Arbeitsplatz Deutschland

Wer darf ins Home Office?

Angestellte, die im Home Office arbeiten, sind zufriedener und oft effizienter. Doch viele Unternehmen in Deutschland lehnen Heimarbeit noch immer ab. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Von Bettina Levecke

In Sachen Home Office hinkt Deutschland im internationalen Vergleich deutlich hinterher. Das belegt eine aktuelle Studie des „Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung“ (DIW) über die die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Danach arbeiten derzeit nur zwölf Prozent aller abhängig Beschäftigten hierzulande überwiegend oder gelegentlich von zu Hause aus. Gleichzeitig sagen jedoch 40 Prozent der Arbeitnehmer, dass bei ihrer Tätigkeit ein Home-Office-Platz möglich wäre – und sie den auch gerne nutzen würden. Nur ein Drittel von ihnen würde darauf verzichten. Der Anteil der Heimarbeiter könnte deshalb nach Berechnungen des DIW auf mehr als 30 Prozent steigen. Doch viele Arbeitgeber in Deutschland erlauben ihren Mitarbeitern nicht, häufiger von zu Hause aus zu arbeiten.

Doch wem genau steht überhaupt, und unter welchen Bedingungen, ein (zeitweiser) Arbeitsplatz im Home Office zu? Hier kommen die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

In Deutschland hat der Arbeitgeber in Sachen Home-Office ein Mitspracherecht. (©Foto: Daniel Naupold /dpa)

In Deutschland hat der Arbeitgeber in Sachen Home-Office ein Mitspracherecht. (©Foto: Daniel Naupold)

Wer darf ins Home Office?

Die Niederländer haben seit Juli 2015 einen Rechtsanspruch auf die Arbeit zu Hause. Sie können einen Antrag beim Arbeitgeber stellen und der darf nur mit guter Begründung ablehnen. In Deutschland können Arbeitnehmer von solchen Vorteilen nur träumen: „Hier ist das Home Office eine freie Ermessenssache“, sagt Rechtsanwältin Nathalie Oberthür aus Köln, die in der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltsverein tätig ist.

Wer wann und wie im Home Office bleiben kann, entscheidet der Arbeitgeber ganz allein. „Ein Anrecht darauf gibt es nicht, außer diese Regelung wurde von vornherein im Arbeitsvertrag festgehalten.“ Laut DIW-Studie sind viele Arbeitgeber nach wie vor extrem misstrauisch, besonders bei Banken, Versicherungen und bei der öffentlichen Verwaltung herrsche immer noch überwiegend Präsenzpflicht.

Was brauche ich für ein Home Office?

Wenn der Arbeitgeber grünes Licht für die Arbeit im Home Office gibt, muss für ein entsprechendes Büro gesorgt werden. Ein extra Raum ist wünschenswert, aber nicht zwingend erforderlich. Der Laptop am Esszimmertisch darf es aber auch nicht sein: „Für das Home-Office gelten die gleichen Regeln des Arbeitsschutzes wie im Firmenbüro“, erklärt Oberthür.

Das heißt: Der Arbeitsplatz muss zum Beispiel einen ausreichend großen Bildschirm haben und gut beleuchtet sein. Die Höhe und Ergonomie von Tisch und Stühlen muss gesetzlichen Normen entsprechen. Im Idealfall gibt es eine schriftliche Vereinbarung. „Dabei sollte dann auch die Frage geklärt werden, wer für die Anschaffungskosten aufkommt.“

Ist das Home Office für jeden empfehlenswert?

Das Home-Office erlaubt viele Freiheiten. Die Verführung, sich ablenken zu lassen ist groß. Gerlind Pracht, Arbeits- und Organisationspsychologin aus Minden, hält die Arbeit im HomeOffice deshalb auch für eine Typsache: „Je weniger gut selbstorganisiert man ist, umso schwieriger ist es, sich zum Beispiel nicht ablenken zu lassen und nicht die falschen Prioritäten zu setzen.“

Kann ich die Kosten für mein Büro von der Steuer absetzen?

