Entspannter arbeiten

So nicht! - Neinsagen lässt sich lernen

Der Chef, die Kollegen, die Familie – alle zerren an einem. Anderen Grenzen zu setzen und auch einmal etwas für sich zu tun, fällt vielen schwer. Wer daran wirklich etwas ändern will, muss bereit sein, sich zu ändern.

Stop! Grenzen zu setzen, ist auch im Job absolut richtig. (©Foto: Shutterstock)

Stop! Grenzen zu setzen, ist auch im Job absolut richtig. (©Foto: Shutterstock)

Schlafstörungen, Kopfweh und Rückenschmerzen: So fängt es häufig an, wenn man beruflich oder privat dauerhaft überlastet ist: „Der Körper sendet einem erste Warnsignale, dass die Belastung zu hoch ist, doch viele missachten das“, sagte Coach Petra Wagner auf der Bildungsmesse Didacta in Köln. Um ein Burn-out zu vermeiden, sei es wichtig, bereits bei den ersten Signalen zu handeln:

Schritt 1 – Grenzen erkennen: Der erste Schritt ist, zu analysieren: Wo sind meine Grenzen? Ist mein Alltag, so wie er jetzt ist, gut für mich zu bewältigen? Was mache ich alles, und wie geht es mir damit? Welche Signale habe ich, dass es zu viel ist? Also solche können etwa gelten, wenn jemand andauernd krank ist oder permanent gereizt reagiert.

Schritt 2 – Grenzen setzen: In einem zweiten Schritt gilt es dann, die Situation zu verändern. Mancher bemerkt zwar, dass es ihm nicht gut geht. Er kommt aber nicht ins Handeln. Ist der Haushalt zu viel? Dann braucht man vielleicht eine Putzfrau. Ist die Arbeit zu viel? Vielleicht muss man die Arbeitszeit reduzieren. Zu lernen, Grenzen zu ziehen, sei häufig ein längerer Prozess, sagte Wagner. Niemand sollte sich deshalb fertigmachen, wenn es nicht im ersten Anlauf gelingt.

Wiederholen sich bestimmte Situationen, hilft es, das Nein sagen mit einer vertrauten Person vorher zu üben. Das kann im beruflichen Kontext sein, dass der Chef immer wieder mit neuen Aufgaben kommt. Oder es ist ein Kollege, der ständig um Hilfe bittet. Im Rollenspiel mit Dritten lässt sich testen, wie überzeugend man beim Neinsagen ist.

Schritt 3 – Grenzen bewahren: Schließlich gilt es, konsequent zu sein. Das ist für viele ein schwierigier Punkt. Fragt der Kollege noch einmal nach, ob man wirklich nicht helfen will, gilt es, bei der einmal geäußerten Meinung zu bleiben. Manchmal einigt man sich auch auf einen Kompromiss. Dann sollte man sich immer einen Moment Bedenkzeit ausbitten. So kann man noch einmal nachspüren: Ist das jetzt wirklich okay für mich, oder will ich den Kompromiss eigentlich auch nicht?

14 Kommentare

Mandy zepp

01.03.2016

Guten Morgen, das was in dem Artikel steht ist gut und auch wirklich wichtig für jeden Menschen ob jung oder alt. Ich bin seit Jahren Alleinerziehende von zwei Töchtern und arbeite jeden Tag daran etwas an unserer Situation zu ändern. Jedoch, fehlt mir zum Beispiel die Chance kürzer zu treten, da es dann keine finanzielle Absicherung für mich gibt um die laufenden Kosten im Alltag zu tragen. Ich besuche sogar Seminare und habe gelernt zu meditieren und selbst da werden keine finanziellen Unterstützungen angeboten. Somit ist es für mich zum Beispiel nicht möglich kürzer zu treten obwohl mein Körper Warnsignale sendet.
Herzliche Grüße

PD Dr Bhardwaj

01.03.2016

Empfehlenswert aber im Praxis ziemlich schwierig.
Selbstbehauptung und Verlustsangst verbergen Selbstverkennung/Konflikt.
Denkweise der Mind-Body-Balance sind hier ziemlich hilfreich.

Wolfgang Seger

01.03.2016

Nein sagen ist sehr wichtig, ja! Ursächlich sind Prägungen aus der Kindheit. Doch nur diejenigen die nein zu dem sagen was sie nicht wollen, können das bekommen, was sie wollen und werden damit zufriedener. Wie das geht und wie die hinder lichen Gedanken die nach dem nein sagen auf kommen aufgelöst werden ist entscheidend, dafür möchten wir den Grund wissen. So dann können wir es plötzlich.

