Entspannter arbeiten

Unfaire Arbeitsverteilung - wie sag' ich es dem Chef?

Während der Kollege Kaffee trinkt, stapelt sich bei einem selbst die Arbeit. Was Sie tun können, wenn der Chef Aufgaben unfair verteilt.

Landet bei Ihnen auch permanent zu viel Arbeit auf dem Tisch? (©Foto: Jens Schierenbeck / dpa)

Landet bei Ihnen auch permanent zu viel Arbeit auf dem Tisch? (©Foto: Jens Schierenbeck / dpa)

Wenn die Arbeitsbelastung sehr hoch ist, bedeutet das Stress für viele Mitarbeiter. Verstärkt wird dieses Gefühl, wenn sie den Eindruck haben, manche Kollegen hätten viel weniger zu tun. Ärger macht sich dann schnell breit.

Verteilt der Chef die Arbeit ungleichmäßig, sollten Mitarbeiter das ansprechen. Allerdings formulieren sie dann am besten „Ich-Botschaften“, rät Carolin Lüdemann, Karrierecoach aus Flein bei Heilbronn. Das bedeutet, sie schildern ihren eigenen Eindruck – ohne dem Chef Vorwürfe zu machen. So können sie zum Beispiel sagen: „Ich habe das Gefühl, ich habe mehr zu tun als andere.“

Ein Fehler sei es, den Chef direkt anzugreifen und zu sagen: „Sie geben mir mehr Arbeit als den anderen.“ Dann gerät der Vorgesetzte unter einen Rechtfertigungsdruck und versucht, das Problem zurückzuweisen. „So kommen Mitarbeiter nicht ans Ziel“, warnt Lüdemann. Stattdessen sollten sie lösungsorientiert handeln und fragen: „Wie können wir Dinge anders verteilen?“ Das regt den Chef zum Nachdenken an. Schließlich kann man sich gemeinsam hinsetzen und überlegen, was sich besser machen lässt.

Mancher hat vielleicht die Sorge, die Kollegen damit in die Pfanne zu hauen. „Es ist legitim zu sagen: `Ich muss überdurchschnittlich viel leisten.´“, sagt Lüdemann. Das hat ja erstmal nichts mit den Kollegen, sondern mit einem selbst zu tun. Möglicherweise können Mitarbeiter das Problem aber vorher schon mal in einem Team-Meeting ansprechen, Kollegen dafür sensibilisieren und vielleicht gemeinsam auf Ursachenforschung gehen.

6 Kommentare

Oliver Frenkel

19.01.2016

Hallo zusammen, ein wirklich super wichtiges und interessantes Thema. Ich nenne es „no monkey business please“! Nein sagen, aber gekonnt und Zeitmanagement geht wirklich jeden an…

Alexander Pilar von Pilchau

21.01.2016

Eigentlich doch eine einfache Sache. Aufgaben beinhalten einen gewissen, abschätzbaren Aufwand. Den muss ich nur aufaddieren und schon kann nichts aus dem Ruder laufen – theoretisch.
Die Realität sieht natürlich ganz anders auf, da grundlegende Regeln nicht befolgt werden und Aufgaben eben mal „rübergeschmissen“ werden. Im schlimmsten Fall arbeitet man an einer Aufgabe, die zwischenzeitlich bereits hinfällig geworden ist, aber keiner hat es einem gesagt.
Wir experimentieren mit einem Tool, welches u.a. für das Management von Aufgaben eingesetzt wird. Über eine Analysefunktion ist gesichert, dass die Auslastung der Mitarbeiter nicht ungerecht verteilt wird. Bei großen Firmen hat man da leider schnell den Betriebsrat auf der Matte.
Kommt es dann doch einmal zu der Situation, dass ein Kollege das Gefühl hat, übermäßig beansprucht zu sein, so fällt es leichter, darüber zu sprechen. Es werden keine Vorwürfe ausgesprochen, sondern es wird gemeinsam analysiert, wie es zu der Situation trotz Tool kommen konnte und was getan werden muss, um die Situation zu verbessern. In der Regel diskutieren wir also darüber, wie die tatsächlichen Aufwände z.B. von Routineaufgaben sind.
Fazit: das Problem wird von der emotionalen auf die sachliche Ebene gehoben. Wie im Fall der ICH-Botschaft wird auch hier niemand persönlich angegriffen.
PS.: der Mitarbeiter kann eine ihm zugeteilte Aufgabe auch ablehnen. Dann beginnt die Diskussion ganz von alleine.

Antonino

21.01.2016

Hierzu ein Lesetipp: „Der Minutenmanager und der Klammeraffe“ von Blanchard, Oncken, Burrows.

Übernehmen Sie kein Problem, das nicht ganz klar ihr Problem ist.
Sehr zu empfehlen. Seitdem sehe ich nur Klammeraffen, die versuchen auf meinen Schultern zu landen und von mir versorgt werden möchten. Jedoch wenn diese nicht zu mir gehören schicke ich sie gerne an den Absender zurück. :-)

Karina Maria

21.01.2016

Gutes Thema.
Bei den meisten Vorgesetzten kann man damit auch punkten, aber nicht bei allen. Schwierig wird es, wenn der Vorgesetzte behauptet, dass die anderen im Team sehr viel zu tun haben und du dann mitbekommst, wie oft sie beim Kaffee sind oder sonstwas anderes machen.

Franz Kass

21.01.2016

Kann auch Absicht sein. Wenn Du einen Mitarbeiter los werden willst, gib ihm doppelt so viel zu tun, wie er erledigen kann (gern auch sinnlose Arbeit). Verbiete ihm, Arbeiten zu delegieren. Höre nicht hin, wenn er Dir sagt, dass es zu viel wird. Dann kannst Du ihm nachher vorhalten, was er alles nicht geschafft hat, und ihn richtig zur Sau machen. Und dabei hoffen, dass er freiwillig geht…

Alex

01.02.2017

Als ich letztmalig den Chef darauf hingewiesen habe, die Arbeitsaufteilung wäre völlig ungerecht (das war diese davor auch schon, was selbst der Kollege eingesehen und eingestanden hat), hatte er nur eine Antwort dazu „Du bist aber fies“. Das heißt, es ist ihm völlig egal, wer wie viel erledigt – die Überstunden werden ja eher nicht bezahlt. Und dann sich wundern, man findet die Firma ja „gar nicht so toll“…