Ja, aber nicht immer vollständig. „Man muss genau differenzieren“, sagt Christian Böke, Steuerberater und Vizepräsident des Steuerberaterverbands Niedersachsen Sachsen-Anhalt. Die Ausstattung eines privaten Büros – etwa Technik, Möbel, Lampen, Regal – kann bei der Steuererklärung geltend gemacht werden. Auch die laufenden Kosten wie Miete, Strom und Betriebskosten können Mitarbeiter anteilig aufschlagen. „Wer in der Firma einen Arbeitsplatz hat, der jederzeit nutzbar ist, kann auf diese Steuervorteile nicht zurückgreifen“, erklärt Böke. Begünstigt werden nur Arbeitnehmer, die das Home Office nutzen müssen.

Bei geringer Home-Office-Tätigkeit gilt dabei ein Höchstbetrag von 1250 Euro pro Jahr. Bei Arbeitnehmern, deren HomeOffice nachweislich der Mittelpunkt ihrer Tätigkeit ist, fällt diese Obergrenze weg. Grundsätzlich akzeptiere das Finanzamt nur Bürokosten für einen separaten Raum. „Die Arbeitsecke im Wohnzimmer oder Flur wird noch nicht anerkannt.“

P.S. Würden auch Sie gerne mehr zuhause arbeiten? Was ist Ihre Meinung zur Home-Office-Debatte? Schildern Sie doch ihre Erfahrungen, unten in den Kommentaren.

18 Kommentare

Jochen

04.02.2016

Aus meiner Sicht sollten wir in Deutschland unsere Einstellung zur Arbeit generell ändern. Es ist kommt doch nicht darauf an, wo und mit welchem Zeitaufwand jemand seine Arbeit verrichtet. Es sollte doch das gewünschte Ergebnis im Fordergrund stehen. Ich arbeite seit mittlerweile über einem Jahr von zu Hause und schaffe von dort, deutlich mehr als vorher. Dazu kommt, dass ich durch die Einsparung des Fahrweges mehr Zeit für meine Familie habe, ohne jedoch weniger zu arbeiten. Mein Arbeitgeber spart letztendlich auch den Büroplatz und damit Miete ein. Alles in allem ist es eine win win Situation.

K. Roman

04.02.2016

Habe über 6 Jahre als Angestellter in der Softwareentwicklung / Beratung / Projektleitung ausschließlich per Home Office gearbeitet, anschließend 6 Jahre als selbständiger Berater:
Eine Win-Win-Win Situation!
Kunden zufriedener! Man kann flexibler und schneller auf Kundenanfragen reagieren, ist auch im Notfall mal um 07:00 Uhr erreichbar, kann sich im Gegenzug dafür auch mal eine „Auszeit zwischen 11 und 14 Uhr gönnen. Durch die eingesparte Wegstrecke (/-Zeit) schaut man als Angestellte auch nicht auf jede Minute. Kunden zufrieden, Mitarbeiter zufrieden – Arbeitgeber zufrieden. Solange die Ergebnisse stimmen!
Und hier liegt der Hund begraben:
Home Office ist eine tolle Sache für Leute die sich selbst gut organisieren können, die eine hohe Selbstdisziplin haben. Wer das nicht von sich behaupten kann, sollte die Finger davon lassen. Denn eins sollte klar sein: auch im Home Office muss gearbeitet werden! Wer meint zu besten Arbeitszeit lieber einen Stadtbummel machen zu müssen und die Arbeit immer wieder auf „später“ verschiebt, für den wird Home Office schnell zu Ende sein.
Letztendlich kann ich jedem Unternehmen nur empfehlen, den Einsatz von Home Office Arbeitsplätzen sukzessive zu versuchen. Home Office fördert die Identifikation mit dem Unternehmen / der/den Aufgabe(n), die Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit.