S. Rademacher

01.03.2016

Hallo,
danke für diese guten Beitrag!
Mir fehlt eines: was ist mit den Aufaben, die schon zu viel sind, bevor der Chef mit was Neuem kommt?
Wie sagt man dem Chef, dass die bereits bestehenden Aufgaben so angewachsen sind, dass man da mehr Unterstützug braucht und sich nicht absolut unzulänglich fühlt, wenn der Chef einen anguckt mit diesem Blick: das musst Du mir erstmal beweisen, dass Deine Aufgaben zu sehr gewachsen sind. Und ohne, dass er einem liebgewonnene im Laufe der bisherigen Zeit hinzugekommene Aufgaben wieder wegnimmt?
Ich bin dankbar für Tipps!

Ansonsten ein netter, wie in diesem Umfeld gewohnter Miniartikel, der zwei oder drei gute Tipps bereit hält.

Teilzeitkraft

01.03.2016

Ich habe meine Arbeitszeit angepasst als ich einen stellenwechsel vollzogen habe. Die freie Zeit tut gut und finanziell musste ich mich umstellen. Jetzige Berufsanfänger Müssen mit diesem Gehalt (für eine Vollzeitstelle) zurecht kommen. Ich war vorher im Außendienst in Vollzeitstelle und jetzt als Teilzeit 50%. Eins sollte einem vorher klar sein. Karriere ist nur noch theoretisch möglich und gestresste weibliche Kollegen, können einem auch ordentlich zusetzen. Aber dafür habe ich freitags frei und bin ab mittags in meinem Leben .

Gabi Pörner

01.03.2016

Den Artikel finde ich hilfreich.
Weil viele Menschen dieses Thema haben, habe ich genau darüber ein Buch geschrieben…. „Nein sagen will gelernt sein – erfolgreich Grenzen setzen.“ Hier werden Hintergründe konkret beleuchtet, hinderliche mentale Muster identifiziert, konstruktive Alternativen entwickelt und Möglichkeiten aufgezeigt, wie man sich im Gespräch freundlich und klar abgrenzen kann….. und….. wie man das eigene Selbstvertrauen vertiefen und sich sicher FÜR die EIGENEN Belange einsetzen kann. In dem Buch sind meine Erfahrungen aus vielen Jahren Training und Coaching zusammengefasst.

Simone Breitenstein

01.03.2016

Statt Neinsagen im Aussen, ist es wesentlich einfacher ein Jasagen zu sich selbst . Damit geben Sie sich neue Möglichkeiten, eröffnen eine kraftvolle Verantwortung Ihnen gegenüber, genau dort wo sie jetzt sind und es benötigen. Tun sie es und sehen sie selbst.

Karin Leson

01.03.2016

Gut, dass ich zur richtigen Zeit einen Chef hatte, der mich dazu erzog, Nein sagen zu können. Das klappt immer noch und ich kann das besser tun, was ich tun kann und will. Es setzt gesundes Selbstvertrauen aufgrund hoher Befähigungen voraus. Sowohl beim Mitarbeiter als auch beim Chef. Viel Glück damit! Es kann für die Arbeit derer, die es lernen wollen, sowie für deren Chefs nur von Vorteil sein!

SV

01.03.2016

Gute Ansätze, Karriere kann aber hierbei sehr ins stocken geraten- gibt natürlich keiner zu. Aber geht die Gesundheit nicht vor? Man lebt nur einmal- jeder entscheide mit Bedacht, das sichert eine gute Nacht.

Ralf Nicolaus

01.03.2016

Ich bin bei Ihnen, dass Nein sagen wichtig und richtig ist für jeden selbstverantwortlichen Menschen. Es schafft Klarheit und inneren Frieden.
Wenn ich mir aber das Foto des Beitrags und das Ausrufezeichen hinter dem „Nein“ so anschaue, dann würde es mich nicht wundern, wenn auf das Nein die Antwort Emotion, Wut und Ärger wäre. Das suggeriert ja Gewalt pur! Gewalt des Nein sagenden.
Ich lade ein das Nein auf gewaltfreie Kommunikationsarten, z.B. nach M. Rosenberg auszusprechen. Dann ist ein Nein einfach, es ist eine Wohltat und es verletzt niemanden. Im Gegenteil, mit hoher Wahrscheinlichkeit erntet man Respekt, Anerkennung und vor allem Verständnis für sein Nein, auch beim Chef.

