nicht nur meinen ersten Job, sondern unterstützte mich in meinen Ideen. Obwohl ich keinerlei Erfahrungen hatte und noch zur Universität ging, schenkte er mir sein Vertrauen und ich machte meine erste eigene Erfindung. Mein Erfindergeist war geweckt. Diese Erfahrung versuche ich nun weiter zu geben und ermutige Menschen, Dinge auszuprobieren und Leidenschaft zu entwickeln. Wenn ein Arbeitgeber die Talente seiner Mitarbeiter erkennt und sie ermuntert, diese weiter auszubauen, kann er langfristig nur davon profitieren.

 Wir beginnen hiermit sogar noch viel früher. Die Förderung junger Nachwuchstalente sollte bereits in jungen Jahren zu Schul- und Studentenzeiten beginnen. Unternehmen können hier einen Beitrag leisten, ebenso wie Lehrer und Professoren. Beim jährlichen James Dyson Award können Studenten weltweit ihre Erfindungen einreichen und erhalten durch die Siegprämie Unterstützung bei der Realisierung ihrer Projekte. Dabei geht es uns nicht darum, selbst zu profitieren, denn die Rechte bleiben bei den Studenten. Gerade der Schutz von geistigem Eigentum ist ein Thema, das wir Studenten und jungen, noch unerfahrenen Erfindern mit auf den Weg geben wollen. Das ist uns sehr wichtig, denn auch ich musste dies anfangs erst lernen.

 Begeisterung für Ideen und Produkte wecken

 Ganz elementar ist es auch, Begeisterung für die eigenen Produkte  zu wecken. Auch das machen wir nicht in irgendwelchen Workshops oder Seminaren, sondern hands-on: Bei Dyson muss jeder schon in der ersten Woche einen Staubsauger selbst zusammenbauen. Das trägt ungemein dazu bei, dass man die eigenen Produkte auch wirklich kennt. Wenn man einen Staubsauger erst einmal selbst auseinander genommen hat, und so einen Einblick in die Technik und die vielen Teile bekommt, die perfekt in einander greifen müssen, damit alles auch richtig funktioniert, dann bekommt man Respekt vor der Arbeit, die unsere Ingenieure täglich verbringen.

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