Bernd Vermeer

04.02.2016

Ich habe normalerweise meinen Arbeitsplatz in der 18 km von meinem Wohnort entfernten Firmenniederlassung. Da ich im Aussendienst tätig bin kommt es öfter vor, dass ich vor meinem Aufbruch zum Kunden noch etwas Zeit habe zu arbeiten. Dann spare ich mir die 18 km Fahrt von meiner Wohnung zum Arbeitsplatz und arbeite im Home Office. Dieses ist in etwa so ausgestattet wie mein Büroarbeitsplatz.
Auch kann ich z.B. bei Krankheit eines Familienmitglieds dann von Zuhause aus arbeiten und das Familienmitglied nebenbei noch unterstützen. Wenn ich im Home Office arbeite, dann kann ich mir meine Arbeitszeit frei einteilen und erspare mir zudem 1 Stunde Zeit für die ansonsten fälligen Fahrten ins Büro. Eine prima Regelung mit Vorteilen für den Arbeitgeber und mich.

Bernd

04.02.2016

Als Pendler plädierte ich schon über 10 Jahre dafür, Zeit, Nerven und letztendlich auch Geld nicht für die sinnlose Fahrerei zu investieren, stattdessen effektiv zu arbeiten. Seit 1/2 Jahr bin ich nun endlich Home-Officler und total happy. Kein Stau, kein Stress, länger schlafen UND dennoch fange ich früher mit der Arbeit an. Ich habe Ruhe, es gibt keine Störungen, wenn die Kollegen „nur mal kurz“ eine Frage haben. Das kommt meiner Arbeit sehr zugute. Klar, spontane Kollegenschwätzchen fallen jetzt weg, aber das die mir sooo fehlen, kann ich nicht behaupten und die gern angeführte „Vereinsamung“ am Arbeitsplatz kann ich auch nicht nachvollziehen. Zu Beginn jeder Woche gibt es eine TelKo mit allen Kollegen, wo die typischen Kaffee-Schwätzchen-Themen und natürlich auch allgemein Dienstliches besprochen werden und das reicht in der Regel. Arbeitsthemen werden dann fachlich per Telefon und Bildschirmteilung (Lync) bearbeitet. Ich bin zufriedener, konzentrierter, effektiver. Klares PRO Home Office :-)

Patric Walther

04.02.2016

Die Meisten wissen allerdings nicht, dass Home Office Arbeitsplätze nicht den allgemeinen Kündigungsgesetzen unterliegen. Für Firmen ist es ganz einfach, solchen Mitarbeitern zu kündigen.

Tibor Sütsch

04.02.2016

Es ist doch bereits durch mehrere Umfragen bestättigt worden, wie wenig Arbeitnehmer mit ihrem Arbeitgeber zufrieden sind. Dabei möchten viele Arbeitgeber aus dem Arbeitnehmer immer mehr herausquetschen. Dann bitte! Sollen die Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer den Wunsch auf Home Office erfüllen und und sie erhalten „MEHR“. Es gibt kein NEHMEN ohne GEBEN!

Cornelia Thorjussen

04.02.2016

Ich bin seit mehreren Jahren als Freiberuflerin/Selbaständige im Home Office tätig, da ich mich für die Zusammenarbeit mit Unternehmen
entschieden habe, die keinen Standort in meiner
Heimatstadt haben. Bedenklich ist nur, dass das
Finanzamt nicht anerkennen will, wenn das Home-
Office der ausschließliche Arbeitsplatz ist, jedoch
kein seperater Arbeitsraum zur Verfügung steht.
Schließlich ist die einzige Alternative die Anmietung
eines Büros, um dann diese Zusatzkosten, die weit
aus höher wären als 1250,00 als Werbungskosten geltend zu machen.
Für Angestellte wäre ein Rechtsanspruch auf ein
ausschliessliches Home-Office denkbar, da es
logistisch gesehen auch Arbeitsplätze im Unter-
nehmen schaffen kann. Die „Ablenkung“ kann
innerhalb der Firma genauso stattfinden wie im
Home Office, nur ist das Home Office für ein Unter-
nehmen nicht kontrollierbar und fördert das Zusammenspiel zwischen Arbeits- und Familienleben! Ist ein bestimmtes
Arbeitspensum zu schaffen, so sollte es dem Unternehmen egal sein, welches Zeitfenster hierfür
im Home Office genutzt wird und ob die Arbeit zu
anderen Uhrzeiten und anders verteilt, stattfindet.
Was letztendlich zählt ist das Ergebnis! So wie
das Recht auf Teilzeitarbeit schon in den 80er
Jahren eingeführt wurde, wäre ein generelles
Recht auf Arbeit im Home Office, was bereits mehr
als 20% aller berufstätigen Bundesbürger nutzten,
begrüssenswert!