Josef Lutz

01.03.2016

Aus Erfahrung als Therapeut und Seminarleiter für Persönlichkeitswachstum weis ich, wie schwer es ist „gute“ Grenzen zu setzen, wennFrau/Mann das nicht kann. Es ist einfach gesagt, in der Umsetzung jedoch sehr schwierig, weil damit der Selbstwert und das Bewusstsein für sich Selbst, zusammenhängen.
Denn wenn ich Grenzen setzte, mache ich mich nicht beliebt. Da kann ich nicht erwarten, dass mir die Anderen um den Hals fallen. Das sollte Frau/Mann ganz realistisch sehen und sich darüber im Klaren sein.
Der Zweite Punkt ist, wenn ich Grenzen setze, werde ich wahrgenommen, Hoppla-ich werde gesehen, damit muss ich auch wieder umgehen können, bzw. zu mir stehen können. Hier ist standing angesagt.
Der Dritte Punkt ist, dass ich für meine Grenzen selbst verantwortlich bin, das kann ich niemand rüber schieben, das heisst, ich muss immer wieder mit dem gleichen Thema vorstellig werden und mich einsetzten dafür. Dies gilt besonders in Partnerschaften, wenn ich einmal etwas gesagt habe und glaube der/die Andere(n) nimmt sich das auch gleich zu Herzen und hält sich daran, bin ich ganz schön auf dem Holzweg. Für meine Grenzen bin ich verantwortlich und die gilt es immer wieder anzusprechen, zu äußern, klar zu machen. Dafür brauch ich ein „zu mir Stehen“, das wird immer unangenehm sein.
Jedoch das ist der wunde Punkt; zum gekonnten Grenzensetzen brauche ich Erdung, brauche ich ein Selbstgespür, damit ich erstmal klar kriege, was und wo sind denn eigentlich meine Grenzen und was will ich eigentlich… wirklich? Wenn ich mich traue mich selbst zu spüren, kann ich mit meinem Selbstwert und Selbstbewusstsein in Kontakt kommen und das hilft mir, für mich, wichtiges von unwichtigem zu unterscheiden.
Wenn ich beliebt sein will, dann brauch ich keine Grenzen, dann tue ich für die Anderen, in der Hoffung, dass sie mich mögen.

Andreas Fox

01.03.2016

Die konsequente Umsetzung ist der „Stolperstein“.
Oft sind die Anderen so beharrlich oder auch charmant, dass es einem schwer fällt beim NEIN zu bleiben!
Jedoch …. Immer konstant und konsequent weiter üben, dann wird es besser und besser seine Entscheidung durch- und umzusetzen und das Gefühl beim NEIN-Sagen wird immer angenehmer und lässt einen den Erfolg dieses persönlichen Wandels nach und nach spüren!
Bitte jedoch:
Geduld mit DIR selbst haben!!!

Roth E.

04.03.2016

Na prima! Ich muss also nur noch „nein“ sagen, um mir meinen Alltag zu erleichtern. Klasse!
Dumm nur, dass meine Vorgesetzten jedes Nein und sei es auch noch so gut begründbar als „Arbeitsverweigerung“ bzw. Faulheit interpretieren. Ich z.B. hatte mich geweigert, Fahrdienste mit dem Firmenfahrzeug zu leisten, da ich seit dem Erwerb meines Führerscheins vor 25 Jahren nur noch Automatik gefahren bin. – Nur zur Info: in der Stellenausschreibung stand nichts von Führerschein und Fahrdienste entsprechen definitiv auch nicht dem Anforderungsprofil meines Jobs. Ich möchte die Reaktion auf diese Weigerung gar nicht beschreiben. Von Verständnis war sie jedenfalls nicht gerade geprägt.
Obwohl ich offiziell nur Teilzeit arbeite, schaffe ich tatsächlich ständig am Limit, während ich gleichzeitig versuche unrealistische Ansprüche abzublocken. Fakt ist aber leider Gottes, dass mir immer trotzdem nur immer mehr und immer mehr Arbeit aufgeladen wird. Wenn ich mich dann weigere das Arbeitspensum meiner Kollegen zu erfüllen – ich selbst arbeite offiziell nur halbtags – dann heißt es gleich ich sei arbeitsscheu.
Das Problem ist also nicht so sehr „nein“ zu sagen, das Problem ist: „Wie gehen die Kollegen / Vorgesetzten mit einer Weigerung um?“

I.Gerhold

26.04.2016

Resignieren und gewaltvolle Kommunikation sind meiner Meinung nach sehr große Stolpersteine um ein Nein auszusprechen, auszuhalten und konsequent anzuwenden.
Zu wissen wo ein jeder selber steht und wer man ist, sind sehr hilfreiche Stützen, um die Beharrlichkeit der Personen die das Nein akzeptieren sollen, zu erreichen. Viel Zeit und Geduld ist da gefragt. Nicht immer leicht durchzuhalten, lohnt sich aber.