Eni

04.02.2016

Ich war schon immer gegen home office. Ich fand dass man deutlich produktiver arbeitet wenn man im Büro sitzt und kurzfristig z.B. Besprechung einberufen kann. Bis neulich, wo ich gezwungen war von zu Hause aus zu arbeiten. Ich war positiv überrascht wie effektiv, konzentriert und schnell ich meine to do Liste abgearbeitet habe. Keine Ablenkungen, keine Lärmbelästigung, ja klar, auch keine privaten Gespräche in der Küche. Ich habe an dem Tag 2 Stunden eingespart. Ich könnte mir gut vorstellen in Zukunft 2-3 mal die Woche home office zu machen.

Corriba

04.02.2016

Ich habe 9 Monate einen Telearbeitsplatz erhalten und habe keine Klagen seitens des AG gehört. Jetzt habe ich einen Vorgesetztenwechsel, der genutzt wird die Vereinbarung nicht zu verlängern. Ich bin einem Schwerbehinderten gleichgestellt und habe sogar ein Attest vom Arzt der die Notwendigkeit bestätigt. Durch die psychische Belastung habe ich seit November 2015 einen erneuten ‚Krankheitsschub‘, was den AG aber nicht interessiert. Auf Facebook und im Internet wirbt der AG jedoch wie sozial engagiert er ist und dass Telearbeitsplätze grundsätzlich möglich sind!
Traurig wie motivierten Mitarbeitern umgegangen wir, Zitat des AG „Der AG hat das Recht ihre Anwesenheit im Büro zu verlangen! Wenn sie zu Hause sind stehen ihre Interessen im Vordergrund und nicht die des Unternehmens!“

Mario

04.02.2016

Dem Home-Office-Mitarbeiter geht vieles verloren. Er wird unter Umständen ausgegrenzt vom Team und bekommt vieles vom Tagesgeschehen nicht mit. Es verkompliziert die Organisation von kurzfristigen Besprechungen, die zur kurzfristigen Problemlösung von Nöten sind. Die Mitarbeiter, die keine Home-Office-Option haben, fragen sich irgendwann, was macht der oder die eigentlich zu Hause. Noch fragwürdiger wird es, wenn Home-Office-Arbeitszeiten auf den Abend gelegt werden, um die Kinderbetreuung abzudecken. Was hat da Priorität, Kinder oder Arbeit ? Home-Office sollte nur im begrenzten Maße in Anspruch genommen werden. Es sollte Kernzeiten im Büro für alle Mitarbeiter des Teams geben, zu denen kein Home-Office möglich ist. Vorgesetzte sollten Einblick in die Arbeiten haben, die von zu Hause aus erledigt werden. Diese müssen abrechenbar sein.

Lars

04.02.2016

ich finde es kommt immer auf die Aufgabe drauf an. Für Vertrieb und Marketing halte ich Home Office für die falsche Lösung. Selber jahrelang im Home Office tätig merke ich wie schnell man sich isoliert und den emotionalen Kontakt zur Firma verliert. Informationalfluss, Erfahrungsaustausch, Flurfunk all das geht verloren und somit auch ein Teil der Teamkultur, welche wichtig für den Erfolg ist. In der Zeit von Mobilität sollte es jedem möglich sein seinen Arbeitsplatz situativ zu wählen, wenn der zentrale Ort von Informationsaustausch nach wie vor die Firma bleibt.

Norbert

04.02.2016

ich arbeite seit 01.07.99 für 2-3 Tage pro Woche im Home Office. Somit glaube ich wir waren zur damaligen Zeit ein „deutscher Vordenker“ zum Thema Home Office.Alle hier genannten Vorteile muss ich nicht noch einmal wiederholen.
Die richtige Einstellung, gepaart mit der heute verfügbaren Technik (UCC), macht das Home Office zum perfekten Arbeitsplatz.
Doch Vorsicht, das „private Wort an der Kaffeemaschine“ sollte dabei nicht aussterben.
Ach ja, das Ganze lässt sich noch perfektionieren mit dem richtigen Headset!
Dann dürfen auch gerne die Kids mal im Hintergrund toben :-)

Bernd Vermeer

04.02.2016

Nachdem ich alle Kommentare gelesen habe, übrigens nach Dienstschluss, möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass ich Home Office nach Bedarf mache. Ständig im Home Office arbeiten möchte ich auch nicht. Der mit meinem AG als Regelarbeitsplatz vereinbarte Arbeitsplatz ist der in der Firmenniederlassung.

Josef Kittl

05.02.2016

Ich arbeite seit 1992 vom Homeoffice aus.
Einschließlich 1999 im Vertrieb, ab 2000 im IT-Consulting. Wobei ich ca. 40% meiner Arbeitszeit auch beim Kunden verbringe, womit der sozialen Verkümmerung entgegen gewirkt werden kann. Wenn ich meine Kolleginnen und Kollegen sehen will, kann ich auch sporadisch ins Büro fahren, was ich aber aufgrund der sehr langen Fahrtzeiten von jeweils 2 Stunden pro Fahrstrecke in der Regel vermeide.
Mein Fazit bezüglich der Arbeit im Homeoffice ist positiv, so lange es in meiner Entscheidungsbefugnis liegt, ob ich im Homeoffice, im Büro, oder beim Kunden arbeite.
Übrigens ist mein Regelarbeitsplatz das Homeoffice, und die Aussage, dass das Kündigungsschutzgesetz im Homeoffice nicht gilt, ist aufgrund eigener Erfahrung, schlichtweg falsch!

A.Klein

06.02.2016

Als Wochenendpendler bin ich sehr froh, wenn ich freitags Bürotag im Homeoffice wahrnehmen kann. Die Effizienz und Effektivität sind erheblich besser als im Büro, Telefontermine plane ich überwiegend auf Freitag ein. Zwei Probleme sind für mich nicht gelöst:
1. man befindet sich in einer rechtlichen Grauzone, solange der Arbeitgeber kein klares verbindliches Commitment dazu abgibt (lediglich inoffizielle Zustimmung durch direkten Vorgesetzten aufgrund der Pendler-Situation). Das offenbart Führungsinkompetenz, da einige Führungskräfte offenbar keine Vertrauenskultur leben, sondern eine auf Kontrolle und Überwachung bauende Führung brauchen.
2. die immer wieder von Kollegen gerne unterstellte Vermischung von Privat und Arbeit führt in meinem Fall zu einer klaren Belastung des Privatlebens, weil ich meinen Heim-Arbeitsplatz fast nie vor 20 Uhr verlasse – zum Leid meiner Familie. Man ist einfach „im Fluss“ und sehr effektiv und findet kein Ende.

Wenn ich freitags nachmittags auf der Autobahn verbringen würde, wüsste ich nicht wie ich diese wertvolle Arbeitszeit, die mittlerweile fest in meiner Wochenplanung enthalten ist, wieder reinholen sollte.

Ich lebe diese Leben als Wochenendpendler leider seit sieben Jahren und weiß sehr gut welchen Wert Heimarbeit an einem Tag in der Woche für die Firma und für den Mitarbeiter haben kann. Es ist eine Win-Win-Situation.
Dazu gehört aber eben auch echtes Vertrauen. Das kann man nicht mit einer schriftlichen Erklärung alleine herstellen. Dieses muss der Arbeitgeber entwickeln können – das muss man ihm auch zugestehen.

Julia

11.02.2016

Bei uns dürfen nur beim Chef beliebte Mitarbeiter Home-Office machen. Ich hätte das auch gerne hin und wieder weil ich viel Zeit auf der Straße verschwende. Verpassen würde ich nichts, da Gespräche auf dem Flur oder der Kaffee Küche nicht gern gesehen sind. Wie man beliebt beim Chef wird hab ich noch nicht raus gefunden. Nur bin ich eine Frau und alle Home-Office Mitarbeiter Männer. Manch einer davon wohnt keine 3 km weg vom Büro. Ungerechtigkeit ist bei uns an der Tagesordnung.

Billie

25.08.2016

In der IT-Branche ist es inzwischen fast egal, wo ein Mitarbeiter physisch sitzt. Die technischen Möglichkeiten der Vernetzung sind so vielfältig, dass es teilweise wesentlich effizienter ist, wenn niemand herumfahren oder durchs Gebäude latschen muss.
Ich arbeite seit etwa 15 Jahren sporadisch im Homeoffice (IT-Beratung, Consulting, Engineering). Ich hatte schon Einsätze, die ohne Homeoffice gar nicht möglich gewesen wären – z.B. wenn die erste Konferenz morgens um 7 Uhr stattfindet und die letzte abends um 18 Uhr.
Allerdings wurde das Thema im Betrieb immer totgeschwiegen, nach dem Motto: Bloss keine schlafenden Hunde wecken, sonst verbietet man das womöglich. Diese Bigotterie konnte ich nie nachvollziehen. Ich konnte mir einfach nicht erklären, warum irgendein Funktionsträger bewusst kontraproduktiv handeln und ein segensreiches Instrument abschaffen sollte- bis jetzt.
Seit der Arbeitgeber kürzlich (mal wieder) von einer Heuschrecke an eine andere verkauft wurde, habe ich einen Vorgesetzten, der jede Homeoffice-Tätigkeit strikt und stur ablehnt und rüde verbieten will. Als Grund wurden versicherungsrechtliche Probleme genannt, die aber gar nicht existieren, denn die Unfallhaftungsregeln fürs Arbeiten zu Hause sind gesetzlich vorgegeben.
Jetzt erst – nach einer Rundmail einer Versicherung – fiel der Groschen: Der Arbeitgeber hatte offenbar überhaupt keine Berufsunfallversicherung abgeschlossen oder vielleicht nur eine Light-Version, die das Arbeiten ausserhalb der Geschäftsräume nicht absichert.
Sicher hatte er auch nicht die Berufsgenossenschaftsbeiträge richtig bezahlt. Das heisst, wenn jemand im Homeoffice einen Arbeitsunfall hätte, müsste der Arbeitgeber selbst zahlen. Deshalb vermeidet er solche strittigen Situationen wie der Teufel das Weihwasser. In Zeiten von blinder Sparwut sicher kein Einzelfall. (Was wäre wohl passiert, wenn wir auf einer der vielen Geschäftsreisen verunglückt wären???) Was für eine Heuschrecke zählt, sind weder Produktivität noch die Gesundheit oder gar Befindlichkeit der Mitarbeiter, sondern nur Kosteneinsparungen. Und je mehr Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, desto besser für den Aktienkurs. – Inzwischen scheint es aber eine Unfallversicherung für die Beschäftigten zu geben.
Ich schreibe dies in epischer Länge, weil es sich gewiss lohnt, bei einem künftigen Arbeitgeber nach solchen Dingen zu fragen.

suschen

06.03.2018

… in den Stellenausschreibungen bei uns wird grossartig mit Homeoffice geworben….
In der Praxis ist es eher ungerne gesehen und bedarf einer mehrtägig vorher eingeholter, schriftlichen Genehmigung der Leitung obwohl so vereinbart und auch alles daheim zur Verfügung steht.
Der Kontrollzwang der Leitung ist größer, als das stets gute Ergebniss der Arbeit im Büro als auch im HO gesehen werden. Ich nenne es Willkür!
Es ist ein reiner Anwerbegag und kommt nur denen zu Gute die der Leitung genehm sind!!!
Den verantwortungsvollen Umgang mit HO traut man nur sich selber zu!!!